Graf | Der Notarzt 386 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 386, 64 Seiten

Reihe: Der Notarzt

Graf Der Notarzt 386

Die zweite Chance
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-0843-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die zweite Chance

E-Book, Deutsch, Band 386, 64 Seiten

Reihe: Der Notarzt

ISBN: 978-3-7517-0843-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Notarzt Peter Kersten hält große Stücke auf seine neue Kollegin Dr. Polly Glück. Die junge Frau ist eine fabelhafte Ärztin, unglaublich engagiert, einfühlsam und hilfsbereit. Und doch gibt es immer wieder vereinzelte Momente, in denen dunkle Schatten durch ihre Seele zu wandern scheinen. Momente, in denen Polly plötzlich unnahbar, beinahe aggressiv und zugleich verzweifelt wirkt. Nicht nur Dr. Kersten, sondern auch die anderen Mitarbeiter der Notaufnahme rätseln, was die Ursache für diese heftigen Stimmungsschwankungen sein könnte.
Doch so sehr sie auch grübeln, niemandem gelingt es, hinter Pollys Fassade zu blicken und dahinterzukommen, was sie im Innersten so aufwühlt. Die hübsche Ärztin kämpft nämlich mit einer großen Schuld. Vor einigen Monaten ist ihr ein furchtbarer Fehler unterlaufen, der unvorstellbares Leid nach sich gezogen hat. Und für sie gibt es nur ein Ziel: diesen Fehler wiedergutzumachen ...

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Die zweite Chance

Roman um eine junge Ärztin, die einen schweren Fehler wiedergutmachen will

Karin Graf

Notarzt Peter Kersten hält große Stücke auf seine neue Kollegin Dr. Polly Glück. Die junge Frau ist eine fabelhafte Ärztin, unglaublich engagiert, einfühlsam und hilfsbereit. Und doch gibt es immer wieder vereinzelte Momente, in denen dunkle Schatten durch ihre Seele zu wandern scheinen. Momente, in denen Polly plötzlich unnahbar, beinahe aggressiv und zugleich verzweifelt wirkt. Nicht nur Dr. Kersten, sondern auch die anderen Mitarbeiter der Notaufnahme rätseln, was die Ursache für diese heftigen Stimmungsschwankungen sein könnte.

Doch so sehr sie auch grübeln, niemandem gelingt es, hinter Pollys Fassade zu blicken und zu ergründen, was sie im Innersten so aufwühlt. Die hübsche Ärztin kämpft nämlich mit einer großen Schuld. Vor einigen Monaten ist ihr ein furchtbarer Fehler unterlaufen, der unvorstellbares Leid nach sich gezogen hat. Und für sie gibt es nur ein Ziel: diesen Fehler wiedergutzumachen ...

»Grundgütiger!«

Prof. Lutz Weidner, der Chefarzt der Frankfurter Sauerbruch-Klinik und Vorstand der Kardiologie, hatte völlig vergessen, dass er sich zuvor eine Büroklammer zwischen die Zähne geklemmt hatte, mit der er ein paar Unterlagen zusammenheften wollte.

Als ihm jetzt dieser erschreckte Ausruf entschlüpfte, fiel die Klammer natürlich aus seinem Mund und landete – wo sonst! – direkt im Ausschnitt seines weißen Poloshirts, das er unter dem Kittel trug.

Er schauderte. Allerdings nicht wegen der kühlen Metallklammer, die jetzt langsam seine Brust entlang abwärtsrutschte, sondern wegen des schwarz behaarten, fast nackten Mannes, der ihm mit einem anzüglichen, beinahe zahnlosen Grinsen direkt in die Augen blickte.

»Grundgütiger!«

»Was haben Sie denn? Ist was passiert?«

Marianne Hoppe, die Sekretärin des Chefarztes, betrat ihr Büro. Zum Glück stellte sie das Tablett, das mit Kaffeekanne, Tassen, Zuckerdose und Milchkännchen beladen war, auf einem Aktenwagen ab, bevor sie einen Blick auf den Bildschirm ihres Computers warf, über den Lutz Weidner sich mit geweiteten Augen und offenem Mund beugte.

