Gablé Die Waringham Saga
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1585-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Vier Romane in einem E-Book
E-Book, Deutsch, 4000 Seiten
ISBN: 978-3-7325-1585-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Folgen Sie der Geschichte und dem Schicksal der Familie Waringham, meisterhaft erzählt von der Bestsellerautorin Rebecca Gablé, der 'Königin des historischen Romans' (Welt am Sonntag). Eine großartige Familiensaga, Kultserie und Klassiker - und ein umfassendes Geschichtsbild des englischen Mittelalters.
Die ersten vier Romane der Waringham Saga nun in einer E-Book Gesamtausgabe!
Das Lächeln der Fortuna.
England 1360: Nach dem Tod seines Vaters, des wegen Hochverrats angeklagten Earl of Waringham, zählt der zwölfjährige Robin zu den Besitzlosen und ist der Willkür der Obrigkeit ausgesetzt. Besonders Mortimer, der Sohn des neuen Earls, schikaniert Robin, wo er kann. Zwischen den Jungen erwächst eine tödliche Feindschaft. Aber Robin geht seinen Weg, der ihn schließlich zurück in die Welt von Hof, Adel und Ritterschaft führt. An der Seite des charismatischen Duke of Lancaster erlebt er Feldzüge, Aufstände und politische Triumphe - und begegnet Frauen, die ebenso schön wie gefährlich sind. Doch das Rad der Fortuna dreht sich unaufhörlich, und während ein junger, unfähiger König England ins Verderben zu reißen droht, steht Robin plötzlich wieder seinem alten Todfeind gegenüber ...
Die Hüter der Rose.
'Etwas Furchtbares war in Gang gekommen, das nicht nur seine Familie betraf, sondern ebenso den König, das Haus Lancaster und ganz England. Ihnen allen schien der Blutmond.'
England 1413: Als der dreizehnjährige John of Waringham fürchten muss, von seinem Vater in eine kirchliche Laufbahn gedrängt zu werden, reißt er aus und macht sich auf den Weg nach Westminster. Dort begegnet er König Harry und wird an dessen Seite schon jung zum Ritter und Kriegshelden. Doch Harrys plötzlicher Tod stürzt England in eine tiefe Krise, denn sein Sohn und Thronfolger ist gerade acht Monate alt ...
Das Spiel der Könige.
England 1455: Der Bruderkrieg zwischen Lancaster und York um den englischen Thron macht den achtzehnjährigen Julian unverhofft zum Earl of Waringham. Als mit Edward IV. der erste König des Hauses York die Krone erringt, brechen für Julian schwere Zeiten an. Obwohl er ahnt, dass Edward seinem Land ein guter König sein könnte, schließt er sich dem lancastrianischen Widerstand unter der entthronten Königin Marguerite an, denn sie hat ihre ganz eigenen Methoden, sich seiner Vasallentreue zu versichern. Und die Tatsache, dass seine Zwillingsschwester eine gesuchte Verbrecherin ist, macht Julian verwundbar ...
Der dunkle Thron.
London 1529: Nach dem Tod seines Vaters erbt der vierzehnjährige Nick of Waringham eine heruntergewirtschaftete Baronie - und den unversöhnlichen Groll des Königs Henry VIII. Dieser will sich von der katholischen Kirche lossagen, um sich von der Königin scheiden zu lassen. Bald sind die 'Papisten', unter ihnen auch Henrys Tochter Mary, ihres Lebens nicht mehr sicher. Doch in den Wirren der Reformation setzen die Engländer ihre Hoffnungen auf Mary, und Nick schmiedet einen waghalsigen Plan, um die Prinzessin vor ihrem größten Feind zu beschützen: ihrem eigenen Vater ...
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Curn, September 1360
„Wenn sie uns erwischen, wird es sein, als sei das Jüngste Gericht über uns hereingebrochen“, prophezeite Lionel düster.
„Du kannst immer noch zurück“, erwiderte Robin betont kühl.
„Wofür hältst du mich, he?“
„Das kommt darauf an …“
Sie grinsten sich zu. Robin konnte das Gesicht seines Freundes schwach erkennen, und er sah die Zähne aufblitzen. Die Nacht war nicht dunkel. Der fast volle Mond schien von einem wolkenlosen Himmel. Sie glitten in den schwarzen Schatten der Klostermauer, die sich zu beiden Seiten erstreckte und nach ein paar Ellen mit den Schatten verschmolz.
