Glück | Erwachsen | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Glück Erwachsen

Die Muster, Prägungen und Erwartungen unserer Kindheit – und wie wir uns von ihnen befreien können
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7106-0919-0
Verlag: Brandstätter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Muster, Prägungen und Erwartungen unserer Kindheit – und wie wir uns von ihnen befreien können

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-7106-0919-0
Verlag: Brandstätter Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lebe ich so, wie ich selbst es möchte? Warum fällt mir Nähe schwer? Weshalb werde ich meine Ängste nicht los? Und warum wiederholen sich immer wieder dieselben Konflikte? Dieses Buch nimmt uns mit auf eine fesselnde Reise in die Tiefen unserer Psyche, um Antworten auf diese und viele weitere Fragen, die wir uns stellen, zu finden. Es beleuchtet, wie die Muster und Prägungen unserer Kindheit unbewusst unser Handeln und Fühlen bestimmen - und wie wir uns davon lösen können, um ein erfüllteres und bewussteres Leben zu führen. Der renommierte Psychologe und Therapeut Tobias Glück zeigt anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und mit bewegenden Fallbeispielen, wie alte emotionale Verletzungen und Traumata unser Selbstbild lebenslang beeinflussen. Sie sind unsichtbare Fesseln, aus denen wir uns befreien können. Nehmen wir die hinderlichen 'inneren Kinder' liebevoll an, ohne ihnen die Führung zu überlassen. Glück, der diese tiefen Zusammenhänge in der Arbeit mit seinen Patient*innen erlebt, spürt den dahinterliegenden Prozessen nach und liefert uns neue Denkanstöße für eine Auseinandersetzung mit unserem individuellen Erwachsensein. Erwachsensein, davon ist Glück überzeugt, ist nicht einfach ein Lebensalter, sondern ein fortlaufender Prozess. Sein Buch ist eine Ermutigung, Frieden mit sich selbst zu schließen, sich mit Mitgefühl zu begegnen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und es nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Es ist nie zu spät, erwachsen zu werden - lassen wir uns inspirieren und beginnen wir noch heute!

 Tobias Glück  , geb. in Bayern, ist Klinischer Psychologe und Psychotherapeut (Verhaltenstherapie) mit einer eigenen Praxis in Wien, MBSR- und MSC-Lehrer, Arbeitspsychologe sowie Vortragender für Kommunikation, Leadership und Gesundheit an der Uni Wien und der WU Wien.   Er schreibt regelmäßige Gastbeiträge zu psychologischen Themen für den 'Standard' und ist gefragter Interviewpartner zu psychologischen Themen, z.B. im Deutschlandfunk.
Glück Erwachsen jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


WENN KINDHEIT NACHWIRKT: DIE ROLLE DER ELTERN IN UNSEREM ERWACHSENEN-LEBEN


Wir Menschen werden durch ein komplexes Zusammenspiel unserer genetischen und biologischen Ausstattung sowie den Umwelteinflüssen zu denen geformt, die wir sind. Jede menschliche Zelle besteht aus 46 Chromosomen, die in 23 Paaren angeordnet sind. Bei der Zeugung erhalten wir zu gleichen Teilen die mütterlichen wie die väterlichen Gene über jeweils 23 Chromosomen von unseren Eltern. Die Kombination der Geschlechtschromosomen – X und Y – bestimmt in der Regel, mit welchem Geschlecht wir geboren werden. Dabei stammt das entscheidende Chromosom vom Vater. Die Gene und Chromosomen bestimmen jedoch nicht vollkommen unveränderlich, wer wir sind, da es immer auch darauf ankommt, wie diese Gene exprimiert, also „angeschaltet“ werden, was auch durch unsere Umwelt beeinflusst wird. Auch ist es mitnichten so, dass damit festgelegt wäre, zu welchen Menschen wir werden. Es wird davon ausgegangen, dass rund 50 Prozent unserer Persönlichkeit durch die Gene festgelegt werden. Die übrigen Anteile werden durch Umwelteinflüsse und unsere persönlichen Erfahrungen, Verhaltensweisen und Entscheidungen geprägt, die unser Wesen beeinflussen. So kann es sein, dass jemand vielleicht die Anlage zu einer Erkrankung hat, diese aber aufgrund äußerer Lebenseinflüsse und des Lebensstils nicht auftritt, oder dass er mit bestimmten genetischen Vorteilen geboren wurde, diese aber nicht nützen kann, weil die Möglichkeiten dazu nicht geboten wurden. Einschränkend muss man aber sagen, dass es bestimmte genetische Erkrankungen gibt, die in jedem Fall ausbrechen, wenn Menschen Träger dieser Gene sind.

