Goddard | Die Sünden unserer Väter | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 492 Seiten

Goddard Die Sünden unserer Väter

Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96148-918-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 492 Seiten

ISBN: 978-3-96148-918-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Familienehre, Verrat und Mord - verwoben zu einem mitreißenden Drama: »Die Sünden unserer Väter« von Robert Goddard jetzt als eBook bei dotbooks. Ein malerisches französisches Dorf an der Somme birgt ein erschütterndes Geheimnis ... Gemeinsam mit ihrer Mutter Leonora besucht die junge Penelope Galloway die Gedenkstätte Thiepval. Hier wird an die britischen Gefallenen erinnert, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben gaben - so wie Leonoras Vater, den sie nie kennengelernt hat. Doch als Penelopes Blick auf das Todesdatum ihres Großvaters fällt, ist sie erschüttert: Er fiel ein ganzes Jahr vor Leonoras Geburt ... Und dies ist nur Penelopes erster Schritt auf einer Reise in die geheimnisvolle Vergangenheit ihrer Familie, bei der sie auf eine Geschichte stößt, die von Verlust, Täuschung, Liebe und Hass erzählt - und von einem Mord auf dem Anwesen ihrer vorgeblichen Großeltern, der nie aufgeklärt wurde ... »Der beste Roman, den ich seit langer Zeit gelesen habe!« Philippa Carr »Eine 600-seitige Bombe!« Daily Mirror Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der abgründige Kriminalroman »Die Sünden unserer Väter« von Robert Goddard. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Robert William Goddard, geboren 1954 in Fareham, ist ein vielfach preisgekrönter britischer Schriftsteller. Nach einem Geschichtsstudium in Cambridge begann Goddard zunächst als Journalist zu arbeiten, bevor er sich ausschließlich dem Schreiben von Spannungsromanen widmete. Robert Goddard wurde 2019 für sein Lebenswerk mit dem renommierten Preis der Crime Writer's Association geehrt. Er lebt mit seiner Frau in Cornwall. Robert Goddard veröffentlichte bei dotbooks auch die folgenden Kriminalromane: »Im Netz der Lügen« »Der Preis des Verrats« »Eine tödliche Sünde« »Ein dunkler Schatten« »Denn ewig währt die Schuld« »Das Geheimnis von Trennor Manor« »Das Geheimnis der Lady Paxton« »Das Haus der dunklen Erinnerung« »Das Geheimnis von Malborough Downs« »Dunkles Blut - Harry Barnett ermittelt: Der erste Fall« »Dunkle Sonne - Harry Barnett ermittelt: Der zweite Fall« »Dunkle Erinnerung - Harry Barnett ermittelt: Der dritte Fall« Robert Goddard veröffentlichte bei dotbooks weiterhin die historischen Kriminalromane: »Die Sünden unserer Väter« »Die Schatten der Toten« »Jäger und Gejagte« »Die Klage der Toten« »Der Kartograf von London«
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PROLOG


Wenn durch deine Träume
Millionen sprachloser Toter
In bleichen Bataillonen ziehn,
Sprich keine Worte voller Mitleid
Wie andere Männer es getan haben,
Denn es ist nicht nötig.

Dies ist der Tag und dies ist der Ort, wo ein Traum eine plötzliche Wendung nimmt und ein altes Geheimnis gelüftet wird. Dies ist Thiepval, wo der beklemmende Nebel eines Herbstmorgens das Mahnmal unseres kollektiven Gewissens, ein mächtiges, geschwungenes Gebilde aus Backstein, kaum mehr verbergen kann: das Soldatendenkmal der Schlacht an der Somme. Und dies ist der Ort, wohin Leonora Galloway ihre Tochter gebracht hat, um ihr das zu erzählen, was sie ein Leben lang beschäftigt hat.

Für Monsieur Lefebvre, Taxifahrer aus Amiens, ist es lediglich eine weitere Fahrt, wenn auch eine einträglichere als die meisten anderen. Mutter und Tochter, beide elegant gekleidet, die ihre Eisenbahnfahrt von Calais nach Paris unterbrachen und ihn in stockendem Französisch mit englischem Akzent baten, sie die achtundzwanzig Kilometer in nordöstlicher Richtung über die schnurgerade Straße nach Albert zu fahren und dann weiter in die Hügel über dem Ancretal zum »Memorial Britannique de Thiepval«. Natürlich lehnte er nicht ab, obwohl für ihn die Erinnerung an einen derart lang zurückliegenden Krieg keinerlei Reiz hat. Für Monsieur Lefebvre existiert die Vergangenheit so gut wie nicht, und er fühlt sich so auch wohl. Gehorsam ist er zu dem Ort gefahren – der Nebel hat sein Tempo nicht im geringsten beeinflußt –, und nun sitzt er im Taxi, raucht eine Zigarette und beobachtet, wie die Uhr seines Taxameters tickt. Gelegentlich schnippt er Asche zu den Platanen, die den Parkplatz säumen, und sinniert der müßigen Frage nach, wie lange seine Fahrgäste wohl an diesem gottverlassenen Fleckchen Erde verweilen wollen.