Lionel ging drei Schritte nach rechts und blieb dann stehen. „Hier ist es am besten“, wisperte er. „Auf der anderen Seite steht ein Baum, an dem wir runterklettern können. Es besteht kein Grund, dass wir uns auf diesem albernen Ausflug den Hals brechen.“
Robin sah an der Mauer hinauf und nickte. „Also, los. Du zuerst.“
Er machte eine Räuberleiter. Lionel legte eine Hand auf seine Schulter, stellte den rechten Fuß in Robins ineinander verschränkte Hände und stieg hoch. Er richtete sich auf, ließ die Schulter los, stützte sich an der Mauer ab und reckte sich. Es ging. Er bekam die Kante zu fassen und zog sich mit seinen kräftigen Armen hinauf. Er brachte sich in eine sitzende Haltung, ließ die Beine baumeln und spähte hinunter in die Dunkelheit. „Und jetzt?“
„Leg dich auf den Bauch, lass die Beine zur anderen Seite herunterhängen und zieh mich hoch. Ganz einfach.“
„Oh ja. Wirklich ganz einfach. Warum lasse ich mich nur immer auf deine Torheiten ein, Waringham, kannst du mir das sagen?“
Robin streckte ihm die Hand entgegen. „Wer ist der größere Tor? Der Tor oder der Tor, der ihm folgt?“
Lionel wusste wie so oft keine Antwort. Er tat, wie ihm geheißen, und schließlich saßen sie beide keuchend oben auf der Mauer. Sie spürten nicht mehr, dass die Septembernacht kühl war. Sie waren sogar ein bisschen ins Schwitzen gekommen. Sie verschnauften einen Augenblick, bevor sie sich an den Abstieg begaben. Der Baum war eine alte Weide und für ihren Zweck denkbar gut geeignet. Seine Äste reichten fast bis zum Boden. Ohne Schwierigkeiten gelangten die Ausreißer hinunter.
„Ich hoffe nur, Oswin hat unsere Verabredung nicht verschlafen“, raunte Robin. „Dann war die ganze Mühe umsonst.“
„Wehe“, schnaubte Lionel. „Ich schlag ihm seine Pferdezähne ein, wenn er uns versetzt!“
„Ho, Mönchlein, große Worte für eine halbe Portion wie dich“, lachte eine leise Stimme hinter ihnen. „Hier bin ich schon.“ Aus dem Schatten löste sich eine dunkle Gestalt und kam auf sie zu.
„Ich wünschte, du würdest mich nicht immer so nennen“, sagte Lionel unglücklich.
„Wie? Mönchlein? Aber das bist du doch, oder etwa nicht?“ Er beachtete Lionel nicht weiter und boxte Robin freundschaftlich auf die Schulter. „Waringham, alter Galgenvogel. Lass uns zuerst das Geschäft erledigen, wenn’s dir recht ist.“
Sein Ton hatte sich leicht verändert. Seit Oswin in den Stimmbruch gekommen war und seine Schultern so breit wie die seines Vaters geworden waren, war er für die Klosterschüler ein gottähnliches Idol, das sie mit unerschütterlicher Hingabe verehrten. Oswin behandelte sie dementsprechend mit gebotener Herablassung. Sein Vater war Stallknecht und kümmerte sich um die kleine Schar Pferde und Maultiere, die die Abtei von St. Thomas besaß. Oswin war seines Vaters Gehilfe. Er arbeitete hart von früh bis spät, bereitete seit dem Tod seiner Mutter für sie beide die Mahlzeiten, wurde nicht selten spät am Abend zum Wirtshaus gerufen, um seinen betrunkenen Vater abzuholen, und erntete gelegentlich zum Dank ein blaues Auge. Niemand dachte im Traum daran, ihn zur Schule zu schicken, ihm Lesen beizubringen und all die anderen Dinge, die die Schüler des klösterlichen Internats lernten. Oswin würde immer bleiben, was er war. Und trotzdem beneideten sie ihn, die Söhne von Landadligen und reichen Kaufleuten. Um seine Freiheit und seine prahlerische Männlichkeit.
Nur auf Robin hatte er weder mit Großspurigkeit noch mit seinen meist gutmütigen Einschüchterungen Eindruck machen können. Er verstand nicht, warum das so war. Möglicherweise lag es daran, dass er kaum mehr einen halben Kopf größer war, trotz der zwei Jahre Altersunterschied. Tatsache war jedenfalls, dass er Robin von all diesen kleinen Bücherwürmern am liebsten mochte, und ihm allein gestattete er Zugang zum Pferdestall.
Robin legte einen Farthing in seine ausgestreckte Hand. Oswin ließ die kleine Münze mit einem zufriedenen Grinsen verschwinden. „Ziemlich knauserig für einen reichen Mann.“
Robin schüttelte kurz den Kopf. „Bringst du uns dafür hin oder nicht?“
Oswin tat, als zögere er. Als er feststellte, dass Robin nicht noch einmal in die kleine Tasche am Ärmel seiner Kutte greifen würde, brummte er mit gespielter Verstimmtheit: „Meinetwegen. Dann kommt.“
Er wandte ihnen den breiten Rücken zu, und die beiden Jungen folgten ihm eilig. Sie liefen etwa eine Meile über die feuchten Wiesen, die das Kloster umgaben. Dann gelangten sie an ein kleines Flüsschen, das sie auf einem Holzsteg überquerten. Dahinter erhoben sich die ersten Häuser von Curn, einem kleinen Dorf, kaum mehr als ein Weiler, wo die Bauern lebten, die die klösterlichen Felder bewirtschafteten. Oswin führte sie auf einem staubigen Weg an der armseligen Holzkirche vorbei, am Haus des Dorfpfarrers und dem Wirtshaus. Damit ließen sie den Dorfplatz hinter sich, und die Häuser wurden wieder spärlicher.
