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E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Gabathuler White Sky

LOST SOULS LTD.
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7494-9504-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

LOST SOULS LTD.

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-7494-9504-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



LOST SOULS LTD. - So nennt sich die Untergrundorganisation um den jungen Fotografen Ayden, den Rockstar Nathan, den charmanten Verwandlungskünstler Raix und Kata mit den eisblauen Augen. Sie alle haben als Opfer schwerer Verbrechen überlebt und dabei einen Teil ihrer Seele verloren. Nun verfolgen sie nur ein Ziel: Jugendliche in Gefahr aufspüren und versuchen, sie zu retten. Dabei kämpfen sie gegen Entführer, Mörder, das organisierte Verbrechen und gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit. RAIX will leben! Seine letzte Hoffnung ist der Arzt, der sein Leben zerstört hat. Gemeinsam mit Nathan checkt er in einer abgelegenen Luxusklinik in den Schweizer Bergen ein - zwei, die alles riskieren, weil sie nichts mehr zu verlieren haben. Ohne ihre Freunde von Lost Souls Ltd. zu informieren. Doch Kata und Ayden nehmen ihre Spur auf. Während in einem geheimen Trakt der Klinik Menschen Gott spielen, verfangen sich Kata und Ayden in ihren Gefühlen. Dabei entgleitet ihnen die Mission, an deren Ende die Freiheit wartet. Oder der Tod.

Alice Gabathuler schreibt Geschichten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Meistens werden daraus Bücher, manchmal auch Hörgeschichten fürs Radio. Und ab und zu gewinnt sie dafür einen Preis, zum Beispiel den Hansjörg-Martin-Preis für den besten deutschsprachigen Jugendkrimi 2014. Mit der Lost Souls Reihe hat sie genau die Bücher geschrieben, die sie als junge Frau gerne gelesen hätte.
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1.


Der Schnee fiel in großen, weichen Flocken. Sie legten sich auf die Kleider und verwandelten Nathans düsteres Schwarz in ein vergängliches Weiß. Belustigt schaute er zu, wie Raix seine Zunge aus dem Mund streckte und damit die kühlen Kristalle auffing. DeeDee drehte sich mit ausgebreiteten Armen im Kreis. Wie zwei Kinder, dachte Nathan. Er griff in seine Manteltasche und holte eine Flasche seines Inselwhiskys heraus. Hinter den Kliniktoren wartete trostlose Nüchternheit auf ihn.

Nathan setzte die Flasche an und genoss jeden einzelnen Schluck der goldbraunen Flüssigkeit. Noch einmal war er der Insel im Norden von Schottland so nah, wie er nur sein konnte. Vielleicht ein letztes Mal, doch der Entzug war sein geringstes Problem. Das Innere der Mountain Clinic Valgronda barg Geheimnisse, die tödlich sein konnten.

»Willst du die ganze Flasche austrinken?«, fragte DeeDee.

»Wenn es sein muss.«

Schließlich war er der kaputte Rockstar, der sich wegen massiver Alkoholprobleme selber eingeliefert hatte. So etwas musste glaubhaft gespielt sein. Am besten mit einer Fahne und leicht ramponiert. Wie vorher DeeDee breitete er seine Arme aus, wirbelte herum, taumelte ein paar Schritte und ließ sich in den Schnee fallen.

DeeDee half ihm hoch. »Steigt ein. Fünf Kilometer noch.«

»Die letzte Chance, es sich anders zu überlegen«, sagte Nathan zu Raix.

»Nein.«

Alles Unbeschwerte wich aus Raix’ Gesicht. Ernst schaute er Nathan an. »Das gilt auch für dich. Du musst das nicht für mich tun.«

»Ich wollte schon immer mal in eine dieser noblen Schweizer Kliniken.« Nathan grinste. »Wir werden den Laden aufmischen und auf den Kopf stellen!«

Einen Augenblick lang hüllte sie diese spezielle Stille ein, wie sie nur der Winter hervorbringt, wenn der Schnee alle Geräusche schluckt. Nathan fühlte sein Herz schlagen und wusste, dass es Raix auch so ging. Nur schlug Raix’ Herz für Menschen, die er liebte, während das von Nathan einfach schlug.

