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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 464, 64 Seiten

Reihe: Der Notarzt

Graf Der Notarzt 464

Die große Chance
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-5847-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die große Chance

E-Book, Deutsch, Band 464, 64 Seiten

Reihe: Der Notarzt

ISBN: 978-3-7517-5847-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Seit über zehn Jahren sind Laura und Bennet ein Paar, und dass sie einmal heiraten werden, das haben sie schon als Sechzehnjährige am Gymnasium gewusst. Jetzt, wo beide ihr Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen haben, wollen sie in wenigen Monaten eine Gemeinschaftspraxis eröffnen.
Den diesjährigen Silvesterabend fiebern sie förmlich herbei, denn der Jahreswechsel symbolisiert für die beiden den Aufbruch in eine bessere Zeit. Das neue Jahr soll das schönste und beste ihres bisherigen Lebens werden.
Doch dann kommt alles ganz anders als erwartet. Ausgerechnet gegen Mitternacht, während der Himmel über Frankfurt in unzähligen Farben explodiert, passiert etwas Furchtbares, das Lauras und Bennets erhoffte rosige Zukunft für immer zu zerstören droht ...

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Die große Chance

Wird im neuen Jahr für Laura und Bennet endlich alles besser?

Karin Graf

Seit über zehn Jahren sind Laura und Bennet ein Paar, und dass sie einmal heiraten werden, das haben sie schon als Sechzehnjährige am Gymnasium gewusst. Jetzt, wo beide ihr Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen haben, wollen sie in wenigen Monaten eine Gemeinschaftspraxis eröffnen.

Den diesjährigen Silvesterabend fiebern sie förmlich herbei, denn der Jahreswechsel symbolisiert für die beiden den Aufbruch in eine bessere Zeit. Das neue Jahr soll das schönste und beste ihres bisherigen Lebens werden.

Doch dann kommt alles ganz anders als erwartet. Ausgerechnet gegen Mitternacht, während der Himmel über Frankfurt in unzähligen Farben explodiert, passiert etwas Furchtbares, das Lauras und Bennets erhoffte rosige Zukunft für immer zu zerstören droht ...

»Kann der weg, Direktor?«

Mit dieser Frage wurde Emil Rohrmoser, der Verwaltungsdirektor der Frankfurter Sauerbruch-Klinik, konfrontiert, als er wenige Minuten nach sieben Uhr morgens auf der Direktionsetage im sechsten Stock aus dem Aufzug stieg.

Der Fragesteller war Udo Schnattinger, der zweiundfünfzigjährige Küchenchef der klinikeigenen Großküche, die sich im zweiten Untergeschoss befand.

Er saß auf einem der quietschentengelben Schalensitze im Wartebereich vor der Direktionsetage, knetete seine weiße Kochmütze in beiden Händen zu einem Fladen, und seine vom Küchendampf gerötete Stirn glänzte feucht. Fernab von seiner Kommandozentrale fühlte er sich wie ein Fisch auf dem Trockenen.

Direktor Rohrmoser konnte den Mann ganz gut leiden. Erstens, weil er im Gegensatz zu so manchem Stationsleiter – Kersten von der Notaufnahme allen voran – noch nie sein Budget überzogen hatte. Zweitens, weil er sehr wortkarg war und einem nicht mit sinnlosem Geschwafel die Zeit stahl. Und drittens, weil er so wie Emil gutes Essen zu schätzen wusste und deshalb eine ähnlich stattliche Figur hatte.

»Wer, was, wann und warum?«, fragte der Verwaltungsdirektor ebenso kurz angebunden. Er hatte keinen blassen Schimmer, wer oder was, warum und von wo weg sollte oder musste.

»Der Typ, den Sie mir aufs Auge gedrückt haben, Direktor. Fiedler heißt der. Elias. Kann der weg?«

Jetzt wusste Emil Rohrmoser wenigstens, wer mit der gemeint war. Elias Fiedler war ein sechzehnjähriger, recht unerfreulicher Junge, den ein Jugendrichter zu hundert Sozialstunden verdonnert hatte.