Sie sind schon vor einiger Zeit aufgebrochen und den Kiesweg zum Mahnmal hinaufgegangen, das vom Nebel verhüllt und von Tannen umrahmt wird. Oben ragt es aus seinem Leichentuch: riesig, unproportioniert, merkwürdig fremd in der schweigenden Demut der Landschaft. Die beiden Besucherinnen breiten Anoraks auf die lange geschweifte Steinbank dem Mahnmal gegenüber und setzen sich. Sie schauen zu, wie es allmählich aus dem Nebel auftaucht, der von der Sonne weggebrannt wird.

Leonora Galloway ist eine siebzigjährige Dame von feiner Herkunft, groß, schlank und grauhaarig. Ihre Tochter Penelope, fünfunddreißig Jahre jünger, sieht ihr verblüffend ähnlich: die gleiche Größe, das gleiche offene Gesicht mit den hohen Backenknochen, strohblonde, bis auf die Schultern fallende Haare, die eines Tages genauso grau und kurz geschnitten sein werden wie die ihrer Mutter. Vielleicht ist sie nicht so entschlossen, nicht so energisch, möglicherweise aber geduldiger, sanfter, vielleicht auch zuverlässiger. Ein Teil von Penelopes Charme liegt darin, daß sie frühzeitig die Tugenden älterer Menschen angenommen hat, Leonoras Charme beruht hingegen darauf, daß sie sich ihnen widersetzt.

Leonoras Ehemann war zu Beginn des Jahres völlig überraschend in ihrem Cottage in Somerset gestorben. Sie trug es mit der Kraft und Fassung, die man von ihr erwartete. Sechs Monate später ist sie nun zu einem Urlaub nach Paris aufgebrochen, der ihr helfen soll, sich an das einsame Leben zu gewöhnen. Von ihren beiden Kindern wählte sie Penelope als Begleitung, da diese schon lange an ein ebenso einsames Leben gewöhnt ist und im Gegensatz zu ihrem verheirateten und gutsituierten Bruder eine Eigenschaft besitzt, auf die Leonora großen Wert legt: die Fähigkeit zu denken.

Aus Penelopes Sicht sprach ebenfalls nichts gegen dieses Abenteuer. Während der dreißig Jahre, an die sie sich recht gut erinnern kann, hat sie ihre Mutter nie durchschaut. Über ihre eigene Vergangenheit hat sie sich stets merkwürdig zurückhaltend und ausweichend geäußert. Neugierde nagt an Penelope, was diese seltsam distanzierte Frau anbelangt, die ihre Mutter ist – eine Neugierde, die jetzt vielleicht endlich gestillt wird, zumindest sagt ihr das ihr Instinkt. Und ihre Erwartungen scheinen sich zu erfüllen. Die Unterbrechung der Reise in Amiens war nicht geplant, die Taxifahrt nach Thiepval kam überraschend. Hier, da ist sie sich sicher, kann sie mit Erklärungen rechnen.

»Ich vermute, du wunderst dich, weshalb wir hierhergefahren sind«, bemerkte Leonora, den Gedankengang ihrer Tochter unterbrechend.

»Natürlich. Aber ich bin überzeugt, du wirst es mir erzählen, wenn du dazu bereit bist.« Sie erinnert sich an die Worte ihres Vaters, eines geduldigen, bescheidenen Mannes, der ihr vor langer Zeit den guten Rat gegeben hat: »Deine Mutter vertraut sich dir an, wenn sie es will, nicht, wenn du es willst.«

Der Nebel hat sich gelichtet, das steinerne Mahnmal offizieller Trauer wird deutlicher, als der Hintergrund sich allmählich von verwaschenem Grau zu einem dunstigen Blau wandelt. Die beiden Betrachterinnen wirken winzig vor diesem Bauwerk, das sie mit seiner massiven Präsenz einschüchtert.

»Die Sonne wird bald herauskommen«, sagte Leonora. »Sollen wir seinen Namen suchen gehen?«

»Wessen Namen?«

»Den Namen meines Vaters. Deshalb sind wir hier, verstehst du.«

Sie erhebt sich von der Bank, überquert die Kieszufahrt und geht über die große Rasenfläche vor dem Denkmal. Ihre Füße hinterlassen dunkle Spuren in dem feuchten Gras. Geduldig wie immer folgt ihr Penelope. Für sie ist die Somme-Schlacht eine unter vielen sinnlosen Schlachten des Ersten Weltkriegs. Sie weiß, daß hier Tausende gestorben sind, weil sie davon gelesen hat – unter ihnen auch ihr Großvater. Als sie sich jetzt dem Mahnmal nähert, sieht sie, daß in die Backsteinsäulen, die den zentralen Bogengang tragen, sorgfältig Namen eingraviert sind. Penelope starrt zu den endlosen Listen hinauf, die höher reichen als ihr Blick. Sie ist entsetzt. Natürlich hat sie davon gelesen, doch niemand hat sie auf 73 412 Männer ohne Grab vorbereitet.

