E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Garbera Ihm verfallen
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7337-7613-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-7613-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das hätte böse enden können: Angelica ist von der Bühne gestürzt, aber zum Glück hat sie ein Mann namens Paul Sterling aufgefangen. Und dieser Moment hat es in sich: In Pauls starken Armen fühlt Angelica sich sicher - und zugleich erregt. Ist es die berühmte Liebe auf den ersten Blick? Paul Sterling interpretiert es wohl als Auftakt zu einer Affäre ...
USA-Today-Bestsellerautorin Katherine Garbera hat schon mehr als neunzig Romane geschrieben. Von Büchern bekommt sie einfach nicht genug: ihre zweitliebste Tätigkeit nach dem Schreiben ist das Lesen. Katherine lebt mit ihrem Mann, ihren Kindern und ihrem verwöhnten Dackel in England.
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2. KAPITEL
Angelica gab dem verflixten Reifen einen heftigen Tritt und zuckte dann vor Schmerz zusammen. Einen Platten zu haben, das hatte ihr gerade noch gefehlt. Sie hatte den Ballsaal äußerst zufrieden verlassen. Der Abend war sehr erfolgreich gewesen, und sie hatte wieder beweisen können, dass sie als Geschäftsfrau jedem Mann gewachsen war. Aber während sie jetzt mit dem Schraubenschlüssel kämpfte und vergeblich versuchte, den Reifen herunterzubekommen, musste sie sich eingestehen, dass sie, um einen Reifen zu wechseln, die Hilfe eines Mannes brauchte.
Andererseits war wahrscheinlich nur dieser Schraubenschlüssel schuld. Morgen würde sie den Automechaniker anrufen und sich einen Schraubenschlüssel geben lassen, der leichter zu handhaben war. Sie sah auf und die leere Straße hinunter. Wenigstens war es eine gut beleuchtete Seitenstraße.
Angelica holte ihr Handy aus der Tasche und rief den Pannendienst an. Wie gewöhnlich waren die Mechaniker bereits anderswo unterwegs, aber man versprach ihr, im Lauf der nächsten Stunde jemanden zu ihr zu schicken. Der Wind nahm zu. Die Winter in Florida waren zwar nicht kalt, aber im Februar konnte die Luft doch kühl sein.
Sie dachte daran, Rand anzurufen, da er nur wenige Minuten von hier entfernt wohnte. Rand würde bestimmt den Reifen für sie wechseln, aber dann entschied sie sich doch dagegen, ihren Geschäftspartner zu Hilfe zu rufen. Er sollte nicht wissen, dass es etwas gab, womit sie nicht fertig wurde. Immerhin stand ihr Ruf auf dem Spiel.
Ein schicker Mercedes-Zweisitzer fuhr an ihr vorbei und hielt dann. Angelica spannte sich instinktiv wie zur Flucht an und legte die Hand auf den Türgriff, um schnell einsteigen zu können, wenn es sein musste.
Die Tür des Mercedes wurde geöffnet, und Paul Sterling stieg aus. Als er auf sie zukam, entspannte sie sich ein wenig. Sie hätte lieber Rand anrufen sollen, dann müsste sie sich jetzt nicht mit Paul Sterling abgeben. Warum war sie nicht trotz des kaputten Reifens einfach weitergefahren?
„Dachte ich mir doch, dass Sie es sind“, sagte Paul. Dann sah er den Ersatzreifen und den Wagenheber auf der Straße. „Sie haben einen Platten?“
„Ja. Ich weiß zwar, wie man einen Reifen wechselt, aber die Schrauben sitzen zu fest für mich.“
„Soll ich Ihnen helfen?“, bot er sich an.
Nein, dachte Angelica. Sie wollte seine Hilfe nicht, aber noch mehr wollte sie möglichst schnell nach Hause kommen. „Ja, bitte. Ich habe den Pannendienst zwar schon angerufen, aber es dauert eine Stunde, bevor jemand herkommen kann.“
„Ich werde nicht lange dafür brauchen. Während der Highschool habe ich als Automechaniker gearbeitet.“
Angelica war überrascht. Handwerkliche Fertigkeiten hätte sie bei Paul nicht vermutet. Er wechselte den Reifen jedoch mit großem Geschick. Fasziniert sah sie ihm dabei zu, ohne diesmal zu versuchen, Small Talk zu betreiben.
