Goddard | Die Schatten der Toten | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 758 Seiten

Goddard Die Schatten der Toten

Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96655-018-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 758 Seiten

ISBN: 978-3-96655-018-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Jede Familie hat ein Geheimnis - und manche sind tödlich: Der abgründige Roman »Die Schatten der Toten« von Robert Goddard jetzt als eBook bei dotbooks. London, 1882. Die sonst so beherrschte Constance Trenchard ist fassungslos: Der Mann, der plötzlich unangemeldet vor ihr steht, scheint ihr ehemaliger Verlobter zu sein - doch das ist unmöglich! Vor vielen Jahren verließ Sir James Davenall sie ohne Erklärung kurz vor der Hochzeit und beging Selbstmord. Für seine adlige Familie droht nun ein weiterer Skandal: Sir James ist als ältester Sohn der Erbe von Land und Titel - jeder der Verwandten hätte durch seine Rückkehr von den Toten etwas zu verlieren. So beginnt ein intrigantes Spiel, das nach und nach die innersten Geheimnisse einer ebenso vornehmen wie verfeindeten Familie offenlegt ... und bei dem auch vor Mord nicht zurückgeschreckt wird. Aber immer bleibt die Frage: Ist Sir James wirklich der, der er vorgibt zu sein? Die düstere Antwort auf DOWNTON ABBEY: »Robert Goddard ist einer der besten Erzähler unserer Zeit!« Sunday Telegraph »Robert Goddards Romane machen süchtig.« Main-Post Jetzt als eBook kaufen und genießen: Das rabenschwarze Gesellschaftsporträt und fesselnde historische Kriminalroman »Die Schatten der Toten« von Robert Goddard. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Robert William Goddard, geboren 1954 in Fareham, ist ein vielfach preisgekrönter britischer Schriftsteller. Nach einem Geschichtsstudium in Cambridge begann Goddard zunächst als Journalist zu arbeiten, bevor er sich ausschließlich dem Schreiben von Spannungsromanen widmete. Robert Goddard wurde 2019 für sein Lebenswerk mit dem renommierten Preis der Crime Writer's Association geehrt. Er lebt mit seiner Frau in Cornwall. Robert Goddard veröffentlichte bei dotbooks auch die folgenden Kriminalromane: »Im Netz der Lügen« »Der Preis des Verrats« »Eine tödliche Sünde« »Ein dunkler Schatten« »Denn ewig währt die Schuld« »Das Geheimnis von Trennor Manor« »Das Geheimnis der Lady Paxton« »Das Haus der dunklen Erinnerung« »Das Geheimnis von Malborough Downs« »Dunkles Blut - Harry Barnett ermittelt: Der erste Fall« »Dunkle Sonne - Harry Barnett ermittelt: Der zweite Fall« »Dunkle Erinnerung - Harry Barnett ermittelt: Der dritte Fall« Robert Goddard veröffentlichte bei dotbooks weiterhin die historischen Kriminalromane: »Die Sünden unserer Väter« »Die Schatten der Toten« »Jäger und Gejagte« »Die Klage der Toten« »Der Kartograf von London«
Goddard Die Schatten der Toten jetzt bestellen!

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ERSTES KAPITEL


I


Es war nun zehn Jahre her, seit William Trenchard die junge Constance Sumner kennengelernt und ihr geholfen hatte, die Tragödie, die sich um den Selbstmord ihres Verlobten rankte, allmählich zu vergessen. Zu der Zeit war sie so tief in ihre Trauer versunken, daß es schon einem Martyrium gleichkam; anfangs war sie fest davon überzeugt gewesen, daß ihr kein Mann jemals wieder das bedeuten könnte, was der nun für immer entschwundene James Davenall für sie gewesen war. Doch in diesem Punkt – wie in so vielen anderen auch – täuschte sie sich.

Vor sieben Jahren waren die damals frisch verheirateten Trenchards nach The Limes gezogen, ein St.-John's-Wood-Stadthaus, das ihnen Williams Vater, Mitbegründer der Trenchard & Leavis-Einzelhandelskette, geschenkt hatte. Zu der Zeit mußten sie angenommen haben, daß die Ungewißheiten der Jugend auf ewig dahin waren. Doch darin – wie in vielen anderen Dingen auch – täuschten sie sich.

Vier Jahre nach der Geburt seiner Tochter Patience schien sich zu bestätigen, daß es sich bei Williams zunehmendem Interesse für die Firma Trenchard & Leavis nicht nur um ein Strohfeuer handelte. Sein Vater begann allmählich zu glauben, daß William – auch wenn er nie die Energie und den Scharfsinn seines Bruders Ernest aufbrächte – zumindest ein respektables Leben führen würde. Doch darin – wie in vielen anderen Dingen auch – täuschte er sich.

