Grant | Ein unsittliches Angebot | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 01, 416 Seiten

Reihe: Blackshear

Grant Ein unsittliches Angebot


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-3305-2
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 01, 416 Seiten

Reihe: Blackshear

ISBN: 978-3-7517-3305-2
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein waghalsiger Plan mit unerwarteten Folgen ...

Nach dem Tod ihres Mannes kämpft die junge Witwe Martha Russell darum, ihr Anwesen Seton Park zu behalten. Um ihren Anspruch darauf zu festigen, greift sie zu einer List: Mit dem attraktiven Lebemann Christopher Mirkwood will sie ein Kind zeugen, das sie als Erbe ihres verstorbenen Mannes ausgeben kann. Für Christopher ist dieses Angebot zu verführerisch, um es abzulehnen. Er setzt alles daran, Martha zufriedenzustellen, die das Ganze jedoch lediglich als einen Handel sieht. Nie hätte sie vermutet, welche Leidenschaft Christopher in ihr weckt und dass sie sich sogar in ihn verlieben könnte ...

Ein prickelnder Regency-Roman voller Leidenschaft - für alle Fans der historischen Liebesgeschichten von Kimberly Killion und Kris Kennedy.

eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.



Cecilia Grant hat Englisch studiert und feiert mit ihren historischen Romanen in den USA große Erfolge. Zu ihren Lieblingsautorinnen und -autoren gehören George Eliot, Mark Twain und Jane Austen.

Grant Ein unsittliches Angebot jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


1


Nicht ein einziges Mal in den zehn Monaten ihrer Ehe hatte sie sich das Ableben ihres Mannes gewünscht. Sie würde sich auch keinen Moment lang über das Ereignis freuen. Nicht einmal in diesem Augenblick. Das stünde ihr nun wirklich nicht gut an.

Martha richtete sich in ihrem Sessel auf und strich sich die schwarzen Röcke glatt. Zugegeben, hin und wieder war ihr Verhalten vielleicht mehr ihren Prinzipien denn ihren Gefühlen geschuldet. Doch auf seine Prinzipien konnte man sich verlassen. Prinzipien gaben einem Halt. Prinzipien halfen einem, sich zusammenzureißen, gerade in solchen Fällen, in denen Gefühle lediglich einen trägen Morast darstellten, in dem man zu versinken drohte.

Sie ließ von ihren Röcken ab und faltete die Hände auf dem Tisch. »Ich nehme an, das ist alles rechtlich unanfechtbar«, sagte sie in die Stille ihrer sonnendurchfluteten Stube hinein.

Mr Keene deutete im Sitzen eine Verbeugung an und gewährte ihr einen Blick auf die kahle Stelle auf seinem Hinterkopf. Noch immer vermied er es, ihr in die Augen zu sehen. Die Papiere vor ihm raschelten leise, als er die Ecken glatt strich und sie ohne besondere Absicht neu zurechtlegte. Er sollte das wirklich lassen.

Am anderen Ende des Tisches saß ihr Bruder, der sichtlich bemüht war, seine Wut zu beherrschen und das Gehörte zu verdauen. Dass er es immerhin versuchte, musste man ihm hoch anrechnen.

»Sprich dich aus, Andrew.« Sie wusste nur zu gut, was er zu sagen hatte. »Du tust dir sonst noch Gewalt an.«

»Ich hätte Russell Gewalt angetan, wenn ich gewusst hätte, was er im Schilde führt. Eintausend Pfund!« Er spuckte die Summe aus wie einen Happen verbrannter Grütze. »Eintausend Pfund – und es waren mal zehntausend! Welcher Mann spekuliert mit dem Erbe seiner Frau?«

Ein Säufer offenbar. Um nur ein Beispiel anzuführen. Sie holte tief Luft. »Es ist ja nicht so, als stünde ich ohne einen Penny da. Ich habe ja noch mein Witwenvermögen.«

»Aber das ist nur noch ein Zehntel von dem, was du in die Ehe eingebracht hast, und überdies wirst du keinen Witwensitz haben! Ich würde wirklich zu gern wissen, was er sich dabei gedacht hat.« Die letzten Worte waren vorwurfsvoll an Mr Keene gerichtet.

