Gerstäcker | Die Regulatoren in Arkansas | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 412 Seiten

Reihe: Classics To Go

Gerstäcker Die Regulatoren in Arkansas


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98744-477-7
Verlag: OTB eBook publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 412 Seiten

Reihe: Classics To Go

ISBN: 978-3-98744-477-7
Verlag: OTB eBook publishing
Format: EPUB
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Dieser Roman begründete den Ruhm Friedrich Gerstäckers. Er basiert auf seiner ersten Nordamerika-Reise und enthält, in die spannende Handlung verpackt, zahlreiche interessante Informationen über das Leben der Pioniere in Nordamerika.

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1. Der Leser macht die Bekanntschaft von vier würdigen Leuten und erfährt etwas Näheres über ihre Lebensverhältnisse
Dem freundlichen Mai waren die wilden Frühlingsstürme gewichen. Blumen und Blüten drängten sich zwischen dem gelben Blätterlager hervor, das dicht den Boden bedeckte und nur hier und da von saftgrünen, lebensfrischen Grasflecken unterbrochen wurde. Aber Blüte an Blüte quoll auch aus den Zweigen der niederen Dogwoodbäume und Gewürzbüsche hervor. Blumen und Knospen hingen an den üppigen Lianengewinden, die sich von Baum zu Baum schlangen, nieder, verwandelten die Wildnis in einen Garten und erfüllten mit lieblichem Wohlgeruch den von riesigen Fichten-, Eichen- und Sassafrasbäumen überwölbten Waldesdom. Drängte sich die Sonne durch die dichtbelaubten Wipfel der gewaltigen Stämme, so ließ das Gewirr von Schlingpflanzen und Buschwerk kaum hier und da einen verstohlenen Strahl zur Erde nieder, und Dämmerung herrschte in diesem Teil der Niederung, während das Tagesgestirn schon hoch am Himmel glühte. Damit schienen übrigens die Gestalten, die sich hier am Fuß einer mächtigen Kiefer niedergelassen hatten, ganz einverstanden zu sein, denn der eine von ihnen reckte die Glieder und sprach, zu dem grünen Laubdach über sich emporschauend: »Ein herrlicher Platz für vertrauliche Zusammenkünfte – ein ganz vorzüglicher Platz. Der Rohrbruch, nach dem Fluß hin, hält gewiß jeden vernünftigen Christenmenschen ab, seinen Weg in dieser Richtung einzuschlagen, und die dornigen Schlingpflanzen hier oben sind ebenfalls nicht so einladend, daß sich einer ganz nutzlos hineinwagen sollte – und nutzlos wär's, denn daß kein Wild mehr in der Nähe weilt, dafür, denk ich, hätten wir gesorgt,« Der Sprecher war, soweit es seine behaglich auf dem Laub ausgestreckte Gestalt erkennen ließ, ein Mann von über sechs Fuß, mit muskulösem Körperbau und freien, offenen Zügen, sein Blick hatte aber etwas unheimlich Wildes und irrte unstet von einem Ort zum andern. Sein ganzes Äußere verriet einen hohen Grad von Nachlässigkeit. Der alte, löchrige Filzhut war ihm vom Kopf gefallen, und das Haar stand struppig und ungekämmt empor: der borstige Bart schien eine Woche lang vernachlässigt zu sein, und ein sehr abgetragenes blauwollenes Jagdhemd, an dem einzelne einst gelb gewesene Fransen wild herabhingen, war mit alten wie neuen Blutflecken überdeckt. Diese wurden übrigens durch ein frisch abgestreiftes Hirschfell an seiner Seite erklärt. Überhaupt schien der Bursche den Wald zum Hauptaufenthalt zu haben. Die Büchse lag neben ihm am Boden; die Beine staken in vielfach ausgebesserten ledernen Leggins oder Gamaschen, und ein Paar Mokassins aus Rindshaut vollendeten den keineswegs