E-Book, Deutsch, Band 1984, 144 Seiten
Reihe: Julia
Grey Emily und der Playboy-Prinz
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-86349-158-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1984, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-86349-158-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als die junge Ballettänzerin Emily erfährt, in welches Lügengespinst die Balfours verstrickt sind, wendet sie sich von der Familie ab! Doch ihr neues Leben ohne das Geld ihres Vaters ist hart ... bis sie Prinz Luis Cordoba wiedertrifft. Schon einmal wollte der berühmt-berüchtigte Playboy-Prinz sie mit allem verwöhnen, was er als Mann zu geben hatte. Damals war Emilys Antwort Nein. Doch jetzt bittet Luis sie, Nanny für seine tanzbegeisterte kleine Nichte zu werden. Ein verlockendes Angebot - auch wenn Emily ahnt: Es ist riskant, ihr Schicksal in die Hände des Prinzen zu legen ...
India Grey liebte schon als kleines Mädchen romantische Liebesgeschichten. Mit 13 Jahren schrieb sie deshalb das erste Mal an den englischen Verlag Mills & Boon, um die Writer's Guidelines anzufordern. Wie einen Schatz hütete sie diese in den nächsten zehn Jahren, begann zu studieren ... und nahm sich jedes Jahr aufs Neue vor, eine Romance zu schreiben. Doch zuerst einmal trat ihr eigener Held in ihr Leben, sie beendete die Universität, und bekam kurz hintereinander drei Töchter. Und wieder gab es Ausreden, den langen Vorsatz nicht umzusetzen. Doch irgendwann war es soweit. India schickte ihre erste Romance an Mills & Boon - und war erfolgreich. Aber nicht nur ihre Leserinnen lieben sie: Ihre Romance "Süße Sehnsuchtsmelodie" (JULIA 1885) wurde 2009 von der Romantic Novelists' Association zu dem Liebesroman des Jahres gekürt.
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2. KAPITEL
„Emily? Bist du da drin?“
Kikis Stimme hallte in der kahlen schmuddeligen Damentoilette wider. Mit dem Rücken von innen gegen die mittlere Tür gelehnt, presste Emily die Zähne fest aufeinander, um sie am Klappern zu hindern. Als sie sprach, bemühte sie sich, so normal wie möglich zu klingen.
„Ja, ich bin hier. Nur noch einen kleinen Moment, bitte.“
„Den hast du nicht, Honey, oder erst nach der königlichen Audienz! Den Prinzen verlangt es nach Backstage-Kontakt, und er hat speziell nach dir gefragt. Also besser, du beeilst dich!“
Als Emily die Tür öffnete, starrte sie Kiki aus großen angsterfüllten Augen an. „Ich kann nicht!“, flüsterte sie. „Ich meine … ich bin wohl kaum passend angezogen, um einer Königlichen Hoheit zu begegnen. Außerdem arbeite ich erst seit Kurzem hier und …“
„Hey!“ In Kikis Blick stand aufrichtige Besorgnis. „Vergiss deine Klamotten. Was ist mit dir los? Du siehst einfach grauenvoll aus.“
Ein schneller Blick in den halbblinden Spiegel über dem Waschbecken zeigte Emily, dass sie recht hatte. „Danke, mir geht es gut“, behauptete sie wenig glaubhaft. „Es … es liegt wohl an der improvisierten Tanzeinlage … auf einer Bühne, mit Musik und vor Publikum.“
„Wie auch immer!“ Kiki stieß einen ekstatischen Seufzer aus. „Der Prinz ist jedenfalls außerordentlich beeindruckt von dir. Er will dich unbedingt kennenlernen, dich und deine Tanztruppe. Ich habe sie alle noch einmal in einer Reihe auf der Bühne antreten lassen, aber die Kiddys sind schrecklich aufgeregt. Also, lass sie nicht so lange warten.“
„Okay, ich komme.“ Emily drehte den Wasserhahn auf, kühlte zuerst ihre Handgelenke, dann sprengte sie sich ein paar Tropfen kaltes Wasser ins Gesicht und kniff sich leicht in die Wangen, um ihnen mehr Farbe zu verleihen. „Wie heißt denn dieser Prinz?“, fragte sie über die Schulter nach hinten, erhielt aber keine Antwort, da Kiki längst gegangen war.