Es war gerade ein Jahr her, seit Constance einen Spaziergang zum Regent's Park gemacht hatte, wo sie Patience und deren Kindermädchen, die wie üblich den See mit den Booten besucht hatten, überraschen wollte. Unter den Zuschauern, die sich vom Lord's-Kricketplatz drängten, glaubte sie einen düsteren Mann in mittleren Jahren zu erkennen, dessen Anzug für den warmen Tag viel zu schwer war. Später, als sie am Hanover Gate den Park betrat, fiel ihr ein, wer es gewesen war: Richard Davenall, ein älteres Mitglied der Familie, in die sie beinahe eingeheiratet hätte. Lächelnd überlegte sie, wie merkwürdig es doch war, daß sie nun nie mehr etwas von der Familie Davenall hören würde, der sie einst so nahe gestanden hatte. Doch auch in diesem Punkt – wie in so vielen anderen – täuschte sie sich.

Es war erst zwei Tage her, seit sich William Trenchard, der den Park am Ende eines von leichtem Dunst durchzogenen Altweibersommertags in entgegengesetzter Richtung durchquerte, umdrehte, als vom baumbestandenen Ufer Lachen an sein Ohr drang. Er sah eine wunderschöne junge Frau, die sich auf dem noch sonnenbeschienenen Gras ausruhte und mit ihrem Verehrer scherzte, der zu ihren Füßen kauerte und seine Melone zur Unterstreichung seiner Worte schwenkte. Trenchard hatte die Geste komisch gefunden und gelächelt, war dann jedoch sofort wieder ernst geworden. Er fühlte sich von all der verwegenen Schönheit und den Emotionen, die er flüchtig auf dem Gesicht des Mädchens gesehen hatte, durch Alter und Kleidung und Status ausgeschlossen. Sonst jedoch war er mit seinem Leben nicht unzufrieden; er sehnte keinerlei Störungen des gewohnten Grundmusters seiner Existenz herbei. Er war vierunddreißig Jahre alt; er strahlte eine Zufriedenheit, ja fast Selbstzufriedenheit aus, aber er hatte sie sich auch verdient. Auf dem Heimweg hatte er mit einem Hauch von Resignation sinniert, daß die Freuden seiner eigenen Welt zumindest die Wärme absoluter Sicherheit besaßen. Doch darin – wie in vielen anderen Dingen auch – täuschte er sich.

Es war erst eine Stunde her, seit William Trenchard seine Tochter Patience zu seiner Frau in den Wintergarten befördert hatte, nachdem er lange genug die Schaukel angestoßen hatte. Danach steckte er sich ein gemütliches Sonntagnachmittagspfeifchen an, setzte sich auf die Bank und bewunderte, wie er es oft tat, das komplizierte Flechtwerk der Glyzinie, die den Südgiebel des Hauses bedeckte. Es war der erste Tag im Oktober des Jahres 1882; ansonsten konnte man in der milden Herbstluft keine Neuanfänge entdecken, weder hier noch anderswo in der ganzen ereignislosen Trägheit dieses sicheren, unwandelbaren Empire. Nicht, daß sich William Trenchard häufig philosophischen oder auch nur patriotischen Gedankengängen hingegeben hätte, die über das Niveau eines anständigen Empfindens hinausgegangen wären. Aus einiger Entfernung betrachtet – zum Beispiel durch das offene Seitentor –, hätte man ihn durchaus für die Verkörperung dessen halten können, was in der begrenzten Vorstellung vom durchschnittlichen viktorianischen Gentleman der Oberklasse das Beste und das Schlechteste war. Doch in diesem Punkt – wie in vielen anderen auch – wäre er falsch beurteilt worden. Denn lediglich eine Stunde später hatte sich William Trenchards Leben und das aller anderen Bewohner von The Limes, St. John's Wood, vollkommen verändert– auf immer und ewig. Eine Stunde genügte, um zehn Jahre beiseite zu fegen.

II


Burrows muß das Seitentor offengelassen haben. Ich erinnere mich, daß ich es von meinem Platz auf der Bank aus bemerkte und dachte, wie nachlässig er doch allmählich wurde. Nicht, daß es mich angesichts seines Alters überrascht oder sogar geärgert hätte. Dafür sorgte schon die besänftigende Wirkung des guten Pfeifentabaks und der Abendsonne, doch meine Aufmerksamkeit wurde dadurch auf die Zufahrt zum Haus gerichtet, die im Bogen von der Straße herführte. Jede Bewegung auf der Straße – wo sich im allgemeinen nichts tat – mußte mir ins Auge stechen. Und genau auf diese Weise – nur ein leichtes Flackern am Rande meines Blickfelds – sah ich ihn zuerst.