kleidsamen Anzug. Sein Gefährte, der neben ihm, mit dem Rücken gegen den Baumstamm gelehnt, saß und mit einem langen Messer (in der Landessprache gewöhnlich »Arkansas-Zahnstocher« genannt) Holzspäne schnitzelte, unterschied sich etwas, und zwar zu seinem Vorteil, von dem rauhen Nachbarn. Seine Kleidung war sauberer, sein ledernes Jagdhemd, das, wenn auch alt und viel gebraucht, doch mit besonderem Fleiß gearbeitet schien, etwas besser gehalten als das des ersteren, und sein ganzes Aussehen bewies, daß er eine bessere Erziehung erhalten als der wilde Waldbewohner oder doch wenigstens erst kürzlich aus dem elterlichen Haus gekommen sei. Das letztere wurde noch durch seine Jugend so viel wahrscheinlicher, da er kaum mehr als siebzehn Jahre zählen konnte. Der dritte war den beiden Beschriebenen total unähnlich, und was jene an Wildheit und Lebensmut besaßen, schien dieser durch Sanftmut und Leutseligkeit wieder ausgleichen zu wollen. Seiner Kleidung nach gehörte er der Klasse wohlhabener Farmer an. Der blaue, vom besten wollenen Stoff gefertigte Frack – die gewöhnliche Tracht der amerikanischen Landleute –, die saubere gelbe Weste, die sorgfältig geschwärzten Schuhe, der neue breitrandige Hut, alles bewies, daß er etwas auf sein Äußeres halte und, wenn auch in manchen anderen Stücken, doch keineswegs in jener Mißachtung jeder anständigen, reinlichen Kleidung mit der Gesellschaft, in der er sich gerade befand und zu der er offenbar zu gehören schien, harmoniere. Er lehnte, ein Bein übers andere geschlagen, an einer kleinen Eiche und sah sinnend zu dem Sprecher hinüber, der seinen Kopf wieder faul auf das die Wurzeln des Baumes bedeckende Moos zurücksinken ließ. »Oder sorgt vielmehr jetzt noch dafür, Cotton«, beantwortete er dann mit etwas näselnder Stimme die Äußerung des Jägers, »wenn es auch nicht in Ordnung ist, daß Ihr selbst am heiligen Sabbat ohne dringende Not umhergeht und die friedlichen Tiere des Waldes erlegt.« »O geht zum Teufel mit Eurer Predigt, Rowson!« fuhr der Jäger halb ärgerlich, halb lachend auf, während der junge Bursche einen spöttischen Blick auf die ernsthafte Gestalt des Mahners warf. »Spart die Moral, bis Ihr in die Ansiedlung kommt, und verschont uns hier mit dem Unsinn. Wo aber nur Rusch stecken mag – verdammt will ich sein, wenn ich mir das erklären kann. Er versprach, ganz bestimmt mit Sonnenaufgang hier zu sein, und jetzt ist die Sonne bald drei Stunden hoch – die Pest in seinen Hals!« »Ihr werdet ihn mit Eurem gotteslästerlichen Fluchen nicht herbeirufen«, erwiderte kopfschüttelnd der andere: »aber«, fuhr er dann, etwas lebhafter werdend, fort, »auch mir dauert die Zeit zu lang. Ich muß um zehn Uhr in der Betversammlung sein und habe noch sechs Meilen bis dahin zu reiten.« »Die beiden Geschäfte scheinen sich bei Euch sehr gut zu vertragen!« Der Jäger lächelte verächtlich. »Predigen und Pferde stehlen – hm, paßt wirklich recht gut zusammen, kann auch recht gut nebeneinander bestehen, denn der ›Sabbat‹, wie Ihr ihn nennt, ist doch ein schlechter Tag für unser Geschäft. Aber laßt die Faxen hier im Wald, wo wir unter uns sind. 's ist – das wenigste zu sagen – langweilig.« »Nun, habt keine Angst, Ihr sollt nicht lange mehr damit belästigt werden«, entgegnete Rowson, während er mit Wohlbedacht eine Prise aus einer Muscheldose nahm. »Doch seht«, fuhr er dann lebhafter fort, »Euer Hund spitzt die Ohren – er muß etwas wittern.