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E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Gerigk GESETZTHEITEN

Neunzehn Gadgets
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95765-770-1
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Neunzehn Gadgets

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-95765-770-1
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gesetzt den Fall, es gäbe da ein Gadget oder eine sonstige Maschinerie, mit der man viel Gutes tun könnte - was sollte man damit keinesfalls anstellen? Die Story vom Kleinkriminellen, der ein Gadget zur Beeinflussung des menschlichen Willens findet ... Die Story von der Celebrity, die ihren Körper aufpimpen ließ ... Die Story vom Musikprofessor, der vermutlich von seinem eigenen Haus umgebracht wurde ... Die Story eines Gutachters für Werbung, der nicht der ist, der er zu sein vorgibt ... Die Story von den Detektiven, die einen militärisch bedeutsamen Badeanzug suchen, in dem die Dame allerdings noch drin steckt ... Die Story vom Erholung suchenden Frührentner, der auf seiner Wanderung einem unbesiegbaren Kampfroboter entgegentritt ... Die Story vom Lieferanten, der sich in eine Amorette verliebt ... ... und viele Storys mehr! Diese Sammlung präsentiert eine Auswahl der besten technischen Science-Fiction-Kurzgeschichten von Frank G. Gerigk.

Frank G. Gerigk wurde 1963 in Radolfzell am Bodensee geboren. Seine Jugend verbrachte er in Raumschiffen oder auf fremden Planeten, und bevor er Geologie und andere Naturwissenschaften studierte, war er schon einige Jahre Dungeon-Master. Obwohl Ingenieurgeologe, rutschte er in die Pressearbeit, war einige Jahre Chefredakteur verschiedener Firmenzeitschriften, und setzte danach eine Ausbildung als Technischer Redakteur drauf. Er wurde Journalist und arbeitete anderthalb Dekaden als Presseleiter in der Bauindustrie. Seine Fachartikel u. a. wurden fünftausend Mal in Fachzeitschriften, Tageszeitungen, im Inter- und Intranet publiziert. Gelegentlich schreibt er ein Buch oder arbeitet als Herausgeber in der Fantastik. Vermutlich sind etwa 60 Kurzgeschichten und einige wenige Novellen von ihm erschienen.
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Fugen


Dieses Haus brachte ihn um!

Die Musik, die durch das Zimmer des ermordeten Professors spielte, schmeichelte und verwirrte Inspektor Surnia; andererseits hackte irgendetwas rhythmisch in seinen Schädel, sodass er das Gefühl hatte, sein nacktes Hirn würde eine endlose Steintreppe Stufe um Stufe hinabplatschen. Seine Stimme versagte.

Als seine Eingeweide anfingen zu vibrieren und es in seiner Brust kochte, schleppte er sich auf allen vieren in den Hygieneraum. Noch bevor die Tür sich automatisch hinter ihm geschlossen hatte, explodierte die Welt.

22. März 2739, Polizeipräsidium Ambrisso, neun Tage zuvor:

»Und wenn Sie angeblich so überlegen sind, Herr Askaron«, entgegnete Ulfpeter Surnia mit unterdrücktem Zorn, »warum haben Sie mich dann überhaupt gerufen?«

Obwohl sich die beiden Menschen gegenüber saßen, musste Surnia seinen Kopf in den Nacken legen. Antor Askaron, der regionale Polizeipräsident und planetare Verbindungsmann zur Solaren Allianz, war ein älterer, massiger, zur Verfettung neigender Krokidoner und mit 2,66 Meter Gardemaß und kaum geringerer Breite in seiner schwarzroten Uniform selbst sitzend eine überaus beeindruckende Figur. Sein massiger Schädel, die rotbraune Haut rostfleckig verbrannt von der Sonne Cocutrix1, war glatt rasiert, abgesehen von einem niedrigen, aufrecht stehenden Sichelkamm von der Stirn bis zum Nackenansatz. Violetter Lack hatte die Haare zu einer betonharten Frisur verschmelzen lassen. Nur mit massiver Gentechnik hatten Menschen an diesen Planeten angepasst werden können.

Zwischen ihnen stand ein für diesen Planeten üblicher Schreibtisch, der so groß schien, dass auf ihm beinahe eine kleine Mini-Jet landen könnte.

Surnia hingegen war um einen ganzen Meter kleiner, also selbst für irdische Verhältnisse unterdurchschnittlich groß, und verlor sich in den hiesigen Sitzmöbeln wie ein schmächtiger Dreikäsehoch. Seine Füße reichten nicht einmal auf den Boden.

