Grafton | A is for Alibi: Nichts zu verlieren | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 302 Seiten

Reihe: Ein Fall für Kinsey Millhone

Grafton A is for Alibi: Nichts zu verlieren

Kriminalroman - Ein Fall für Kinsey Millhone 1
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-938-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman - Ein Fall für Kinsey Millhone 1

E-Book, Deutsch, Band 1, 302 Seiten

Reihe: Ein Fall für Kinsey Millhone

ISBN: 978-3-98952-938-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der Fall, mit dem alles begann - lernt die erste Hardboiled-Ermittlerin Amerikas kennen!»Mein Name ist Kinsey Millhone. Ich bin Privatdetektivin mit einer Lizenz vom Staat Kalifornien. Ich bin zweiunddreißig Jahre alt, zweimal geschieden, keine Kinder. Vorgestern habe ich jemanden getötet, und das liegt mir schwer auf der Seele.« Acht Jahre lang saß die junge Nikki wegen Mordes an ihrem Mann unschuldig im Gefängnis. Als sie endlich freikommt, wendet sie sich an die mit allen Wassern gewaschene Privatdetektivin Kinsey Millhone. Die Ermittlerin verspricht, den Cold Case neu aufzurollen - wohlwissend, dass nach acht Jahren jede noch so heiße Spur erkaltet ist. Doch schon bald erfährt sie, dass es in der malerischen südkalifornischen Küstenstadt Santa Teresa mehr als einen Menschen gibt, der den skrupellosen Anwalt tot sehen wollte. Als Kinsey endlich die wahren Umstände des Mordes erahnt, ist es bereits zu spät - denn da steht sie dem Mörder von Angesicht zu Angesicht gegenüber?... »Die wohl überzeugendste gegenwärtige Krimi-Serie überhaupt.« Wall Street JournalDer Auftakt zu der »Alphabet«-Erfolgsreihe - ein packender Ermittlerkrimi für Fans der Bestsellerserien von Sara Paretsky und Patricia Cornwall. Als Hörbuch bei Saga Egmont erhältlich sowie als eBook bei dotbooks.Im zweiten Band muss Kinsey Millhone einen komplizierten Vermisstenfall entwirren?... »Sehr gute Story mit sympathischer Heldin« - Amazon-Leser »Einfach spannend bis zum Schluss.« - Amazon-Leserin

Sue Grafton (1940-2017) war eine der erfolgreichsten Spannungsautorinnen Amerikas. Sie wurde in Kentucky geboren und verfasste Drehbücher, bevor sie ihren ersten Roman veröffentlichte. Ihre Bücher über die abgebrühte und einzelgängerische Privatdetektivin Kinsey Millhone wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und begeistern ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt. Die Website der Autorin: suegrafton.com/ Die Autorin bei Facebook: facebook.com/SueGrafton/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre »Alphabet«-Krimireihe um die eigenwillige Privatermittlerin Kinsey Millhone. Die ersten zwei Bände, »A is for Alibi: Nichts zu verlieren« und »B is for Burglar: In aller Stille« sind auch als Hörbücher bei Saga Egmont erhältlich.
Grafton A is for Alibi: Nichts zu verlieren jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Mein Name ist Kinsey Millhone. Ich bin Privatdetektivin mit einer Lizenz vom Staat Kalifornien. Ich bin zweiunddreißig Jahre alt, zweimal geschieden keine Kinder. Vorgestern habe ich jemanden getötet, und das liegt mir schwer auf der Seele. Ich bin ein netter Mensch und habe viele Freunde. Mein Appartement ist klein, aber ich lebe gern auf engem Raum. Die meiste Zeit meines Lebens war ich in Wohnwagen zuhause, aber die sind neuerdings für meinen Geschmack zu perfekt geworden, deshalb bewohne ich jetzt ein Einzelzimmer, eine »Junggesellenbude«. Ich habe keine Haustiere. Ich habe keine Zimmerpflanzen. Ich bin viel unterwegs, und da lasse ich nicht gern etwas zurück. Abgesehen von den Gefahren meines Berufs war mein Leben immer alltäglich, ereignislos und gut. Jemanden getötet zu haben, gibt mir ein komisches Gefühl, und ich habe es noch nicht ganz verarbeitet. Ich habe schon vor der Polizei ausgesagt, habe das Protokoll Seite für Seite mit meinen Initialen versehen und anschließend unterschrieben. Einen ähnlichen Bericht habe ich für die Akten in meinem Büro aufgesetzt. Die Sprache in beiden Dokumenten ist neutral, die Wortwahl abstrakt und beide sagen letztlich nicht genug.

Nikki Fife kam vor drei Wochen in mein Büro. Ich verfüge über einen kleinen Winkel in einer großen Bürosuite, die der California Fidelity-Versicherung gehört, für die ich mal gearbeitet habe. Unsere Verbindungen sind jetzt eher locker. Ich übernehme eine bestimmte Anzahl von Nachforschungen für sie, als Entgelt für zwei Räume mit separatem Eingang und einem kleinen Balkon, der die Hauptstraße von Santa Teresa überblickt. Ich habe einen Antwortdienst, der Anrufe entgegennimmt, wenn ich fort bin, und ich führe meine Bücher selbst. Viel Geld verdiene ich nicht, aber ich komme zurecht.

