E-Book, Deutsch, Band 9, 320 Seiten
Reihe: Kommissär Ferrari
Gold Wenn Marionetten einsam sterben
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7245-2040-5
Verlag: Reinhardt, Friedrich
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 9, 320 Seiten
Reihe: Kommissär Ferrari
ISBN: 978-3-7245-2040-5
Verlag: Reinhardt, Friedrich
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Anne Gold ist das Pseudonym von zwei Basler Autoren.
Autoren/Hrsg.
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1. Kapitel
«Kommt überhaupt nicht infrage!»
«Im letzten Jahr klang das noch ganz anders. Na ja, zumindest bis du dir eine Zerrung eingefangen hast. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass das Absicht war.»
«Also bitte. So einen Mist habe ich lange nicht gehört.»
«Dir ist alles zuzutrauen. Ich hör dich noch, als ob es gestern gewesen wäre. ‹Bitte, bitte, ich will unbedingt dabei sein›», äffte Monika ihren Lebenspartner Kommissär Francesco Ferrari nach. «Und jetzt, wo es um die Wurst geht, macht der Herr einen Rückzieher. Typisch.»
«Nein und nochmals nein! Ich habe es mir eben anders überlegt. Ich laufe nicht in kurzen Hosen wie ein Volltrottel im Kreis herum. Ende der Diskussion.»
«Es ist für einen guten Zweck.»
«Blödsinn! Was ist daran gut? Dass ich nach zwei Runden mit einem Herzinfarkt ins Spital eingeliefert werde?»
«Olivia bezahlt für jede Runde, die du läufst, tausend Franken.»
«Und wieso gerade ich? Sie kann doch einen ihrer Lover umbringen. Davon gibts genügend.»
«Die Idee ist wirklich gut, Francesco. Mit dem Geld will die Stiftung einen Kinderspielplatz bauen. Komm schon, Brummbär, sag ja.»
Monika kraulte Ferrari am Kinn.
«Lass das …»
Der Kommissär ging in den Garten hinaus. Von wegen Rückzieher. Wir leben in einem freien Land, in dem jeder seine Meinung äussern und natürlich auch ändern darf. Wieso also ich nicht? Als mir Monika von Olivia Vischers Stiftung erzählt hat, wie hiess sie gleich noch?, «Gesund durch Spass» oder so ähnlich, fand ich die Idee gut. Auch dass Monika und Marco Streller im Patronatskomitee sind. Vor allem die Vorstellung, mit und neben meinem Stürmeridol zu laufen, gefiel mir ausserordentlich gut. Aber seien wir ehrlich, ich kann mich nur blamieren. Mein Body-Mass-Index lässt zu wünschen übrig, genauso wie meine Fitness. Was solls, es kann nicht jeder den ganzen Tag im Fitnessstudio verbringen, Gewichte stemmen und so. Mein Job ist es, Mörder zu fassen, und Olivia soll ihrerseits mit ihren Milliarden dafür sorgen, dass die Kinder zu Spielplätzen kommen. So weit, so gut. Dass sie nun aber andere mit in den Schlamassel hineinzieht, oder vielmehr mich, das geht entschieden zu weit.
Puma, die schwarze Katze der Nachbarin, schmiegte sich an Ferraris Bein und liess sich verführerisch auf den Rücken plumpsen. Eine Katze müsste man sein, dachte der Kommissär und kraulte ihr den Bauch. Du hast es gut. Du musst keine blöden Runden auf der OB-Matte drehen, damit «Gesund durch Spass» auf Kosten Laufunwilliger ihre Kasse füllen kann. Und dann erst noch bei diesem Wetter! Gemäss Meteorologen war der Juli viel zu heiss und zu trocken. Gerade mal drei Prozent des üblichen Juliregens waren bisher gefallen. Kein Wunder, bangen die Bauern um ihre Ernte. Wenn Petrus den Juli noch in Ordnung bringen will, rein statistisch gesehen, werden wir in den nächsten zwei Wochen ertrinken. Und allem Anschein nach war es ihm ernst, denn der Wetterdienst hatte für die kommenden Tage starke Böen und heftige Gewitter angekündigt. Ferrari blickte zum Himmel. Sternenklar, nirgends zeigte sich eine Wolke. Seltsam, nur das mit dem Wind stimmte. Die Baumkronen im Hardwald wippten zuerst leicht, dann immer stärker hin und her. Wie stumme Riesen, die sich im Wind langsam auf mich zubewegen. Es sieht richtig unheimlich aus. Das fand auch Puma, die blitzschnell durch den Wintergarten huschte und im Haus verschwand. Der Kommissär schmunzelte. Nach dem langen Spitalaufenthalt der Nachbarin war ihr Zuhause zu Pumas zweiter Heimat geworden. Wie gesagt, eine Katze müsste man sein. Vielleicht klappts ja in einem anderen Leben.
«Und, läuft er?»
«Nein! Er läuft nicht. Du hast mir gerade noch gefehlt, Nadine. So wahr ich Francesco Ferrari heisse, ich laufe nicht. Und wenn ihr euch auf den Kopf stellt, es nützt alles nichts! Ich laufe nicht. Nicht für alles Geld auf der Welt.»
