Gable | Ein Appartement in Paris | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Gable Ein Appartement in Paris

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7844-8209-5
Verlag: Langen-Müller
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

ISBN: 978-3-7844-8209-5
Verlag: Langen-Müller
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Für Jahrzehnte verborgen Aprils Leben wird sich grundlegend ändern, sie weiß es nur noch nicht. Ihr Chef bei Sotheby's schickt sie nach Paris, um ein Appartement zu begutachten, das 70 Jahre lang kein Mensch betreten hat. Als Spezialistin für antike Möbel denkt April nicht an Staub oder Plunder, sondern an verborgene Schätze. Und genau diese findet sie: goldene Straußeneier, antike Möbel, eine bronzene Badewanne und ein äußerst wertvolles Porträt der damaligen Bewohnerin. Zudem entdeckt sie zahlreiche Briefe und Tagebücher. April taucht ein in die faszinierende Welt der Marthe de Florian, einer bekannten Pariser Kurtisane, zu deren Kundschaft Würdenträger und Staatschefs gehörten. Wer war sie, wie lebte sie, und warum verschwand sie am Vorabend des Zweiten Weltkriegs aus ihrem Appartement, um nie wieder zurückzukehren? Nach einer wahren Geschichte: Dieser Roman ist eine faszinierende Reise in die Vergangenheit.

Michelle Gable widmet jede freie Minute ihrer Leidenschaft - dem Schreiben. Als sie das erste Mal von dem verlassenen Appartement in Paris hörte, recherchierte sie unermüdlich und schuf die unvergessliche Geschichte um April Vogt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in Cardiff-by-the-Sea, Kalifornien. Dies ist ihr erster Roman.
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Chapitre 2

Während ihr Mann seine Fliege zurechtrückte und an seinen Hemdmanschetten zog, um sein Erscheinungsbild bis zur absoluten Makellosigkeit zu zupfen, packte April den Koffer für ihren Nachtflug nach Paris-Charles-de-Gaulle. Normalerweise war sie eine effektive, erfahrene Reisende, aber angesichts einer dreißigtägigen Reise nahm ihr Gepäck ungute Dimensionen an. Sonst war April nie länger als eine Woche unterwegs, doch in den zwei Stunden, die von »tonnenweise Schrott« bis zur Buchung des Flugtickets vergangen waren, musste jemand Peter zugeflüstert haben, dass der Fund doch kein ganz alltäglicher war. Bleib so lange, wie du musst. Wir können das Ticket auch noch verlängern.

April sollte ihn später noch an seine Worte erinnern.

»Wo liegt das Problem?«, erkundigte sich Troy, als er die gerunzelte Stirn seiner Frau bemerkte. Er strich sein Hemd noch einmal glatt.

»Beim Gepäck. Ich bin nicht sicher, ob ich genug mithabe. Dreißig Tage. In Paris. Im Juni. Was bedeutet, dass die Temperatur jederzeit innerhalb von vierundzwanzig Stunden um fünfzehn Grad fallen kann. Wie heißt es immer so schön? Wegen des Wetters braucht man nicht nach Paris zu fahren.«

April sah auf, und ihr Blick fiel auf Troys linken Manschettenknopf, der das Licht des Kronleuchters reflektierte. April konnte die Angewohnheit, Dinge »zu taxieren«, einfach nicht unterdrücken, und sie musste ihr Gehirn mit Gewalt davon abhalten zu überschlagen, wie viel dieses bisschen Onyx und Platin auf einer Versteigerung bringen würde. Dabei spekulierte sie gar nicht auf das baldige Ableben ihres Ehemannes, normalerweise jedenfalls nicht, und ganz bestimmt nicht, weil sie auf diese Art reich zu werden hoffte. Ihre Gedanken waren eher eine Nebenwirkung ihrer Tätigkeit für das größte Auktionshaus der Welt.

»Was starrst du da so hin?«, fragte Troy mit einem leisen Lachen. »Falsche Manschettenknöpfe für dieses Outfit?«

»Nein. Die sind prima. Perfekt.«

April schaute weg und war erleichtert, dass sie nicht auf Schmuckstücke aus Nachlässen von faltigen alten Schabracken spezialisiert war und dass ihr daher die Kompetenz fehlte, die Accessoires ihres Mannes zu schätzen. Sie hatte sich jedoch im Schweiße ihres Angesichts einen Master im Einschätzen von Troy Vogt erarbeitet. Allein das verriet April, dass diese Manschettenknöpfe, die ihr Mann für bestimmte berufliche Anlässe reserviert hatte, unschätzbaren Wert besaßen, zumindest für ihn. Was es weiterhin darüber verriet, wer sonst noch unter den Gästen der Veranstaltung sein mochte, darüber wollte April gerade gar nicht nachdenken.

