E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Goldrick Perle der Karibik
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-5669-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-5669-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Faith hat auf St. Kitts einen ungewöhnlichen Job übernommen: Sie soll Lady Sunny vor Männern schützen, die es auf ihr Vermögen abgesehen haben. Schwer wird Faiths Aufgabe, als sie sich in Harry verliebt, der offensichtlich nur eins will: Geld von der alten Dame, um ein Hotel zu bauen!
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1. KAPITEL
„Es ist vor allem der seltsame Name, der mich interessiert und neugierig macht.“ Faith Latimore musterte Eli Whitmores schmales Gesicht. „Lady Sunny, nicht wahr?“
„Eigentlich Lady Griselda“, erklärte der alte Rechtsanwalt. „Als sie zwischen den beiden Weltkriegen offiziell in die Gesellschaft eingeführt wurde, nannte man sie wegen ihres sonnigen Gemüts Lady Sunny, und dieser Name blieb an ihr hängen.“
„Was genau wäre mein Job?“
„Zunächst einmal zu ihr in die Villa auf Saint Kitts, der karibischen Insel, zu fahren.“
„Und weiter?“
„Nun, meine Liebe, Lady Sunny hält sich noch immer für jung. Sie ist mit tausend Dingen beschäftigt und braucht jemanden, eine Gesellschafterin oder so, die ihr gewissermaßen als Laufbursche oder Mädchen für alles dient.“
„Gibt es denn niemanden auf Saint Kitts, der …“
„Ich muss wohl ein wenig deutlicher werden, Miss Latimore. In den vergangenen sechs Jahren haben wir insgesamt fünf Gesellschafterinnen hingeschickt, und alle sind bald vor dem Traualtar gelandet. Aber Sie deuteten in Ihrem Bewerbungsschreiben an, dass Ihnen an einer Ehe absolut nichts liegt. So ist es doch, nicht wahr?“
Faith atmete tief durch. Noch jetzt schauderte es sie, wenn sie an früher dachte. Zum Beispiel an Elison Fane damals in Massachusetts. Der hatte sich vor allem für ihre Stellung in der Firma Latimore interessiert, dem drittgrößten Bauunternehmen der Vereinigten Staaten. Er hatte es geschafft, dieses Interesse bis drei Tage vor der geplanten Hochzeit mit ihr zu verbergen. Faith hatte sich seinetwegen nach England geflüchtet. Dort lernte sie Harry Watson kennen, ein entzückend rauer, aber herzlicher Yorkshireman, der eine Frau suchte, um die Nachfolge und damit das Erbe zu sichern. Er hatte Faith umworben, bis sie herausfand, dass er Alkoholiker war.
Was Männer betrifft, so habe ich keine gute Menschenkenntnis, dachte sie und sagte energisch zu Eli Whitmore: „Nein, an einer Ehe bin ich wirklich nicht interessiert.“
„Das hilft uns ein gutes Stück weiter“, bemerkte der Rechtsanwalt. „Also, jetzt erkläre ich Ihnen, was Sie tun müssen.“
Bald danach saß Faith in einem gecharterten Jet, zusammen mit einigen wenigen Kleidungsstücken, dem Zeugnis über ihr juristisches Abschlussexamen und über ihren Doktor der Philosophie. Tausend Fragen schwirrten ihr noch immer im Kopf herum, Fragen, die ihr bisher niemand beantwortet hatte. Aber sie fand im Flugzeug eine Mappe mit allen möglichen Informationen vor, die sie eifrig studierte. Als sie schließlich auf dem Golden-Rock-Airport gelandet war und bald darauf die luxuriöse, riesige Villa erreichte, in der sie ihre neue Stellung antreten sollte, glaubte sie, einiges zu wissen. Aber vielleicht entsprach nicht alles der Wahrheit, was darin gestanden hatte.