« Ein grau- und schwarzgestreifter Schweißhund hatte sich, einige Schritte von den Männern entfernt, auf dem einzigen kleinen sonnigen Fleck zusammengeknäult, wo ein umgestürzter Baum in das dichte Laubdach eine Lücke gerissen. Vorsichtig windend hob der Hund jetzt die Nase einen Augenblick in die Höhe, knurrte dann leise, wobei er einen schwachen Versuch machte, mit dem Schwanz zu wedeln, und fiel wieder in seine alte Lage zurück. Sein Herr, der ihn indessen aufmerksam beobachtet hatte, sprang mit zufriedenem Blick auf und rief: »Nun endlich – Zeit ist's, daß er kommt. Deik kennt ihn auch gut genug, mag aber seinen warmen Fleck dort nicht verlassen. Hallo – da ist er schon! – Nun, Rusch, Ihr glaubt wohl, man hält sich hier der Annehmlichkeit wegen zwischen den Moskitos und Holzböcken auf? Was, zum Henker, hat Euch abgehalten, zur rechten Zeit hier zu sein?« Der Letztgekommene zeigte sich als ein Mann in mittleren Jahren und ging, wie der Prediger, anständig und reinlich gekleidet. Außerdem trug er aber, obgleich sonst gerade nicht jagdmäßig angezogen, eine Kugeltasche an der rechten Seite und eine lange gezogene Büchse auf der Schulter. »Guten Morgen, Gentlemen«, wandte er sich jetzt an die ihn begrüßenden Männer, »guten Morgen, und seid nicht böse, daß Ihr habt auf mich warten müssen, aber – ich konnte nicht früher kommen. Der junge Laffe, der Brown, und der alte Harper mit der verdammten Rothaut krochen mir im Weg herum, und ich wollte mich nicht gern nach dieser Richtung zu sehen lassen. Die guten Leute fangen mir überhaupt an zu gescheit zu werden, und das schleichende Skalpiermesser schnüffelt in einem fort im Wald – umher. Höll' und Teufel, warum dulden wir den Indianer eigentlich hier in der Nachbarschaft! Ich habe fast so eine Ahnung, als ob die Kugel schon gegossen wäre, die ihm in seine Jagdgründe verhelfen mag.« »Ich glaube selber, Rusch«, sagte Cotton, »daß das Stück Blei vortrefflich angewandt wäre.« »Hört einmal, Cotton«, wandte sich der Neugekommene halb ärgerlich an den Jäger, »ich wollte, Ihr nenntet mich nicht immer bei dem verwünschten Namen. Er fährt Euch einmal heraus, wenn es Fremde hören, und dann käm' ich in des Teufels Küche. Sagt ›Johnson‹, wenn wir auch unter uns sind – Ihr gewöhnt Euch besser dran.« »Nun meinetwegen«, erwiderte spöttisch der andere, »mir auch recht, Rusch oder Johnson, dem Strick entgeht Ihr doch nicht, sowenig wie wir anderen. Aber fidel wollen wir sein, solange wir noch beisammen sind, und dann ans Geschäft, denn wir haben in den letzten vierzehn Tagen keinen Cent verdient. Es wird Zeit, daß wir wieder anfangen.« Er hatte bei diesen Worten eine kleine Whiskyflasche aus seiner wollenen Decke herausgewickelt, drehte den Stöpsel heraus und setzte sie dann mit einem zufriedenen »Prost« an die Lippen. Erst nachdem er einen tüchtigen Schluck genommen, hielt er sie dem ihm am nächsten stehenden Rowson hin und rief: »Da – stärkt Euch zu Eurer Predigt heute morgen, Ihr werdet's brauchen können. Verdammt will ich sein, wenn ich nicht drei solche Flaschen im Leibe haben müßte, um ruhig zuhören zu können, und sogar dann würde ich noch die Bedingung stellen, daß ich eingeschlafen sein müßte, ehe Ihr angefangen hättet.« »Danke«, sagte Rowson, den dargebotenen Trunk abweisend, »danke schön, ich möchte nicht gern heute morgen nach Whisky riechen. Gebt die Flasche an Johnson, der wirft ihr ohnedies schon sehnsüchtige Blicke...



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