E-Book, Deutsch, Band 2710, 144 Seiten
Reihe: Julia
Fuller Doppeltes Spiel in Venedig
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7515-3495-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2710, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-3495-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erwischt! Ihr Boss, der New Yorker Unternehmer Tiger McIntyre, hat Sydney dabei ertappt, wie sie sein Computersystem hackt! Dabei hat die junge Internetspezialistin das nur riskiert, um ihren Brüdern zu helfen. Doch das ist dem wütenden Milliardär egal. Er stellt ihr ein Ultimatum. Entweder er ruft die Polizei, was eine Haftstrafe bedeutet - oder sie spielt auf einem High-Society-Ball in Venedig seine Freundin, damit die Welt glaubt, er sei vergeben! Was bleibt ihr übrig? Atemlos sagt Sydney Ja und wird in dem doppelten Spiel zu einer Gefangenen ihrer Gefühle ...
Louise Fuller war als Kind ein echter Wildfang. Rosa konnte sie nicht ausstehen, und sie kletterte lieber auf Bäume als Prinzessin zu spielen. Heutzutage besitzen die Heldinnen ihrer Romane nicht nur ein hübsches Gesicht, sondern auch einen starken Willen und Persönlichkeit. Bevor sie anfing, Liebesromane zu schreiben, studierte Louise Literatur und Philosophie. Später arbeitete sie dann als Journalistin für die Lokalzeitung von Turnbridge Wells im Südosten Englands, wo sie noch heute mit ihrem Ehemann und ihren sechs Kindern lebt.
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1. KAPITEL
Harris Carvers Privatclub, New York
„Wenn Sie mir bitte folgen würden, Miss Truitt. Mr. Carver erwartet Sie in der Mitgliederlounge.“
Der Mann im Anzug wandte sich um und Sydney Truitt folgte ihm. Sie hatte keine Ahnung, wo sie sich befand. Am Flughafen hatte eine Limousine auf sie gewartet, die sie in eine Tiefgarage gefahren hatte. Das muss eine Art privater Club sein, dachte sie, während sie hinter dem Fremden einen mit edlem Holz vertäfelten Flur entlanglief.
Vor einer Tür blieb der Mann stehen, klopfte, öffnete sie und trat einen Schritt zurück, um Sydney vorbeizulassen. „Mr. Carver empfängt Sie nun.“
Zuerst dachte sie, der Raum sei leer, doch dann sah sie ihn.
Als Harris Carver aufstand und auf sie zuging, verspannte sie sich. Bis jetzt waren die meisten ihrer Kunden kleine Firmen gewesen, und es gab nicht viele Unternehmen, die so groß waren wie HCI.
„Miss Truitt.“ Er streckte ihr die Hand entgegen, die sie schüttelte. „Danke, dass Sie zu diesem Treffen gekommen sind und die Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieben haben. Ich weiß, dass sich das alles ein bisschen abenteuerlich für Sie anfühlen muss, aber in meiner Position ist es das Beste, auf Nummer sicher zu gehen.“
Sie lächelte höflich. „Natürlich. Und ich danke Ihnen, dass Sie mich für das Projekt in Betracht ziehen, obwohl ich nicht genau weiß, wofür genau Sie mich brauchen.“ Das Telefonat war so kurz und vage gewesen, dass sie schon befürchtet hatte, fälschlicherweise angerufen worden zu sein.
„Es handelt sich um ein sehr kurzes Projekt. Nur drei Tage. Aber Sie werden für Ihre Arbeit gut entlohnt. Nehmen Sie Platz.“
„Darf ich fragen, weshalb Sie sich an mich gewandt haben? Es gibt größere und bekanntere Namen, die dasselbe wie ich tun …“ Ihr fielen mindestens zwei Hacker-Firmen in New York ein, die absolut in der Lage waren, einen Angriff zu simulieren, um mögliche Sicherheitsprobleme innerhalb des Netzwerks zu finden und zu beheben. Und doch hatte Harris Carver sie ausgewählt.
