Gläser | Emma und das vergessene Buch | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

Gläser Emma und das vergessene Buch

Tauche ein in diese fantastische Geschichte rund um die schönsten Liebesromane der Literaturgeschichte
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7320-0821-6
Verlag: Loewe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Tauche ein in diese fantastische Geschichte rund um die schönsten Liebesromane der Literaturgeschichte

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

ISBN: 978-3-7320-0821-6
Verlag: Loewe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Buchspringer-Autorin Mechthild Gläser greift in diesem humorvollen Fantasy-Roman erneut ein literarisches Thema auf. Zum 200. Todesjahr von Jane Austen adaptiert sie Figuren und Motive aus den Büchern der beliebten Autorin und greift damit die schönsten Liebesromane der Literaturgeschichte auf, nicht ohne daraus eine ganz eigene fantastische Geschichte mit vielen Überraschungen zu zaubern. Als Emma beim Aufräumen in der Bibliothek ihres Internats ein altes Notizbuch findet, denkt sie zunächst, es wäre eine Art Chronik der Schule. Aber es ist genau umgekehrt: Alles, was man in dieses Buch hineinschreibt, wird tatsächlich wahr. Natürlich beginnt Emma sofort damit, den Schulalltag auf Schloss Stolzenburg ein wenig zu 'korrigieren'. Doch nichts geschieht so, wie sie es sich gedacht hat. Zumal auch schon früher Chronisten das Buch genutzt haben. Zum Beispiel eine junge Engländerin, die Ende des 18. Jahrhunderts ein Märchen über einen Faun verfasst hat und später eine erfolgreiche Schriftstellerin wurde. Oder Gina, die vor vier Jahren plötzlich verschwand, nachdem sie ihre Geheimnisse der Chronik anvertraut hatte. Als sich jetzt auch noch Ginas Bruder Darcy einmischt, ist das Chaos perfekt. Denn Emma und Darcy sind einander in herzlicher Abneigung zugetan - zumindest glauben das die beiden.

Mechthild Gläser wurde im Sommer 1986 in Essen geboren. Auch heute lebt und arbeitet sie im Ruhrgebiet, wo sie sich neben dem Schreiben ihrem Medizinstudium widmet und außerdem ab und an unfassbar schlecht Ballett tanzt - aber nur, wenn niemand hinsieht. Sie liebt es, sich fantasievolle Geschichten auszudenken, und hat früh damit begonnen, sie zu Papier zu bringen. Inspiration dafür findet sie überall, am besten jedoch bei einer Tasse Pfefferminztee. Mehr über die Autorin unter mechthild-glaeser.de.
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Darcy de Winter und Toby Bell, gut aussehend, gut gekleidet und, soweit man wusste, natürlich auch aus gutem Hause stammend, betraten die Schlosskeller am nächsten Tag gegen 21.15 Uhr. Seit ihrer Ankunft auf dem Schloss waren sie das Gesprächsthema schlechthin gewesen, vor allem beim weiblichen Teil der Schülerschaft. Doch bisher hatten nur wenige einen Blick auf die beiden werfen können, die sich anscheinend irgendwo im Westflügel verschanzt hatten. Auch ich war ihnen noch immer nicht begegnet und musterte sie daher neugierig, als sie den größten der Kerker betraten, in dem sich die Tanzfläche befand.

Hannahs Ferndiagnose schien schon einmal zu stimmen: Die beiden waren wirklich alles andere als unansehnlich. Der eine war groß und blond. Sein Gesicht war übersät mit Sommersprossen und er sah insgesamt so aus, als habe er den Sommer surfend am Atlantik verbracht. Lächelnd betrachtete er die feiernden Schüler, während er sich einen Weg zur Bar bahnte.

Der andere Typ hingegen erschien eindeutig weniger sonnig, schon allein wegen des missmutigen Zugs, der um seine Lippen lag. Er war ebenfalls groß, überragte seinen Freund sogar noch um einen halben Kopf. Sein dunkles Haar war ordentlich gescheitelt und schien exakt den gleichen Farbton wie seine Augen zu haben. Im Gegensatz zum Surfer blieb er bei der Tür stehen, als wäre er unschlüssig, ob er nicht lieber gleich wieder gehen sollte.

Ganz falsch lag er mit dieser Überlegung nicht, wie ich fand. Eingeladen hatte ihn schließlich niemand. Die Erste Stunde, wie die Party hieß, mit der die Stolzenburger seit jeher am letzten Samstag vor Beginn des neuen Schuljahres selbiges einläuteten, war eine reine Schülerveranstaltung. Früher einmal, als Bildung ein noch weitaus luxuriöseres Gut gewesen war als heute, war das noch anders gewesen. Damals hatten die Internatsschüler bei dieser Gelegenheit tatsächlich die erste Unterrichtsstunde des Jahres besucht. Pfeife rauchende Professoren mit Backenbärten und strengen Mienen hatten dann reihum Antrittsvorlesungen gehalten. Währenddessen hatte die versammelte Schülerschaft bis spät in die Nacht auf unbequemen Stühlen ausgeharrt und war vermutlich hauptsächlich damit beschäftigt gewesen, nicht versehentlich einzuschlafen.