Erneut wandte sich Emily ihrem Spiegelbild zu, doch statt ihrer jetzt blühenden Gesichtsfarbe sah sie nur eine trostlose Zukunft ohne Ballett vor sich. Kaum zu glauben, dass sie noch vor knapp einem Jahr das Dornröschen in der Abschlussklasse der Royal Ballet School getanzt hatte. Dort hätte es auch niemanden irritiert, wenn eine Königliche Hoheit danach verlangt hätte, sie nach der Aufführung in ihrer Garderobe zu treffen.
Doch heute war sie keine Solistin in Covent Garden, sondern eine unbezahlte Tanzlehrerin in einem Gemeindezentrum für Jugendliche, das ums blanke Überleben kämpfte. Emily seufzte leise, wandte ihrem Spiegelbild den Rücken zu und zupfte ihr T-Shirt zurecht.
In einem Jahr konnte eine Menge passieren und sich alles ändern.
Während sie ihre Gedanken entschieden zurück in die Gegenwart lenkte, beeilte sie sich, zu ihren Kindern zu kommen.
Hinter der Bühne streifte sie die Schuhe ab und verdrehte die Augen, als sie spürte, wie die rauen Dielenbretter ihre Strümpfe ruinierten. Na, prima! Genau das hatte ihr noch gefehlt! Da sie momentan sogar mit der Miete im Rückstand war, konnte sie sich eine neue Strumpfhose genauso wenig leisten wie ein Abendkleid!
Leichtfüßig eilte sie die Stufen hinauf und sah durch die halbgeöffneten Vorhänge ihre kleinen Schülerinnen, die sehr gerade und steif in einer Reihe standen. Tiefe männliche Stimmen verrieten ihr, dass auch der königliche Besuch bereits anwesend war. Mit gesenktem Blick schlüpfte Emily durch den Vorhangspalt, stellte sich unauffällig neben ihre Tanztruppe und schaute die Reihe entlang in die Richtung, in die alle kleinen Köpfe zeigten.
Ihr Herzschlag stockte, als sie die breiten Schultern sah und die rötlichen Reflexe im ungebändigten dunklen Haar, während er sich herunterbeugte, um mit einer der kleinen Ballettratten zu reden. Emilys Magen krampfte sich zusammen. Er war es tatsächlich! Die Königliche Hoheit, von der Kiki gesprochen hatte, war niemand anders als Luis Cordoba, Kronprinz von Santosa. Und in diesem Moment steuerte er mit schnellen, entschlossenen Schritten direkt auf sie zu.
Die Kinder fielen eines nach dem anderen in einen Hofknicks, doch er beachtete sie kaum. Emily hatte das Gefühl, einem heranbrausenden Schnellzug mitten auf den Schienen im Weg zu stehen.
Er wird mich nicht erkennen! redete sie sich fieberhaft ein. Wie sollte er auch? Sie hatten sich nur einmal gesehen, und dann auch nur wenige Minuten, in einer Situation, die sich von dieser um Lichtjahre unterschied. Er war sicher schon Tausenden von Frauen begegnet und hatte sie geküsst.
Irgendjemand sagte etwas. Emily blinzelte und riss sich zusammen. Es war der Vertreter der Jugendbehörde, den sie bereits kannte, weil er das Zentrum mehrfach besucht und in Augenschein genommen hatte, um Gründe für die Schließung zu sammeln.
„Das ist eine unserer freiwilligen Praktikantinnen, die sich darum bemühen, den jungen Leuten andere Perspektiven für ihr Leben aufzuzeigen. Miss Jones ist Absolventin der Royal Ballet School …“
Wie eine Marionette neigte Emily den Kopf und sank in einen tiefen Hofknicks. Das verlangte nicht nur die Etikette, sondern es erlaubte ihr auch, das Gesicht vor dem Mann zu verbergen, der sie in einer dunklen Ecke des Gartens von Balfour Manor mit einer Leidenschaft und Arroganz geküsst hatte, die sie damals schockiert, erregt und zu Tode geängstigt hatte.
Ruf mich an, wenn du erwachsen bist.
