E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: Prinzessin Undercover
Glynn Prinzessin undercover – Geheimnisse
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7336-5095-7
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band 1
E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: Prinzessin Undercover
ISBN: 978-3-7336-5095-7
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Connie Glynn hat das Schreiben schon immer geliebt und diktierte ihre erste Geschichte bereits mit sechs Jahren ihrer Mutter in die Schreibmaschine. Schon von Kind auf liebte sie es außerdem, Geschichten aufzuführen, und besuchte als Teenager Kurse an einer Schauspielschule. Diese Leidenschaft für Geschichten hat sie nie verlassen, und vor Kurzem hat sie ihr Studium der Filmtheorie abgeschlossen. An der Universität startete Connie Glynn ihren äußerst erfolgreichen YouTube-Kanal Noodlerella (benannt nach ihrem Lieblingsessen und ihrer Lieblings-Disney-Prinzessin). Nachdem sie fünf Jahre lang ihr Leben und ihre Hobbys öffentlich für über 900.000 Abonnenten auf YouTube dokumentiert hatte, beendete sie das Noodlerella-Projekt, um mehr Privatsphäre zu haben und ihrer ursprünglichen Leidenschaft für die darstellenden Künste nachzugehen. Connie Glynn schreibt heute hauptberuflich Musik und Romane. Ihre fünfbändige Serie Prinzessin undercover erschien in über fünfzehn Ländern und machte Connie Glynn 2017 zur meistverkauften Jugendbuchautorin im Vereinigten Königreich. Sie lebt in London, England.
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Prolog
Es gibt Orte auf dieser Welt, an denen es wahrscheinlicher scheint, dass wundersame und erstaunliche Dinge passieren, als irgendwo sonst. Man erkennt sie an ihrer besonderen Atmosphäre, die an eine andere Zeit, eine andere Welt erinnert. Manchmal sind es Orte in der Natur, ein verborgener Wasserfall oder eine unberührte Wiese mit blühenden Wildblumen. Manchmal sind es Orte, die von Menschenhand gemacht sind, ein verlassener Spielplatz in der Dämmerung oder ein staubiges Antiquitätengeschäft voller Geschichten. Manchmal aber, wenn auch nur selten, existiert ein solcher Ort in einem bestimmten Menschen. Er mag auf den ersten Blick nicht besonders charismatisch oder intellektuell wirken, doch je mehr Zeit man mit ihm verbringt, desto deutlicher tritt seine Kraft zutage, alles zu verändern und alles zu erreichen.
Prinzessin Eleanor Prudence Wolfson, Alleinerbin von König Alexander Wolfson und Thronfolgerin von Maradova, lebte weder an einem solchen Ort, noch war sie selbst einer dieser besonderen Menschen. Doch sie hatte beides bitter nötig.
»Und ich werde auf diese Schule gehen!« Eleanor knallte eine Werbebroschüre auf den Tisch, dass die Frühstücksteetassen auf ihren Untertassen hüpften.
Alexander Wolfson blickte nicht einmal von seiner Zeitung auf.
»Nein«, sagte er entschieden.
»Ich bin die nächste Anwärterin auf Maradovas Thron. Da werde ich doch wohl wenigstens die klitzekleine Entscheidung treffen können, auf welche Schule ich gehen will!«
Alexander hob den Blick zu seiner Frau, Königin Matilde, die ihm gegenübersaß.
Sie zuckte die Schultern. »Damit hat sie nicht unrecht, Alex«, sagte sie liebenswürdig, ließ anmutig ein Zuckerstück in ihren Tee gleiten und rührte langsam um, während sie ein Lächeln unterdrückte.
Das war nicht die eheliche Solidarität, die König Alexander sich erhofft hatte.
»Siehst du?«, rief Eleanor. »Sogar Mum findet, dass ich recht habe!«
Alexander blickte weiter auf seine Zeitung und spielte den Gelassenen. Er trank einen Schluck Tee.