Ich war den größten Teil des Morgens fort gewesen und fuhr nur am Büro vorbei, um meine Kamera zu holen. Nikki Fife stand auf dem Gang vor meiner Bürotür. Ich kannte sie eigentlich nicht, hatte aber vor acht Jahren ihrem Prozeß beigewohnt, als sie wegen Mordes an ihrem Mann Laurence verurteilt worden war, einem prominenten Scheidungsanwalt in der Stadt. Nikki war damals Ende Zwanzig gewesen, mit auffallenden, weißblonden Haaren, dunklen Augen und makelloser Haut. Ihr hageres Gesicht war jetzt etwas fülliger, wahrscheinlich infolge der Gefängniskost mit ihrem hohen Stärkegehalt, aber sie hatte immer noch das ätherische Aussehen, das seinerzeit die Mordanklage so abwegig hatte erscheinen lassen. Ihr Haar war in seinem natürlichen Ton nachgewachsen, ein so helles Braun, daß es nahezu farblos anmutete. Sie war vielleicht fünfunddreißig, sechsunddreißig, und die Jahre in der kalifornischen Frauenhaftanstalt hatten keine sichtbaren Spuren eingegraben.

Ich sagte erst mal nichts; sperrte nur die Tür auf und ließ sie herein.

»Sie wissen, wer ich bin«, begann sie.

»Ich habe ein paarmal für Ihren Mann gearbeitet.«

Sie musterte mich sorgfältig. »Sonst nichts?«

Ich wußte, was sie meinte. »Ich bin auch im Gericht gewesen, als Sie angeklagt waren«, sagte ich. »Aber wenn Sie fragen, ob ich persönlich was mit ihm hatte, ist die Antwort nein. Er war nicht mein Typ. Nichts für ungut. Möchten Sie Kaffee?«

Sie nickte und entspannte sich fast unmerklich. Ich zog die Kaffeekanne aus dem unteren Teil des Karteischranks und füllte sie mit Wasser aus dem Sparkletts-Behälter hinter der Tür. Es gefiel mir, daß sie nichts gegen die Umstände sagte, die ich mir machte. Ich legte eine Filtertüte ein, tat gemahlenen Kaffee hinein und schaltete die Maschine an. Das Gurgeln war beruhigend wie die Pumpe eines Aquariums.

Nikki saß ganz still, fast als wären ihre Gefühle unbeteiligt. Sie zeigte keine nervösen Regungen, rauchte nicht und zerwühlte auch nicht ihr Haar. Ich setzte mich in meinen Drehstuhl.

»Wann sind Sie rausgekommen?«

»Vor einer Woche.«

»Wie fühlte sich die Freiheit an?«

Sie zuckte die Achseln. »Gut, denke ich, aber überleben kann ich auch auf die andere Art. Besser, als man meinen sollte.«

Ich nahm eine Tüte Sahne aus dem kleinen Kühlschrank zu meiner Rechten. Da stehen meine sauberen Becher drauf, und ich drehte zwei für uns um und füllte sie, als der Kaffee fertig war. Nikki nahm ihren mit einem leisen Dankeschön.

»Vielleicht kennen Sie den Spruch ja schon«, fuhr sie fort, »aber ich habe Laurence nicht umgebracht, und ich möchte, daß Sie herausfinden, wer es getan hat.«

»Und damit warten Sie so lange? Sie hätten doch vom Gefängnis aus eine Untersuchung veranlassen können und sich vielleicht ein paar Jährchen erspart.«

Sie lächelte schwach. »Ich behaupte seit Jahren, daß ich unschuldig bin. Wer glaubt mir denn? Im Augenblick der Anklage habe ich meine Glaubwürdigkeit verloren. Die möchte ich zurück. Und ich möchte wissen, wer mich reingelegt hat.«

Ihre Augen waren mir dunkel vorgekommen, aber jetzt konnte ich sehen, daß sie metallisch grau waren. Ihr Blick war kalt, verflacht, als ob sich ein inneres Licht trübte. Sie schien eine Frau ohne viel Hoffnung zu sein. Ich selbst hatte sie nie für schuldig gehalten, aber ich wußte nicht mehr, was mich davon so überzeugt hatte. Sie wirkte leidenschaftslos, und ich konnte mir nicht vorstellen, daß sie auf irgendetwas genügend Wert legte, um dafür zu töten.

»Erzählen Sie mal?«

Sie nahm einen Schluck Kaffee und stellte den Becher dann auf den Rand meines Schreibtisches.

