E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Golluch Der Ehe-Führerschein
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7453-1180-8
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Was du wissen musst, wenn du dich traust
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-7453-1180-8
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Norbert Golluch, geboren 1949, arbeitete zunächst als Grundschullehrer, bevor er sich - nach einigen Jahren als Verlagslektor und Redakteur einer Satire-Zeitschrift - als Autor selbstständig machte. Zu seinen zahlreichen Bestsellern gehört zum Beispiel 555 populäre Irrtümer. Norbert Golluch wohnt und arbeitet im Bergischen Land in der Nähe von Köln.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
FRAGEN, DIE MAN SICH SELBST SCHON VORAB BEANTWORTEN SOLLTE
Sein Liebesleben locker und spontan zu gestalten, macht sicherlich am meisten Spaß, kann aber auch zu beachtlichem Durcheinander und erotischen Komplikationen der dritten Art führen – einem beinahe außerirdischen Beziehungs-Tohuwabohu. Besser ist es, zumindest den eigenen Standpunkt genau zu kennen und zu wissen, von wo aus man eigentlich auf die nächste vergnügliche Katastrophe zusteuert. Wo stehen du und dein Partner/deine Partnerin in den folgenden Angelegenheiten?
Heißer Feger, aber auch tipp-topp im Team?
Es könnte sein, dass du im Rausch der Hormone realitätsblind wirst und heiße Nächte mit großer Liebe verwechselst. Schmetterlinge im Bauch fühlen sich zwar gut an, helfen aber nicht bei Kakerlaken in der Küche, Stress im Stau, überquellenden Mülleimern oder Streit mit dem Vermieter. Bist du dir sicher, dass dein Partner oder deine Partnerin – und auch du selbst –, dass ihr jenseits der Leidenschaft belastbar und teamfähig seid? Für Chaos-Management im Haushalt brauchst du keine Liebesschwüre, sondern gegenseitige Wertschätzung, Verständnis und Sympathie – Qualitäten, die länger halten als der Liebesrausch.
Geizhals, Buchhalter oder Verschwender?
Es gibt viele Methoden, mit Geld umzugehen, und die haben unter Umständen Auswirkungen auf das Zusammenleben. In den ersten Wochen einer Beziehung schmeichelt es vielleicht dem männlichen wie dem weiblichen Ego, tolle Geschenke zu kriegen, aber noch werden die auch nicht von einem gemeinsamen Konto bezahlt. Noch imponiert ihr, dass er den Scheinwerfer gibt und die Kohle mit vollen Händen aus dem Fenster wirft, um sie zu beeindrucken. Gut, der Edelstein am Verlobungsring ist ein beachtlicher Klunker – wie wunderbar! Doch schon in den ersten Monaten der Beziehung dämmert ihr wahrscheinlich, dass er nicht mit Bill Gates oder Dagobert Duck verwandt ist und dass jedes Mal ein riesiges Loch im Konto klafft und der Kontostand ins Bodenlose fällt, wenn er wieder mit einem bemerkenswerten Geschenk Eindruck schinden musste. Außerdem fällt ihr womöglich auf, dass er nicht nur sie, sondern auch sich selbst und wer weiß wen sonst noch alles mit Geschenken beglückt.
Hast du so einen originalen männlichen oder weiblichen Vollverschwender erwischt, solltest du dich fragen: Sind meine Schulden und seine/ihre Schulden zusammen unsere Schulden? Wenn du konsequent bist, wirst du ihn/sie vielleicht relativ schnell wieder los – nicht aber die roten Zahlen auf dem Konto …
Kein Finanzrisiko, aber auch ganz schön nervig sind Buchhaltertypen, zu erkennen daran, dass sie sich beim Bäcker Quittungen für die Brötchen geben lassen und auf exakte Teilung der Rechnung bestehen, wenn ihr gemeinsam essen geht – selbst wenn sie es waren, die die Einladung ausgesprochen haben. Später in der Beziehung nerven sie durch genaue Buchhaltung und belegen dir alle drei Tage, dass du euren gemeinsamen Besitzstand in Kürze voll gegen die Wand fahren wirst. Wenn ein Buchhaltertyp dazu noch geizig ist, verdirbt er dir nicht nur den Spaß am Geldausgeben – nein, du kannst deinen oder euren Wohlstand nicht mehr genießen und verlierst letztlich den Spaß am Leben. Gegenmittel: strikte Gütertrennung – oder lieber gleich den Partner wechseln.
Mach dir auch klar, dass es Katastrophenszenarien gibt, in denen eigentlich Übereinstimmung zu herrschen scheint: Zwei Verschwender sind zwar ein Herz und eine Seele, aber vermutlich ständig pleite und die besten Kunden bei der SCHUFA. Zwei geizige Bausparer kriegen zwar irgendwann ihr Haus, führen aber so ein verkniffenes und spaßloses Leben, dass spätestens bei der letzten Rate die Beziehung eine gründliche Renovierung oder ein Kind als Rettungsanker braucht.
Wilde Orgien oder Routine im Bett?
