Graham | Bote des Todes | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Graham Bote des Todes

Krimi
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95576-175-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Krimi

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-95576-175-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die engagierte TV-Produzentin Moira will die tödlichen Machenschaften der IRA aufdecken, um das Leben des irischen Politikers Jacob Brolin zu retten. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Kollegen Michael. Er spielt ihr Informationen zu, die den irischen Journalisten Dan O'Hara, ihren früheren Geliebten, als Drahtzieher des Mordkomplotts aufzeigen. Doch dann macht Moira eine schreckliche Entdeckung...

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1. KAPITEL


„Was soll das heißen, dass du zum St. Patrick’s Day nicht nach Hause kommst?“

Moira Kelly zuckte zusammen.

Die sonst so sanfte und angenehm klingende Stimme ihrer Mutter kam so schrill aus dem Hörer, dass Moira sicher war, dass ihre Assistentin im Nebenzimmer Katy Kelly ebenfalls gehört hatte, obwohl sich ihre Mutter hunderte von Kilometern entfernt in Boston befand.

„Mum, es ist ja nicht so, als würde ich Weihnachten absagen …“

„Nein, es ist schlimmer.“

„Mum, ich bin kein kleines Kind mehr, sondern eine berufstätige Frau.“

„Richtig. Du bist eine Amerikanerin in der ersten Generation und pfeifst auf jede Tradition.“

Moira atmete tief durch. „Mutter, genau darum geht es ja. Wir leben in Amerika. Und ja, ich bin hier geboren. So erschütternd und gemein es auch sein mag, aber der St. Patrick’s Day ist kein Nationalfeiertag.“

„Ich merke schon, du machst dich über mich lustig.“

Moira holte Luft, zählte stumm bis drei und seufzte dann. „Ich mache mich nicht über dich lustig.“

„Du bist selbstständig. Du kannst dir freinehmen und dafür an einem anderen Tag arbeiten.“

„Ich kann mir nicht einfach so freinehmen, ich habe einen Partner. Wir haben eine Produktionsgesellschaft, wir haben Planungen, Termine. Mein Partner hat eine Ehefrau …“

„Dieses jüdische Mädchen, das er geheiratet hat.“

Wieder zögerte Moira.

„Nein, Mum. Andy Garson, der Reporter aus New York, der manchmal die Vormittagssendung mitmoderiert, ist derjenige, der ein jüdisches Mädchen geheiratet hat. Josh ist mit einer Italienerin verheiratet.“ Sie lächelte flüchtig. „Und sehr katholisch. Sie würde dir gefallen. Genauso wie ihre Zwillinge, die jetzt acht Monate alt sind. Sie sind nur ein paar der Gründe, warum wir dieses Unternehmen am Leben halten wollen.“

Ihre Mutter hörte nur, was sie hören wollte. „Wenn seine Frau katholisch ist, dann sollte sie es verstehen.“

„Ich glaube nicht, dass St. Patrick’s Day bei den Italienern ein Nationalfeiertag ist“, gab Moira zurück.

„Er ist ein katholischer Heiliger!“ beharrte ihre Mutter.

„Mutter …“

„Moira, bitte. Ich frage dich nicht meinetwegen.“ Diesmal war es ihre Mutter, die einen Moment lang zögerte. „Dein Vater hatte wieder einen Anfall …“

Ihr Herz setzte einen Augenblick lang aus. „Was soll das heißen?“ fragte sie schneidend.

„Vielleicht müssen sie ihn noch einmal operieren.“

„Du hast mich nicht angerufen!“

„Ich habe dich doch jetzt angerufen.“

„Aber nicht wegen Dad!“

„Er wollte nicht, dass ich dir etwas sage. Ihm geht es nicht so gut, aber er wollte dich vor dem Feiertag nicht beunruhigen. Du bist sonst immer nach Hause gekommen. Wir wollten es dir sagen, wenn du hier bist. Er muss am Montag zu einer Untersuchung – ambulant und nicht lebensbedrohlich –, und dann … na ja, dann werden sie entscheiden, was sie machen können. Aber, Darling, du weißt … er würde dich wirklich gerne sehen, auch wenn er es nicht zugeben würde. Und Granny Jon … also, in letzter Zeit lässt sie ein wenig nach.“

Granny Jon war über neunzig und wog bestenfalls etwas über vierzig Kilo, aber sie war nach wie vor das widerborstigste kleine Geschöpf, dem Moira jemals begegnet war.

Moira war sicher, dass sie ewig leben würde.

Sorgen bereitete ihr dagegen ihr Vater. Er war vor ein paar Jahren am offenen Herzen operiert worden und hatte eine künstliche Herzklappe erhalten. Seitdem war sie immer in Sorge um ihn. Er beklagte sich nie und lächelte immer, was ihn in ihren Augen so gefährlich machte, da er wenigstens halb im Sterben liegen musste, ehe er einen Arzt aufsuchte. Sie wusste, dass ihre Mutter seitdem sehr genau über seine Gesundheit gewacht hatte, aber das löste nicht alle Probleme.

Und was St. Patrick’s Day anging …

„Patrick kommt“, sagte ihre Mutter.

Natürlich, dachte sie.

Ihr Bruder, der Grundbesitz im Westen von Massachusetts hatte, würde seinen ganz persönlichen Feiertag um keinen Preis versäumen.

Aber für Patrick war es auch einfach, weil er ohnehin oft in Boston war.

Mit einem Anflug von Schuldgefühlen wurde ihr klar, dass sie darauf gezählt hatte, dass die Anwesenheit ihres Bruders und ihrer Schwester Colleen es wettmachen würde, wenn sie nicht zum höchsten irischen Feiertag kommen würde. Der wurde ohnehin fast im ganzen Land als willkommener Vorwand ansehen, um grün gefärbtes Bier zu trinken und Grußkarten mit Kobolden zu verschicken, ohne etwas über die wahre Bedeutung zu wissen.

