Gabathuler | No Way Out | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Gabathuler No Way Out


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-8267-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-7693-8267-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Landstraße. Ein Auto. Ein Moment, der alles verändert. Mick. Außenseiter, wo immer er hinkommt. Wieder einmal ist er unterwegs, allein auf einer Landstraße. Ein Wagen nähert sich, und Sekunden später liegt Mick blutend im Straßengraben. Was wie ein Unfall aussieht, ist Teil eines skrupellosen Plans. Viel zu spät erkennt Mick, in was er da hineingeraten ist - und dass für ihn kein Entkommen vorgesehen ist. »#no_way_out« wurde mit dem Hansjörg-Martin-Preis für den besten deutschsprachigen Jugendkrimi 2014 ausgezeichnet. Heute ist die Geschichte aktueller denn je: Zeit für eine Neuauflage.

Alice Gabathuler wäre gerne Sängerin in einer Rockband geworden. Aber schnell wurde ihr klar, dass sie sehr viel besser schreiben als singen kann, und so rockt sie statt mit der Gitarre auf dem Laptop: intensiv, emotional, manchmal düster, mitten im Leben und immer spannend. Sie wohnt in der Schweiz, liebt Schokolade und Käse. In ihrer Freizeit streift sie am liebsten zu Fuß durch die Berge.
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Autoren/Hrsg.


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#8


John_Gambler @derSpieler

Behalte immer die Kontrolle #Spielregeln

Aus dem Vergessen driftete ich in meine Albtraumwelt, die mich ab und zu in die wirkliche Welt spuckte, wo seltsame Dinge geschahen. Ich blieb nie lange genug in dort, um zu begreifen, was um mich vorging. Schwarze Tentakel zogen mich zurück in die Hölle meiner Träume, die mich quälte, immer und immer wieder, bis sie mich satthatte, an die Oberfläche spülte und mich liegen ließ. Mit geschlossenen Augen horchte ich in die Stille, die diesmal von keinem surrenden Geräusch unterbrochen wurde.

Ich traute der Ruhe nicht. Vielleicht schlug ich die Augen auf und die Tusse saß auf dem Sideboard, mit angezogenen Knien und einem spöttischen Lächeln auf den Lippen. Oder ihre Mutter lehnte an der Glasfront und wartete nur darauf, sich mir an den Hals zu werfen. Wie auch immer. Ich musste aufs Klo.

Das Aufstehen war eine Qual, klappte aber besser als beim letzten Mal. Der Rest war, als hätte jemand den Film angehalten und zurückgespult.

Meine Tasche stand wieder auf dem Sideboard, daneben lagen in einem kleinen, ordentlichen Stapel meine Kleider. Neben dem Möbel glänzten meine millimetergenau ausgerichteten Stiefel.

Diesmal ließ ich die Tasche stehen und nahm nur meine Kleider mit ins Bad. Aus dem Spiegel blickte mir immer noch ein Zombie entgegen, aber statt eines Verbandes bedeckte jetzt ein großes Pflaster die Wunde am Kopf. Erst jetzt fiel mir auf, dass es in meinem Kopf ruhig war.

Mein Bein war etwas taub, aber es schmerzte nicht. Auch das Anziehen fiel mir wesentlich leichter als beim letzten Versuch und sogar den Wasserhahn hatte ich so weit unter Kontrolle, dass ich Frau Blitzblanksauber keine Schweinerei hinterlassen würde. Beim Gedanken an Frau Blitzblanksauber kicherte ich los und konnte kaum mehr aufhören. In Doc Walters Spritze musste ein ganz abgedrehter Mix gewesen sein. Nun, wenn er mir die Schmerzen nahm, sollte es mir recht sein.

Schon fast gut gelaunt über die Aussicht, diesen Ort hinter mir lassen zu können, humpelte ich zurück ins Zimmer. Dort wartete Jake auf mich. Er saß auf meinem Bett und schaute zu, wie ich stehen blieb und mich am Sideboard festhielt. In dieser Familie schien niemand etwas von Anklopfen zu halten.

