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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 391, 64 Seiten

Reihe: Der Notarzt

Graf Der Notarzt 391

Gemeinsam müssen wir das schaffen ...
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1332-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Gemeinsam müssen wir das schaffen ...

E-Book, Deutsch, Band 391, 64 Seiten

Reihe: Der Notarzt

ISBN: 978-3-7517-1332-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Beim Gedanken an das bevorstehende Familienfest verdreht Sonja Haidecker stöhnend die Augen. Ihr ist schon jetzt klar, wie dieses Treffen ablaufen wird: Wieder einmal wird die ganze Arbeit an ihr hängen bleiben, die Schwiegereltern werden über alles und jeden meckern, ihr Mann wird sich bedienen lassen, und die Kinder werden lärmend durch das ganze Haus toben. Aber so kennt sie es schließlich schon seit Jahren, und auch diesmal wird sie den Tag sicher irgendwie überstehen.
Doch Sonja ahnt nicht, dass bei diesem Fest alles anders sein wird als je zuvor. Schöner und zugleich furchtbarer, als sie es sich in ihren kühnsten Träumen ausmalen könnte. Es wird um Leben und Tod gehen und darum, ob diese Menschen an ihrer Tafel im tiefsten Herzen vielleicht doch das sind, was sie zu sein vorgeben: eine richtige Familie, wo der eine für den anderen einsteht und wo jeder auf seinen Nächsten zählen kann ...

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Gemeinsam müssen wir das schaffen ...

Während des fröhlichen Familienfestes kommt es zur großen Katastrophe

Karin Graf

Beim Gedanken an das bevorstehende Familienfest verdreht Sonja Haidecker stöhnend die Augen. Ihr ist schon jetzt klar, wie dieses Treffen ablaufen wird: Wieder einmal wird die ganze Arbeit an ihr hängen bleiben, die Schwiegereltern werden über alles und jeden meckern, ihr Mann wird sich bedienen lassen, und die Kinder werden lärmend durch das ganze Haus toben. Aber so kennt sie es schließlich schon seit Jahren, und auch diesmal wird sie den Tag sicher irgendwie überstehen.

Doch Sonja ahnt nicht, dass bei diesem Fest alles anders sein wird als je zuvor. Schöner und zugleich furchtbarer, als sie es sich in ihren kühnsten Träumen ausmalen könnte. Es wird um Leben und Tod gehen und darum, ob diese Menschen an ihrer Tafel im tiefsten Herzen vielleicht doch das sind, was sie zu sein vorgeben: eine richtige Familie, wo der eine für den anderen einsteht und wo jeder auf seinen Nächsten zählen kann ...

Es war ein wunderschöner Frühlingsmorgen. Die noch tiefstehende Sonne flutete die gemütliche Küche des schmucken Einfamilienhauses im grünen Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach mit goldgelbem Licht.

Doch Ralf Haidecker konnte es nicht sehen.

Draußen im Garten stürzten sich die Vögel unter lautem Gezwitscher auf die Fliegen und Mücken, die nach dem langen Winter ihren ersten – und leider zugleich auch letzten – Rundflug unternahmen.

Doch Ralf Haidecker konnte das fröhliche Zwitschern nicht hören, denn er war wie jeden Morgen hinter seiner Zeitung verschwunden, konzentrierte sich auf die Tagespolitik, den neuesten Tratsch und Klatsch sowie die Sportnachrichten und blendete alles andere völlig aus.

Das einzige Wort, das er seit einer Viertelstunde mit seiner Frau Sonja gewechselt hatte, hatte »mehr!« gelautet. Dazu hatte er die Morgenzeitung ein bisschen angehoben und den leeren Teller so schwungvoll unten durch bis an den Tischrand geschoben, dass die Gabel durch die halbe Küche geflogen war.