Die sehr moderne Villa lag wie ein reichlich verunglückter Architektenentwurf auf dem Old Stone Fort Hill da. Sie wurde „Rose Cottage“ genannt – ein genauso absurder Name für dieses Monstrum wie die „Cottages“ mit ihren fünfzig Zimmern in Newport auf Rhode Island, die Faith kannte.
Zu ihrem Erstaunen wurde Faith nicht von Lady Griselda, sondern nur von dem Butler Napoleon begrüßt. Er wies sie auch in ihre Pflichten als Hausdame ein, worüber sie sich wunderte. Sie machte eine Bemerkung über das Missverhältnis zwischen dem Namen der Villa und ihrer Größe.
„Sicherlich hat die Villa doch mehr als vierzig Zimmer“, sagte sie lächelnd.
„Genaugenommen sind es sechsundfünfzig Zimmer“, berichtigte sie der Butler.
Fünf Tage vergingen, und noch immer hatte Faith die Hausherrin nicht kennen gelernt. Da es sie beunruhigte und sie auch Entscheidungen zu treffen hatte, was die Organisation des Haushalts betraf, wandte sie sich schließlich an Napoleon. Wie sie von ihm erfahren hatte, stammte er von Montserrat, einer Insel der kleinen Antillen, und sprach den dortigen weichen Akzent.
„Hören Sie, ich muss unbedingt Lady Sunny sprechen“, erklärte sie entschieden. „Das können Sie sicherlich begreifen, denn es stehen einige Entscheidungen an.“
„Aber Sie sind ja erst fünf Tage hier“, erwiderte Napoleon würdevoll. „Nach der hiesigen Zeitrechnung also kaum eine Minute. Lady Sunny würde Ihr Ansinnen für zu hastig und überstürzt halten.“
„Nun, überstürzt oder nicht, ich bestehe darauf, von Lady Sunny empfangen zu werden, und zwar unverzüglich. Wo ist sie?“
Mit einer vagen Handbewegung deutete der Butler auf die breite Veranda, die die ganze Villa umgab. „Dort auf der Veranda, Domina. Aber an Ihrer Stelle würde ich es nicht versuchen“, warnte er.
Da kannte er Faith Latimore schlecht! Sie würde es tun. „Da ist übrigens noch etwas, Napoleon“, sagte sie energisch. „Domina. Ich bin keine königliche Herrscherin und möchte Schlicht und einfach Faith genannt werden.“
Ein wenig erstaunt schaute der Butler sie an. „Aber Sie sind doch für die meisten Angelegenheiten dieses Hauses zuständig und herrschen hier sozusagen. Doch wir könnten uns auf einen Kompromiss einigen. Alle übrigen Dienstboten werden Sie Miss Faith nennen, ja?“
„Nur Faith“, verbesserte sie ihn.
„Miss Faith“, beharrte er und fügte hinzu: „Selbstverständlich bleibe ich bei der Anrede Domina, wenn Sie gestatten.“
Faith gab es auf, ihn umzustimmen, und machte sich auf die Suche nach Lady Sunny. Sie durchquerte eine ganze Anzahl von Räumen, bis sie schließlich wieder auf der anderen Seite des ausgedehnten Hauses ins Freie trat und von einer wohl tuenden tropischen Brise begrüßt wurde.
Die riesige Veranda aus hellem Holz, die weit über den Rand der Klippe hinaushing, war fast leer. In einer Ecke stand ein lächelndes Hausmädchen, und in der Mitte spielten sechs übermütige Kätzchen um ein großes rundes Polsterkissen. Auf dem Rundpolster saß eine winzige, rundliche weißhaarige Dame, die Faith an ein Gemälde von Königin Victoria im späten Alter erinnerte. Das Gesicht der weißhaarigen kleinen Frau, die mit den Kätzchen spielte, zeigte ein heiteres, vergnügtes Lächeln. Als Faith näher kam und sich räusperte, blickte die alte Dame auf.
„Ach ja, ich habe Sie erwartet. Natürlich nicht unbedingt schon heute, Domina“, sagte sie und lachte leise auf.