Sechs Wochen später – unter Umständen, die er niemals hätte voraussehen können – begann William Trenchard einen Bericht über das Geschehen niederzuschreiben, das an jenem scheinbar so unschuldigen Sonntagnachmittag in St. John's Wood seinen Anfang genommen hatte. Der Anlaß für einen derartigen Bericht war ebenso zwingend, wie seine Wirkung enthüllend ist, denn damit ist jeglicher Spekulation der Boden entzogen, warum Trenchard auf die Ereignisse, die ihn überrollten, so und nicht anders reagierte. Jede seiner Handlungen, jede seiner Aussagen steht hier, um beurteilt zu werden – in seinen eigenen Worten.

Ein großer, schlanker Mann, elegant gekleidet mit Zylinder, Gehrock und rehbraunen Hosen, in der Hand einen Spazierstock mit Silberknauf, verharrte kurz, als er am Eingang des Hauses vorbeikam. Er blieb stehen wie jemand, dem gerade eine eher unwichtige Verpflichtung eingefallen ist. Die Sonne spiegelte sich in dem Silber an seinem Stock, als er ihn von dir rechten in die linke Hand warf, mit seiner freien Hand den Gehrock zurückschob und in seine Westentasche griff. Er holte einen Zettel hervor, musterte ihn, steckte ihn wieder zurück und drehte sich langsam in meine Richtung.

Ich habe, mich bemüht, meinen unmittelbaren Eindruck von ihm wieder einzufangen und all das auszulöschen, was anschließend geschah, damit ich ihn deutlich so sehen kann, wie er zu dem Zeitpunkt war: ein Mann ungefähr in meinem Alter, dunkel und gutaussehend, bärtig, perfekt gekleidet, mit glitzernder Krawattennadel und Uhrkette, den Daumen einer behandschuhten Hand in die Westentasche gehakt, während die andere das Malakkastöckchen herumwirbelte. Ich war sicher, daß ich ihn nicht kannte, auch nicht als irgendeinen Einwohner dieses Viertels: Er sah aus, als würde er eher nach St. James's als nach St. John's Wood passen. Die Neigung seines Hutes hatte etwas Weltmännisches an sich, und das verstohlene Lächeln, das um seinen Mund spielte, wirkte vage irritierend und beunruhigend.

Langsam kam er die Zufahrt hoch, fast zu langsam, als daß es eine Stilfrage hätte sein können. Es sah eher so aus, als würde er absichtlich den Zeitpunkt seiner Ankunft hinauszögern. Meine Aufmerksamkeit, die sich anfangs nur flüchtig auf ihn gerichtet hatte, war nun voll auf ihn konzentriert. Als er am Seitentor vorbeikam, bemerkte er, daß ich ihn beobachtete, und richtete seinen Blick auf mich. Urplötzlich lief es mir kalt über den Rücken.

Er trat durch den Torbogen aus Backsteinen, wobei er sich leicht bückte, um nicht mit seinem Zylinder anzustoßen. Dann blieb er ungefähr zehn Meter von mir entfernt stehen; er kam weder näher, noch zog er sich zurück, weder sprach er, noch machte er eine Bewegung. Es schien, als wollte er mich herausfordern, das Schweigen zu brechen.

Ich ging auf ihn zu. »Guten Tag«, sagte ich. »Kann ich Ihnen helfen?«

»Ich bitte um Entschuldigung, daß ich hier einfach so eindringe«, erwiderte er, als ich dicht vor ihm stand. »Habe ich das Vergnügen mit Mr. William Trenchard?« Die Stimme klang volltönend, kultiviert und korrekt. Vielleicht eine Spur zu korrekt, hätte man sagen können, etwas zu manieriert, um wirklich angenehm zu wirken.

»Ich bin William Trenchard, jawohl. Wie Sie sehen«, ich deutete auf meine nachlässige Kleidung, »erwarten wir keinen Besuch.«

»Verzeihen Sie. Die Umstände meines Besuches sind etwas ... ungewöhnlich. Sie müssen auch als Entschuldigung für diesen ... unangemeldeten Besuch dienen.« Er streckte die Hand aus. »Ich nenne mich Norton. James Norton.«

Sein Händedruck war fest und unerschütterlich. »Sind wir uns schon mal begegnet, Mr. Norton?«

»Nein.«

»Handelt es sich um eine geschäftliche Angelegenheit? In diesem Fall sind Trenchard und Leavis ...«

»Es geht um eine absolut persönliche ... und äußerst delikate Angelegenheit. Ich weiß kaum, wo ich anfangen soll.«

Ich wurde allmählich ärgerlich. Diese offen zur Schau getragene Unsicherheit stand in krassem Gegensatz...



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