„Du willst doch Patrick sehen, oder etwa nicht?“

„Natürlich, aber in erster Linie mache ich mir Sorgen um Dad.“

„Wenn dein Vater und ich morgen tot umfallen würden …“

„Ich würde mich auch dann mit meinem Bruder und meiner Schwester treffen, Mum. Ihr beide werdet morgen nicht tot umfallen, aber mach dir keine Gedanken – wir würden uns auch weiterhin treffen.“

Es war ein alter Streit. Ihre Mutter sagte ihr und ihrem Bruder immer das Gleiche, und sie beide antworteten jeweils übereinstimmend, während ihre Schwester jedes Mal seufzte und mit den Augen rollte.

Trotzdem liebte Moira ihre Familie.

„Mum, ich werde da sein.“ So weit weg lebte sie auch nicht, und es war auch nicht so, dass sie sich nur selten bei ihren Eltern blicken ließ. Gerade weil sie sie so oft besuchte, hatte sie dieses eine Mal, nur an diesem einen St. Patrick’s Day, nicht vorgehabt, sie wieder zu besuchen. Sie war erst zu Weihnachten in Boston gewesen, und das war noch nicht allzu lange her. Es war ihr nicht so wichtig, sie schon wieder zu besuchen, was zum Teil auch mit den Drehplänen zu tun hatte.

Doch jetzt war es ihr wichtig.

„Hast du mich verstanden, Mum? Ich an St. Patrick’s Day da sein.“

„Gott behüte dich, mein Baby. Ich brauche dich wirklich hier.“

„Ich rufe dich an, sobald ich weiß, wie ich das zeitlich einrichten kann. Sorg du dafür, dass Dad auf sich aufpasst, okay?“

„Das werde ich.“

Sie wollte den Hörer auflegen, als sie hörte, dass ihre Mutter weiterredete. „Ach, Schatz, ich habe vergessen, dir zu sagen …“

Moira hielt den Hörer wieder ans Ohr. „Ja?“

„Du errätst nie, wer noch kommt.“

„Der große Kobold?“ Sie konnte sich das nicht verkneifen.

„Natürlich nicht!“

„Auntie Lizbeth?“ Sie war keine richtige Tante, nur eine alte Nachbarin von früher, die alle paar Jahre in die Staaten reiste. Moira mochte sie, auch wenn sie nur selten verstand, was Lizbeth eigentlich sagte. Stattdessen lächelte sie die alte Frau einfach immer freundlich an. Sie war noch älter als Granny Jon und hatte den breitesten irischen Dialekt, den man sich nur vorstellen konnte – und ihr Wolfshund hatte ihre dritten Zähne zerbissen, da sie sie hasste und immer auf dem Tisch hatte liegen lassen. Selbst als sie ihr Gebiss noch getragen hatte, war Moira kaum in der Lage gewesen, ein Wort zu verstehen, und inzwischen war es nahezu unmöglich, einen Sinn in das zu bringen, was sie von sich gab. Granny Jon und ihre Familie schienen allerdings keine Verständigungsprobleme mit ihr zu haben.

„Nein, Dummchen, nicht Auntie Lizbeth.“

„Ich gebe es auf, Mum. Wer kommt?“

„Dan. Daniel O’Hara. Ist das nicht wunderbar? Ihr habt euch immer so gut verstanden. Ich wusste, dass ihr nicht die Gelegenheit verpassen würdet, euch wiederzusehen.“

„Ähm … nein“, sagte sie und zwang sich, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten.

„Machs gut, Darling.“

„Du auch, Mum.“

Danny würde da sein.

Erst als ihre Hand zu schmerzen begann und das tiefe Summen aus dem Hörer zu ihr durchdrang, wurde ihr bewusst, dass sie den Hörer noch immer fest umklammert hielt. Plötzlich meldete sich die Bandansage der Vermittlung: „Wenn Sie ein Gespräch anmelden möchten …“

Moira legte auf und starrte das Telefon an, dann schüttelte sie wütend den Kopf. Wie lange hatte sie Danny nicht mehr gesehen? Waren es zwei Jahre oder drei? Er war die Liebe ihres Lebens gewesen … ihres Lebens, korrigierte sie sich. Aber er war in Windeseile in ihrem Leben aufgetaucht und genauso schnell wieder verschwunden. Als er sie zuletzt angerufen hatte, um ihr zu sagen, dass er sich für ein paar Wochen in den Staaten aufhielt, war sie einem Treffen bewusst aus dem Weg gegangen. Auf ihn konnte man sich genauso verlassen wie darauf, dass es im Winter in Boston einen Tag mit gutem Wetter geben würde. Und dennoch …

Ein Stich ging ihr durchs Herz. Es wäre schön, Danny zu sehen.

Vor allem jetzt, da sie ihn überwunden hatte.

Außerdem war sie in einer Beziehung und somit immun gegen seine lockeren Sprüche: „Ach, Moira, nur ein Bier auf die Schnelle.“ Oder: „Moira Kelly, du willst nicht mit mir spazieren gehen?“ Oder sogar: „Du willst nicht die Zeit stillstehen lassen und mit mir ins Bett gehen, obwohl du weißt, dass es immer magisch war?“

Sie führte ein hektisches Leben. Sie würde viel zu tun haben, vor allem, da sie alle bitten musste, ihre geänderten Pläne in ihre eigenen Planungen einzubeziehen.

Moira liebte ihre Arbeit. Sie konnte es noch immer kaum fassen, dass sie und Josh es geschafft hatten, eine Produktionsgesellschaft auf...



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