»Das liegt wohl daran, Herr Inspektor, dass wir auf Krokidon2 mit Mord eigentlich nichts im Sinn und unsere Behörden daher auch nur wenig Erfahrung damit haben. Nicht, dass der Durchschnittsmensch hier zimperlich wäre, unser Planet ist rau und Totschlag kein unbekanntes Delikt, wie ja auch auf Terra und allen anderen von Menschen bewohnten Welten.« Er zögerte etwas. »Aber ein Krokidoner stellt sich seinen Taten. Wenn es bei uns etwas nicht gibt, dann ist es Mord aus Hinterhältigkeit.«

»Ich verstehe, der Professor ist dann also gar nicht ermordet worden?« Surnia sprang wütend von seinem Sessel, in dem er sich deplatziert und lächerlich gemacht fand. Doch nicht einmal stehend erreichte er die Augenhöhe des anderen. Diese verdammte krokidonische Arroganz! Populistische Sprüche aufsagen, aber für die Drecksarbeit die anderen rufen!

»Ich bin für Entscheidungen, nicht für Interpretationen zuständig«, erwiderte Askaron ruhig und mit auf dem Tisch verschränkten Händen, »für jene sind Sie ja schließlich hier. Aber diesen – Ihren – Gedanken sollten Sie womöglich ebenfalls ins Auge fassen.«

Das war genug!

»Ich muss die Leiche sehen«, sagte Surnia nur.

Askaron stand bereitwillig auf, um ihn in die Stasiskammer zu begleiten. Surnia spürte seinen nachsichtigen Blick, als sähe der Riese auf ein quengelndes Gör herab, das sich schon bald selbst beruhigen würde.

Die Gänge des Polizeipräsidiums waren fast fünf Meter hoch, sieben Meter breit und hundert Meter lang. Nur wenige Gebäude auf Krokidon besaßen mehrere Stockwerke. Die Gravitation zerrte so stark, dass jeder fallende Gegenstand zu einem tödlichen Geschoss werden konnte, selbst für die zähen und überaus reaktionsschnellen Schwerweltler. Die recht begrenzte Anzahl von Einwohnern verteilte sich zudem auf einer Fläche, die dem Vielfachen aller Kontinente der Erde entsprach. Mehrere Stockwerke waren selten nötig, jeder hatte genug Platz. Die recht häufig vorkommenden Stürme mochten hoch fliegende Architektenträume wahrscheinlich ebenfalls in die Schranken der Realität weisen.

Vorsichtig wich Surnia entgegen kommenden Angestellten aus. Obwohl sich alle diese Goliaths blitzschnell bewegen konnten und als legendäre Kämpfer in der halben Milchstraße galten, schlurften sie auf ihrer Heimatwelt in einem trägen, Energie schonenden Gang umher. Kein Wunder, da ihre Beine eine Körpermasse von oft über zwei Relativ-Tonnen bewegen mussten. Würde Surnia aus Versehen mit einem von ihnen zusammenstoßen, müsste er damit rechnen, Prellungen und Knochenbrüche zu riskieren.

Die Gerichtsmedizin war schnell erreicht. Im raumhohen Spiegel am Eingang sah er seinen Zwilling, einen blass gewordenen Mann mittleren Alters in der blaugrauen Ausgehuniform eines terranischen Kriminalinspektors mit breitem Technikgürtel, eingerahmt zwischen zwei schwarzroten Polizeigebirgen. Geschieden, überarbeitet, nervlich mehr als angespannt.

Ein wuchtiger Dienstrobot führte sie in den Stasisraum. Eine Wandnische öffnete sich seufzend, und eine riesige Platte fuhr hervor. Der darauf liegende, fast winzig erscheinende Leichnam des Professors sah unverletzt aus. Ein alter Mann von der Erde, schmächtig, leicht untersetzt, mit schütterem weißen Haar. Er würde so lange nicht begraben werden können – oder was seine Religion auch immer mit dem Körper vorsah –, bis der Mord aufgeklärt war.