Nadine sah Monika verschwörerisch an.
«Meine Rede!»
«Das stimmt nicht, Nadine. Er ist bloss zu faul.»
«Was stimmt nicht?», wandte sich der Kommissär an seine Kollegin, doch Nadine lächelte nur engelhaft.
«Nadine meint, dass du einfach zu fett geworden bist», erklärte Monika.
«Zu fett? Ich zu fett? Ich habe kein Gramm zu viel auf den Rippen. Das nimmst du sofort zurück.»
Sie zwickte ihn in die Seite.
«Da kann ich nur lachen. Du hast eine richtige Wampe. Pirelli lässt grüssen.»
Unwillkürlich zog der Kommissär seinen Bauch ein.
«Du kannst deine Winterreifen ruhig draussen lassen. Für einen Wechsel ist es eh zu spät. Du bist zu fett und kannst gar nicht mehr laufen.»
«Das ist doch … nein, ich lasse mich nicht provozieren.»
«Da ist Yvo schon ein anderes Kaliber.»
«Yvo? Was zum Teufel hat mein Schulfreund damit zu tun?»
«Ihn mussten wir nicht auf Knien anflehen. Er sagte sofort zu.»
So, so! Yvo Liechti läuft mit. Seines Zeichens Stararchitekt und womöglich, das finde ich schon noch raus, Bettgspusi von Nadine, obwohl er ihr Vater sein könnte.
«Wann hast du ihm denn seine Zusage abgerungen?»
«Gestern Nacht im Bett!»
«Hm.»
So genau wollte ich es gar nicht wissen.
«Yvo wusste, dass du kneifst. Der liebe Francesco sei schon in der Schule ein Faultier gewesen. Nur keinen Sport, und vor allem kein Schwimmen. Du sollst richtig Angst vor dem Wasser gehabt haben», kicherte Nadine.
Wenn ich ihn das nächste Mal sehe, schlage ich ihm die Zähne ein.
«Und beim Stafettenlauf hast du immer den Stab fallen lassen. Noch schlimmer wars bei den Waldläufen, deine Gruppe musste am Ende stets gesucht werden.»
Ich werde ihn in seine Einzelteile zerlegen. Definitiv.
«Was meinst du, Monika, wenn dein Liebster also nicht zu fett ist, wie er behauptet, weshalb läuft er dann nicht? Vor einigen Wochen klangs nämlich noch ganz anders.»
«Weil der Herr düpiert ist, dass er mit anderen zusammen laufen muss. Dabei hat sich Marco angeboten, mit ihm über die Bahn zu joggen.»
«Das ist doch super. Stell dir vor, du mit Marco Streller auf der Tartanbahn. Alle werden dich beneiden.»
«Gut, ich machs. Ich werde diesem Angeber Yvo zeigen, dass ich noch immer in Topform bin.»
«Super!»
Monika drückte Ferrari einen Kuss auf die Lippen.
«Unter einer Bedingung. Ich laufe nicht, wenn Marco mitläuft.»
Nadine blickte irritiert zu Monika, die in ihrer Bewegung erstarrte.
«Was passt dir denn jetzt wieder nicht? Zuerst willst du nicht in einer Gruppe von No-Names laufen und nun nicht mit Marco. Entscheide dich gefälligst, was du willst. Und was hast du auf einmal gegen Marco? Schiesst er zu wenig Tore oder was?»
«Ich bin sein treuster Fan, das weisst du ganz genau. Es ist nur so … der ist voll austrainiert und läuft mir um die Ohren. Ich hab absolut keine Chance und kann mich nur blamieren.»
«Ah, darum gehts. Fettbauch will nicht mit Waschbrettbauch rennen.»
«Hm!»
«Das versteht sich doch von selbst, dass Marco nicht sein gewohntes Tempo mit dir durchziehen kann. Er soll ja Runde für Runde mit dir laufen. Am besten, ich rede nochmals mit ihm. Würde das den Herrn motivieren?»
Das klingt wie Musik in meinen Ohren. Ganz gemächlich, Runde für Runde mit Marco an meiner Seite. Wieso nicht?
«Wenn du Marco dazu kriegst, dass er ganz langsam mit mir läuft, bin ich einverstanden, Monika. Da wäre allerdings noch etwas …»
«Jetzt ist es aber genug, Francesco! Man könnte meinen, du seist der Superstar dieses Benefizlaufes.»
Bin ich doch auch! Zwei Schönheiten liegen mir zu Füssen, flehen mich an, daran teilzunehmen. Und die reichste Frau von Basel, wenn nicht der Schweiz, setzt sozusagen einen Preis auf meinen Kopf aus. Das alles spricht doch eine eindeutige Sprache.
«Hör sofort mit deinem überheblichen Grinsen auf, Ferrari!»
Oh, oh! Wenn Monika zu «Ferrari» übergeht, wird es ernst.
«Also, was sind deine weiteren Bedingungen, du Supersiech?!», höhnte Nadine und klopfte ihm augenzwinkernd auf den Bauch.
«Lass das! Meine Gage sind zweitausend Franken pro Runde. Wenn schon, denn schon. Wie lang ist eine...