Er zuckte mit den Schultern. „Ihr persönlicher Hintergrund hat den Ausschlag gegeben.“ Kurz zögerte er, dann erschien ein raubtierhaftes Lächeln auf seinen Lippen und ihre Anspannung nahm weiter zu. „Sehen Sie, ich brauche jemanden, der nicht nur technisch versiert ist, sondern auch, wie soll ich sagen …“ Er hielt inne. „Der es nicht ganz so genau mit der Moral nimmt. Wenn ich mir Ihre Familie so anschaue, könnte ich auf die Idee kommen, dass Sie genau die Richtige für diesen Job sind.“
„Meine Familie?“ Sie runzelte die Stirn. Normalerweise verliefen Gespräche wie dieses nicht so. „Was wissen Sie über meine Familie?“
Unverwandt erwiderte er ihren Blick. „Das Projekt ist sensibel. Ich musste sichergehen, dass Sie für diesen Auftrag geeignet sind. Deshalb haben meine Leute Sie genauer unter die Lupe genommen.“ Er machte eine kurze Pause. „Keine Sorge – sie sind gründlich, aber diskret.“ Seine Miene wirkte ausdruckslos. „Im Gegensatz zu Ihren Brüdern, die sich bei der örtlichen Polizei Ihrer Heimatstadt bereits einen Namen gemacht zu haben scheinen.“
Er hatte recht. Ihre drei Brüder hatten denselben ausgetretenen Pfad wir ihr Vater und ihr Onkel eingeschlagen. Und noch bevor sie laufen oder sprechen konnten, hatten die Menschen sich ihr Urteil über sie gebildet. Niemand kannte die drei so wie sie. Nur weil sie vorbestraft waren, bedeutete es nicht, dass sie schlechte Menschen waren, denn das waren sie nicht. Im Gegenteil.
„Meine Brüder sind nicht …“, begann sie, doch Carver hob beschwichtigend die Hände.
„Ich verurteile sie nicht, ich stelle nur fest, dass sie gegen das Gesetz verstoßen haben und die Konsequenzen dafür tragen müssen. Bestimmt wollen Sie ihnen helfen, aber Hilfe ist teuer … die von der guten Art jedenfalls. Deshalb halte ich Sie für die perfekte Besetzung für diesen Job.“ Er verstummte und ließ den Blick aus seinen grauen Augen abschätzend über sie wandern. „Ich denke, Sie würden mir gute Dienste leisten.“
Sydney schluckte. „Wobei?“
„Bei einer geschäftlichen Angelegenheit. Tiger McIntyre hat etwas von mir gestohlen. Mein geistiges Eigentum. Ich will es zurück. Ich brauche es zurück, um zu beweisen, dass er es genommen hat, was er zweifellos abstreiten wird. Das heißt, ich brauche einen Insider. Jemanden, der sich als Angestellter ausgibt, während er die Server hackt.“
Harris Carvers Stimme klang immer leiser und dünner in ihren Ohren, übertönt von dem lauten Pochen ihres eigenen Herzens. Hatte er den Verstand verloren? Tiger McIntyre hatte den Ruf, so furchterregend und rücksichtslos zu sein wie das Tier, nach dem er benannt war. Ihr Puls beschleunigte sich. Und genauso atemberaubend schön. Noch war sie ihm nicht begegnet, aber sie hatte so oft Fotos von ihm gesehen, dass es ihr leichtfiel, ein Abbild seines markanten Gesichts und des fesselnden Blicks vor ihrem geistigen Auge heraufzubeschwören.
„Es bedeutet, eine Grenze zu überschreiten. Ich verstehe absolut, wenn Ihnen das zu denken gibt.“
„Sie sind ein sehr reicher und mächtiger Mann, Mr. Carver. Deshalb möchte ich Ihnen die Möglichkeit geben, so zu tun, als hätte ich Ihren Vorschlag missverstanden. Was Sie verlangen, ist keine Grenzüberschreitung, sondern schlicht illegal.“
Einige unangenehme Sekunden lang hielt er ihren Blick fest. Sydney biss die Zähne zusammen, um nicht den Kopf wegzudrehen.
„Darüber weiß Ihre Familie bestens Bescheid.“
Ein wenig unsicher kam sie auf die Füße. „Ich bin nicht wie meine Familie, deshalb fürchte ich, dass ich Ihr Angebot ablehnen muss, denn wenn ich dabei erwischt werde, wäre mein Ruf ruiniert …“
„Dann lassen Sie sich nicht erwischen.“ Alle Muskeln in ihrem Körper spannten sich an, als Harris Carver etwas in sein Handy tippte und es dann so hielt, dass sie die Zahlen auf dem Display lesen konnte.
