Buch, Deutsch, Band 29, 168 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 202 mm, Gewicht: 184 g
Reihe: exil-literaturpreise
Anthologie der Exil-Literaturpreise 2025
Buch, Deutsch, Band 29, 168 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 202 mm, Gewicht: 184 g
Reihe: exil-literaturpreise
ISBN: 978-3-901899-99-7
Verlag: Edition Exil
vom sommer, in dem der krieg pausierte, von zugsfahrten in die vergangenheit und von übergriffen, von der trauer um den vater und von bräuchen und ritualen, von der lehrerin, die sich fragt was aus den kindern wird, die nie jemand lobt und von der suche nach den richtigen augen um das gegenüber zu betrachten. vom zweifell, das unter der haut wächst und die organe überwuchert, von flucht und langen, gefährlichen reisen, vom schwierigen spracherwerb und von der sehnsucht nach der familie und den düften der heimat und von den kindern der zukunft, die an seuchen sterben und in deren welt sentimentalitäten keinen platz haben, erzählt dieses buch.
Weitere Infos & Material
Vom Schreiben und Denken
Thomas Perle "Ich habe mir nie vorgenommen, zu schreiben. Ich habe damit angefangen, als ich mir nicht anders zu helfen wusste.", schreibt Nobelpreisträgerin Herta Müller und spricht Worte, die wohl von vielen Autor:innen so unterschrieben werden könnten. Das Schreiben ist mit einem Drang verbunden. Wir schreiben, weil uns etwas so dringlich erscheint, dass wir es zu Papier bringen müssen, um es selbst nicht zu vergessen oder um selbst nicht vergessen zu werden. Herta Müller schreibt heute nicht mehr, stattdessen sammelt sie Wörter in Schubladen, sie reiht Worte aneinander, legt sie zusammen, collagiert und schafft Wortlandschaften. Worte erschaffen Welten, schaffen Figuren, die wir lieben, die wir hassen. Worte bringen uns zum Weinen, zum Lachen und im besten Fall zum Denken. Worte können mobilisieren, sie können motivieren, im besten Sinne wie auch im schlechtesten. Wenn sie zum Beispiel manipulieren.
Was also schreiben? Wie schreiben? Und wozu? In einer Zeit, in der die Menschheit Maschinen ihre Sprache anvertraut und wie selbstverständlich von Tag zu Tag mehr und mehr das Denken auslagert.
Wohin wird uns das führen? Werden wir uns selbst noch zu helfen wissen?
In einer Zeit, die an gewisse andere Zeiten erinnert, die verroht, die vernichtend gewesen und in Zerstörung endeten. Da fragt sich ein denkender Mensch doch: Haben wir wirklich nichts gelernt? Aus der Geschichte? Aus den Geschichten, die wir geschrieben? Und noch schreiben? Worte haben Macht. Warum sonst werden Bücher verbannt, Sprache gecancelt? Es braucht keine brennenden Scheiterhaufen wie in jener dunklen Zeit, heute geschieht es beinah leise, im Hintergrund, mit lautem Geschrei, das ablenken soll. Es folgt einer Strategie, die Welt mit Mist zu überschwemmen und künstliche Intelligenz liefert den Schlicker, die Schlempe, ihren slop dazu. Sie kann nichts dafür, ist bloß Instrument. Und wie dieses verwendet wird, hängt immer von Händen ab, die es benutzen. Sie wird Intelligenz genannt, doch denken kann sie nicht. Das ist bisweilen uns Menschen vorbehalten, ebenso das Fühlen. Wir Menschen sehnen uns nach Authentizität, nach einem wahren Kern, der tief drin doch unsere eigene Unvollkommenheit ist, die uns so menschlich macht.
Auch dieses Jahr hat die edition exil nach Worten gesucht, die vom menschlichen Miteinander erzählen, vom Leben zwischen verschiedenen Kulturen, die uns mitnehmen in neue Welten, uns zum Nachdenken anregen. Vielstimmig, vielsprachig. Gefunden wurde Literatur. Lesen Sie selbst.