»Ich bin total überwältigt.« April schüttelte den Kopf und starrte auf ihren Koffer. Aber sie meinte nicht ausschließlich ihre Pullover und Schals.

»Bleib lieber beim leichten Gepäck«, sagte Troy. »Du kannst ja immer noch was kaufen. Immerhin bist du in Paris.«

April lächelte. »Das ist immer deine Antwort auf alles, oder? Du kannst ja noch was kaufen.«

»Und, ist das schlimm?« Troy zwinkerte ihr zu und trat vor den großen Spiegel. Im Vorübergehen tätschelte er April leicht den Hintern. »Du bist wirklich eine Seltenheit unter den Ehefrauen.«

Eine Seltenheit unter den »Ehefrauen«. April stieß sich an dem Wort, obwohl das eigentlich nicht der Fall sein sollte. Es hatte jetzt eine ganz neue Bedeutung. Ehefrau. Ehefrau.

»Es hat zwar keiner so genau verfolgt«, fuhr Troy fort, »außer der Wall Street, versteht sich, aber meine ›Kauf noch was‹-Philosophie ist der Grund, warum die Rezession das Beste war, was meiner Firma und unseren Investoren passieren konnte.«

»Das ist ja eine charmante Einstellung«, versuchte April zu scherzen. In letzter Zeit hatte es in ihrem Hause schmerzlich wenig Scherze gegeben. Alles fühlte sich eingerostet und unbeweglich an. »Wem würde es nicht gefallen, wenn so ein eingebildeter Wall-Street-Typ am Ende recht behält?«

Troy lachte und schlüpfte in seinen Smoking.

»Wo wir gerade von selbstzufriedenen Wall-Street-Typen reden«, sagte Troy mit gespielter Fröhlichkeit, »sieht ja ganz so aus, als hättest du mal wieder Glück gehabt.«

»Glück gehabt?« April lehnte sich an eine Kommode (George III., geschwungene Mahagonifront, circa 1790) und musterte ihren Koffer, um sein Gewicht abzuschätzen. »Inwiefern?«

So schwer sah er gar nicht aus.

April atmete ein. Sie stellte sich vor, die breiten, starken Schultern einer olympischen Schwimmerin zu haben statt ihrer feinen, schlanken Version, dann zerrte sie den vollgestopften Koffer vom Bett. Prompt plumpste er auf den Boden, und es hätte nur ein halber Zentimeter gefehlt, und der Koffer hätte die Knochen ihres linken Fußes gebrochen.

»Glück gehabt erstens, weil du gerade mal wieder um eine Kofferpackverletzung herumgekommen bist«, sagte Troy. »Sag mal, dir ist schon klar, dass das Ding größer ist als du, oder? Schatz, du hast doch schon das Flugticket. Du musst dir nicht noch den Fuß brechen, um dich um den nächsten meiner ätzenden beruflichen Events zu drücken.«

»Ach, so schlimm sind die nun auch wieder nicht.« April wischte sich die Stirn ab, dann legte sie den Koffer auf die Seite.

»Nicht so schlimm? Die sind durch die Bank grässlich, und das weißt du auch. Die anderen Frauen werden dich absolut beneiden.«

Die anderen Frauen. April überlegte, was die sich wohl dachten, wenn sie sich Troy vorstellten? Wenn sie sich April vorstellten?

»Du hast echt Glück«, fuhr Troy fort. »Paris wird dich retten. Es wird dich vor einem weiteren langweiligen Abend in einem Zimmer voller kapitalistischer Drohnen retten.«

»Jaja, die bösen Kapitalisten immer.« April verdrehte die Augen und fuhr mit der schlechten Imitation eines englischen Akzents fort: »Hab ich ein Glück, dass ich mit ihresgleichen nicht in Berührung kommen muss. Ihr besessenes Profitstreben ist einfach so vulgär! Die haben überhaupt keine Klasse.«

April hoffte, ihre Traurigkeit ausreichend mit lahmem Humor kaschiert zu haben. Sie fühlte sich wie ein Glückspilz. Aber das lag nicht daran, dass sie einem großkotzigen beruflichen Termin und Unterhaltungen mit den klügsten (und unerträglichsten) Köpfen der Wall Street aus dem Weg gehen konnte.