»Aaah!!!« Sie prallte entsetzt zurück. »Was haben Sie da gemacht, Chef?«

»Ich?« Prof. Weidner richtete sich auf. »Ich habe gar nichts gemacht. Ich bin lediglich Ihrer Bitte nachgekommen, kurz auf Ihr Telefon aufzupassen, während Sie in der Kaffeeküche sind. Ich habe das Signal einer eingehenden E-Mail mit dem Klingeln Ihres Telefons verwechselt, und als ich nachsehen kam, sah ich ...«

Er richtete seinen Zeigefinger auf die dubiose Erscheinung auf dem Monitor.

»Das hier! Wer schickt Ihnen so etwas, Marianne?«

Die vollschlanke Mittfünfzigerin mit den bordeauxroten Ringellöckchen beugte sich über ihren Schreibtisch und kniff die Augen zusammen, weil sie ihre Brille nicht aufhatte.

»Uwe!«, beantwortete sie Prof. Weidners Frage.

»Aha! Und warum schickt Uwe Ihnen ein Nacktfoto von sich?«

»Er ist ja nicht nackt. Oder? Sagen Sie bloß ...!« Sie beugte sich noch weiter nach vorne und seufzte erleichtert auf. »Nein, ist er nicht. Er war so aufmerksam, sich ein Feigenblatt vor den ... vor seinen ... vor das ... vor den ... Sie wissen schon vor was zu halten.

Auch der Professor schaute noch einmal genauer nach.

»Das ist kein Feigenblatt, Marianne«, belehrte er seine langjährige Mitarbeiterin. »Das ist ein Grünkohlblatt.«

»Jacke wie Hose!«, winkte Marianne betont gelassen ab.

»Eine Hose wäre in der Tat angemessen gewesen«, konterte der Chefarzt.

»Vielleicht kann er sich ja keine leisten«, erwiderte die Sekretärin achselzuckend.

»Er könnte ja die goldenen ...« Lutz Weidner beugte sich abermals über den Monitor. »Wie nennt man diese Dinger gleich wieder?«

»Nippelpiercings.«

»Aha. Wenn er die verkaufen würde, könnte er sich für das Geld eine Hose und ein Hemd besorgen. Vermutlich wäre sogar auch noch ein Besuch beim Zahnarzt drin. Vielleicht sagen Sie ihm das bei Gelegenheit.«

»Ich?« Marianne goss Kaffee aus der Kanne in die zwei mitgebrachten Tassen. »Wieso ich? Ich kenne den Kerl überhaupt nicht.«

»Nicht?« Lutz Weidner hob überrascht den Kopf. »Und warum schickt Ihnen der dann ein Nacktfoto?«

»Mit Feigenblatt!«, verteidigte Marianne das kleine Restchen Anstand des haarigen Fremden.

»Grünkohl!«, korrigierte Lutz Weidner sie. »Grünkohl enthält sehr viel Vitamin K. Das ist ein fettlösliches Vitamin, das enorm wichtig für eine gut funktionierende Blutgerinnung ist und auch vor Osteoporose und somit auch vor Zahnverfall schützt. Dazu müsste man den Kohl allerdings essen. Äußerlich angewendet hat er meines Wissens keinen gesundheitsfördernden Effekt.«

Er schob seine Lesebrille von der Stirn vor die Augen.

»Dieser Uwe schreibt, er freut sich darauf, dass Sie ihn bald entblättern, um ihm aus dem Gemüse ein leckeres Süppchen zu kochen.« Der Chefarzt schauderte erneut. Dann griff der stets wachsame Mediziner in ihm durch. »Waschen Sie das Blatt vorher wenigstens gründlich. Man kann nie wissen, was ...«

»Zucker?«, versuchte Frau Hoppe ihn von dem unangenehmen Thema abzulenken.