Elias hatte im Drogenrausch ein Auto geklaut und eine alte Dame damit umgefahren. Noch dazu die stadtbekannte Wohltäterin Gloria von Brockenhofen. Sie war nicht allzu schwer verletzt worden, hatte jedoch vor Schreck einen Herzstillstand erlitten. Zum Glück hatte sie noch gerettet werden können, sonst wäre es vermutlich nicht bei hundert Sozialstunden geblieben.

Direktor Rohrmoser hatte vor rund einem Jahr sein Interesse dafür bekundet, jugendlichen Straftätern in der Sauerbruch-Klinik eine zweite Chance zu geben. Nicht, weil er ein so großes Herz für auf die schiefe Bahn geratene Lausebengel hatte, sondern weil ihm die Idee, regelmäßig kostenlose Hilfskräfte vermittelt zu bekommen, so gut gefiel.

Leider ging die Rechnung nicht ganz auf, denn er hatte dabei nicht mit einkalkuliert, dass der größte Teil der jugendlichen Straftäter nicht sonderlich willig war. Von tüchtig oder zuverlässig ganz zu schweigen.

Dieser Elias Fiedler war ein ganz besonders verstocktes Exemplar. Rotzfrech, faul und unberechenbar. Emil hatte den Jungen zu Herrn Schnattinger in die Klinikküche gesteckt, weil er gedacht hatte, beim Kartoffeln schälen oder Geschirr spülen könne er keinen großen Schaden anrichten.

Er wusste jetzt zumindest, um wen es sich handelte, doch was Herr Schnattinger genau von ihm wollte, das hatte er noch immer nicht ganz kapiert.

»Wie weg?«, hakte er nach.

»Ganz weg!«

»Warum?«

»Darum!«

»Geht es eventuell ein bisschen genauer?«

»Mag ich nicht.«

»Was?«

»Den!«

Bei diesen spärlichen Informationskrumen, die der Chefkoch zum Besten gab, konnte sich das Gespräch noch lange hinziehen.

Emil warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Es war bereits Viertel nach sieben. Für Punkt acht Uhr hatte er eine Besprechung mit Dr. Altenberg, dem Leiter der klinikeigenen Rechtsabteilung, anberaumt, und er musste zuvor unbedingt noch seinen knurrenden Magen füllen.

Zu Hause hatte er wieder einmal nichts als ein Stück Wellpappe mit etwas Schmierseife darauf vorgesetzt bekommen. Zumindest hatte das Knäckebrot mit Margarine, das seine Gattin Monika ihm kredenzt hatte, so geschmeckt.

Grund für diese kulinarische Misshandlung war eine Einladung zu einer Silvestergala, die sie erhalten hatten. Monika Rohrmoser hatte gemeint, sie hätte es satt, vorher nachfragen zu müssen, ob es dort auch Stühle gäbe, die nicht gleich zusammenkrachten, wenn ein hochschwangeres Flusspferd – damit hatte sie ihn gemeint! – darauf Platz nahm.

Nicht mal Santa, der kleine Hund, der ihm letztes Jahr kurz vor Weihnachten zugelaufen war und der ansonsten alles – sogar Socken und Teppichfransen! – verdrückte, was nur irgendwie essbar war, hatte etwas davon abhaben wollen. Er hatte den Schwanz zwischen die Hinterbeine geklemmt und war im Schweinsgalopp jaulend aus der Küche geflüchtet, als Emil ihm heimlich ein Stückchen von seinem Frühstück hatte zustecken wollen.

»Lässt sich diesbezüglich nicht mehr mit Ihnen verhandeln?«, fragte er den Küchenchef.

»Nicht!«, lautete die Antwort.