Nein, April hielt es auch noch mit den Besten von ihnen aus, selbst wenn sie nicht wusste, wie der asiatische Markt an diesem Morgen aussah. Sie konnte sogar das neueste Trophäenweibchen der Szene ertragen, das unweigerlich dem Champagner übermäßig zusprechen und über Aprils diverse akademische Errungenschaften staunen würde, um am Ende jedem zuzuquietschen, der in Schaumweinspritzentfernung von ihr stand: »Troys Frau hat einen Uniabschluss in Möbeln!«

Aber inzwischen hatte April fast schon vergessen, wann man ihren Doktor der Kunstgeschichte zum letzten Mal mit Verkaufstalent im Möbelhaus verwechselt hatte. Troy hatte sie in letzter Zeit fast gar nicht mehr gefragt, ob sie ihn begleiten wollte. Jedes Mal »schaute er nur vorbei«, bei Veranstaltungen, die entweder von vornherein »ohne Ehefrauen« stattfanden oder einfach »zu langweilig« waren, als dass April hätte mitkommen wollen. Das war das Problem. Troy nannte sie einen Glückspilz, aber April tat sich schwer, dankbar dafür zu sein, dass sie Veranstaltungen aus dem Weg gehen durfte, zu denen sie gar nicht eingeladen worden war. Oder, noch schlimmer, bei denen ihre Anwesenheit überhaupt nicht erwünscht war.

Troy hörte auf, sie mitzunehmen, als die Dinge zwischen ihnen noch relativ gut liefen. Und jetzt – wer weiß? Wurde überhaupt von ihr erwartet, ihn zu begleiten? Am Ende fühlte sich April dann doch wie ein »Glückspilz«, denn jetzt, wo sie ein Flugticket nach Paris in der Hand hatte, musste sie sich keine weiteren Gedanken über die Nicht-Einladung an diesem Abend machen. Sie musste sich nicht die Frage stellen, ob das alles so beabsichtigt war.

»An deinem Akzent musst du aber noch arbeiten«, meinte Troy, als er sich neben sie stellte.

»Nur um das noch mal festzuhalten …« April wehrte Troys Arm ab, als er Anstalten machte, ihr mit dem Koffer zu helfen. »Ich begleite dich gerne zu deinen beruflichen Anlässen. Die Leute sind interessant. Und die Gespräche sehr anregend.«

»Lügnerin.«

Er drehte sich wieder um und warf seinem Spiegelbild einen lodernden Blick zu. April wusste nie, ob Troy das tat, weil er annahm, dass sie hinguckte, oder ob er dachte, dass sie eben nicht hinguckte.

»Was ist eigentlich so wichtig, dass du unbedingt heute Nacht noch losmusst?«, fragte er. Der erzwungen beiläufige Ton seiner Stimme verriet, dass er durchaus ein wenig Misstrauen hegte.

»Du weißt doch, wie das immer ist.« April überlegte, ob er seinen Argwohn wohl zugeben würde. »Möbel-Notfall. Ich muss da sein, bevor die Konkurrenz Wind von der Sache bekommt.«

»Aber normalerweise bist du nie länger als eine Woche weg, maximal zehn Tage, und so kurzfristig war es auch noch nie. Irgendwie ist es ein bisschen befremdlich, eine SMS mit der Mitteilung ›Ich muss auf Dienstreise‹ zu kriegen, und wenn man nach Hause kommt, packt die Frau ihre Koffer für einen ganzen Monat.«

Wirklich?, lag es April schon auf der Zunge. Stört dich das wirklich so?

Normalerweise hätte sie gewitzelt, dass er mal der Glückspilz sei, Ehefrau verreist und so weiter. Aber die Verletzungen waren noch so frisch, und die Langzeitprognose für ihre Beziehung noch nicht ganz klar.

»Mich hat es auch überrascht, wie dringend das war«, sagte April. Und sie war überrascht, aber auch dankbar. »Nach allem, was...


Michelle Gable widmet jede freie Minute ihrer Leidenschaft - dem Schreiben. Als sie das erste Mal von dem verlassenen Appartement in Paris hörte, recherchierte sie unermüdlich und schuf die unvergessliche Geschichte um April Vogt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in Cardiff-by-the-Sea, Kalifornien. Dies ist ihr erster Roman.



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