Doch inzwischen war die Veranstaltung längst zur lehrerfreien Zone erklärt worden. Nicht einmal Frederick war gekommen, was mich ein bisschen wurmte. Ich hatte mir extra Mühe mit meinem Äußeren gegeben und mir das Haar von Charlotte zu einem komplizierten Knoten aufstecken lassen. Aber Frederick war eben kein Schüler mehr, er arbeitete nur noch regelmäßig in den Semesterferien auf den Ländereien. Ich verstand natürlich, dass er heute nicht hier war, aber ich hatte bis zuletzt anderes gehofft.

Was machten also die beiden merkwürdigen Besucher auf der Party? Das Auftauchen der Gäste schien außer mir niemanden so recht zu stören. Im Gegenteil: Beide waren auffallend plötzlich von ganzen Trauben aus Schülerinnen umgeben.

Ich seufzte und wandte mich wichtigeren Dingen zu. Der Dekoration zum Beispiel. Dieses Mal war unsere Stufe mit der Organisation an der Reihe gewesen und Charlotte und ich hatten vor den Ferien wochenlang im Kunstunterricht an Dekoelementen aus Pappmaschee und Alufolie gebastelt. Auch das war Tradition: dass der scheidende Abiturjahrgang für das kommende Schuljahr ein Thema festlegte und die auf dem Internat verbleibenden Schüler damit klarkommen mussten. »2001 – Odyssee im Weltraum« war da noch ein vergleichsweise glimpflicher Vorschlag gewesen.

Ich erinnerte mich noch mit Schaudern an die Spinnenparty im vorletzten Jahr. Überall hingen haarige Beine und falsche Spinnweben herum, die man unglücklicherweise nicht von den echten hatte unterscheiden können (von denen gab es in den Schlosskellern ebenfalls die eine oder andere). Dann doch lieber Planeten aus Luftballons, Zeitungspapier und Kleister. Die krabbelten wenigstens nicht.

Es hatte Charlotte, Hannah und mich beinahe den ganzen Tag gekostet, alles so aufzuhängen, wie wir es uns vorgestellt hatten. Vor allem die unteren Jahrgänge zeigten sich in diesem Jahr begeistert (und ich hoffte sehr, dass sie sich bei der Schulsprecherwahl im Frühjahr noch an dieses Gefühl erinnern würden). Prunkstück der Dekoration war ein großer Satellit aus Schuhkartons und Spiegelscherben, der sich dank des eingebauten Motors drehte und als Discokugel in der Mitte des Raumes fungierte. Na ja, also er hätte sich jedenfalls drehen sollen.

Ich überlegte gerade, ob es sehr unangebracht wäre, einen Stuhl auf die Tanzfläche zu schleppen, daraufzuklettern und im Innern des Satelliten nach dem Rechten zu sehen, während alle anderen um mich herum zu einem Song von Fanta 4 tanzten. (Die Musik war heute ebenfalls von 2001). Da fiel mir Hannah auf, die am Rande der Tanzfläche stand und Sinan aus unserer Klasse dabei beobachtete, wie er eine Limo trank. Dabei knetete sie geistesabwesend die Schleife an ihrem Kleid, die schon arg ramponiert aussah. Oje.

»Alles in Ordnung?«, fragte ich, nachdem ich mich bis zu ihr vorgearbeitet hatte.

Hannah nickte. Ihr Blick klebte noch immer an dem Jungen, der ein paar Meter von uns entfernt an der Wand lehnte.

»Äh, du verhältst dich ein wenig auffällig«, versuchte ich es vorsichtig. »Sollen wir mal rübergehen?«

»Wohin?«

Ich nickte in Sinans Richtung.

Hannah wurde rot. »Quatsch. Wieso, ich …« Sie betrachtete die zerknitterte Schleife.

»Komm, ich stelle euch vor.«

»Was? Nein! Ich weiß nicht. Nein, lieber nicht.« Hannahs Gesicht nahm die Farbe eines gekochten Krebses an, während die Musik zu irgendetwas von Madonna wechselte. Nicht weit von uns tanzte nun der Surfertyp, und zwar zum Ärger sämtlicher Fünftklässlerinnen mit … Charlotte! Die beiden schienen sich prächtig zu unterhalten, während der finstere Freund des Surfers weiterhin mit verschränkten Armen neben der Tür lehnte und missgelaunt in die Runde schaute. Warum blieb er überhaupt, wenn er die Party augenscheinlich so blöd fand?