»Sie atmen so schwer«, sorgte sich Askaron, »funktioniert Ihr Gravitator nicht?«

Dies war ein Mikrogerät an seinem Gürtel, das es Surnia erlaubte, von der auf Schwerwelten herrschenden Gravitation nicht zermalmt zu werden. Es kompensierte sie in der Form, dass er sich wie unter normaler Erdschwerkraft bewegen konnte. Mikrogravitatoren waren quasi sofort nach Entdecken der künstlichen Schwerkraft erfunden worden. Es gab unter normalen Umständen keine Möglichkeit, die eine Dysfunktion des Gerätes verursacht haben könnte. Folglich war die vorgebliche Sorge nichts als eine Beleidigung, ein Hinterhalt! Der Fiesling Askaron dachte, ihm würde der Anblick des Toten etwas ausmachen!

»Es ist die dichte Luft«, erklärte er. Der Luftdruck war achtmal höher als auf Terra. Seine funktionale Kleidung hatte zudem Mühe, die Massen von Schweiß aufzunehmen, die sein Körper absonderte. »Ich fühle mich wie unter Wasser. Unterwegs hatte ich mich noch nicht akklimatisieren können, Ihr Ruf kam etwas ungünstig. Ich werde die nächsten Tage Supressormedikamente nehmen müssen.« Damit ihm nicht der Schädel zersprang, der Schwindel verebbte und das teilweise Doppelt- und Unscharfsehen. Überhaupt, in Ambrisso, der größten Stadt in diesem System, war es mindestens so heiß und stickig wie in den irdischen Tropen – und unerträglich schwül. Warum die ersten Kolonisten sich ausgerechnet hier niedergelassen hatten, wusste Surnia nicht – vermutete aber religiöse, politische oder hormonelle Defizite oder einfach nur schlichten Wahnsinn.

In seiner Linken hielt er das Gutachten des hiesigen Gerichtsmediziners. Der Professor musste an einer Explosion gestorben sein: Ein Großteil seiner Lungenbläschen war zerfetzt, ebenso wie viele Äderchen seiner inneren Organe. Der Tod war sehr schnell gekommen.

23. März 2739, Universitätscampus, Tatort

»Wir fanden ihn an dieser Stelle«, deutete Velwine Walsoury. »Wir haben nichts verändert.« Eine vom Haus erzeugte Projektion des Körpers des Professors ersetzte das Original.

Velwine! Sie sollte Surnia assistieren, und so hatten sie sich schnell auf das persönlichere Du geeinigt. Hiesige Normen angesetzt, war die blutjunge Kriminalkommissarin von zerbrechlichem, kleinem Körperbau und wenig attraktiv, zudem war ihre Haut blasser als das herkömmliche Rotbraun, eher eine Bronze, was sie etwas ungesund aussehen ließ. Für terranische Verhältnisse allerdings war sie ein Kurvenwunder mit Wespentaille und dem ebenmäßigen Gesicht einer griechischen Göttin; ihre Haare glichen einem in Betonplast festgehaltenen, einen Meter durchmessenden Augenblick eines orangefarbenen Maelstrøms. Ihr Friseur musste für ein Heidengeld mehrere Tage an diesem Kunstwerk gearbeitet haben. Wie war es nur möglich, diese filigranen Konstruktionen mehrere Tage lang zu erhalten? Schliefen die Eingeborenen denn etwa im Sitzen?!

Surnia war fast dankbar, dass sie – die Frisur nicht mitgerechnet – nur einen halben Meter größer war als er selbst und er daher, da er nur nach oben und nicht nach ganz oben sehen musste, nur halb so viele abendliche Verspannungsschmerzen im Nacken erwartete wie sonst.

»Es scheint, als wäre er von seinem Sessel gerutscht. Es ist hier alles so ordentlich – wie kann da eine Explosion stattgefunden haben?«

»Wissen wir auch nicht.«

»Könnte er womöglich woanders ums Leben gekommen sein?« Einige Momente überlegte er, ob der Professor entführt und hier abgelegt worden sein könnte. Doch das erschien nicht logisch, spielte man auch noch so absurde Szenarien durch.

»Zum Zeitpunkt seines Todes gab es definitiv keinen Luftverkehr in der Gegend, haben wir schon überprüft.« Velwines hochgezogene Augenbrauen verstärkten die Skepsis in ihrem Blick.

Die Villa des Professors lag am Rande des Campus der Musischen Universität – eine von zwölf Hochschulen alleine hier in der Hauptstadt Ambrisso. Für die Öffentlichkeit war das Gelände nicht zugänglich.

Da lag er, in seinem Arbeitszimmer, mit zerstörten Lungen, von seinem Sessel gerutscht. Er hatte Musik gelehrt, war Meister in diversen Instrumenten, auf Terra längst emeritiert. Ein unsportlicher Australier von neunzig Jahren, der sein...



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