Anfangs geht alles automatisch-orgiastisch. Er und sie sind wild aufeinander, viel kann da nicht schiefgehen. Mutter Natur hat das so vorgesehen, sie will ja schließlich möglichst zügig Enkel. Vielleicht rächt sie sich für die heimliche Verhütung, indem sie nach und nach die Luft aus der Liebe lässt – so ultrageil wie am Anfang klappt es bereits nach ein paar Monaten oder spätestens nach zwei bis drei Jahren nicht mehr. Nur Glückspilze und Seelenverwandte in Seifenopern schaffen es länger. Du solltest im Voraus ein paar Gedanken an diese Sache verschwenden, sonst heißt es eines Tages: »I guess you call this love – I call it service!« (Leonard Cohen)
Miteinander reden – wie geht denn das?
Scherzen, schmeicheln, Komplimente machen – alles kein Problem. Es gibt auch Paare, die verstehen sich ohne ein einziges Wort – anfangs. Aber irgendwo zwischen dem intensiven Süßholzraspeln und allen Liebesschwüren lauert die Wirklichkeit, die sich irgendwann mit dem Satz »Da müssen wir jetzt aber mal wirklich darüber reden!« Bahn bricht. An dieser Stelle entscheidet sich unter Umständen, wie lange eure Beziehung halten kann. Ungeschicktes Gestammel, sich gegenseitig Vorwürfe machen, sich schlagende Argumente um die Ohren hauen und sofort in Streit geraten – das alles deutet darauf hin, dass die Wetteraussichten für eure Beziehung schlecht sind. Sich gegenseitig zuhören, Argumente austauschen, auch Sorgen und Kritik äußern, ohne befürchten zu müssen, dass der Partner dies ausnutzt – dann stimmt die Prognose.
Echte Liebe?
Dass der sexuelle Rausch in den ersten Tagen einer Beziehung der Beginn einer echten Liebe sein kann, ist jedermann bekannt. Aber bleibt das, was man Liebe nennt, auch beständig und dauerhaft?
Freust du dich darauf, den Partner zu sehen? Genießt du die Nähe des anderen und die Berührungen auch jenseits aller sexuellen Aktivitäten? Verteidigst du den Partner gegen falsche Einflüsterungen? Gibt es Respekt und Hochachtung vor dem Partner, hast du Vertrauen zu ihm, das ohne Eifersucht auskommt? Lässt du dem anderen seine Freiheiten? Geht die Hilfe zwischen euch über kleine Gefälligkeiten hinaus? Bleibt euch aber auch die Freiheit, Hilfe abzulehnen, wenn der jeweils andere keine Hilfe möchte? Dann könnte es echte Liebe sein.
Single-Autonomie oder Paar-Paradies?
Auf jeden Fall solltet ihr eure Einstellung zum Problem Nähe und Distanz rechtzeitig klären – die Vorstellungen können nämlich ganz schön unterschiedlich sein. Hier die beiden polaren Standpunkte: Autonome Menschen brauchen in der Paarbeziehung ihre Freiräume und leben auch zusammen weiter, als wären sie Singles – solche mit gewissen Vorzügen eben. Eigene Zimmer sind für sie selbstverständlich, ein gemeinsames Schlafzimmer geht gar nicht, denn jeder von den beiden schätzt seinen ungestörten Schlaf ohne die Hand des anderen im Gesicht und ohne die seltsamen Laute, welche der Partner wie auch immer produziert. Auch die Liebe profitiert auf Dauer von getrennten Schlafplätzen, wenn dem Lebensgefährten morgens nicht der vollaromatische Hauch aus dem Mund des Gegenübers entgegenschlägt – diese Beeinträchtigung kann selbst ein freundliches Lächeln nicht so einfach ausgleichen. Sex? Muss es denn unbedingt im Ehebett sein? Es gibt doch so viele spannende Plätze innerhalb und außerhalb der Doppel-Single-Wohnung! Und Urlaub kann man durchaus mal getrennt machen.
Wieder andere Menschen verschmelzen förmlich zu einem Traumpaar, umklammern einander unentwegt wie Koalas im Liebesrausch, können voneinander nicht lassen und blühen im privaten Pärchen-Paradies auf. Sie schlafen im 90-Zentimeter-Bett, könnten beim Frühstück mit einem einzigen Stuhl auskommen und kriegen massive Entzugserscheinungen, wenn sie länger als ein paar Minuten voneinander getrennt sind. Wie Liebesmagnete ziehen sie einander an – und dann auch sofort wieder aus …
Familienmenschen oder Desperados?
Lebensträume müssen zueinander passen. Wenn sie oder er ein paar Kinder, ein Eigenheim im Grünen und trautes Familienleben mit dem Partner bis zur Rente möchte, der oder die andere aber abenteuerliche Reisen in jede Region der Erde, kreative Selbstverwirklichung als Künstler in den Großstädten dieser Welt inklusive emotionaler Freiheit anstreben will, bleibt auf jeden Fall einer von zwei Lebensträumen auf der Strecke. Das hält auch die größte Liebe auf Dauer nicht aus – irgendwann kommt die Trennung und das, was für immer gelten sollte, wird zu einer Art Mehrfach-One-Night-Stand.
Glimmstängel in der Partnerschaft?
So klein und doch so gefährlich: Mit ihren gerade mal knapp 75 Millimetern besitzt die Zigarette eine enorme Zerstörungskraft – für die Gesundheit, das ist wohl jedem klar. Doch auch für eine Beziehung kann der regelmäßige Gang in die Raucherpause eine nicht zu unterschätzende Vergiftung darstellen. Die Eskalationsstufen sind dabei meistens dieselben: Solange beide...