Sie hätte ihn gern nach seiner Vergangenheit gefragt. Warum hatte er als Automechaniker gearbeitet? Aber besser war es wohl, wenn sie einen gewissen Sicherheitsabstand zu ihm hielt. Dieser Mann hatte eine zu beunruhigende Wirkung auf sie.
Es war nun schon das zweite Mal, dass er sie aus einer unangenehmen Lage rettete. Eine Krawatte mit Monogramm würde wohl nicht mehr ausreichen, um ihm ihren Dank auszudrücken. Aber vielleicht importierte Zigarren oder ein silbernes Etui für Visitenkarten?
Er war bald fertig und verstaute den kaputten Reifen und das Werkzeug im Kofferraum.
„Vielen Dank, Paul. Normalerweise ist es nicht nötig, mich gleich zwei Mal am gleichen Abend zu retten.“
„Es war mir ein Vergnügen. Aber fangen Sie nicht an, mich für einen edlen Ritter zu halten.“
„Was sind Sie dann?“
„Jedenfalls kein Held. Einfach ein normaler Mann, der zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.“
„Das glaube ich aber nicht.“
„Legen Sie meinen Taten nicht zu viel Bedeutung bei. Ich kann nur nicht tatenlos dabeistehen, wenn eine Frau in Not ist.“
„Warum nicht?“, fragte sie. Vielleicht lag es am Mond und an den Sternen oder an der Stille der Nacht, jedenfalls wollte Angelica unbedingt mehr über Paul wissen.
„Weil ich weiß, was das Leben einer Frau antun kann, die keinen Mann hat, an den sie sich lehnen kann.“
„Es macht sie stark“, erwiderte sie.
Genau das, was das Leben ihr abverlangt hatte, hatte Angelica zu der Frau gemacht, die sie heute war. Sie hatte sehr jung geheiratet und war sicher gewesen, dass alle wichtigen Entscheidungen ihr Mann treffen würde. Vielleicht wäre sie mit so einem Leben glücklich gewesen. Aber später hatte sie erkannt, dass sie viele ihrer Wünsche nicht hätte verwirklichen können. Erst als ihr Mann auf der Hochzeitsreise starb und sie allein zurückblieb, hatte sie ihr wahres Ich entdeckt und wie viel sie sich zutrauen konnte.
„Einige Frauen vielleicht“, entgegnete Paul. „Aber andere verbittert es und macht sie einsam.“
„Das Gleiche kann man bei Männern erleben.“
„Nein, Männer sind anders. Wir sind daran gewöhnt, allein zu sein, Frauen nicht.“
„Wen kennen Sie, der so ist?“, fragte Angelica spontan. Dabei sollte sie inzwischen wirklich gelernt haben, dass man solche persönlichen Fragen nicht stellen sollte. Vor allem dann nicht, wenn man Abstand halten wollte. Warum tat sie also alles, um ihm näherzukommen?
„Keinen, der noch am Leben wäre“, antwortete er.
Seine Stimme war leise, aber der Ton kalt und abweisend, und plötzlich wurde Angelica sich wieder der kühlen Luft bewusst. Sie hätte Paul gern getröstet, aber seine Haltung machte jeden Annäherungsversuch unmöglich. Fröstelnd suchte sie in ihrer Tasche nach ihrem Autoschlüssel.
Paul klappte ihren Mantelkragen hoch. Das Gefühl seiner Finger an ihren Wangen ließ sie erneut erschauern, aber diesmal nicht, weil sie fror.
„Sie fahren besser nach Hause, bevor Sie sich erkälten. Soll ich Ihnen folgen?“
„Nein. Ich komme schon zurecht. Danke.“
Er nickte und ging zu seinem Wagen zurück. Angelica stieg ein und fuhr los. Während der ganzen Fahrt nach Hause sah sie das Licht von Paul Sterlings Scheinwerfern im Rückspiegel, und obwohl sie sich vorwarf, dass es albern sei, gaben sie ihr ein Gefühl der Sicherheit.