Nein, Charlotte machte es richtig. Dieser Abend war dazu da, um Spaß zu haben. Entschlossen hakte ich mich bei Hannah unter. »Also gut, dann komm mit.« Ich zog sie mit mir auf die Tanzfläche und schon kurz darauf verloren wir uns in den Beats, wirbelten uns gegenseitig herum und feierten den Beginn des neuen Schuljahres.

Nun waren wir also in der Zehnten! Ein weiteres Jahr auf Stolzenburg für mich und das allererste überhaupt für Hannah stand an, an der besten Schule des Landes, ach was, vielleicht sogar der Welt! »Du kannst dich wirklich glücklich schätzen, dass du dieses Stipendium bekommen hast«, erklärte ich ihr zwischen zwei Songs. »Stolzenburg ist fantastisch.«

»Das glaube ich auch«, freute sich Hannah und drehte sich über das Parkett, während Megan Stevens aus der Elften in Karl-Alexander von Stittlich-Rüppins Armen (alter schlesischer Adel, daher der bescheuerte Name) an uns vorbeitanzte und »So ist es, Baby!« rief.

Auch Charlotte tanzte einige Tracks später noch, und zwar mit dem Surfer. Nach einer Weile gesellten sich die beiden jedoch zu uns.

»Das ist Toby«, stellte Charlotte uns ihren Begleiter vor. Sie war etwas außer Atem. Ihre Augen leuchteten.

»Hi, ich bin Emma und das ist Hannah.«

»Freut mich. Wollt ihr auch etwas trinken?«

Wir nickten.

»Bin gleich wieder da.« Er verschwand in der Menge.

»Er scheint nett zu sein«, sagte ich, kaum dass er fort war, und musterte Charlotte aufmerksam.

Die grinste. »Sehr nett«, sagte sie. »Unheimlich, absolut obernett, um genau zu sein.« Auch ihre Wangen waren leicht gerötet. »Ist sein Akzent nicht furchtbar niedlich?«

Ich musste lachen. »Er klingt genau wie deiner, Charlotte. Könnte daran liegen, dass ihr beide Engländer seid.« Überhaupt stammten sogar sehr viele der Stolzenburger Schüler seit jeher aus Großbritannien. Dies war eine internationale Schule. Ein Akzent sollte also gerade hier niemanden überraschen.

»Trotzdem«, seufzte Charlotte.

»Hat er gesagt, was mit seinem Freund los ist?« Ich deutete in Richtung des Miesepeters, bei dem es sich dann wohl um Darcy de Winter handeln musste. »Der scheint die Party ja echt zu hassen.«

»Danach habe ich nicht gefragt«, sagte Charlotte. »Aber mir ist wieder eingefallen, dass die de Winters mal Schüler hier waren. Bis vor etwa vier Jahren, Darcy und seine Zwillingsschwester müssen damals ungefähr sechzehn gewesen sein. Ich war erst zwölf und selbst noch neu hier. Insgesamt habe ich die beiden höchstens ein, zwei Mal gesehen. Und Darcy ist dann nach der Sache, du weißt schon, nach dieser Sache mit Gina nach Eaton gewechselt, glaube ich.«

»War sie etwa das Mädchen?«, fragte ich.

Charlotte nickte und Hannah fragte: »Wer?«

»Gina de Winter«, murmelte ich, ja, jetzt, wo Charlotte es erwähnte …

In diesem Moment kehrte Toby mit vier Colas im Arm zurück.

»Danke.« Charlotte strahlte ihn an, als hätte er gerade die Welt gerettet, und nippte an ihrem Glas.

Auch ich nahm einen Schluck. »Also gut«, begann ich dann und sah dem Surfertyp in die blauen Augen. »Wer seid ihr beiden und was wollt ihr auf unserem Schloss?«

Er lächelte. »Darcy und ich studieren zusammen in Oxford«, erklärte er. »Aber im Moment haben wir noch vorlesungsfrei und bereisen den Kontinent. Wir kommen gerade aus Frankreich und machen hier Zwischenstation. Darcy behauptet nämlich, ihm gehöre der Kasten.«...


Mechthild Gläser wurde im Sommer 1986 in Essen geboren und hat Politik, Geschichte und Wirtschaft studiert. Auch heute lebt und arbeitet sie im Ruhrgebiet, wo sie außerdem ab und an unfassbar schlecht Ballett tanzt – aber nur, wenn niemand hinsieht. Sie liebt es, sich abstruse Geschichten auszudenken, und hat früh damit begonnen, sie aufzuschreiben. Inspiration dafür findet sie überall, am besten jedoch bei einer Tasse Pfefferminztee.



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