»Ich habe angeklopft«, beantwortete Jake die Frage, die ich gar nicht gestellt hatte. »Wahrscheinlich hast du mich nicht gehört.«

Das war kein Grund, einfach hereinzuplatzen. Andererseits gehörte das Haus ihm, und sein Doc hatte mich zusammengeflickt. Vielleicht sollte ich etwas dankbarer sein.

»Wie geht’s dir?«, fragte er mich im Tonfall eines besten Kumpels.

»Besser«, antwortete ich.

»Das wollen wir nach drei Tagen im Nirwana doch hoffen.« Er lachte. »Du bist ja noch verrückter, als ich dachte. Dich mit einer Gehirnerschütterung davonstehlen zu wollen! Ziemlich unvernünftig, findest du nicht?«

Unvernünftig?

Verglichen mit dem, was in seiner Familie so üblich zu sein schien, kam ich mir schon fast unnatürlich vernünftig vor.

»Drei Tage Nirwana?«, fragte ich.

»Wir haben dich schlafen lassen wie Dornröschen.« Jakes Lachen, das der Bemerkung folgte, klang nicht ganz echt. Eher so, als ob er wusste, dass seine Frau gern junge männliche Dornröschen wachküsste. Dazu passte, wie er mich nach seinen Worten genau beobachtete. Die kleine Musterungspause dauerte höchstens zwei oder drei Sekunden, dann redete Jake weiter, als ob nichts geschehen war. »Du bist noch nicht wieder ganz auf dem Damm, aber Walter versteht sein Handwerk immer noch ausgezeichnet. Betrachte dich als unseren Gast. Du kannst bleiben, solange du willst.«

»Ich möchte gehen«, antwortete ich.

Jake nickte und stand auf. »Hast einen ziemlich dicken Schädel, nicht wahr?«

Nun, sein Wagen hatte ihn nicht kaputtgekriegt. Das war immerhin etwas. Ich schwieg.

»Du solltest trotzdem noch ein paar Tage hierbleiben«, riet er mir.

»Ich komme schon klar.«

Jake schien mit dieser Antwort gerechnet zu haben. »Ich schulde dir noch was für unseren kleinen Zusammenprall. Bleib heute zum Abendessen und dann fahre ich dich morgen, wohin du willst und setze dich dort ab.«

Ich hatte weder auf ein Abendessen mit Jakes Familie noch auf eine Fahrt mit ihm Lust. Wenn er das Gefühl hatte, mir etwas zu schulden, konnte er mir Geld geben. Das sagte ich ihm jedoch nicht. Ich wollte weder als Erpresser noch als Bettler dastehen. Es gab so etwas wie Würde. Auf der Straße war sie nicht viel wert, aber mir bedeutete sie was. Sie unterschied mich von den armseligen Kreaturen, die mit gesenktem Blick in Fußgängerpassagen standen, einen Pappbecher in der Hand, mit der Hoffnung auf ein paar Münzen.

Ich hatte mit Smiley darüber geredet. Er fand nichts dabei an dieser Pappbechernummer, für ihn war das die Show, die dazugehörte. »Hauptsache Kohle«, hatte er gesagt, »und Hauptsache ohne krumme Dinger.«

Man konnte es so sehen, wenn man wollte. Ich wollte nicht.

Das mit den krummen Dingern für die Kohle war eine andere Sache. Deshalb ließ ich mich von Frauen wie Jakes Lady nach Hause nehmen, weil es allemal besser war als Klauen, auch besser als die Pappbechernummer. Das hatte ich Smiley nicht verraten. Ich denke, er hätte mir die Pappbecher dann noch eindringlicher empfohlen.

Jake schien keine Antwort von mir zu erwarten. Er hatte eine Einladung ausgesprochen, aber mir war klar, dass sie ein Befehl gewesen war. Ich mochte keine Befehle. Jake zu widersprechen mochte ich genauso wenig. Also sagte ich nichts und entschied, mich in einem unbeobachteten Augenblick davonzumachen.

»Alles klar?«, fragte Jake.