Sonja Haidecker stand seufzend und kopfschüttelnd am Herd, um eine weitere Portion Schinken mit Ei zu braten. Seit fast zehn Jahren war sie nun schon mit Ralf verheiratet. Im ersten Jahr hatte er noch in ganzen Sätzen mit ihr gesprochen, wenn er beispielsweise beim Frühstück einen Nachschlag hatte haben wollen.

Schatz, wärst du bitte so lieb, mir noch eine Portion von deinem unglaublich leckeren Schinken mit Ei zu braten? Aber nur, wenn es dir nicht zu viele Umstände macht.

Im zweiten Jahr waren seine Bitten bereits um die Hälfte kürzer ausgefallen.

Kann ich bitte noch eine Portion von dem leckeren Zeug haben, Schatz?

Im dritten Jahr hieß es dann nur noch: Bitte noch mal dasselbe, Schatz!

Im vierten Jahr war dann auch das Bitte weggefallen. Noch ne Portion, Schatz.

Im fünften Jahr war auch der Kosename »Schatz« dem großen Vergessen anheimgefallen. Noch mal so was!

Seit etwa zwei Jahren hieß es nur noch noch was! oder einfach nur mehr! Sonja befürchtete, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein konnte, bis Ralf nur noch mit den Fingern schnippte. Oder grunzte. Oder mit der Gabel auf den Tellerrand klopfte.

Was war nur aus den romantischen Versprechen geworden, die sie einander bei ihrer Hochzeit gegeben hatten? Sie hatten den festen Vorsatz gehabt, nie so zu werden wie andere Ehepaare. Sie wollten alles tun, um ihre Liebe frisch zu erhalten. Sie hatten sich geschworen, einander auch noch nach zwanzig Ehejahren zuzuhören, respektvoll miteinander umzugehen und nie, niemals in diesen langweiligen Trott zu verfallen, wie sie es bei anderen lange verheirateten Ehepaaren beobachtet hatten.

»Tja, schöne Worte, nichts dahinter«, murmelte Sonja fast unhörbar. Dann lachte sie über ihre sinnlose Bemühung, nicht gehört zu werden. Sie hätte Ralf ihre Kritik auch mit einem Alphorn direkt ins Ohr tröten können, er hätte sie auch so nicht gehört.

Er hatte ihre Stimme längst in jene Region seines Gehirns verbannt, in der die unnötigen Nebengeräusche registriert und automatisch ausgeblendet wurden.

»Irgendeine Ahnung, was wir Oma und Opa Haidecker zur Goldenen Hochzeit schenken könnten?«, fragte sie extra laut, als sie den vollen Teller unter dem unteren Rand der Zeitung durchschob.

»Ja.«

»Super! Und was?«

»Was?«

»Was schenken wir ihnen?«

»Wem?«

»Oma und Opa Haidecker.«

»Wieso?«

»Goldene Hochzeit.«

»Wer?«

»Herrgott noch mal!« Obwohl Sonja wusste, dass sie Ralf damit auf die Palme bringen würde, riss sie ihm die Zeitung aus der Hand, hinter der er bereits wieder zu futtern begonnen hatte.

»He, was machst du da?«, brauste der vierzigjährige Steuerberater empört auf. Mit beiden Händen versuchte er, die Zeitung zu erhaschen, die Sonja hoch über ihren Kopf hielt. Dabei stieß er seine Kaffeetasse um, die noch halb voll gewesen war. »Da siehst du, was du angerichtet hast!«, klagte er, als ein paar Tropfen der braunen Brühe vom Küchentisch auf seine Hose tropften, die er erst vor wenigen Minuten angezogen hatte.

»Ich? Du hast die Tasse doch umgestoßen!« Sonja knüllte die Zeitung zusammen und stopfte sie in den übervollen Mülleimer.

»He! Was machst du? Ich war noch nicht fertig!«

Sonja stemmte beide Hände in die Hüften.