Emily stählte sich innerlich, hob den Blick … und kollidierte mit dem Schnellzug. Zumindest hatte sie das Gefühl, als sie in Luis’ goldgesprenkelte Augen schaute, in denen zynisches Amüsement funkelte.
„Wie interessant, Miss … Jones, wenn ich richtig verstanden habe?“ Fragend hob er die Brauen.
Verflixt, dieser sexy Akzent! Kein Spanisch, da hatte Kiki sich verhört. Es war Portugiesisch und lenkte sie sogar kurzfristig von dem zweifelnden Unterton in der dunklen, samtenen Stimme ab. Dass sie sich gezwungen sah, ihren echten Namen zu verleugnen, war tatsächlich ein wunder Punkt für Emily. Aber was blieb ihr anderes übrig, wenn sie ihre Anonymität wahren wollte?
Und jetzt tauchte ausgerechnet dieser Mann hier auf, drohte, sie zu enttarnen und damit ihr mühsam aufgebautes neues Leben zu zerstören. Einfach so, aus Spaß!
„J…ja“, stammelte sie errötend und flehte ihn mit den Augen an, ihr Geheimnis nicht preiszugeben, falls er es denn erraten haben sollte.
„Königliche Ballettschule, ja?“, hakte er prompt nach. „Und was veranlasst Sie, diesen Kindern kostenlosen Tanzunterricht zu geben, anstatt ihrer eigenen Karriere zu folgen? Zumindest ist es ungeheuer altruistisch“, fuhr er fort, ohne ihr Gelegenheit zu einer Antwort zu geben. „Ihre Familie muss sehr stolz auf Sie sein.“
Also hat er mich doch erkannt! dachte sie resigniert. Und natürlich wusste er genau, wo er das Messer ansetzen musste, um ihr einen Stich zu versetzen, ohne dass es jemand mitbekam … außer ihr selbst. Emily fühlte die Augen aller Anwesenden auf sich ruhen, doch das war nichts gegen den kühlen, herausfordernden Blick in Luis Cordobas topasfarbenen Augen.
„Das wünschte ich mir sehr“, sagte sie etwas atemlos und bereute es bereits in der nächsten Sekunde. Die Worte „wenn sie es wüssten“ schienen unsichtbar zwischen ihnen im Raum zu schweben. Mit klopfendem Herzen wartete Emily darauf, dass er sie aussprach.
Doch so leicht machte Luis es ihr nicht. Er nickte langsam, und sekundenlang duellierten sie sich stumm mit Blicken. Dann wanderten seine Augen zu dem Logo auf Emilys schwarzem T-Shirt. „Schön zu wissen, dass Sie das Tanzen wenigstens nicht ganz aufgegeben haben“, murmelte er anzüglich. „Fahren Sie nur fort mit Ihren guten Werken, Miss …?“
„Jones“, würgte Emily erstickt hervor.
Zum Glück drängten der Leiter des Jugendzentrums und die Behördenvertreter Luis, sich draußen auch noch den Allwetter-Basketballplatz anzusehen.
Sobald die Männer gegangen waren, fiel Emily in sich zusammen wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hatte.
Verflixt! Er hatte alles falsch verstanden! Das verdammte T-Shirt!
Am liebsten wäre sie ihm hinterhergerannt, um ihm zu sagen, dass sie nicht im Pink Flamingo tanzte, sondern an der Bar arbeitete.
Doch er war gegangen und hatte nichts hinterlassen außer einem schwachen maskulinen Duft. Der Wolf war in den Wald zurückgekehrt, und Emily durfte sich wieder sicher fühlen.
Warum war sie dann kein bisschen erleichtert?
„Halt den Wagen an!“, forderte Luis Cordoba bereits nach wenigen Metern.
Tomás schaute sich erstaunt um. „Sir?“
Luis trommelte mit den Fingern ungeduldig auf der Walnussverkleidung der Wagentür und starrte geradeaus an seinem Assistenten vorbei. „Wir werden hier eine Weile warten, dann fahren wir zurück.“
„Zurück, Sir?“, fragte Tomás alarmiert. „Warum? Ich dachte, Sie könnten nicht schnell genug von dort wegkommen?“
„Ich weiß, und so ist es auch immer noch. Aber ich werde nicht ohne Miss Jones fahren!“, erklärte er grimmig.
Jetzt zeigten sich Panik...