»Ich war vier Jahre mit Laurence verheiratet, sogar eine Idee länger. Nach den ersten sechs Monaten ging er fremd. Ich weiß nicht, warum das so ein Schlag für mich gewesen ist. Eigentlich bin ich genau auf diese Art an ihn geraten ... als er noch mit seiner ersten Frau zusammen war und sie mit mir betrog. Eine Geliebte zu sein, das hat wohl auch etwas Egoistisches. Jedenfalls hätte ich nie damit gerechnet, selbst einmal die Betrogene zu sein, und es gefiel mir nicht besonders.«

»Nach Ansicht des Staatsanwalts haben Sie ihn deswegen umgebracht.«

»Schauen Sie, die brauchten einen Schuldspruch. Das war ich«, sagte sie mit dem ersten Anzeichen von Energie. »Ich habe die letzten acht Jahre unter Mörderinnen der einen oder anderen Sorte verbracht, und glauben Sie mir, das Motiv, das sie treibt, ist nicht Apathie. Man bringt Leute um, die man haßt, oder man tötet im Zorn oder um abzurechnen, aber man bringt nicht jemand um, der einem gleichgültig ist. Zu der Zeit, als Laurence starb, war er mir völlig schnuppe. Meine Liebe hörte schon auf, als ich zum ersten Mal hinter die anderen Frauen kam. Ich brauchte halt eine Weile, um damit fertig zu werden ...«

»Und darum ging es in dem Tagebuch?« fragte ich.

»Klar wollte ich es anfangs genau wissen. Ich habe jeden einzelnen Seitensprung genau verfolgt. Ich habe Telefongespräche mitgehört. Ich bin ihm durch die Stadt nachspaziert. Dann wurde er allmählich vorsichtiger mit der ganzen Sache, und ich verlor allmählich das Interesse. Es war mir scheißegal.«

Ihre Wangen hatten sich gerötet, und ich ließ ihr einen Augenblick Zeit, um sich zu fassen. »Ich weiß, es sah so aus, als hätte ich ihn aus Eifersucht oder aus Wut umgebracht, aber das berührte mich alles nicht. Zu der Zeit, als er starb, wollte ich nur noch in meinem eigenen Leben vorankommen. Ich wollte wieder auf die Schule gehen, mich um meine Angelegenheiten kümmern. Er ging seinen Weg, und ich ging meinen ...« Ihre Stimme verklang.

»Was glauben Sie, wer ihn umgebracht hat?«

»Ich glaube, eine Menge Leute wollten’s gerne. Ob sie es getan haben oder nicht, ist eine andere Sache. Ich könnte ein paar kluge Vermutungen anstellen, aber ich habe keine Beweise. Deswegen bin ich ja hier.«

»Warum kommen Sie gerade zu mir?«

Wieder errötete sie leicht. »Ich habe es bei den zwei großen Agenturen in der Stadt versucht, und sie haben abgelehnt. In Laurences altem Rolodex stieß ich auf Ihren Namen. Ich dachte, es läge eine gewisse Ironie darin, jemanden zu engagieren, den er selbst mal engagiert hat. Aber erkundigt habe ich mich auch. Bei Con Dolan von der Mordkommission.«

Ich krauste die Stirn. »Das war doch sein Fall, oder?«

Nikki nickte. »Allerdings. Er sagte, Sie hätten ein gutes Gedächtnis. Ich hab’s nicht gern, wenn ich alles von ganz vorn erklären muß.«

»Was ist mit Dolan? Hält er Sie für unschuldig?«

»Das bezweifle ich, aber andererseits habe ich meine Zeit abgesessen, also was geht’s ihn an?«

Ich musterte sie einen Augenblick. Sie war direkt und was sie sagte, hatte Hand und Fuß. Laurence Fife war ein schwieriger Mann gewesen. Ich hatte ihn selbst nicht sonderlich gemocht. Wenn sie zu Recht verurteilt worden war, leuchtete mir nicht ein, warum sie das alles jetzt wieder aufrühren sollte. Ihre Höllenfahrt war vorbei, und ihre sogenannte Schuld gegenüber der Gesellschaft war bis auf die Bewährungsfrist, die sie noch hatte, getilgt.

»Lassen Sie mich drüber nachdenken«, sagte ich. »Ich kann mich aber heute noch mit Ihnen in Verbindung setzen und Ihnen Bescheid geben.«

»Dafür wäre ich dankbar. Geld habe ich. Was immer es kostet.«

»Ich möchte nicht dafür bezahlt werden, daß ich alte Geschichten aufwärme, Mrs. Fife. Selbst wenn wir herausfinden, wer der Täter war, müssen wir dafür sorgen, daß es hieb- und stichfest ist, und das könnte schwer sein nach der ganzen Zeit. Ich würde gern erst die Akten durchgehen und mal abwarten, wie das aussieht.«

Sie nahm einen Schnellhefter aus ihrer großen Ledertasche. »Ich habe ein paar Zeitungsausschnitte dabei. Die kann ich Ihnen dalassen, wenn Sie wollen. Hier ist die Nummer, unter der ich zu erreichen bin.«

Wir gaben uns die Hand. Ihre war...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.