E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Glaubacker Fettnäpfchenführer Indien
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7343-3344-6
Verlag: Bruckmann Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der unterhaltsame Reiseknigge - das Original
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-7343-3344-6
Verlag: Bruckmann Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seit Andrea Glaubacker das erste Mal Mitte der 90er Jahre den indischen Subkontinent betrat, führte sie ihre Entdecker- und Reiselust regelmäßig nach Indien. Zu vielfältig und spannend war das Land um es nur einmal zu besuchen. Die Veränderungen Indiens aufmerksam im Blick, vermittelt sie ein zeitgemäßes Bild des gigantischen Landes, das sich rasant wandelt.
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EINREISE
Von wegen schneller Einreise. Immigration!
Endlich in Indien, denkt sich Lara, als sie müde aus dem Flugzeug taumelt. Schnell raus aus dem Flughafen-Gebäude und erst einmal tief durchatmen. Es riecht undefinierbar und ungewöhnlich. Vielleicht ein sehr spezielles Putzmittel, aber die Temperatur im Flughafen ist moderat, stellt Lara fest. Als sie erwartungsvoll Richtung Ausgang schlendert, blickt sie schockiert auf die Menschenmassen vor kleinen Schaltern. Immigration Counter! Denken die wirklich, ich will in Indien wohnen, grummelt Lara vor sich hin. Das Formular dafür, das ihr im Flugzeug ausgehändigt wurde, hat sie weggeschmissen. Sie beobachtet die anderen Reisenden und findet einen Stapel Einreiseformulare, füllt eines aus und stellt sich stöhnend an. Während die Inder zügig durch den Residents-Schalter gehen, sind bei ihr Stillstand und Massenauflauf angesagt. So hat sie sich die Einreise nicht vorgestellt. Es geht kaum voran. Nach einer Stunde steht sie gerädert vor einem Beamten mit Schnauzer, dem Wächter über die Einreise. Missmutig und sehr gemächlich blättert er sich durch ihren Pass. Er begutachtet das Visum und fordert sie auf, direkt in die Kamera zu blicken, die ihr erst jetzt auffällt. Ein kleiner Kasten neben dem Beamten sorgt für den biometrischen Abgleich. Sie lächelt mit letzter Kraft und will unbedingt einen guten Eindruck hinterlassen, das hat sie sich fest vorgenommen. Sie will eine perfekte Touristin sein. »Don’t smile«, entfährt es dem Schalterbeamten unwirsch und ihr Lächeln erlischt. Endlich stempelt er energisch ihren Pass.
VISA BESORGEN
Wer nach Indien einreist, braucht ein Visum. Seit November 2014 gibt es die Möglichkeit, ein elektronisches Visum (E-Visum) online auf indianvisaonline. gov.in zu beantragen. Das E-Visum berechtigt zur mehrfachen Einreise und ist ab elektronischer Genehmigung für ein Jahr gültig. Allerdings darf der Aufenthalt 90 Tage am Stück nicht überschreiten. Eine kurze Reise in eines der Nachbarländer löst das Problem, sofern das Visa für »multiple entries« ausgestellt wurde.
Sobald der E-Visumantrag genehmigt ist, kommt die Bestätigung per E-Mail. Diesen Ausdruck muss man bei der Einreise vorweisen. Das elektronische Visum kann frühestens 120 Tage vor der geplanten Reise beantragt und sollte spätestens vier Tage vorher in Auftrag gegeben werden.
Das E-Visum für Indien gilt nur für die Einreise über bestimmte Flug- oder Seehäfen. Wer über den Landweg oder über einen anderen Flughafen einreist, muss ein herkömmliches Visum vorzeigen. Mein Tipp für den Prozess der Visabeantragung: Bringen Sie Geduld und Zeit mit.
Jetzt steht die nächste Hürde an: das Gepäck! Das Gepäckband hat schon einige Runden hinter sich, nur noch eine Handvoll mit Schnüren vertäute oder in Plastikfolie eingeschweißte Koffer rattern auf dem Band an ihr vorbei. Ein indischer Familienvater steht mit seinem Sohn am Gepäckband neben ihr. Mit aufkommender Panik in der Stimme fragt sie ihn, ob die Koffer schon durchgelaufen sind. »Don’t worry, coming soon«, lächelt sie der Mann an. Noch weiß Lara nicht, dass dieser Satz ein steter Begleiter ihrer Reise werden sollte.