»Drei Stück, bitte.«

Mit einer Hand fischte Marianne drei Zuckerstücke aus der Dose, mit der anderen klickte sie Uwe mit dem Grünkohlblatt rasch weg.

»Ein dummer Scherz, sonst nichts. Milch?«

»Bitte!«

Mit einem beschwingten Düdeldü traf die nächste Nachricht ein.

»Friedhelm, fünfundvierzig und für wirklich alles offen«, las der Klinikchef vor. »Der ist wenigstens angezogen«, fügte er sarkastisch hinzu. »Wahrscheinlich hatte er keinen Kohl im Haus. Und er hat auch Zähne. Aber nicht mehr lange, so, wie diese aussehen. Dafür wäre der Grünkohl wiederum sehr zu empfehlen, denn er stärkt, wie gesagt, auch die Knochen und die Zähne. Innerlich angewendet natürlich nur.«

Beim nächsten Düdeldü verging ihm das Scherzen. Dennis war fünfunddreißig und sah aus, als ob er weder eine Dusche noch eine Badewanne zu Hause hätte. Eine Schere vermutlich auch nicht, denn seine brünetten Haare, die völlig verfilzt waren, hingen ihm weit bis über die Schultern hinab.

»Aha, doch nicht verfilzt. Beziehungsweise absichtlich verfilzt«, stellte der Professor fest.

Im beigefügten Text beschrieb Dennis sich nämlich selbst als Lebenskünstler, megaspirituell und kurz vor der Erleuchtung. Seine Dreadlocks seien ihm heilig, denn nur mit langen Haaren könne man die positiven Schwingungen aus den höheren Dimensionen empfangen, weil diese wie Antennen wirkten.

»Er schreibt ... Grundgütiger!« Lutz Weidner schauderte. »Er schreibt, dass er Sie gerne in die Geheimnisse des Kamasutra einweihen will.

»Jesses!« Marianne fiel vor Schreck der Löffel aus der Hand. Sie bückte sich danach und wischte ihn mit einer Serviette sauber.

Prof. Lutz Weidner versuchte, Blickkontakt mit seiner Sekretärin aufzunehmen, doch die rührte so ausdauernd und schnell in ihrer Kaffeetasse, als wollte sie die darin befindliche Mich zu Butter verarbeiten. Er räusperte sich, doch Marianne Hoppe ignorierte die diskrete Aufforderung ihres Chefs, ihm die Sache zu erklären.

»Wer schickt uns so etwas, Marianne, und warum?«, stellte er sie also direkt zur Rede.

»Uns? Mir!«, stellte sie schnippisch klar. »Ich habe meine privaten E-Mails vorübergehend hierher umgeleitet. Immerhin verbringe ich ja auch mehr als die Hälfte meines Lebens hier.«

»Na gut, dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Aber warum schickt man Ihnen mit Kohlblättern bekleidete Männer und solche, die mit ihren Haaren was auch immer empfangen?«

Marianne seufzte, nahm ihre Tasse vom Tablett, setzte sich auf ihren Drehsessel und schloss das E-Mail-Programm.

»Ich habe mich bei einem Datingportal angemeldet. Na und?«

»Bei einem was?«

»Datingportal!«, fuhr sie ihn ungeduldig an. »Das ist das im Internet, was früher in der Zeitung eine Kontaktanzeige war. Das weiß aber nun doch wohl inzwischen wirklich schon jeder.«

»Sie suchen also einen Mann?«

»Nein!«, brauste sie empört auf. »Also ... nicht so. Heiraten will ich natürlich nicht. Aber ich habe keine Lust mehr dazu, abends ständig alleine ausgehen zu müssen. Alle meine Freundinnen haben jemanden, ständig muss ich mir das rosarote Gesäusel über die diversen Kläuse, Jürgens, Hänse und Karl-Heinzens anhören. Wissen Sie, wie das nervt?!«

Marianne pfefferte ihre Geldbörse, die auf dem Schreibtisch gelegen hatte, in die Schublade und knallte diese zu.

»Wann immer ich mit einer Freundin etwas ausmache, sagt sie in...



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