»Edwina.« Er gab der Haushälterin ein Zeichen. »Wären Sie so freundlich, die leeren Teller in die Küche zu bringen?«
»Aber gewiss, Eure Majestät.« Edwina stapelte fachmännisch die vollgekrümelten Teller und verließ den Speisesaal so behände, dass ihre Füße auf dem Eichenparkett kaum zu hören waren. Die großen Flügeltüren schlossen sich mit einem leisen Knarren hinter ihr.
Als Alexander sie in sicherer Entfernung wähnte, tauchte er wieder hinter seine Zeitung und sagte: »Die Antwort lautet Nein.«
Eleanor stieß einen empörten Schrei aus und stampfte mit dem Fuß auf. »Du könntest dir die Broschüre wenigstens mal ansehen!«, fauchte sie und riss ihrem Vater die Zeitung aus der Hand.
Nun konnte Alexander dem Blick seiner Tochter nicht länger ausweichen.
Eleanor war nie ein einfaches Kind gewesen. Sie war alles andere als die typische Prinzessin. Sie führte lieber hitzige politische Debatten oder schlich sich auf laute, wilde Rockkonzerte, als gepflegte Konversation zu treiben. Und mehr als alles andere verabscheute sie komplizierte höfische Zeremonien – davon ging sie zumindest aus, da sie sich bislang geweigert hatte, an einer solchen teilzunehmen. Aber sie war klug, selbstbewusst und leidenschaftlich, und das war für König Alexander wichtiger als die traditionellen Werte, die von ihr erwartet wurden. Auch wenn er fand, sie könnte zumindest ihrer Großmutter gegenüber ihre Zunge etwas im Zaum halten.
Doch so sehr er sich auch wünschte, dass Eleanor glücklich war und ein Leben ohne die Verpflichtungen des Königshauses führen konnte – an der Tatsache, dass sie eines Tages Königin werden und die damit einhergehende Verantwortung akzeptieren musste, war nicht zu rütteln. Er war fest entschlossen, seiner Tochter beizubringen, dass man sogar Spaß an den königlichen Pflichten finden konnte. Genau das hatte er selbst lernen müssen, als er jung war.
»Du gehst nach Aston Court wie alle Herrscher von Maradova in den letzten hundert Jahren, und es wird dir dort gefallen, ob es dir passt oder nicht!«
Matilde gluckste und nippte an ihrem Tee.
»Nein.« Eleanor imitierte den strengen Tonfall ihres Vaters. »Ich gehe nach Rosewood Hall in England!«
Eleanors Stimme schwankte nicht. Auch sie war fest entschlossen. Über die Schwelle von Aston Court würde man sie nur schreiend und tretend befördern.
Alexander seufzte tief.
Für Eleanor hieße der Eintritt in Aston Court mehr, als ihren Willen nicht zu bekommen, wie es für die meisten Teenager der Fall wäre. Er wäre das Ende ihrer Freiheit als Prinzessin. Sie würde sich der Öffentlichkeit offiziell als Thronfolgerin von Maradova zu erkennen geben müssen, sie wäre nicht länger in der Lage, sich vor den royalen Zeremonien zu drücken, sie würde aufhören müssen, sich die Haare zu färben, und anfangen, sich königlich zu kleiden. Ihre Verpflichtungen würden sie voll in Beschlag nehmen, und sie würde nie wieder ein annähernd normales Leben führen können.
Alexander nahm seine Zeitung und faltete sie sorgfältig zusammen. Er stellte sich auf das bevorstehende Brüllduell ein, eine häufige Übung, seit Eleanor im Teenageralter war.
