Goebel | Jesus, der Hund muss raus | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Goebel Jesus, der Hund muss raus

Meine schräge WG bekommt Zuwachs
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-451-83379-3
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Meine schräge WG bekommt Zuwachs

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

ISBN: 978-3-451-83379-3
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Jesus ist zurück und stellt alle Erwartungen erneut völlig auf den Kopf. Seine Mission diesmal: neue Ich-bin-Worte. Statt an den Dorfbrunnen, in den Tempel und in die Wüste führt ihn sein Weg jetzt in die Sauna, in den Escape-Room, auf die Hundewiese und sogar ins Tattoostudio. Wieder mit dabei: seine schräge WG um Jonas, Trixi und Martin. Der Neuzugang: Hund James. Dieser darf natürlich auch nicht fehlen, als für Trixi und Jonas die Hochzeitsglocken läuten und es im Camper nach Norwegen geht. Mit an Bord ist nicht nur ein himmlischer Überraschungsgast, sondern es wartet auch eine ganz besondere Botschaft auf sie. In seinem dritten Buch schafft es Jonas Goebel erneut, Humor, Leichtigkeit und Glaubensthemen genial zu verknüpfen. Ein Buch, das dich nicht nur zum Lachen bringt, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Jonas Goebel, Jg. 1989, ist Pastor der Ev.-Luth. Auferstehungskirchengemeinde in Hamburg-Lohbrügge - und Blogger, Podcaster, Buchautor und Jesus-WG-Mitbewohner. Bekannt wurde er durch Auftritte bei Preacherslams, eine Predigtversteigerung auf eBay, sein neuartiges Gottesdienstkonzept und die 'Netflixisierung' von Kirche. Seine Bücher verbinden Theologie mit Humor, Alltagsbeobachtungen mit Himmelsblick - ehrlich, schräg und nah dran. Wenn er nicht schreibt oder predigt, ist er mit Frau, Sohn und Hund unterwegs - oder träumt davon, von Fritz Kola gesponsert zu werden.
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#1
HOCHZEITSTANZ


»Shut up and dance with me!«, dröhnt es in voller Lautstärke durch unseren Flur. Ich zähle innerlich im Takt mit: 5, 6, 7, 8 – linker Fuß, rechter Fuß, halbe Drehung, linker Fuß tippen und … zack, schon wieder habe ich es verkackt.

»Oh nein!«, ruft Trixi lachend und stoppt das Video. »Immer an der gleichen Stelle! Egal, wir schaffen das!«

Fiep. Fiep.

»James ist, glaube ich, genauso skeptisch wie ich«, sagt Martin, während er vier große Teller aus der Küche ins Esszimmer bringt.

»Oder er versteht nicht, warum er nicht mittanzen darf«, wende ich ein und streichle unserem fiepsenden Labrador-Schäferhund-Mischling dabei liebevoll über den Kopf.

Dann startet Trixi das Video von vorne und wir üben weiter unseren Hochzeitstanz. In ein paar Monaten steht endlich unsere kirchliche Hochzeit an und wir haben zu dem Lied Shut up and dance with me einen Online-Tanzkurs rausgesucht. Klang erst mal toll, aber faktisch werden wir in dem Kurs per Video von einer ziemlich strengen Polin mit einem ordentlich harten Akzent auf Englisch ganz schön angebrüllt. Meistens sind wir nach kurzer Zeit so genervt, dass wir sie stummschalten und direkt zur Musik üben. Was aber auch nur so bedingt positiv dazu beiträgt, dass ich die Schritte endlich lerne.

5, 6, 7, 8, linker Fuß, rechter Fuß, halbe Drehung, linker Fuß tippen und ...

»Yeah!«, ruft Trixi begeistert, als ich tatsächlich nicht schon wieder an der gleichen Stelle scheitere. Ich traue mich für einen kurzen Moment, nicht mitzuzählen und dafür aus vollem Herzen »this woman is my destiny« mitzugrölen. Was sich natürlich umgehend rächt. Jaja, Hochmut kommt vor dem Fail und so. Aber egal: Ich bin schon weiter gekommen als die letzten Abende, und Freestyle ist immer eine Lösung. Entsprechend schreie ich ein »shut up« in Richtung unserer polnischen Tanzlehrerin und ein »dance with me« zu der sich noch an die Choreo haltenden Trixi. Und dann … wird getanzt!

James springt vor Freude an uns beiden hoch und bellt ansatzweise im Takt mit, Martin unterbricht das Decken des Esstisches und trommelt breit grinsend mit zwei Gabeln auf dem Türrahmen, Trixi wirbelt sich elegant durch den Raum und ich gebe meine 2 ½ Tanzmoves zum Besten.

»Ihr feiert, ohne mir Bescheid zu geben?«, höre ich auf einmal Jesus’ entrüstete Stimme hinter mir.

»Shut up and dance with us!«, brülle ich zurück. Was der sich natürlich nicht zweimal sagen lässt und James sofort zum Tanz auffordert.