»Ich hätte diese Investition nicht befürwortet«, erwiderte der Anwalt mit näselnder Stimme und raschelte weiter mit seinen Papieren. »Aber Mr Russell hatte eine Schwäche für dergleichen. Sein Testament bezüglich der ersten Mrs Russell sah ähnlich aus: ihre Mitgift in Wertpapieren angelegt, der Rest in der Hoffnung auf einen Sohn dem nächsten männlichen Verwandten vorbehalten.« Natürlich, ein Sohn. Ob es wohl irgendwo auf der Welt einen Mann gab, der noch besessener war von der Idee, einen Erben zu zeugen, als es ihr Mann gewesen war? Den würde sie doch zu gern einmal sehen.

Oder auch nicht. Eigentlich würde sie solch einem Mann überhaupt nicht begegnen wollen. Sie löste die verschränkten Hände und fuhr mit den Fingerspitzen über das Tischtuch. Sehr hübsch, dieses Tuch. Belgisches Leinen. Und es gehörte nicht mehr ihr.

»Ich wünschte, ich hätte meine eigenen Anwälte mit deinem Ehevertrag betraut. Mit Vertrauen hättest du mir nicht zu kommen brauchen.« Mehr verbrannte Grütze. »Vaters Leute waren so was von nutzlos! Ich hätte mich selbst darum kümmern sollen.«

»Und wie hättest du das schaffen wollen?« Sie hatte weder die Zeit noch die Geduld für solchen Unsinn. Ich wünschte, ich hätte dies getan, ich wollte das tun, ich hätte dieses oder jenes tun sollen. Sackgassen, allesamt Sackgassen, die nirgendwo anders hin führten als in den Sumpf der Sentimentalität. »Du hattest alle Hände voll zu tun, Vaters Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Es waren schwere Zeiten für uns alle. Geschehen ist geschehen. Es gibt nichts mehr dazu zu sagen.«

Andrew hielt endlich den Mund, doch in seinen Augen – groß, feucht, dunkel wie abgestandener Kaffee – loderte es. Sie wandte diskret den Blick ab. Wie unschicklich, mit jeder beliebigen Laune hausieren zu gehen. Wie unbeherrscht. Sie mochte zwar die gleichen Augen wie er haben, doch den ihren hatte sie längst den Ausdruck einer sphinxähnlichen Gelassenheit anerzogen. So schwer war das nun wirklich nicht.

»Und wann wird sie vor die Tür gesetzt?«, fragte Andrew, als seine Geduld zu Ende war. »Wie bald wird dieser andere Mr Russell einziehen wollen? Du wirst natürlich bei mir und Lucy wohnen«, fügte er hinzu, ohne die Antwort des Anwalts abzuwarten. »Wenn wir aufs Land fahren, kannst du sogar dein altes Zimmer wiederhaben.«

Und wieder das Leben eines abhängigen Kindes führen, mit einundzwanzig. Eine Bürde für ihn und seine Frau. In ihrem Magen rumorte es: Winzige Fetzen der Rebellion jagten sinnlos umher wie altes Laub in einem Wirbelsturm.

Mr Keene neigte den Kopf und präsentierte ihr erneut die kahle Stelle. »In solchen Fällen führen wir die Angelegenheit für gewöhnlich erst fort, wenn die Witwe uns versichert, dass die Möglichkeit der Geburt eines Sohnes ausgeschlossen ist.«

Diese Möglichkeit war absolut ausgeschlossen. Ihr Körper hatte das drei Tage zuvor auf die übliche Weise kundgetan. Trotz aller noch so energischen Bemühungen ihres Mannes, mit ihr – und vermutlich auch mit seiner vorherigen Frau –, einen Erben zu zeugen, war es nicht zu einer Schwangerschaft gekommen.

Doch sollte sie das etwa hier auf der Stelle verkünden? Trotzig schwieg sie. Wenn sie die Angelegenheit offenließ, würde sie ein paar Wochen gewinnen. Vielleicht sogar einen Monat.

Und wenn sie ihnen wirklich trotzen wollte … nun, man hörte so manches darüber, was verzweifelte kinderlose Witwen mitunter taten. Schaurige Geschichten, schwer zu glauben. Konnte eine Frau wirklich so verzweifelt sein? Wahrscheinlich waren es nur Ammenmärchen, dem Wunschdenken der Männer entsprungen.

Sie reckte das Kinn. »Ich werde es Sie wissen lassen, wenn es so weit ist.« Wenigstens würde sie sich um die Dienstboten kümmern können. Mr und Mrs James Russell würden ihr eigenes Gesinde mitbringen, was einen Teil der Dienerschaft von Seton Park überflüssig machen würde. Sie würde sich so viel Zeit nehmen, wie nötig war, um die Leute anderweitig unterzubringen.