Als das Gepäckband endlich die Koffer ausspeit, sind Laras Kräfte am Nullpunkt. Obwohl sie eben noch direkt vorne am Band war, sieht sie sich nun abgedrängt in der dritten Reihe hinter dem Band. Männer, Frauen, Kinder, alle haben sich einfach vor sie gestellt und so nach hinten geschoben. Genau so fühlt sie sich, müde im Abseits, und sie hat bereits am Anfang ihrer Reise genug. Wie kann man nur so schlecht organisieren, denkt sie wütend und allmählich kommen düstere Vorahnungen, dass ihre Vorfreude auf Indien lediglich ein Sammelsurium naiver Vorstellungen gewesen sein könnte. Immer wieder gibt das Gepäckband seinen Geist auf, Koffer liegen verkeilt im Schacht, bis es wieder weiter rumpelt. »Coming soon«, quittiert der indische Familienvater lächelnd ihren verzweifelten Blick. Als dieser schon lange mitsamt Koffern weg ist und Lara allein am Gepäckband steht, will sie am liebsten losheulen. Kein Koffer, keine Klamotten, keine Zahnbürste – nichts. Aufgebracht wendet sie sich an den erstbesten Angestellten in dunkelblauer Uniform. Als der sich ahnungslos gibt, platzt ihr der Geduldsfaden. Sie schreit ihn an, der ganze Frust und Stress von endloser Warterei und den Strapazen einer langen Flugreise bricht sich Bahn. »My luggage is lost! Please do your duty and find it. This is the worst airport I’ve seen in my whole life«, schreit sie ihn an. Der verängstigt schauende Angestellte stammelt, »one moment«, und holt einen Kollegen zu Hilfe. Nach kurzer Zeit stehen vier Kollegen zusammen und beratschlagen den Fall. »Fill out this form, we inform you when your luggage has arrived«, sagt einer der Angestellten. Verzweifelt schreibt Lara ihre deutsche Handynummer, ihr Hotel und andere Details ins Formular, ahnend, dass dies nur der Startschuss in eine nervenaufreibende Reise ist. Plötzlich taucht Kollege Nummer fünf mit ihrem Koffer auf. Zoll! Alles in Ordnung. »Go now!«, wird ihr Wutausbruch nun nüchtern quittiert.
An einer Wechselstube tauscht sie 400 Euro in indische Rupien. Vorbei an ominösen Schaltern, die Taxifahrten verkaufen, vorbei an Handyshops, will sie einfach nur raus aus diesem Gebäude und endlich ankommen. Sie tritt durch die Tür, steht vor dem Gebäude und ist platt: Vor ihrem Gesicht wedeln Schilder mit aufgemalten Namen herum, dazu lautes Schreien und Rufe. Massen von Menschen stehen ihr gegenüber – nur Männer!
Was ist schiefgelaufen?
Schauen wir uns die Momente nach der Landung an. Das lange Anstehen beim Immigrationsschalter kostet Lara die letzte Kraft. Ohne innerliches Aufbegehren kann das Schlangestehen gelassener ertragen werden.
Generell braucht man überall, wo man sich anstellen muss, Durchsetzungskraft, um nicht abgedrängt zu werden. Etwas Drängelei ist von Nöten, um nicht ewig Letzte zu bleiben.
Lektion Nummer zwei: Sollte das Gepäck tatsächlich verschwunden sein, kann man neben dem obligatorischen Ausfüllen des Formulars auf eine monetäre Kompensation bestehen, für Zahnbürste und Kleidung, das notwendigste eben. Allerdings muss man auf das Geld bestehen. Dann greift eine Hand in die pralle Hosentasche und händigt ein paar Scheine aus. Sobald das Gepäck eingetroffen ist, wird man benachrichtigt und muss nochmal zum Flughafen reisen, um es abzuholen.
Versuche, den Prozess zu beschleunigen, sind höchst verwirrend und nervenaufreibend.
Gehörig schief geht die Kommunikation mit den indischen Flughafenangestellten, die Lara wütend anschreit. Indien wartet mit einer Menge an Situationen auf, die uns Europäer oft ungeduldig werden lassen. Aber Indien wäre nicht Indien, wenn sich am Ende nicht doch meist alles wundersam in Wohlgefallen auflöst. Daher die Bitte: Freundlich bleiben!
Was können Sie besser machen?
Indien hat Lara noch vor dem Verlassen des Flughafens wichtige Lektionen erteilt, und die lauten: Geduld, Nachsicht und immer tief atmen. Das Unveränderliche anzunehmen erleichtert vieles ungemein und das kann leider bedeuten, lange anzustehen. Wir lernen, dass wir wenig Einfluss auf die Umstände haben. Ganz wichtig: Annehmen! Was vielleicht schon als Floskel im Yogaunterricht abgehakt wurde, kann hier gleich umgesetzt werden, und das garantiert nicht nur einmal. Es wird zahlreiche Situationen geben, in denen es ratsam ist, sich in folgendem Mantra zu üben: »Tief einatmen, tief ausatmen, ich lasse Erwartungen los und nehme alles, was ist, in tiefer Gelassenheit an.« Viel Glück dabei!
Definitiv verbessern kann Lara die Kommunikation mit den Angestellten. Herumzuschreien bringt kaum den gewünschten Effekt, es erhöht vielmehr die Wahrscheinlichkeit, auf Granit zu beißen. Doch wenn man auf Hilfe angewiesen ist, heißt es, sich zusammenreißen. Und? Genau: Wieder einmal tief durchatmen!
Der nächste, aber verzeihliche Fehler: zu viel Geld zum schlechten Wechselkurs im Flughafen tauschen. Besser, man tauscht erst einmal 50 Euro und besorgt am nächsten Tag mehr Geld am Bankautomaten oder in Wechselstuben.
DAS LIEBE GELD
Landeswährung ist die indische Rupie. Eine Rupie entspricht 100 Paisa. Neben der Kreditkarte ist die Mitnahme von Bargeld in Euro oder US-Dollar zu empfehlen.
Auch in Indien hat das digitale Bezahlen Einzug gehalten, und selbst an kleinsten Buden kann vom Tee bis zum Benzin nun mit dem Handy bezahlt werden. Bargeld wird glücklicherweise noch überall akzeptiert, aber das Land ist auf gutem Wege, die erste bargeldlose Volkswirtschaft zu werden.
Zu empfehlen sind Geldautomaten der State Bank of India. In der...