»Ein Traumpärchen!«, ruft Martin laut lachend und geht vom Besteck-an-Türrahmen-Trommeln auf rhythmisches Klatschen und gleichzeitiges Mit-dem-rechten-Fuß-Stampfen über.

Ich schaue kopfschüttelnd zu Jesus und James. Der Hund auf den Hinterbeinen, beide Vorderpfoten in den Händen vom Sohn Gottes – und keine Frage: Die Choreo läuft bei den beiden auf jeden Fall besser als bei mir.

Nach exakt 3 Minuten und 19 Sekunden (ja, ich kenne natürlich die Länge des Liedes inzwischen auswendig) endet die Musik und somit unsere kleine WG-Tanzeinlage. Martin klatscht frenetisch Beifall, Trixi verbeugt sich, ich frage mich, ob ich eigentlich irgendwie am Hochzeitstanz auch noch vorbeikommen könnte und Jesus belohnt James mit einem Leckerli.

»Dann mal jetzt ran an den Tisch hier«, lädt Martin direkt im Anschluss ins Esszimmer ein, deckt schnell noch fertig und überreicht uns feierlich leuchtende LED-Partybrillen, die irgendwie verdächtig nach einem archäologischen Fund aus den 1990er- Jahren aussehen.

»Ist das der Dresscode für heute Abend?«, fragt Trixi belustigt.

»Habe ich aus der Materialkiste für eure Hochzeits-Fotobox«, verrät Martin augenzwinkernd. »Also: Brillen auf! Heute wird gefeiert!«

Wir folgen der Aufforderung artig, Martin zaubert auch noch eine Brille für James hervor und entzündet eine große glitzernde Kerze in Form einer »Zwei«, die in der Mitte des Tisches steht.

Wir feiern heute nämlich unser 2-jähriges WG-Jubiläum! Krass, wie schnell das geht … vor exakt zwei Jahren stand Jesus Christus – ja genau: der Typ aus der Bibel und von Weihnachten und so – vor unserer Haustür und ist mit einem »Hi, ich bin Jesus. Ich wohn´ jetzt hier« bei uns eingezogen. Gratis dazu gab’s Martin Luther, den großen christlichen Reformator aus dem 16. Jahrhundert.

Die beiden waren dann eine Zeit bei uns, mussten nach einer Weile wieder zurück in den Himmel, wir dachten, die aufregende Zeit wäre vorbei, aber Pustekuchen! Völlig überraschend stellte sich nach ein paar Monaten heraus, dass die beiden immer noch auf der Erde waren, und es ging für uns als WG dann auf eine aufregende Interrail-Reise durch Europa. Und danach, ja, was soll ich sagen: Ich glaube der Fachbegriff lautet dafür »Hotel Mama«.

Die beiden sind auf jeden Fall wieder bei uns eingezogen. Und seit Kurzem hat unsere schräge WG-Zuwachs bekommen: James, unser jetzt ein gutes halbes Jahr alter Hund.

Wir sind aber nicht nur um einen Mitbewohner reicher, sondern regelmäßig auch um ein Fiepskonzert. Ganz besonders, wenn so wie jetzt lecker-duftende Speisen auf dem Tisch stehen.

Für das WG-Jubiläum hat jeder sein Lieblingsessen beigesteuert. Trixi hat die weltbesten Burger mit Süßkartoffelpommes gemacht. Ich das einzige Gericht, das ich ansatzweise kann: Ofengemüse. Jesus hat Döner-Boxen mitgebracht und Martin, der Scherzkeks? Der hat jedem von uns mit den Worten »Euer täglich Brot« eine Bibel auf den Teller gelegt.

»Habt ihr jetzt eigentlich schon entschieden, was es auf eurer Hochzeit zu essen gibt?«, fragt Martin, während er sich aus seiner Döner-Box (wie immer mit einer extra Portion Rind) das Fleisch zuerst herauspickt.

»Unser Martin«, sagt Jesus schmunzelnd, »denkt immerzu ans Essen.«

»Also hör mal, wenn hier jemand dauernd an Essen denkt, dann ja wohl du, Jesus!«, entgegnet Martin, gönnt sich eine ordentliche Ladung Fleisch und spielt dann sein Lieblingsspiel mit Jesus: Bibelstellenraten. Ehrlich gesagt ist der Ablauf immer gleich, aber vielleicht gefällt es Martin gerade deshalb so gut. Schritt 1: Martin fragt Jesus, was an einer bestimmten Stelle in der Bibel steht. Schritt 2: Jesus hat keine Ahnung. Schritt 3: Martin belehrt ihn. Fertig. Naja, wie gesagt: Eigentlich jetzt nicht sooo abwechslungsreich das Spiel.

»Was steht in Matthäus 8, Verse 14 und 15?«, fragt Martin.

Jesus zuckt mit den Schultern und dippt eine Süßkartoffelpommes tief in die Trüffel-Majo.

»Da hast du die Schwiegermutter von Petrus geheilt! Und weißt du, was das Erste war, was sie danach gemacht hat?«

Jesus lächelt, er scheint sich also durchaus daran zu erinnern.