Umwelteinflüsse sind zum einen natürliche Gegebenheiten, wie Temperatur, Licht, Lärm, Vegetation, Nahrung oder auch Giftstoffe. Zum anderen spielen aber auch Einrichtungen und Ausstattungen eine Rolle, die uns entweder ermöglichen, unser Potenzial auszuschöpfen und zum Lernen anregen oder dies nicht begünstigen oder sogar verhindern. Einen großen Einfluss stellen soziale Einflüsse dar. Das beginnt damit, wie viel Liebe und Fürsorge wir in den ersten Lebensjahren erhalten, mit welchen Menschen wir zusammenleben und mit welchen Verhaltensweisen, Überzeugungen, Prägungen und Werten wir konfrontiert sind.

Vorbilder prägen unser Verhalten

Wesentlich für unsere Entwicklung ist dabei auch das sogenannte soziale Lernen oder auch Modelllernen. Es bedeutet, dass wir unser eigenes Verhaltensrepertoire durch das Nachahmen und Abschauen von Verhalten erwerben. Lange dachte man, dass diese Fähigkeit besonders nur uns Menschen vorbehalten sei. Mittlerweile wissen wir jedoch, dass viele Spezies mit kognitiven Funktionen dazu in der Lage sind, angefangen von Affen über Krähen bis hin zu Oktopussen, die in dieser Hinsicht übrigens besonders begabt sind.

Durch Modelllernen erfahren wir nicht nur, wie wir Nahrung beschaffen oder miteinander kommunizieren können, sondern sehen auch, wie soziale Dynamiken funktionieren und wie wir uns in verschiedenen Umgebungen zurechtfinden können. Soziales Lernen lässt uns auch erkennen, wie wir in bestimmten Situationen reagieren sollten – dazu gehört auch, wann wir mit Angst oder Wut und anderen Emotionen reagieren.

An einem Sommertag habe ich eindrücklich erlebt, wie schnell dieses soziale Lernen passiert. Ein etwa zweijähriges Kind hatte eine Hummel auf einer Blume entdeckt und sich dieser neugierig genähert, jedoch mit einigem Abstand. Als die Mutter dies bemerkte, fing sie an zu schreien und mit den Armen zu fuchteln, wobei sie einen panischen Gesichtsausdruck hatte. Wie sich nachher herausstellte, hatte schon ihre Mutter panisch auf Insekten reagiert. Keine fünf Minuten später kam eine Hummel angeflogen. Dieses Mal fing das kleine Kind jedoch sogleich an, panisch zu schreien und zu weinen – und folgte dem Beispiel seiner Mutter. Soziales Lernen ist ein mächtiges Instrument, wie dieses Erlebnis deutlich macht. Die gute Nachricht ist jedoch: Alles, was wir gelernt haben, können wir in den meisten Fällen, wenn auch nicht vollständig, so doch in Teilen, auch wieder verlernen.

Ein weiterer Faktor für unsere Persönlichkeitsentfaltung, der natürlich durch die bereits erwähnten mitbeeinflusst wird, ist, welche Lernerfahrungen wir durch eigene Erlebnisse oder das Meistern von Herausforderungen machen. Auch welche Gedanken wir uns über uns selbst und über die Welt machen, und welche Meinungen und Grundüberzeugungen wir dadurch bekommen, wie andere sich uns gegenüber verhalten, spielt eine Rolle. Damit sind sowohl positive als auch negative Gedanken über uns und die Welt gemeint. Haben wir beispielsweise die Überzeugung, dass wir Dinge schaffen können? Wovor haben wir Angst? Wie positiv oder negativ stehen wir zu uns selbst?

Einen großen Einfluss darauf hat etwas, das ich als „Verhaltensaussagen“ bezeichne. Im Gegensatz dazu, was Menschen mit Worten äußern und was verschiedene Botschaften beinhalten mag, sind Verhaltensaussagen das, was ankommt, wenn wir zu uns selbst sagen: „Da hatte ich das Gefühl, dass …“. Ein Beispiel wäre, wenn jemand zwar zu mir sagt: „Du bist mir wichtig und ich liebe dich“, jedoch unzuverlässige Verhaltensweisen an den Tag legt und nicht auf meine Bedürfnisse eingeht. Werden wir mit diesem Verhalten konfrontiert, entsteht in uns vielleicht das Gefühl, die andere Person interessiere sich nicht für uns. Das erlebte Verhalten „Der interessiert sich nicht für mich“ ist die Verhaltensaussage, die viel stärker unsere emotionale und kognitive Reaktion beeinflusst als das gesprochene Wort.

Solche Erlebnisse kommen in der Kindheit häufig vor, und je widersprüchlicher die wörtlich getätigten Aussagen und die Verhaltensaussagen sind, desto mehr Stress löst es in uns aus. Die Widersprüchlichkeit zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was getan wird, wird auch mit dem Begriff „Double-Bind“ bezeichnet. Diese Erfahrungen ziehen sich durch unser gesamtes Leben und aktivieren die alten emotionalen Muster und Botschaften aus der Kindheit, wenn wir mit ihnen als Erwachsene konfrontiert werden. Das kann in unseren Partnerschaften sein, wenn ein Partner sich abweisend verhält, zugleich aber betont, wie sehr er die andere Person liebt, oder auch am Arbeitsplatz, wenn zwar überall von Wertschätzung und Teamgeist gesprochen wird, den Mitarbeitenden durch das Verhalten der Firmenleitung aber vermittelt wird, dass sie als Menschen egal und austauschbar sind.

