Goebel | Jesus, die Milch ist alle | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Goebel Jesus, die Milch ist alle

Meine schräge WG und ich
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-451-82234-6
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Meine schräge WG und ich

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

ISBN: 978-3-451-82234-6
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Hi, ich bin Jesus. Ich wohn' jetzt hier.' Mit diesen Worten zieht Jesus eines Tages bei Jonas und seiner Freundin ein. Während sie gemeinsam durch die Pubs ziehen, Netflix schauen und Stimmung in den Seniorenkreis bringen, kann Jonas seinem neuen Mitbewohner endlich die Fragen stellen, die ihm schon lange unter den Nägeln brennen: Wie findet Jesus eigentlich unsere Gottesdienste und Krippenspiele? Was sagt er zum Klimaschutz? Hat der Himmel eine Obergrenze und was hat es eigentlich mit dem Heiligen Geist auf sich? Das witzige Jesus-Buch eines jungen Pastors mit viel Tiefgang und Stoff zum Diskutieren - und einem ganz besonderen Überraschungsgast.

Jonas Goebel, Jg. 1989, ist Pastor der Ev.-Luth. Auferstehungskirchengemeinde in Hamburg-Lohbrügge - und Blogger, Podcaster, Buchautor und Jesus-WG-Mitbewohner. Bekannt wurde er durch Auftritte bei Preacherslams, eine Predigtversteigerung auf eBay, sein neuartiges Gottesdienstkonzept und die 'Netflixisierung' von Kirche. Seine Bücher verbinden Theologie mit Humor, Alltagsbeobachtungen mit Himmelsblick - ehrlich, schräg und nah dran. Wenn er nicht schreibt oder predigt, ist er mit Frau, Sohn und Hund unterwegs - oder träumt davon, von Fritz Kola gesponsert zu werden.
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@theRealJesus


»Es jibt sone und solche, und dann jibt es noch janz andre, aba dit sind die Schlimmstn«, liest Jesus laut vor. Martin schmunzelt. Ich nicke zustimmend.

Jesus klappt das Känguru-Manifest zu und stöhnt theatralisch. »Wenn ich nur so schreiben könnte wie dieser Marc-Uwe Kling! Mein neues Evangelium würde sich besser verkaufen als die Bratwürste am Alexanderplatz.«

Dann frage ihn doch als Ghostwriter an, denke ich mir. »Habe ich schon. Bislang keine Antwort«, antwortet Jesus missmutig.

Es ist Sonntagabend und das bedeutet ungefähr die Hälfte des Jahres bei uns im Pastorat: Football-Abend. Oder in anderen Worten: Sieben Stunden auf der Couch mit Pizza und Energydrinks herumlümmeln. Und da glücklicherweise mindestens die Hälfte eines Football-Spiels aus Werbung besteht, hat man immer genug Zeit zum Schnacken. Quasi ’ne richtig soziale Sache, so ein Football-Abend.

Zumindest theoretisch. Faktisch zeigt Martin bislang wenig bis kein Interesse. Also weder am Spiel noch am Schnacken. Und Jesus zitiert wahlweise das Känguru oder hängt an seinem neuen Handy, einem Fairphone. Wollte er zwar erst nicht haben, weil Trixi ihn überzeugen konnte, dass es ökologischer wäre, ein günstiges Handy einfach möglichst lange zu nutzen, aber ich konnte noch überzeugender auf ihn einreden, dass sich auf Instagram so ein Fairphone mit Sicherheit gut machen würde. Gesagt, gekauft. Aber der angekündigte Boost bei den Followerzahlen ist bislang leider ausgeblieben. Jesus hängt immer noch irgendwo im zweistelligen Bereich fest. Während Martins YouTube-Kanal nicht aufhört, Klicks und Abonnenten zu sammeln.

Jesus hat es aber digital auch nicht leicht. Er musste feststellen, dass sein Wunschname (@theRealJesus) schon lange vergeben ist, Twitter will seinen Account partout nicht verifizieren (ich sagte ja bereits: Jesus hat durchaus ein Glaubwürdigkeitsproblem), auf Facebook ist er, glaube ich, der letzte wirklich aktive Nutzer, für Instagram ist Jesus nicht fotogen genug und von TikTok hat er sich nach wenigen Tagen verstört wieder abgemeldet. Das waren ihm zu viele zu junge zu wenig bekleidete Mädchen.

»So, Martin und Jesus, dann mal herkommen und die Pizza belegen«, ruft Trixi aus der Küche. Martin tippt sich an die Stirn und ruft zurück: »Ich stell mich doch nicht in die Küche. Bin ich ’ne Frau oder was?« Ich verschlucke mich an meinem Energydrink. Martins Sexismus ist manchmal nicht auszuhalten. Trixi und ich haben uns fest vorgenommen, ihm mal gehörig das Testosteron aus der Blutbahn zu diskutieren. Aber alles zu seiner Zeit. Und Trixi lässt sich da auch schon jetzt nichts gefallen.