»Ich zitiere«, sagt Martin: »Jesus ging in das Haus von Petrus. Er sah, dass die Schwiegermutter von Petrus mit Fieber im Bett lag. Da nahm er ihre Hand, und das Fieber verschwand. Sie stand auf und brachte ihm etwas zu essen

Martin schaut uns erwartungsvoll an. »Versteht ihr? Was würdet ihr machen, wenn ihr geheilt werdet? Als Erstes in die Küche rennen und Jesus was zu essen bringen? Das ist doch nicht normal!«

»Ja, ich war halt hungrig«, stellt Jesus fest. »Weißt du, wie anstrengend solche Heilungen sind?«

»Bestimmt nicht anstrengender als Bibelübersetzungen!«

Fiep. Fiep.

»Ich glaube, da hat noch jemand Hunger«, stellt Trixi fest und beendet damit die Runde Bibelstellenraten.

»Darf ich?«, fragt Jesus.

Trixi und ich nicken, wohlwissend, dass das eh eine rhetorische Frage war. Und zack, eine Sekunde später, sitzt James auf dem Schoß von Jesus und sieht aus, als würde er innerlich rufen: »Ich bin der Hunde-König der Welt!«

Es war ja eigentlich absolut vorhersehbar, dass Jesus auch mit Hunden kann. Allerdings waren wir schon überrascht, wie kuschelig-vermenschlichend-liebevoll Jesus mit James umgeht. Das ist zwar einerseits schön, andererseits aber auch so gegen ungefähr alle Ratschläge unserer Hundetrainerin.

Gut, es ist aber auch letztlich völlig aussichtslos, wenn dich James und Jesus gleichzeitig mit großen bittenden Augen anschauen. Und so hat sich eingebürgert, dass früher oder später bei jedem Essen James auf dem Schoß von Jesus landet, einen Napf mit seinem Futter bekommt, und die beiden dann gemeinsam essen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass in dem neuen Evangelium, an dem Jesus immer noch schreibt, irgendwas stehen wird wie »Ich bin das Leckerli der Welt« oder so.

»Nice Idee!«, wirft Jesus ein, der natürlich immer noch Gedanken ungefragt mithören kann, und prostet mir dann schmunzelnd mit seiner Fritz-Kola zu. #SolaFritzKola gilt selbstverständlich weiterhin bei uns in der WG. Auch wenn ich unverständlicherweise immer noch keinen Fritz-Werbevertrag erhalten habe.

»Um auf meine eigentliche Frage zurückzukommen: Wie wäre es mit Vatikanbrot auf eurer Hochzeit?«, fragt Martin.

Wir schauen ihn ratlos an. Keine Ahnung, was das sein soll. Altes, vertrocknetes Brot, das man heutzutage kaum noch essen mag?

»Na, das ist so ein Brot, wo du vor dem Backen immer einen Teil vom rohen Teig an andere Leute weitergibst. Wie so ein Kettenbrief, nur mit Brot. Und das wäre doch lustig, wenn es einerseits das Brot auf eurer Hochzeit gibt und andererseits alle einen Teil vom Teig als Gastgeschenk bekommen.«

Ich schaue Martin stirnrunzelnd an. Will der jetzt Wedding-Planner auf dem zweiten Bildungsweg werden oder was ist hier los? Überhaupt: Er hat den Tisch gedeckt, diese Brillen und die Kerze besorgt. Er hat schon den ganzen Abend erstaunlich gute Laune. Irgendwas stimmt bei ihm doch nicht!

Jesus nickt mir unauffällig zu. Aha! Ich bin...


Goebel, Jonas
Jonas Goebel, Jg. 1989, ist Pastor der Ev.-Luth. Auferstehungskirchengemeinde in Hamburg-Lohbrügge – und Blogger, Podcaster, Buchautor und Jesus-WG-Mitbewohner. Bekannt wurde er durch Auftritte bei Preacherslams, eine Predigtversteigerung auf eBay, sein neuartiges Gottesdienstkonzept und die „Netflixisierung“ von Kirche. Seine Bücher verbinden Theologie mit Humor, Alltagsbeobachtungen mit Himmelsblick – ehrlich, schräg und nah dran. Wenn er nicht schreibt oder predigt, ist er mit Frau, Sohn und Hund unterwegs – oder träumt davon, von Fritz Kola gesponsert zu werden.

Jonas Goebel, Jg. 1989, ist Pastor der Ev.-Luth. Auferstehungskirchengemeinde in Hamburg-Lohbrügge – und Blogger, Podcaster, Buchautor und Jesus-WG-Mitbewohner. Bekannt wurde er durch Auftritte bei Preacherslams, eine Predigtversteigerung auf eBay, sein neuartiges Gottesdienstkonzept und die "Netflixisierung" von Kirche. Seine Bücher verbinden Theologie mit Humor, Alltagsbeobachtungen mit Himmelsblick – ehrlich, schräg und nah dran. Wenn er nicht schreibt oder predigt, ist er mit Frau, Sohn und Hund unterwegs – oder träumt davon, von Fritz Kola gesponsert zu werden.



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