Das Problem war, dass der halbwüchsige Tunichtgut, der seinen Strafdienst am Montag vor drei Tagen angetreten hatte, gleich am ersten Tag aus der klinikeigenen Wäscherei rausgeflogen war.

Zuerst hatte er einen ganzen Eimer Waschpulver in die Waschmaschine gekippt, und es hatte zwei Stunden gedauert, die Schaumberge aus der Wäscherei zu entfernen. Danach hätte er um ein Haar einen Großbrand ausgelöst, weil er ein Laken einfach in der Bügelmaschine stecken gelassen hatte, um eine Zigarette rauchen zu gehen.

Am zweiten Tag war er von Rainer Karlitzky vor die Tür des Gewächshauses gesetzt worden. Der Herr über den Klinikpark, der im großen Gewächshaus bereits die Frühlingsblumen für den Park und auch das Gemüse für die Klinikküche zog, hatte behauptet, seine Gurken würden faulen und die Primeln welken, wenn Elias Fiedler das Glashaus betrat.

Emil versuchte, an Herrn Schnattingers Mitgefühl zu appellieren.

»Wenn wir den Taugenichts vor die Tür setzen, muss er ins Gefängnis. Dann wäre seine Zukunft endgültig im Eimer.«

»Wurst!«

»Wo?« Direktor Rohrmoser schaute sich suchend um, und das Wasser lief ihm im Mund zusammen.

»Mir!«

»Ja, Ihnen ist das vielleicht wurst, mir aber nicht«, lamentierte Emil. »Es geht um den Ruf meines ... unseres Krankenhauses. Ich habe uns für dieses Projekt angemeldet, und wenn wir zu oft scheitern, bekommen wir keine neuen Delinquenten mehr zugeteilt.«

»Wer braucht die schon?«

»Es handelt sich immerhin um kostenlose Arbeitskräfte«, gab Emil zu bedenken. »Und kostenlose Arbeitskräfte schlagen sich in schönen schwarzen Zahlen in der Jahresbilanz nieder. Und schöne schwarze Zahlen in der Jahresbilanz sind auch eine Garantie dafür, dass meine ... unsere Klinik trotz der bedrohlichen Wirtschaftskrise nicht den Bach runtergeht und Sie Ihren gut bezahlten Arbeitsplatz bis zur Rente behalten können.«

Doch auch darauf wusste der Küchenchef etwas zu entgegnen.

»Hundert Liter ins Klo gekippter Kaffee, weil Spucke von einem ungezogenen Rotzbengel drin ist, machen aber rote Zahlen in der Jahresbilanz. Und Patienten, die Ihre ... unsere Klinik verklagen, weil jemand einen ganzen Eimer Chilipulver ins Rührei gerührt hat und sie davon innerlich verbrennen, machen die Zahlen noch viel röter!«

Emil erschrak. »Der Lausebengel hat doch nicht etwa ...?«

»Hat er!«

»Heiliges Sparschwein!« Direktor Rohrmoser fasste sich an die Kehle. Ein Eimer voll Chili musste wie die Hölle brennen. Nicht auszudenken, wie sich ein solches Frühstück beispielsweise auf herzkranke Patienten oder solche mit einem entzündeten Magen ausgewirkt hätte. Was jedoch noch viel schlimmer war ... »Konnten Sie das Rührei noch retten?«

»Wie denn? Hätt ich's waschen sollen?«

»Wie viele Eier?«

»Sechshundert!«

»Heiliges Sparschwein!« Emil überschlug den Preis von sechshundert Eiern rasch im Kopf, zählte noch den Preis eines Eimers voll Chili dazu, und es wurde ihm schwindlig.

Aber wohin mit so einem Nichtsnutz? Emil hatte ja ursprünglich auf Kersten aus der Notaufnahme gesetzt, denn der stellte eine ideale Mischung aus Respektsperson und väterlichem Freund dar und hatte schon so manchen verkorksten Jungmediziner zurechtgerückt. Doch der Quacksalber hatte...



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