»Leute, ich will euch ja nicht drängen, aber wir sollten weiter.« DeeDee öffnete die Vordertür des schwarzen Mercedes, den Nathan am Flughafen in Zürich gemietet hatte. »Und klopft euch vorher den Schnee aus den Kleidern.«

Nathan legte den Kopf in den Nacken. Aus einem weißen Himmel schwebten unzählige Sterne auf ihn herab. In seinem Kopf erklang eine Melodie, die nur er hören konnte. Ein neuer Song. Ein Anfang. An das Ende wollte er nicht denken. Vorsichtig bewegte er seinen rechten Arm. Er schmerzte immer noch. Der Baseballschläger hatte den Knochen zertrümmert, die Heilung schritt nur langsam voran.

»Nate?«

»Bin so weit.«

Er strich den Schnee von seinem Mantel und stieg hinten zu Raix in den Wagen.

Die Mountain Clinic Valgronda lag in einem weiten Tal in den Bergen. Eine einzige Straße verband die kleinen Dörfer und Weiler, reihte sie auf wie Perlen an einer Kette. In der Hochglanzbroschüre der Klinik zeigten sie sich von ihrer schönsten Seite. Eingebettet zwischen zwei Gebirgszügen mit massiven Gipfeln, die Dächer der alten Holzhäuser unter einer glitzernd weißen Schneedecke, erinnerten sie Nathan an eine perfekte Welt aus einer anderen Zeit. Aber nichts war perfekt, nie, nicht einmal diese Idylle, die sich hinter dem dichten Flockentreiben nur erahnen ließ.

DeeDee lenkte den Wagen vom Parkplatz zurück auf die Straße. Die Scheibenwischer arbeiteten auf Hochtouren, genauso wie die Lüftung, und trotzdem beschlugen die Fenster, nasse Schlieren trübten die Sicht. Links und rechts von ihnen türmten sich weiße Massen, von Schneepflügen in einem fast aussichtslosen Kampf zur Seite geschoben.

Das GPS gab den Befehl, nach hundert Metern links abzubiegen.

»Witzig«, murmelte DeeDee. »Wohin denn?«

»Jetzt links abbiegen«, meldete die Frauenstimme wieder, die sie zuverlässig von Zürich bis hierher ans Ende der Welt gelotst hatte, zumindest DeeDee und Nathan. Raix war später dazugestoßen, genau nach Plan.

Direkt vor ihnen tauchte ein Hinweisschild auf. Es lag unter einer riesigen Schneehaube. Die fast gänzlich verdeckten Buchstaben konnte man nur lesen, wenn man wusste, was dort stand. Mountain Clinic Valgronda.

DeeDee setzte den Blinker. Die Nase beinahe an der Windschutzscheibe, drehte er am Lenkrad und manövrierte sie auf eine schmale Nebenstraße. Der Mercedes scherte in der Kurve leicht aus.

»Keine Panik«, beruhigte sie DeeDee. »Ist alles im grünen Bereich.«

Raix lachte nervös. »Du meinst im weißen Bereich.«

Verfahren war unmöglich. Wie in einer Bobbahn folgten sie der Spur zur Klinik, die sich etwas außerhalb eines Dorfes hinter einem Waldstück an einem kleinen See befand. Eine verwunschene Märchenlandschaft aus tief verschneiten Bäumen glitt an ihnen vorbei. Dort, wo das GPS den See anzeigte, erstreckte sich jetzt eine weiße Fläche. Das riesige, schmiedeeiserne Tor bei der Einfahrt der Klinik öffnete sich wie von Geisterhand, als sie darauf zufuhren. Nachdem sie es passiert hatten, drehte sich Nathan um und sah, dass es sich wieder schloss.