„Damit Sie wissen, wie dankbar ich wäre.“
Sydneys Augen weiteten sich. Das war eine Menge Geld.
„Sehr dankbar“, fuhr er fort und wischte leicht über das Gerät.
Okay, das waren eine Menge Nullen. Es war mehr Geld, als sie im gesamten letzten Jahr verdient hatte. Für ein paar Tage Arbeit. Damit könnte sie einen guten Anwalt bezahlen. Wahrscheinlich reicht es sogar für den besten Anwalt des Landes, dachte sie. Ihr Magen verkrampfte sich vor Erleichterung und Hoffnung. Denn das würde bedeuten, dass sie ihre Brüder vor einem Leben hinter Gittern bewahren könnte. Wieso sollte sie das nicht wollen? Schließlich hatten sie sie aus einer anderen Art Gefängnis befreit. Trotzdem blieb die Grenze, die sie niemals überschreiten wollte.
Sydney schüttelte den Kopf. „Selbst wenn man mich nicht erwischen würde, fühle ich mich nicht wohl mit dem, was Sie von mir verlangen.“
„Warum?“ In Carvers Stimme schwang ein Tonfall mit, den sie nicht einordnen konnte. „Tiger McIntyre ist kein Engel. Zugegeben, er sieht wie ein Gewinner aus, aber jeder Sieg hat seinen Preis. Ja, er ist klug und entschlossen, das gebe ich zu. Er arbeitet hart, aber er bricht auch alle Regeln, geht immer den einfachsten Weg. Er überschreitet die Grenzen, die Ihnen so wichtig sind. Es gibt nichts, was er nicht tun würde, niemanden, den er nicht aus dem Weg räumen würde, um sein Ziel zu erreichen. Wenn Sie mir nicht glauben, recherchieren Sie doch im Internet.“
Er sagt die Wahrheit, erkannte sie und dachte an den intensiven und herausfordernden Blick von Tiger McIntyre. Für seinen Erfolg beugte er Gesetze und wandte zweifelhafte Taktiken an. Er nahm sich, was er wollte, und kam wegen seines Aussehens, seines Reichtums und seiner Macht mit allem durch. Im Gegensatz zu ihren Brüdern musste er nicht die Konsequenzen für sein Handeln tragen. Vielleicht war es an der Zeit, dass sich das änderte.
„Sie brauchen sich deswegen nicht schlecht zu fühlen, Miss Truitt. Es ist nicht das erste Mal, dass Tiger McIntyre etwas von mir gestohlen hat. Aber es wird das letzte Mal sein.“ Harris Carvers Stimme klang so giftig, dass es sie all ihre Selbstbeherrschung kostete, nicht zusammenzuzucken.
„Sie sagten, es ginge ums Geschäft, Mr. Carver, aber für mich hört sich das eher nach einer persönlichen Angelegenheit an.“
Ein kurzes Schweigen senkte sich über sie, in dem er sich gelangweilt zurücklehnte. „Oh, es ist durchaus persönlich. Sehen Sie, ich weiß, dass McIntyre ein Dieb ist. Aber dieses Mal hat er sich das falsche Opfer ausgesucht. Ich möchte, dass Sie finden, was er gestohlen hat, und es für mich zurückholen.“ Seine grauen Augen verengten sich. „Und dann werde ich ihn ruinieren.“
Zehn Tage später, im Privatjet von Tiger McIntyre
„Was sagt Ihr Bauchgefühl? Haben wir es geschafft oder nicht?“
Tiger McIntyre lehnte sich in seinem Sitz zurück und ließ die Frage von Nathan Park, dem Leiter seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung, einen Moment in der Luft hängen. Natürlich kannte er die Antwort. Das war einer der Gründe, weshalb er so schnell so weit aufgestiegen war und die bankrotte Firma seines Vaters zu einem der Spitzenreiter im Rennen um den Bergbau im All gemacht hatte.
Die Erforschung des Mondes war eine wachsende Branche und seine KI-gesteuerten Roboter hatten die seiner Konkurrenten...