»Martin, komm ran hier. Sonst gibt’s eine Woche keinen Whiskey und ich schalte dir das Internet ab!«

Ächzend und widerwillig macht sich Martin auf den Weg in die Küche. Als Jesus ihm folgen will, halte ich ihn am T-Shirt fest. Er schaut mich etwas unwirsch an. »Jonas, du weißt, dass ich das mit den Berührungen nicht mag?«

»Jaja, ist ja gut«, sage ich. Mir liegt schon seit Tagen eine Frage auf der Zunge. Jetzt oder nie: »Ich habe eine Bitte, Jesus. Aber du darfst niemandem davon erzählen, okay?«

Jesus nickt. Ich beuge mich verschwörerisch vor und frage ihn flüsternd: »Ich habe unten im Keller zwei Kisten Wasser. Könntest du die zu Fritz Kola verwandeln?«

Jesus seufzt und schaut mich mitleidig an. »Ich habe es doch schon versucht zu erklären: Dieses Mal gibt’s keine Wunder von mir. Ich habe einen ganz klaren Auftrag: Schreib ein neues Evangelium. Punkt.«

»Komm schon, Jesus! Ich würde es auch keinem sagen und es wäre ja auch nur ein ganz kleines Wunder!«

Mit »Ein Nein ist ein Nein« beendet Jesus meine Bitten um eine wundersame Koffeindrink-Vermehrung und geht in die Küche, um sich seine Pizza zu belegen. Na ja, einen Versuch war es wert.

Ich lasse mich aufs Sofa fallen, während Quarterback Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs den ersten Touchdown-Pass des Abends wirft. Irgendwie hatte ich gehofft, dass Jesus für uns doch einfach hin und wieder das eine oder andere Wunder springen lassen würde. Schade!

»Deine Freundin ist doch spülsüchtig«, grummelt Martin, während er zurück ins Wohnzimmer kommt. »Über zwanzig Millionen Menschen in Deutschland sind spülsüchtig. Helfen Sie Ihnen jetzt und waschen Sie Ihren Dreck selbst ab«, antworte ich. Ich bin mir aber relativ sicher, dass Martin den Wink mit dem Putzlappen gekonnt überhört hat.

»Und, wie lief deine Woche so, Martin?«, versuche ich mich stattdessen in Smalltalk. »Gut! Ich habe meine Briefe an den Papst abgeschickt und habe ein ausgezeichnetes Gefühl bei der Sache!«

»Wollten wir darüber nicht eigentlich noch mal reden, Martin?«

»Wieso? Das ist ja wohl mein Bier, mit wem ich mich anlege!«

»Ja und nein. Solange du deine Briefe auf unserem Tisch schreibst, unsere Briefmarken nutzt, dabei meinen Whiskey trinkst und das alles über den Drucker der Gemeinde vervielfältigst, möchten wir gerne wissen, was du an wen so schreibst.«

Martin schüttelt den Kopf und verschränkt die Arme vor seiner Brust. »Martin!«, fahre ich ihn etwas lauter als beabsichtigt an.

»Na, hat unser Reformator mal wieder heimlich eine Hatespeech verschickt?«, fragt Trixi, während sie mit Jesus zurück ins Wohnzimmer kommt.

Ich nicke. »Ja, dieses Mal an den Papst!« Hilfesuchend schaue ich Jesus an. »Jesus, sag doch auch mal was dazu!«

»Was soll ich dazu sagen? Wir wissen doch alle, dass Martin mit dem Vatikan im Dauerstreit liegt.«

»Ja und könntest du das nicht mal geradebiegen? Zumindest in deinem neuen Evangelium?«, schlägt Trixi vor.

Jesus zuckt mit den Schultern. »Ich verstehe das Problem überhaupt nicht. Ich meine: Ja, das mit Petrus und dem Papsttum, das haben die Katholiken ein klein wenig überinterpretiert, aber deshalb ist der Laden doch nicht gleich verkehrt. Und überhaupt: Nennt mir eine christliche Kirche, die nicht auf ihre Art irgendeinen Teil der Bibel überbewertet hat und dafür andere Stellen konsequent vernachlässigt. C’est la foi! That’s faith, so ist das eben im Glauben! So, und jetzt rückt mal ein wenig auseinander, ich brauch auch noch Platz auf dem Sofa.«

Wir rücken artig zur Seite. Im Großen und Ganzen haben wir uns inzwischen daran gewöhnt, dass Jesus gewisse Probleme mit körperlicher Nähe hat. Liegt wohl daran, dass bei jeder Berührung eine Energie von ihm ausgehen kann, die er offensichtlich nicht zu hundert Prozent unter Kontrolle hat. Leider ist Jesus aber auch nicht weiter auf Trixis Frage eingegangen, warum diese Energie dann nie fließt, wenn es um den Haushalt geht. Dreckwäsche anfassen. Zack sauber und gebügelt. Die bei uns konsequent immer verkalkte Duschabtrennung aus Glas berühren. Ruckzuck glänzt das Ding wieder. Das wäre doch was! Na ja, aber es ist halt, wie ’s ist, und Jesus hat leider weniger Ähnlichkeiten mit dem Wünsche erfüllenden Sams als erhofft.