Das also ist Lady Sunny, dachte Faith.
Einladend klopfte die zierliche Frau, die ein bodenlanges schwarzes Kleid und eine kostbare Perlenkette trug, neben sich auf das Rundpolster. „Meine Güte, was sind Sie groß“, bemerkte sie.
„Fast einen Meter achtundsiebzig“, erwiderte Faith. „Mein Vater ist ein sehr großer Mann. Allerdings ist meine Mutter recht klein.“
„Meine auch“, erwidert Lady Sunny mit einem Lächeln. „Aber wir Kinder sind alle winzig gewesen. Wir waren sieben Mädchen, wissen Sie.“ Sie nickte, als wäre es eine allseits bekannte Tatsache. „Sieben Töchter, was meinen Vater ein bisschen enttäuschte. Nach seinem Tod konnte nämlich nur ein männlicher Nachkomme seinen Titel erben, müssen Sie wissen. Mit seinem Tod ging dieser Titel unserer engeren Familie leider verloren. Irgendein entfernter kanadischer Verwandter hat ihn dann geerbt, wenn ich mich recht erinnere. Doch Vater hat uns trotz seiner Enttäuschung immer voller Liebe behandelt und sich darum bemüht, uns gut zu verheiraten. Ja, er war wirklich ein großartiger Vater. Und Ihrer?“
„Er ist ein feiner Mann. Aber um ehrlich zu sein, es ist Mutter, die in unserer Familie das Zepter schwingt.“
„Wie ungewöhnlich“, murmelte die alte Dame nachdenklich vor sich hin. „In unserer Familie war es Vater, der den Ton angab, so war es in unseren Kreisen damals üblich. Und dann Dicky … mein Mann …“
„Dicky?“ Faith hockte sich vor der alten Dame auf den Fußboden. „Stammte Ihr Gatte auch aus dem Adel?“
Lady Sunny kicherte. „Oh nein, viel, viel besser. Dicky machte Schuhe. Er baute Schuhfabriken überall in der Welt. Schauen Sie mal her.“ Sie zeigte auf ihre hellblauen, mit Strass besetzten Slipper. „Die sind aus einer Fabrik in Singapur… oder Hongkong oder Luanda, ich weiß es nicht so genau.“ Sie zuckte mit den Schultern, und dabei erzitterte ihr ganzer rundlicher Körper. „Es ist nicht wichtig. Meine Lieblingsfarbe. Sie haben wunderschönes Haar“, wechselte sie dann abrupt das Thema.
„Ich …“ Etwas durcheinander wegen des plötzlichen Themenwechsels, griff Faith nach ihrem Notizbuch. „Ich möchte gern einige wichtige Dinge mit Ihnen …“ fing sie an. Doch die alte Dame hob abwehrend die Hand.
„Für ein Mädchen gibt es nichts Wichtigeres, als zu heiraten“, hob sie hervor. „Das sagte Dicky auch immer, und er hatte jedes Mal recht.“ Sie musterte Faith kritisch von oben bis unten. „Sie sollten übrigens keine Hosen, sondern Kleider tragen. Hosen sind ja ganz nett, aber… nun, irgendwie verführerisch.“
Ach, du meine Güte, heiraten und Kinder kriegen! dachte Faith grimmig und ging ihrerseits zum Angriff über. „Da ist etwas, das mir nicht gefällt, Mylady. Dieses Domina. Ich ziehe es vor, Faith genannt zu werden.“
„Das kann ich mir vorstellen.“ Lady Sunny kicherte. „Aber bei uns hier wird kaum etwas geändert. Allerdings, wenn Sie wünschen, dass die einfacheren Dienstboten Sie mit Miss Faith anreden … Was für herrliches Haar. Dicky wäre begeistert gewesen. Ach ja, der liebe Dicky. Wie sehr er mir fehlt! Ändere hier nichts, bat er mich auf seinem Sterbebett, Und ich habe mich stets danach gerichtet und nie etwas geändert.“
„Ja,...