Dieser Mann mochte es ja vorziehen, sich nicht als ritterlich zu betrachten, aber er benahm sich so. Warum kämpfte er gegen diese Seite seines Wesens an?
Als sie in die Auffahrt zu ihrem Haus einbog, wendete er und fuhr davon. Es rührte Angelica, dass Paul sie sicher nach Hause begleitet hatte. Der angeblich so kalte Geschäftsmann war in Wirklichkeit offenbar ein feinfühliger Mensch mit ausgezeichneten Manieren. Außerdem, so vermutete sie, hat er in seinem Leben eine sehr schmerzliche Erfahrung gemacht.
Auf dem Weg ins Haus erinnerte Angelica sich streng daran, dass sie es sich nicht mehr zur Aufgabe machte, verwundete Krieger gesund zu pflegen. Sie wiederholte sich diese Ermahnung noch ein paar Mal, stellte die Heizung an und machte sich fürs Zubettgehen fertig. Aber ihr Unterbewusstsein spielte da nicht mit. Denn das letzte Bild, das vor ihrem inneren Auge aufstieg, bevor sie einschlief, war Paul Sterlings attraktives männliches Gesicht.
Pauls Büro bot einen herrlichen Blick auf das Geschäftsviertel Orlandos. Der Himmel war klar und die Sicht gut. Es gab keine Fabriken in der Nähe, die die Luft hätten verschmutzen können. Orlando war eine Viehzüchterstadt, die ihre Entwicklung dem Tourismus verdankte, den Charme einer Kleinstadt deswegen aber nicht verloren hatte.
Ein leises Klopfen war zu hören, und Paul wandte sich schnell vom Fenster um. Corrine Martin, seine Sekretärin, stand an der Tür. Corrine war seit drei Jahren bei ihm. Sie war jung, intelligent und ehrgeizig. Paul war sicher, dass sie es weit bringen würde. Das Einzige, was sie noch immer bei ihm hielt, war das lächerlich hohe Gehalt, das er ihr zahlte, und der Respekt, mit dem er sie behandelte.
„Angelica Leone, Ihre Verabredung für zehn Uhr dreißig, ist gekommen.“
„Schicken Sie sie herein“, sagte er und setzte sich hinter seinen Schreibtisch, ein schweres, beeindruckendes Möbelstück, wie es einem Mann zustand, der eines Tages „Tarron Enterprises“, leiten würde. Sein ganzes Büro wirkte im Allgemeinen einschüchternd auf jeden, der zum ersten Mal herkam. Das verschaffte Paul stets einen kleinen Heimspielvorteil, den er heute mehr denn je brauchte.
Angelica kam gleich darauf herein. Sie sah wie immer sehr fähig und elegant aus. Ihr Kostüm war praktisch und geschäftsmäßig, verbarg aber nicht ihre Weiblichkeit. Der Rock endete kurz oberhalb der Knie und zeigte viel von ihren langen schlanken Beinen. Sein Blick verweilte einen Moment länger auf ihnen, während Paul sich fragte, wie es sich anfühlen mochte, wenn sie diese herrlichen Beine um seine Hüften schlang. Würde die Haut ihrer Schenkel so zart sein wie ihre Hände?
Er wies auf einen der Besuchersessel vor seinem Schreibtisch, und Angelica setzte sich graziös. Sie hatte das Haar heute zu einem eleganten Nackenknoten frisiert. Liebend gern hätte er die Haarnadeln herausgezogen, sodass ihr das lange Haar weich auf die Schultern fiele und er mit den Fingern hindurchstreichen könnte.
Angelica holte ein Geschenk aus ihrer großen schwarzen Aktentasche, und Paul verlor einen Moment die Fassung. Er hatte mit einem geschäftlichen Treffen gerechnet. Der Freitagabend hatte gezeigt, dass er nicht mehr von ihr erwarten konnte als das, was er auf der...