Durch Modelllernen, Verhaltensaussagen und indem Botschaften immer wieder wiederholt werden, übernehmen wir während unseres Aufwachsens unbewusst auch Einstellungen, Werte, Glaubenssätze und Haltungen unseres Umfelds. Dazu gehört, wie Eltern die Welt interpretieren, welche politischen Ansichten sie haben, was in der Gemeinschaft um uns herum für Normen gelten und wie diese kommuniziert werden. Auch Kommunikationsstile, Strategien zur Problemlösung, die Einhaltung von gesellschaftlichen Codes und andere Verhaltensweisen haben Einfluss. Entweder dadurch, dass wir sie ungefragt übernehmen oder weil wir uns gegen sie auflehnen. Eltern haben einen maßgeblichen Einfluss auf das Ernährungs- und das Schlafverhalten ihrer Kinder, darauf, wie sie mit Finanzen umgehen, welche Bildungsmöglichkeiten sie wahrnehmen, welche Interessen sie verfolgen, welche Haltung sie zu Intimität und Sexualität entwickeln, welche Berufe sie anstreben und auch, mit welchen Menschen sie befreundet sind und was sie an diesen Menschen schätzen. Vieles davon kann man wertschätzen, jedoch geht es immer auch darum, sich zu fragen, ob wir als Erwachsener mit diesen Werten übereinstimmen und ob sie noch die unseren sind. Oder ob wir sie vielmehr unhinterfragt in unser Leben übernommen haben und sie uns eigentlich nicht entsprechen.

Besonders der Rolle von Geschwistern auf unsere Entwicklung wurde lange wenig Bedeutung beigemessen. Erst in den vergangenen Jahren zeigten Untersuchungen, wie wichtig das Verhältnis zu unseren Geschwistern ist, wenn es darum geht, wie wir uns in Gruppen einfügen und auf andere Menschen zugehen. Ebenfalls wurde der Einfluss, den Personen außerhalb der Kernfamilie auf uns ausüben können, in der Forschung lange Zeit übersehen oder unterschätzt. Auch Großeltern, Onkel, Tanten oder andere Menschen aus dem Familiensystem, mit denen wir oder die Eltern eine engere Bindung, aber auch Konflikte haben, tragen zu unserem Erleben und unserer Sicht auf die Welt bei. Oft berichten mir Klientinnen und Klienten auch davon, wie sehr ihre Schulzeit ihr Leben beeinflusst hat. Entweder in positiver Hinsicht, weil sie dort Freunde fanden oder Menschen, die sie förderten, oder weil sie gemobbt und ausgegrenzt oder von Lehrern oder anderen Erziehungspersonen abgewertet und schikaniert wurden.

Wie oben beschrieben, gäbe es uns ohne Eltern nicht. Egal, ob diese Eltern ihre Rolle erfüllt haben oder man seine Eltern vielleicht nie kennengelernt hat: Ohne diese beiden Menschen wäre unsere Existenz rein biologisch nicht möglich. Das mag zwar banal klingen, jedoch ist es wichtig, sich dieser Tatsache bewusst zu sein, denn dieses Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein hat in irgendeiner Form Einfluss auf unser Leben. Es bedeutet aber auch, dass wir uns nicht ausgesucht haben, mit welchen biologischen Voraussetzungen wir auf die Welt kommen und in welche Familie wir geboren wurden – und damit, welche Lernerfahrungen wir in den ersten Jahren unseres Lebens gemacht haben. Für diesen Umstand können wir nur insofern Verantwortung übernehmen, indem wir ihn zu akzeptieren lernen und uns für diese Aspekte unseres Lebens keine...


Glück, Tobias
Tobias Glück  , geb. in Bayern, ist Klinischer Psychologe und Psychotherapeut (Verhaltenstherapie) mit einer eigenen Praxis in Wien, MBSR- und MSC-Lehrer, Arbeitspsychologe sowie Vortragender für Kommunikation, Leadership und Gesundheit an der Uni Wien und der WU Wien. 
 Er schreibt regelmäßige Gastbeiträge zu psychologischen Themen für den „Standard“ und ist gefragter Interviewpartner zu psychologischen Themen, z.B. im Deutschlandfunk.

Tobias Glück, geb. in Bayern, ist Klinischer Psychologe und Psychotherapeut (Verhaltenstherapie) mit einer eigenen Praxis in Wien, MBSR- und MSC-Lehrer, Arbeitspsychologe sowie Vortragender für Kommunikation, Leadership und Gesundheit an der Uni Wien und der WU Wien.  Er schreibt regelmäßige Gastbeiträge zu psychologischen Themen für den "Standard" und ist gefragter Interviewpartner zu psychologischen Themen, z.B. im Deutschlandfunk.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.