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E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Gabathuler Blue Blue Eyes

LOST SOULS LTD.
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7494-7702-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

LOST SOULS LTD.

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-7494-7702-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



LOST SOULS LTD. - So nennt sich die Untergrundorganisation um den jungen Fotografen Ayden, den kaputten Rockstar Nathan und den charmanten Verwandlungskünstler Raix. Sie alle haben als Opfer von schweren Verbrechen überlebt und dabei einen Teil ihrer Seele verloren. Nun verfolgen sie nur ein Ziel: Jugendliche in Gefahr aufspüren und versuchen, sie zu retten. Dabei kämpfen sie gegen Entführer, Mörder, das organisierte Verbrechen und gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit. IHRE NEUSTE MISSION: Kata Benning. 18 Jahre alt. Augen so blau wie das Meer. Tief in sich ein Geheimnis, das sie vor sich weggeschlossen hat. Ein Bombenanschlag auf ihre Adoptiveltern zerstört ihre Zukunft, stellt ihre Gegenwart infrage und führt sie in eine Vergangenheit, in der nichts war, wie es schien. Sie gerät in einen schmutzigen Krieg um gestohlene Daten. Ihr Leben wird zum Pfand mächtiger und gefährlicher Feinde. Doch sie hat starke Verbündete an ihrer Seite: Lost Souls Ltd.

Alice Gabathuler schreibt Geschichten für Kinder und Jugendliche. Meistens werden daraus Bücher, manchmal auch Hörgeschichten fürs Radio. Und ab und zu gewinnt sie dafür einen Preis, zum Beispiel den Hansjörg-Martin-Preis für den besten deutsch-sprachigen Jugendkrimi 2014. Mit der Lost Souls Reihe hat sie genau die Bücher geschrieben, die sie als junge Frau gerne gelesen hätte.
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1.


Ein klirrendes Geräusch zersplitterte den Traum. Ayden schnellte hoch, wirbelte herum und packte gleichzeitig den Baseballschläger, der griffbereit neben ihm auf dem Schreibtisch lag. Leere Energy-Drink-Dosen flogen über die Kante ins Leere, folgten der Schwerkraft, prallten scheppernd auf dem alten Holzboden auf und rollten in alle Richtungen davon. Jeder Muskel in Aydens Körper war angespannt, während er sich blitzschnell um die eigene Achse drehte, den Schläger fest umklammert, und sich nach der Ursache des Geräuschs umsah.

»Ayden?«

Reflexartig holte Ayden zum Schlag aus.

»Ayden, ich bin’s!«

Die Stimme drang von draußen in den Raum, etwas dumpf, aber ruhig und besonnen. Ayden schaute aus dem Fenster und entdeckte seinen Freund und Boss Joseph, wie er seine Hand hob und gegen die Scheibe klopfte. Aydens Körper entspannte sich. Joseph hatte das Geräusch verursacht, das ihn aus dem Schlaf gerissen hatte. Mit zitternden Händen stellte Ayden den Schläger an die Wand und öffnete das Fenster.

»Alles in Ordnung bei dir?«, fragte Joseph.

Ayden nickte.

Joseph bohrte nicht weiter nach. »Du hast eine Kundin«, sagte er.

»Bin beschäftigt. Ich arbeite.«

Zumindest hatte Ayden das getan, bis er beim Warten auf Igors Mail vor Müdigkeit und Erschöpfung eingeschlafen war.

»Wenn du für die Baseball-Endrunde trainierst, kann deine Arbeit ruhig einen Moment warten. Die Kundschaft ist wichtiger.«

Joseph konnte ganz schön hartnäckig sein, wenn es um das Geschäft ging – oder darum, Ayden aus einem seiner fiebrigen Zustände zu holen, in denen er sich manchmal verlor.

Ayden warf einen Blick auf seinen Bildschirm. Ein knappes Dutzend Mails war eingegangen, seit er weggedöst war. Er überflog die Absender. Igors Name war nicht darunter.

»Keine Zeit.« Mit der linken Hand tastete Ayden nach dem Stuhl, den er vorher beim Hochschnellen weit von sich gestoßen hatte, mit der rechten bewegte er die Maus. »Ich muss …«

»Du siehst aus wie hingekotzt«, unterbrach ihn Joseph. »Wahrscheinlich hast du wieder die ganze Nacht vor deiner Maschine gesessen …«

Ayden blendete Joseph aus. Weil der Stuhl zu weit weggerollt war, tippte er die neue Nachricht an Igor im Stehen.

»… geht mich ja nichts an, aber …«

Ayden drückte die Senden-Taste. »Gib mir fünf Minuten«, bat er.

»Die Kundin …«

»Wird warten, wenn es dringend ist.«

»Fünf Minuten. Mehr gebe ich dir nicht.«

»Komme gleich«, murmelte Ayden. Etwas musste schiefgegangen sein. Igor hätte sich längst melden müssen. »Mach schon«, beschwor er den Russen. »Antworte!«

»Redest du mit mir?«, hörte er Joseph fragen.

Ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen, schüttelte Ayden den Kopf. Er musste sich konzentrieren! Wenn er jetzt einen Fehler machte, riskierte er Kata Bennings Leben.

Die nächsten paar Minuten starrte Ayden auf den Bildschirm und überlegte, was er tun würde, wenn ihm Igor die so dringend benötigten Informationen nicht rechtzeitig liefern konnte. Dabei verschwammen die Buchstaben, bis er nur noch Katas tiefblaue Augen vor sich sah, die ihn verfolgten, seit er das erste Mal eine Aufnahme von ihr gesehen hatte. Noch nie war eine Mission schwieriger und gefährlicher gewesen als diese; noch nie hatten Ayden und seine Freunde über so wenige Fakten verfügt und sich so sehr auf Gerüchte und Andeutungen verlassen müssen. Igor sollte die Lage klären, doch Stunde um Stunde war ohne die erwartete Nachricht von ihm verstrichen. Hatten sie das Schicksal zu sehr herausgefordert?

