Greger | How not to die in a pandemic | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 624 Seiten

Greger How not to die in a pandemic

Wie man eine Pandemie überlebt
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7453-1309-3
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie man eine Pandemie überlebt

E-Book, Deutsch, 624 Seiten

ISBN: 978-3-7453-1309-3
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Von Tuberkulose über die Vogelgrippe bis zu HIV und COVID-19: Immer wieder lösen neuartige Erreger Pandemien aus und führen zu Millionen von Toten. Wie entstehen diese hochinfektiösen Krankheiten? Was können wir tun, um ihren Ausbruch zu verhindern? Seit Jahrzehnten erforscht der Allgemeinarzt und Gesundheitsexperte Dr. Michael Greger gefährliche bis tödliche Viren und deren Ursprung. Fundiert und anschaulich beschreibt er ihre Entwicklung und zeigt auf, welche Rolle der Mensch bei der globalen Ausbreitung spielt. Während weltweit gegen die verheerenden Auswirkungen von COVID-19 angekämpft wird, liefert er einen Leitfaden, wie wir uns vor der aktuellen Bedrohung schützen können, und erklärt, wie die Entstehung von Pandemieviren im Keim erstickt werden kann, um zukünftige Katastrophen zu verhindern.

Dr. Michael Greger ist Allgemeinarzt, Bestsellerautor und ein international anerkannter Experte auf den Gebieten Ernährungswissenschaft, Lebensmittelsicherheit und öffentliche Gesundheitsfürsorge. Auf seiner Website NutritionFacts.org veröffentlicht er täglich kostenfrei Videos zu den neuesten Gesundheitsthemen aller Art. Sein Buch How Not to Die ist ein internationaler Bestseller.
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PROLOG


Am 30. Dezember 2019 richtete Dr. Li Wenliang, Augenarzt am Wuhan Central Hospital in der chinesischen Provinz Hubei, eine Botschaft an seine Ärztekollegen und informierte sie über eine besorgniserregende Häufung von Lungenentzündungen. Daraufhin wurde er vor die Behörde für öffentliche Sicherheit geladen und wegen »Verbreitung von Gerüchten« und »falschen Aussagen, die die öffentliche Ordnung stören« gerügt. 39 Tage später, nachdem er sich mit eben dem Virus infiziert hatte, vor dem er seine Kollegen zu warnen versucht hatte, verstarb er im Alter von 33 Jahren.1 Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Krankheit bereits in Dutzenden von Ländern ausgebreitet.2

Seine erste Nachricht lautete: »Sieben SARS-Fälle auf dem Meeresfrüchtemarkt von Hua’nan bestätigt.«3 SARS steht für »Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom« und war 17 Jahre zuvor der erste tödliche weltweite Ausbruch, der durch ein Coronavirus ausgelöst worden war. (Traurigerweise erlag der Arzt, der die Welt als Erster auf diese Epidemie aufmerksam machte, Carlo Urbani, ebenfalls der Krankheit.4) Coronaviren erhielten ihren Namen aufgrund ihres kronenartigen Aussehens unter dem Elektronenmikroskop – das lateinische Wort corona bedeutet »Krone« –, das sich aufgrund eines Streifens von Proteinspitzen ergibt, die von der Oberfläche ausstrahlen.5 Vor dem Ausbruch von SARS im Jahr 2002 waren nur zwei Coronaviren als Krankheitserreger beim Menschen bekannt und beide verursachten kaum mehr als eine gewöhnliche Erkältung.6 Doch das SARS-Coronavirus tötete im weiteren Verlauf etwa eine von zehn infizierten Personen.7

Ein Jahrzehnt später, im Jahr 2012, tauchte ein weiteres tödliches Coronavirus auf: das Coronavirus, das MERS (Middle East Respiratory Syndrome, respiratorisches Syndrom im Nahen Osten) hervorruft. Wie SARS breitete sich MERS aus und infizierte Tausende von Menschen in Dutzenden von Ländern, aber dieses Mal starb ein Drittel der Patienten.8 COVID-19 ist also bereits das dritte tödliche Coronavirus, das seit der Jahrhundertwende aufgetaucht ist.