Eine schnurgerade Linie, gesäumt von wundersamen Baumformationen, führte sie zum Hauptgebäude des Anwesens, ein dreistöckiger Bau mit viel Glas, kaltblau schimmernd wie die Winterwelt um sie herum. DeeDee parkte den Wagen direkt vor dem Eingang. Er stieg aus und öffnete die Türen für seine Freunde. Nathan klammerte sich daran fest, ganz der Betrunkene, der erst seinen Körper unter Kontrolle bringen musste. Er überließ es DeeDee, das Gepäck aus dem Kofferraum zu holen, und torkelte auf den Eingang zu, ohne auf Raix zu warten. Ein Mann in einem dunkelblauen Anzug mit mattsilbernen Knöpfen und einem rot aufgenähten Streifen über der Brusttasche der Jacke kam ihm entgegen. Nathan scheuchte den Uniformierten mit einer ungeduldigen Handbewegung zur Seite und stolperte durch die Drehtür in die Eingangshalle.

Ein weiterer Uniformierter eilte auf ihn zu, griff ihn am Arm und brachte ihn zum Empfang, wo er von einer Frau mit strenger Hochsteckfrisur, strenger blauer Kleidung und einem strengen Gesicht ohne den kleinsten Anflug eines Lächelns erwartet wurde.

»Mr MacArran«, begrüßte sie ihn. »Willkommen.«

Ihre Stimme war wärmer als ihr Aussehen. Trotzdem klang sie wie eine Lehrerin, die zu einem unartigen Schuljungen sprach. Nathan hatte solche Lehrerinnen nie gemocht. Er lehnte sich vor und hauchte ihr ein heiseres »Hallo« entgegen. Sie musste den Alkohol riechen, ließ sich jedoch nichts anmerken.

Hinter Nathan rumpelte es. Langsam drehte er sich um. DeeDee stand mitten in der Halle, umgeben von Nathans Gepäck. »Hättest wenigstens deine Gitarre selber reintragen können«, brummte er.

»Dein Job«, schnauzte ihn Nathan an.

Wortlos stapfte DeeDee zurück zur Drehtür, wo ihm Raix entgegenkam, ein unauffälliger junger Mann mit an den Kopf gegeltem Haar in einem teuren grauen Anzug, der so perfekt an ihm saß, als wäre er darin zur Welt gekommen. Um sein Gepäck kümmerte er sich nicht selber; das erledigte der Uniformierte, den Nathan an sich vorbeigewedelt hatte wie eine lästige Fliege. Obwohl unscheinbar, ging von Raix die Selbstsicherheit eines Menschen aus, der wusste, was man alles mit Geld kaufen konnte. Unter vielem anderen auch den kostspieligen Aufenthalt in der Mountain Clinic. Dass man sein Problem hier lösen würde, schien er vorauszusetzen, schließlich hatte er dafür bezahlt. Er musterte die Eingangshalle wie eine Immobilie, die er sich zu kaufen überlegte. Ein leichtes Kopfnicken drückte seine Zustimmung aus. Weniger wohlwollend war der Blick, mit dem er Nathan bedachte. Sichtbar widerwillig kam er auf ihn zu. »Wie viel schulde ich Ihnen für die Fahrt?«

Nathan puffte ihn gönnerhaft in die Seite. »Lass stecken, Kumpel.«

Die Frau hinter dem blank polierten Empfangstresen zeigte keine Regung, doch Nathan sah die Neugier in ihrem Blick. Weder er noch Raix würden sie mit einer Erklärung befriedigen.

DeeDee brachte als letztes Gepäckstück die Gitarre. »Ich hau dann mal ab. Ruf mich an, wenn du einen ordentlichen Drink oder einen Fluchtwagen brauchst.«

Die Empfangsdame ignorierte DeeDee. »Markus wird sich um Sie kümmern, Mr MacArran.« Sie winkte einen weiteren Uniformierten heran. »Er zeigt Ihnen Ihr Zimmer.«

Während Nathan Markus ignorierte und sich schwer über den Tresen beugte, wandte sich die Frau Raix zu. »Sie müssen Mr Ormond sein. Hatten Sie eine angenehme Reise?«

»Nein.«

Nathan grinste in sich hinein.

»Das tut mir leid, Mr Ormond. Roman wird Sie in Ihr Zimmer geleiten. Danach haben Sie …«

Raix brachte sie mit einem Blick zum Schweigen.

Eine Hand legte sich auf Nathans Arm.

»Mr MacArran?«

»Höchstpersönlich«, nuschelte Nathan. Er wippte ein paarmal...



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