Leonora ist vorausgegangen, über die Fliesenschwelle unter den Säulen, und überfliegt mit ihren Blicken schnell die Wände auf der Suche nach dem einen Namen. Am Fuße einer kranzgeschmückten Namenskolonne hält sie inne. Penelope erreicht sie und folgt mit ihren Augen der Blickrichtung ihrer Mutter. Nahe der Säulenspitze sind die Namen der Hampshire Light Infantry in der Reihenfolge der Dienstgrade verzeichnet. Ganz oben stehen die Captains Arnell, Bailey, Bland, Cade, Carrington, Cromie ... und Hallows, Leonoras Mädchenname. Das ist er also. Plötzlich überkommt Penelope das Gefühl, daß sie einen sehr weiten Weg zurückgelegt haben, bloß um das zu sehen.

»Warum bist du nicht schon früher hierhergekommen, Mutter? Für Verwandte muß es doch Besuchsfahrten gegeben haben. Wir hätten alle zusammen fahren können.«

»Das glaube ich kaum.«

»Und warum um alles in der Welt nicht?«

»Weil wir hier etwas gefunden hätten.«

»Wie meinst du das?«

»Komm und sieh selbst.«

Die beiden Frauen gehen zu den Stufen zurück, die sie vorhin zum Denkmal hochgestiegen sind. Am Fuße von jeder der beiden gigantischen Säulen, die die Stufen flankieren, ist eine Metalltür in die Wand eingelassen. Leonora öffnet die linke Tür. Im Inneren gibt es mehrere mit Eselsohren versehene Bände, das Denkmalregister. Sie blättert einen Band durch, bis sie die richtige Stelle gefunden hat, und hält ihn dann. Penelope entgegen, damit sie mitlesen kann.

»HALLOWS. Captain the Hon. John, Sohn von Edward, Lord Powerstock, von Meongate, Droxford, Hampshire. Vermißt, wahrscheinlich im Kampf gefallen, Mametz, 3o. April 1916, im Alter von 29 Jahren.«

Die entfernte Verbindung der Familie mit der Aristokratie ist für Penelope nicht neu. Der Powerstock-Titel endete, wie sie weiß, mit diesem Tod an der Somme. Leonoras Mutter starb nur wenige Tage nach der Niederkunft; Leonora wurde von ihren Großeltern aufgezogen. Nach deren Tod wurde der Meongate-Besitz aufgelöst. Leonora erhielt weder Geld noch Titel, noch hatte sie irgendwelche Erinnerungen an eine aristokratische Kindheit an Penelope weitergegeben.

»Was soll da nicht stimmen?« fragt sie, nachdem sie verständnislos die Eintragung angestarrt hat.

»Komm schon, Penny. Mein Vater wurde am 3o. April 1916 getötet, aber ich wurde erst am 14. März 1917 geboren. Verstehst du jetzt?«

»Ah.« Penelope lächelt. »Das ist es also. Nun, derartige Dinge passieren doch recht häufig in Kriegszeiten, oder?«

»O ja, recht häufig, möchte ich sagen.« Leonora legt das Buch wieder hin und schließt die Tür. »Aber darum geht es gar nicht. Ich habe immer gewußt, daß mein Vater ... nun ja, nicht mein Vater war. Lady Powerstock sorgte schon dafür, daß ich es wußte; sie sorgte auch dafür, daß Tony es wußte.«

»Dann ..., wo ist dann das Problem?«

»Es gäbe keins, wenn es so einfach wäre.«

Leonora dreht sich um und geht durch den Bogengang zurück, vorbei an der Säule mit dem Namen ihres Vaters und weiter zu den Stufen hinter dem Denkmal. Diese führen zu dem Friedhof der unbekannten Soldaten. Links liegen die Gräber der Franzosen, mit einem Kreuz markiert, rechts die Briten, mit schlichten Steinplatten gekennzeichnet. Die Steine leuchten weiß und schmerzhaft grell in dem immer stärker werdenden Sonnenschein. Hinter den Tannen, die den Friedhof zu drei Seiten begrenzen, sieht man die sanften Täler der Ancre und der Somme, wo einst heftige Kämpfe tobten und wo so viele den Tod fanden. Die beiden Frauen stehen auf der obersten Stufe und blicken auf die friedliche Landschaft hinab.

Penelope bricht das Schweigen. »Ich weiß, daß ich mir nicht vorstellen kann, wie es ist, wenn man keinerlei Erinnerung an seine Eltern...



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