Obwohl Ayden darauf gewartet hatte, zuckte er zusammen, als der Signalton eine hereinkommende Mail ankündigte. Endlich!

Igor hielt sich kurz und knapp, wie immer:

Zweite Quelle brauchte länger. Habe jetzt doppelte Bestätigung. Scheint, dass es viel schneller losgeht als geplant. Heute Nachmittag. Zielpersonen warnen. Viel Glück.

In wenigen Stunden! Aydens innere Unruhe löste sich in einem langen, tiefen Atemzug. Kata Bennings Schuljahr endete erst morgen. Sie war im Internat. In Sicherheit. Es ging jetzt bei der Sache nur noch um Stefan und Brigitta Benning, eigentlich kein Fall für .

Die Organisation kümmerte sich um die Unwissenden, um junge Menschen, deren Leben in Gefahr war. Die Seelen, die drohten verloren zu gehen, so wie Aydens Seele verloren gegangen war.

Stefan und Brigitta Benning waren für ihr Tun selbst verantwortlich. Sie hatten, im Gegensatz zu Kata, eine Wahl gehabt und sich entschieden. Wer so lebte wie sie, spielte auf Risiko und holte den Tod mit an Bord. Trotzdem taten Ayden und seine Leute alles, um den Anschlag auf sie abzuwenden. Noch blieben ihnen ein paar Stunden. Ihre Kontaktperson in der Schweiz kümmerte sich darum. Ayden griff zum Handy und wählte Raix’ Nummer.

er Zug verlangsamte seine Fahrt, passierte das zerfallende Gebäude im Kieswerk und rollte vorbei an den Güterhallen, die selbst an diesem strahlenden Sommertag düster wirkten. Kata war zu Hause, aber es fühlte sich nicht an wie Heimkommen. Von der kleinen Provinzstadt ging etwas Erdrückendes aus, etwas, das sich lange vor der Ankunft auf Kata gelegt hatte und mit jedem Kilometer schwerer geworden war. Jetzt, kurz vor dem Ziel ihrer Reise, bereitete ihr sogar das Atmen im stickigen Bahnwaggon Mühe. Sie musste sich in Erinnerung rufen, weshalb sie hier war, um nicht einfach sitzen zu bleiben, weiterzufahren und darauf zu warten, dass die Landschaft offener und das Atmen wieder freier wurde.

Hastig strich sich Kata eine feuchte Haarsträhne aus der Stirn, stand auf und hängte ihren kleinen, ledernen Rucksack um. Als sie nach dem Koffer griff, den sie im Leerraum zwischen den Sitzreihen abgestellt hatte, glaubte sie, die Blicke ihrer Mitreisenden in ihrem Rücken fühlen zu können. Seit sie an der letzten Station in die Regionalbahn umgestiegen war, war sie ihnen ausgewichen, auch jenen der Frau zwei Abteile weiter vorne, die sie kannte und die ihr freundlich zugenickt hatte. Selbst eine nette Frage der älteren Dame, die ihr gegenüber saß, hatte Kata so einsilbig und abweisend beantwortet, dass sie sicher sein konnte, für den Rest der Fahrt unbehelligt zu bleiben.

Es lag an ihr, nicht den anderen, die keine Schuld an den Gefühlen hatten, die in ihr tobten. Sie alle konnten Katas inneren Sturm nicht sehen, denn er spiegelte sich nicht auf ihrem Gesicht. Kata hatte gelernt, ihn gut hinter einer Maske zu verbergen, einer Maske, die auf ihre Mitmenschen arrogant, vielleicht sogar ein wenig trotzig wirkte. Dessen war sie sich nur allzu bewusst, doch sie brauchte diesen Schutz vor zu viel Nähe und vor allem vor Fragen, auf die sie keine Antworten kannte. Es war, als gäbe es irgendwo in ihrer Seele eine Tür zu einer verborgenen Welt, in der ein Teil von ihr lebte, den sie nie kennengelernt hatte. Eine ganze Weile schon versuchte Kata, diese Tür aufzustoßen. Sie wollte sich nicht länger fremd bleiben, aber irgendetwas verwehrte ihr den Zugang. Deshalb schottete sie sich ab und ließ so gut wie nie jemanden hinter ihre Maske blicken. Auch jetzt nicht.

Im Wissen um die Augen, die auf sie gerichtet waren, zog sie den Rollkoffer ungelenk durch den Gang. Er schlug gegen Knie und Beine von Mitreisenden, ihr Rucksack blieb an einer Sitzlehne hängen. Kata hörte die missbilligenden Seufzer und wusste, dass man von ihr erwartete, sich zu gedulden und am Schluss auszusteigen, doch sie wollte nur noch raus, an die frische Luft.

Als der Zug mit einem Ruck anhielt, prallte der füllige Herr mit den schmierigen Haaren, der etwas zu dicht zu ihr aufgeschlossen hatte, gegen ihren Rücken. Während er eine Entschuldigung murmelte, legte er wie beiläufig seine Hand auf ihren Arm und streifte dabei mit seinen Fingern ihre Brust. »Notgeiler Bock!«, sagte ein Junge, der aus einem Manga entsprungen zu sein schien, so laut, dass es alle hören konnten. Das Gesicht des Mannes lief tomatenrot an. Seine Hand verschwand in seiner Hosentasche.

Mit einem leisen...



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