Aber was heißt »aufgetaucht«? Woher? Woher kommen neue Infektionskrankheiten? Wir gehen derzeit davon aus, dass alle menschlichen Virusinfektionen ihren Ursprung bei Tieren haben.9

DAS AUFKOMMEN VON MERS

Die meisten Coronaviren, die auch Menschen befallen, scheinen ursprünglich in Fledermäusen entstanden zu sein,10 die wohl gute virale Wirte sind. Bis zu 200 000 Tiere können sich in dichten Rastkolonien zusammendrängen und sie können mehr als 1500 Kilometer fliegen, wobei sie neue Virenstämme aufnehmen und verbreiten.11 Sogar ihr einzigartiges Navigationssystem – die Echoortung – kann die Übertragung von Fledermaus zu Fledermaus erleichtern, da hierbei Atemwegssekret versprüht wird.12 Fledermäuse gelten als eine Art Urwirte, der »Genpool«, in dem sich genetische Fragmente von Coronaviren vermischen und anpassen können,13 aber das Durchbrechen der Barriere zwischen Spezies, durch das letztlich Menschen infiziert werden konnten, scheint über Zwischenwirte abgelaufen zu sein, in denen sich Coronaviren anpassen, vermehren und Zugang zu menschlichen Populationen erhalten können.14 Im Fall von MERS stellte sich heraus, dass diese Zwischenwirte Kamele waren.15

In Saudi-Arabien wurde tatsächlich auch eine Fledermaus gefunden, die das MERS-Coronavirus in sich trug,16 aber der Kontakt mit den Körperflüssigkeiten infizierter Kamele – insbesondere mit ihren Nasensekreten – gilt als Hauptrisikofaktor für eine Infektion des Menschen. Sobald ein Kamel einen Menschen infiziert hat, kann MERS dann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.17 Geschäftsleute, die am Kamelgeschäft verdienten, leugneten zunächst den Zusammenhang zwischen MERS und dem Kontakt mit Kamelen und reagierten auf den Warnhinweis, dass Personen, die eng mit Kamelen leben und arbeiten, »zu jeder Zeit eine angemessene persönliche Schutzausrüstung tragen sollten«, mit einer Social-Media-Kampagne mit dem Titel »Kiss Your Camel«.18

Kamele wurden jedoch schon vor 3000 Jahren domestiziert.19 Was ist seitdem geschehen, das Kamelspucke zu einem möglichen Todeskuss werden ließ? Archivierte Kamelblutproben haben gezeigt, dass MERS bereits jahrzehntelang in den Tieren zirkulierte, bevor es auf die menschliche Bevölkerung überging.20 Warum geschah dies gerade zu diesem Zeitpunkt?

Früher konnten Kamele sich im Freien bewegen, als sich die Kamelzucht jedoch immer weiter verbreitete, zwang die Wüstenbildung durch Überweidung die Industrie zur Umstellung auf Tausende von Kamelfarmen mit geschlossenen, überfüllten Stallsystemen, in denen die Kamele stets in geschlossenen Räumen gehalten wurden. Man geht davon aus, dass der hochintensive Kontakt zwischen Kamelen und den Arbeitern, die sich um sie kümmerten, dazu beitrug, dass das MERS-Coronavirus von den Kamelen auf den Menschen übersprang. Seit 2011 ist das offene Grasen in Katar, dem Nahostland mit der höchsten Kameldichte, vollständig verboten. Im folgenden Jahr wurden die ersten Fälle von MERS beim Menschen gemeldet.21

DAS AUFKOMMEN VON SARS

Noch vor MERS gab es SARS, die erste neue globale Krankheit des 21. Jahrhunderts.22 Viele der ersten SARS-Fälle konnten mit denselben Örtlichkeiten in Zusammenhang gebracht werden, von denen die meisten der ersten COVID-19-Fälle zu stammen scheinen: Straßenmärkte für lebende Tiere in China.23, 24