Sie sprachen nicht. Es gab auch nichts zu bereden. Das Geschäft mit Oswin war über mehrere Wochen verhandelt worden und vor zwei Tagen zum Abschluss gekommen. Er hatte seinen Lohn, und er wusste, was sie dafür wollten. Weder Robin noch Lionel verspürten Neigung, dem anderen einzugestehen, dass sie weiche Knie hatten und kaum genug Spucke im Mund, um zu schlucken. Sie liefen stumm nebeneinander her und waren dankbar für die relative Dunkelheit.
Plötzlich hielt Oswin an. Beinahe wären sie gegen ihn geprallt. „Hier ist es“, raunte er. „Wartet. Und seid um Himmels willen leise!“
Sie nickten.
Oswin hatte sie zu einem kleinen Holzhaus gebracht, das noch armseliger schien als die anderen. Das Dach neigte sich in einem verwegenen Winkel, als wolle es jeden Moment abstürzen. Es gab keinen Kamin. Nur ein einziges Fenster neben der Tür gähnte sie schief an wie das Maul eines Ungeheuers. Ein wenig Rauch und zuckendes Licht drangen heraus.
Oswin näherte sich weder Fenster noch Tür. Er trat stattdessen an die Rückwand des Häuschens, beugte sich ein wenig vor und stand dann still. In dieser Haltung verharrte er so lange, bis die beiden Jungen ungeduldig wurden. Magisch angezogen traten sie näher.
„Was ist?“, flüsterte Robin, heiser vor Aufregung.
Oswin wandte sich zu ihm um und legte einen Finger an die Lippen. „Jungs, ihr kriegt wirklich was geboten für euer Geld“, versprach er tonlos. Dann winkte er sie näher, machte ihnen mit den Händen Zeichen, nur ja kein Geräusch zu verursachen, und wies mit den Zeigefingern auf zwei Astlöcher in der Wand, nahe nebeneinander, eins höher, eines niedriger. Dann klopfte er Robin grinsend die Schulter und schlenderte Richtung Wirtshaus davon, zweifellos um festzustellen, wie betrunken sein Vater inzwischen war.
Robin überließ Lionel das niedrigere Loch, lehnte behutsam die Stirn an die rohe Holzwand und spähte hinein. Zuerst konnte er nicht viel erkennen. Drinnen schien es dunkler zu sein als hier draußen. Er war enttäuscht und erleichtert zugleich. Gerade, als er sich abwenden und von Oswin sein Geld zurückfordern wollte, erhaschte er eine Bewegung. Und dann erkannte er mit einem Mal Formen. Er hielt den Atem an.
Das Häuschen bestand nur aus einem einzigen Raum. Nahe der Tür befand sich eine kleine Kochstelle. Das Holz war fast heruntergebrannt, nur hier und da züngelten noch Flammen aus der Glut; der unruhige Lichtschein, den sie durch das Fenster gesehen hatten. An der Wand zur Linken befand sich ein Bett, ein üppiges Strohlager mit einer Wolldecke darauf. Und auf dem Bett saß Emma, die Witwe des Kuhhirten, der diese jämmerliche Hütte gehörte. Es hieß, sie sei siebzehn gewesen, als ihr Mann vor zwei Jahren von einem wilden Stier aufgespießt worden war, und es hieß weiter, dass Emma sich ihre Witwenschaft nicht sonderlich zu Herzen nahm. Sie war eine von Natur aus fröhliche, lebenslustige junge Frau, und sie war wunderschön. Die Schüler von St. Thomas ließen sich keine Gelegenheit entgehen, einen Blick auf sie zu werfen, wenn sie gelegentlich sonntags das Hochamt in der Klosterkirche besuchte, und tagelang schwärmten sie heimlich oder offen von dem, was sie gesehen hatten. Was betet ihr sie aus der Ferne an, hatte Oswin halb verächtlich, halb belustigt gefragt. Für einen halben Penny könnt ihr sie haben.
Sie hatten nicht so recht verstanden, was er meinte, und Bruder Anthony hatte ihre Unterhaltung unterbrochen und Oswin vom Schulgelände gejagt, ehe sie ihn um eine Erklärung bitten konnten. Doch Oswin hatte offenbar recht gehabt. Denn Emma war nicht allein. Und sie war nackt.
Fassungslos starrte Robin auf ihre großen Brüste – riesig erschienen sie ihm, wie Euter. Er dachte an den verstorbenen Kuhhirten und unterdrückte ein nervöses Kichern. Ihre Haut erschien im schwachen Feuerschein kupferfarben, die Höfe und Warzen ihrer großzügigen Brüste schwarz. Nicht...