»Bitte, Dad!«
König Alexander war überrumpelt. Es kam selten vor, dass seine Tochter ihn um etwas bat – dafür war sie viel zu stolz. Er blickte in der Erwartung auf, ihren üblichen Schmollmund zu sehen, doch stattdessen sah er einen Ausdruck echter Verzweiflung. Für einen Moment konnte er sich nicht mehr daran erinnern, warum er unbedingt nein sagen musste. Dann fiel es ihm wieder ein: Aston Court war die einzige Schule, die Eleanors Sicherheit gewährleisten konnte, nachdem sie der Öffentlichkeit offiziell als Prinzessin vorgestellt worden war. Nur dort konnte man sie rund um die Uhr bewachen und auf ihre Zukunft vorbereiten. Aston Court war die einzige Option! Doch trotz dieser Überzeugung streckte er vorsichtig die Hand aus, als Eleanor ihm die Broschüre unter die Nase hielt.
Sie legte ihre Hand auf seine und drückte sie sanft. »Du sollst sie nur lesen, mehr verlange ich nicht.«
Auf der anderen Tischseite nippte Königin Matilde wieder an ihrem Tee, bevor sie die Tasse geziert auf die Untertasse stellte. »Vielleicht liegt es am Tee, aber ich hatte schon immer eine Schwäche für England. Du nicht auch, Alexander?« Sie blickte ihren Mann an, und ihre sorglose Miene bewölkte sich, als ihr Blick den seinen traf. Der maradovische König hielt dem Blick seiner Frau für die gefühlt längsten Sekunden seines Lebens stand.
Schließlich stieß er einen langen Seufzer aus und hob kapitulierend die Hände. »Na schön, ich lese die Broschüre. Mehr aber nicht!«
Eleanor quietschte vor Freude und Erleichterung. »Juhu! Danke, danke, danke! Ich weiß, dass sie dir gefallen wird, Dad, das verspreche ich dir.« Damit stopfte sie sich ein Croissant in den Mund und rannte nach draußen, bevor der König Zeit hatte zu verstehen, was gerade passiert war.
Die Tür knallte hinter ihr zu und ließ Alexander und Matilde mit klingenden Ohren zurück. Wieder sah der König seine Frau an, während das Geräusch langsam verhallte. Sie lächelte unschuldig.
»Sie kann da nicht hin«, brummte er. »Es ist zu gefährlich, die einzige Erbin des maradovischen Königshauses in einem x-beliebigen britischen Internat herumstolpern zu lassen.«
Matilde wurde wieder ernst und legte ihr Besteck sorgfältig vor sich auf den Tisch, so dass alle Gabeln, Messer und Löffel auf einer Linie waren.
Als sie aufblickte, sah Alexander ganz deutlich das Feuer in ihren Augen.
»Du weißt so gut wie ich, dass Rosewood keine x-beliebige Schule ist. Und außerdem« – sie hielt einen Augenblick inne und zwang ihn, ihr in die Augen zu sehen – »wurde sie, wie du schon gesagt hast, noch nicht vorgestellt. Niemand weiß, dass sie eine Prinzessin ist. Es könnte also der beste Weg sein, sie ihre letzten sorgenfreien Jahre genießen zu lassen, bevor sie ihre königlichen Pflichten übernimmt. Wir wissen beide, dass dir eine solche Chance gewünscht hättest.«
Alexander war vor den Kopf gestoßen. Hatte er seine Frau richtig verstanden?
»Willst du damit sagen, dass sie auf diese Schule gehen soll?«, fragte er ungläubig.
Matilde knipste ihr Lächeln wieder an und ließ den feurigen Blick verlöschen, als würde sie einen Hut absetzen.
»Vorerst musst du einfach nur die Broschüre lesen.« Sie hob die Teetasse an den Mund, dann hielt sie inne und fügte hinzu: »Wenn etwas schiefgeht, können wir immer noch Jamie schicken.«
Alexander starrte seine Frau entsetzt und bewundernd zugleich an. Dann begann er zu schmunzeln. Er hatte das vage Gefühl, dass das Thema mit der Durchsicht der...