Viele regionale Verbraucher halten frisch geschlachtete Tiere für nahrhafter25 und einige schätzen ye wei, den »wilden Geschmack«, da sie der Meinung sind, dass der Verzehr exotischer Tiere gesundheitliche Vorteile hat und ihr gesellschaftliches Ansehen steigen lässt.26 Das ist die beste Grundlage für eine zoonotische Übertragung (vom Tier auf den Menschen), da die überfüllten Käfige auf den Märkten mit dem Blut, Urin und Kot unzähliger Tierarten verseucht sind, sich vermischen und so für ein überaus hohes Ansteckungspotenzial sorgen.27

In den 1990er-Jahren erweiterte sich der Handel mit Wildtieren enorm, um den aufkommenden Bedarf der Mittelklasse in den chinesischen Städten zu decken.28 Viele der Wildtiere gelangen üblicherweise noch lebend über die vietnamesische Grenze nach China. Eigentliches Ursprungsland der Ware ist allerdings Laos, wo der Handel mit Wildfleisch zur zweitgrößten Einkommensquelle ländlicher Familien geworden ist.29 Eine Studie zu einem einzigen laotischen Markt schätzte einen jährlichen Verkauf von 8000 bis 10 000 Tieren von Säugetieren mindestens 23 verschiedener Arten, 6000 bis 7000 Vögeln von mehr als 33 Arten und 3000 bis 4000 Reptilien mit einem Gesamtgewicht von über 36 Tonnen.30

Als die Nachfrage das Angebot langsam zu übersteigen begann, wurde der grenzüberschreitende Wildtierhandel durch die Schaffung intensiv betriebener Zuchtfarmen von Tieren in Gefangenschaft ergänzt. Dort werden Wildtiere unter schlechten hygienischen Bedingungen in unnatürlicher Enge31 aufgezogen, bevor sie transportiert und auf Märkten zum Verkauf in Käfigen angeboten werden. Sechs Millionen Menschen sind in der chinesischen Wildtierzuchtindustrie tätig, deren Wert auf 18 Milliarden Dollar geschätzt wird.32

Die genetischen Bausteine für das SARS-Virus konnten inzwischen in elf verschiedenen Stämmen von Coronaviren identifiziert werden, die in chinesischen Fledermäusen gefunden wurden,33 aber es gibt weltweit Coronaviren, die in Fledermäusen vorkommen. Der Grund dafür, dass vor allem China der Ursprungsort für mehrere Vorkommen tödlicher menschlicher Coronavirus-Epidemien war, könnten diese Lebendmärkte (auch »feuchte Märkte« genannt) sein.34

Im Falle von SARS schien der Zwischenwirt der sogenannte Larvenroller zu sein, ein katzenähnliches Tier, das wegen seines Fleisches, der angeblich aphrodisierenden Eigenschaften seines Penis35 und des Geschmacks der Kaffeebohnen geschätzt wird, mit denen die Tiere gefüttert werden, damit sie ihnen einen Duft übertragen, der aus ihren Perianaldrüsen kommt.36 Coronaviren, die in Larvenrollern gefunden wurden, waren fast identisch mit dem SARS-Virus.37 Es hat sich zwar gezeigt, dass Larvenroller aus Wildtierfarmen, von denen die Lebendmärkte beliefert werden, weitgehend infektionsfrei waren, aber bis zu 80 Prozent der untersuchten Larvenroller auf den Märkten zeigten Anzeichen einer Exposition gegenüber einer Infektion.38 Dies...


Dr. Michael Greger ist Allgemeinarzt, Bestsellerautor und ein international anerkannter Experte auf den Gebieten Ernährungswissenschaft, Lebensmittelsicherheit und öffentliche Gesundheitsfürsorge. Auf seiner Website NutritionFacts.org veröffentlicht er täglich kostenfrei Videos zu den neuesten Gesundheitsthemen aller Art. Sein Buch How Not to Die ist ein internationaler Bestseller.



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