Andrew rutschte unruhig auf seinem Sessel hin und her, während Mr Keene minutenlang seine Papiere zusammenpackte und höfliche Konversation betrieb. Als der Anwalt endlich verabschiedet worden war, stand Andrew vehement auf. »Herrgott, Schwesterchen, kannst du denn nie den Mund aufmachen und für dich selbst eintreten?« Er schritt ans andere Ende des Tisches. »Es ist nicht recht, wie du in dieser ganzen Sache behandelt wirst. Warum nur bin ich der Einzige, der den Mut hat, das zu sagen?«

Eine altbekannte Gelassenheit breitete sich in ihrer Brust aus. »Ich verstehe nicht, was das mit Mut zu tun haben soll Vorsichtig erwog sie ihre Worte und faltete die Hände wieder auf dem Tisch. »Vermutlich könnte ich von Ungerechtigkeit sprechen und mich einem Wutausbruch hingeben, doch das würde nichts an meiner derzeitigen Situation ändern, oder?« Ihre Stimme wurde dünner und dünner, wie Teig unter einem unnachgiebigen Nudelholz.

»Jetzt nicht mehr.« Er machte eine ausladende Geste der Ungeduld. »Aber dieses ganze Unglück hätte verhindert werden können! Ich werde beim besten Willen nie verstehen, weshalb du den Kerl überhaupt geheiratet hast! Weshalb sollte ein junges Mädchen einen Witwer heiraten, der doppelt so alt ist wie sie, wo sie doch –«

»Er war neununddreißig. Nicht gerade scheintot. Und nein, du wirst es vermutlich nie verstehen.« Älteste Söhne verstanden so etwas nicht. Ein Schmarotzerdasein würde Andrew nie drohen. Er würde nie in die Verlegenheit geraten, Alternativen abwägen zu müssen, die nichts mit den Träumen eines jungen Mädchens zu tun hatten. Er schüttelte lediglich mitleidig den Kopf – provozierend – ob ihrer starrköpfigen Entscheidung.

Als ob eine Liebesheirat die einzig legitime Form der Ehe wäre. Als ob die Menschheit nicht seit Generationen von Verbindungen ganz anderer Art profitieren würde, von respektablen Eheschließungen zwischen Leuten, die nun einmal nicht in erster Linie an zügellosen Emotionen interessiert waren.

Ihre Finger hatten sich gelöst und strichen immer wieder über ein Stück Lochstickerei im Tischtuch. Dann hielt sie die Hände still und verschränkte sie wieder fest. Und schwieg.

Ihr Bruder seufzte abrupt. »Es tut mir leid, Martha.« Sie hörte die Veränderung in seiner Stimme, während sie den Blick fest auf das Tischtuch geheftet hielt.

Er kam um den Tisch herum, stellte sich hinter ihren Sessel und legte eine Hand auf ihre Schulter. Sie hob den Kopf und starrte die Tapete an, auf der Pfingstrosen in einem fröhlichen rot-weißen Muster umhermarschierten.

»Ich wollte dich nicht kränken.« Mit einem Mal war er unsicher und suchte ratlos nach einer Möglichkeit, seine verquere kleine Schwester zu trösten. »Es tut mir leid, dass dir solch ein Unglück widerfahren ist, und dass ich dir keine größere Hilfe gewesen bin. Aber ich werde dir jetzt helfen, wenn du mich lässt. Du wirst es gut haben bei mir und Lucy.«

Die Pfingstrosen auf der Tapete glänzten einen Augenblick lang silbern auf und drohten dann zu verschwimmen. Es war, als sei sie wieder sieben, und Andrew achtzehn; dieselbe Hand auf ihrer Schulter und er verlegen und ratlos. Sie hatten das schon einmal erlebt, nur dass sie damals nebeneinander auf der Steinmauer gesessen hatten, auf der er sie nach langem Suchen gefunden...


Grant, Cecilia
Cecilia Grant hat Englisch studiert und feiert mit ihren historischen Romanen in den USA große Erfolge. Zu ihren Lieblingsautorinnen und -autoren gehören George Eliot, Mark Twain und Jane Austen.

Cecilia Grant hat Englisch studiert und feiert mit ihren historischen Romanen in den USA große Erfolge. Zu ihren Lieblingsautorinnen und -autoren gehören George Eliot, Mark Twain und Jane Austen.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.