»So meine Lieben, dann mal alle nett lächeln, cool aussehen oder zumindest das Beste aus sich rausholen«, reißt Trixi mich aus meinen Gedanken. »Jesus, du machst das Selfie von uns vieren. Und denk an #ranNFL und weitere gute Hashtags«. Artig machen wir bei der Instagrammisierung des Abendlandes mit.

Ich schaue mir das Foto an. Na ja. Die Einzige, die auf dem Foto gut aussieht, ist eigentlich Trixi. Besonders auffällig: Jesus muss echt dringend wieder zum Friseur. So unter uns: Irgendwas stimmt mit seinen Haaren nicht. Egal was er ausprobiert, es sieht immer komisch aus. Und ganz ehrlich: Er hat echt schon viel probiert. Als er hier ankam: die Mähne. Das haben wir ihm sofort ausgeredet. Der Pferdeschwanz war auch nur ein sehr kurzes und dennoch optisch schmerzvolles Intermezzo. Kurzhaarschnitt passte irgendwie auch nicht. Da sah er aus wie zwölf. Undercut fand ich eigentlich ganz gut, war ihm aber zu hip. Aktuell versucht er täglich mit meinem Haarwachs irgendwas zu retten. Aber gefühlt sind das auch nur abwechslungsreich missglückte Igelfrisuren.

Ich stupse das wandelnde Frisurenproblem an. »Hey Jesus, ich mach dir für nächste Woche mal wieder einen Termin bei der Friseurin hier um die Ecke, ja?« Jesus nickt und in der Küche klingelt ein Timer. Die Pizza ist fertig.

Trixi schaut uns drei auffordernd an. »Ich geh schon«, sage ich und komme kurz darauf mit äußerst gut duftenden Pizzen zurück. Die Frau weiß einfach, wie gute Pizza geht.

»Die Pizza Diavola für den korpulenten Herren hier vorne?« Martin nickt. »Frutti di Mare für das Nicht-Sams?« Jesus wirft mir eine Kusshand zu. »Dann bleibt noch zweimal vier Käse für das glückliche Pärchen. Ich wünsche guten Appetit!«

Wir schmatzen genüsslich vor uns hin, während die Kansas City Chiefs ein Field Goal kassieren. »Und, was sagt unser Bild auf Instagram?«, fragt Trixi Jesus.

»Erst 27 Likes.«

»Das wird schon noch«, muntert Trixi auf. »Damals bist du doch auch nicht von jetzt auf gleich mit deinen Followerzahlen durchgestartet.«

»Stimmt schon. Aber ich bin ja mit einer ganz anderen Erwartungshaltung dieses Mal gekommen. Ich meine: letztes Mal? Da musste ich wirklich ganz von vorne anfangen. Ich war ja quasi das erste Start-up der Menschheitsgeschichte. Aber heute? Es gibt 2,3 Milliarden Christen! Und ich bekomme 27 Likes für mein Bild? Kommt schon!«

»Früher waren die Leute eben einfacher zu überzeugen«, gibt Martin seinen Senf dazu. »Heute reicht das nicht, wenn einer kommt und sagt, dass er der Sohn Gottes sei und dann ein paar...


Goebel, Jonas
Jonas Goebel, Jg. 1989, ist Pastor der Ev.-Luth. Auferstehungskirchengemeinde in Hamburg-Lohbrügge – und Blogger, Podcaster, Buchautor und Jesus-WG-Mitbewohner. Bekannt wurde er durch Auftritte bei Preacherslams, eine Predigtversteigerung auf eBay, sein neuartiges Gottesdienstkonzept und die „Netflixisierung“ von Kirche. Seine Bücher verbinden Theologie mit Humor, Alltagsbeobachtungen mit Himmelsblick – ehrlich, schräg und nah dran. Wenn er nicht schreibt oder predigt, ist er mit Frau, Sohn und Hund unterwegs – oder träumt davon, von Fritz Kola gesponsert zu werden.

Jonas Goebel, Jg. 1989, ist Pastor der Ev.-Luth. Auferstehungskirchengemeinde in Hamburg-Lohbrügge – und Blogger, Podcaster, Buchautor und Jesus-WG-Mitbewohner. Bekannt wurde er durch Auftritte bei Preacherslams, eine Predigtversteigerung auf eBay, sein neuartiges Gottesdienstkonzept und die "Netflixisierung" von Kirche. Seine Bücher verbinden Theologie mit Humor, Alltagsbeobachtungen mit Himmelsblick – ehrlich, schräg und nah dran. Wenn er nicht schreibt oder predigt, ist er mit Frau, Sohn und Hund unterwegs – oder träumt davon, von Fritz Kola gesponsert zu werden.



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