»Seit einer Woche versuche ich, mit dir über die Goldene Hochzeit zu reden. Wenn es nicht anders geht, dann eben so! Also ...?«

»Also was?«

»Goldene Hochzeit. Geschenk. Welches?«

»Wessen Goldene Hochzeit? Und was geht mich das überhaupt an?«

Ralf Haidecker hörte sich genauso wie der sechsjährige Matteo an, wenn der sich vor dem Aufräumen seines Zimmers drücken wollte. Kein Wunder, Matteo war ja auch sein Sohn. Die beiden glichen einander nicht nur äußerlich wie ein Ei dem anderen.

»Die Goldene Hochzeit deiner Eltern«, seufzte Sonja. »Darüber rede ich seit einer Woche. Am Samstag ist es so weit, und bis dahin sollten wir wissen, wo wir mit ihnen feiern und was wir ihnen schenken.«

»Wie jetzt, wo? Bei ihnen zu Hause natürlich. Wie immer. Wir fahren nach Essen, essen dort was, geben ihnen ihr Geschenk und fahren wieder nach Hause. Was sonst?«

»Offensichtlich hörst du nicht nur mir nicht zu, sondern auch sonst niemandem. Amalia, deine Mutter, sagte bereits vor drei Monaten, als wir ihren Geburtstag feierten, dass sie genau das nicht mehr möchte.«

»Was möchte sie nicht mehr? Geburtstag feiern?«

Sonja seufzte abgrundtief.

»Sie möchte sich die Arbeit nicht mehr antun, an ihrem eigenen Geburtstag für die ganze Familie kochen und hinterher auch noch die Schweinerei wegräumen zu müssen. Und das alles für eine popelige Bonbonniere und ein paar Blumen, die sie sich auch selbst im eigenen Garten pflücken könnte.«

»Ach so. Na, dann eben nicht.«

»Dann eben was nicht?«

»Keine Goldene Hochzeit. Wenn Mutter nicht feiern will, brauchen wir auch kein Geschenk.«

Sonja konnte förmlich spüren, wie ihr Geduldsfaden immer länger und dünner wurde. Gleich würde er reißen.

Um keinen Streit zu provozieren, schlug sie den Ton an, in dem sie immer mit Matteo und Juna sprach, wenn die beiden mal wieder ihre Geduld auf die Probe stellten.

»Natürlich erwartet Amalia von uns, dass wir irgendetwas arrangieren, Schatz. Und Otto auch. Goldene Hochzeit, das ist schließlich etwas ganz Besonderes. Deine Mutter sieht bloß nicht ein, warum sie an ihrem Ehrentag wie ein Ochse ackern soll, um es uns so gemütlich wie nur möglich zu machen.«

Ralf zuckte mit den Schultern.

»Eigentlich ist es ja die Sache meines Vaters, seiner Frau etwas zur Goldenen Hochzeit zu schenken. Er hat sie ja geheiratet. Nicht ich.«

Sonja lachte trocken auf.

»Als ob Otto auch nur daran denken würde. Dein Vater ist ein Pascha, der daran gewöhnt ist, von morgens bis abends bedient zu werden.«

Genau wie du, hätte Sonja beinahe hinzugefügt. Sie biss sich in letzter Sekunde noch schnell auf die Zunge und schluckte diese Bemerkung herunter.

»Ja und? Was sollen wir da jetzt machen?« Ralf schippte sich mit der Gabel den letzten Rest vom Frühstück in den Mund.

»Die beiden einladen.«

»Wen?«

Sonja verdrehte stöhnend die Augen.

»Oma und Opa Haidecker. Deine Eltern.«

»Was? Hierher zu uns einladen? Das geht nicht!«, protestierte Ralf. »Wir haben kein Gästezimmer. Als sie das letzte Mal bei uns zu Besuch waren, musste ich eine Woche lang auf der Couch schlafen, während du es dir im Kinderzimmer gemütlich gemacht hast.

»Auf dem Fußboden. Sehr gemütlich!«, unkte Sonja.

»Aber immerhin konntest du dich...



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