»Alles klar.«

Wir wussten beide, dass nichts klar war. Das Zeug, das Walter mir reingejagt hatte, war viel mehr als nur etwas gegen die Schmerzen und drei Tage Bettruhe hatten meinem Körper zwar gut getan, um ganz zu heilen hatte es nicht gereicht.

»Dann ist ja gut.«

Jake verließ das Zimmer durch die Glastür. Ich schaute ihm nach. Im Pool schimmerte himmelblaues Wasser. Das Sprungbrett lag verlassen da. In meinen Schläfen begann der Puls zu pochen und ein paar Herzschläge lang vergaß ich zu atmen. Ich sah eine Spinne, die das Foto meiner Schwester zerriss und dabei hämisch lachte. Über meine Wange fuhr ein kühler Finger, ich hörte ein Wow, von dem ich nicht wusste, was es sollte. Vielleicht hatte ich all das nur geträumt, ein irrwitziger, fiebriger Traum, einer von vielen. Seit ich hier war, waren sie schlimmer geworden, meine Träume. Schlimmer als seit Jahren.

Ich schob die Gedanken an meine Träume beiseite, zog die Springer an und trat ins Freie. Den Rücken gegen die Hauswand gelehnt gab ich vor, mich nur ein wenig an der Sonne ausruhen zu wollen. In Wahrheit sah ich mich um und checkte, ob die Luft rein war.

Der moderne Holzbau mit den großen Glasfassaden und dem Flachdach bestand aus zwei Stockwerken und war L-förmig angelegt. Am kürzeren Ende befand sich eine riesige Holzveranda, die mit den vielen Topfpflanzen und edlen Möbeln an Hollywoodfilme erinnerte, in denen wunderschöne Menschen in teuren Kleidern und einem Glas in der Hand herumstehen, viel lächeln und sich über unwichtige Dinge unterhalten.

Im Stockwerk über der Veranda lagen hinter einem Balkon ein oder zwei Zimmer, entweder Schlafzimmer oder Arbeitsräume. Die ganze Längsseite war mehr oder weniger eine einzige Glasfront, an der sich eine Verlängerung der Holzveranda entlangzog, auch sie mit Pflanzen in großen Kübeln ausgestattet, jedoch nur etwa zwei Meter breit. Parallel zu der Veranda verlief über die ganze Hauslänge der Pool. Gegenüber dem Zimmer, in dem ich die letzten Tage verbracht hatte, stand eine Art Gartenhaus, ebenfalls aus Holz und dicht mit Kletterpflanzen bewachsen. Zwischen dem Gartenhaus und der Hollywoodveranda hatte jemand drei Liegestühle aufgestellt, wie meine Schuhe millimetergenau ausgerichtet.

Das Wasser im Becken schimmerte in der Sonne, gerade so, als ob Frau Blitzblanksauber auch hier im Einsatz gewesen wäre. Wenn es die zerrissenen Fotokonfettis je gegeben hatte, waren sie längst verschwunden. Es hatte keinen Sinn, nach etwas Ausschau zu halten, das wahrscheinlich nur in einem schrägen Traum passiert war. Trotzdem ließ ich meinen Blick über den Pool gleiten. Nichts. Nicht einmal tote Insekten an der Oberfläche. Vielleicht sollte ich die Blechschachtel in meiner Tasche noch einmal durchsuchen. Doch kurz bevor ich meine Augen vom Pool abwandte, entdeckte ich etwas, das kaum sichtbar unter dem Beckenrand klebte. Ein Teil eines verwelkten Blütenblatts. Der verklebte Flügel eines Nachtfalters. Oder ein Fetzen Fotopapier.

Ich stand auf und hinkte zum Pool. Ziemlich steif kauerte ich mich hin, beugte mich über den Rand und klaubte das nasse Irgendwas von der Beckenwand. Es war weder ein Blütenblatt noch der Flügel eines Nachtfalters. Es war ein aufgeweichtes Stück Papier. Darauf etwas zu erkennen war unmöglich. Das war auch nicht nötig. Ich hatte nicht geträumt. Die Tusse hatte wirklich mit mir gespielt wie die Spinne mit der...



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