E-Book, Deutsch, Band 2715, 144 Seiten
Reihe: Julia
Fuller Bloß eine Nacht mit dem Boss?
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7515-3502-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2715, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-3502-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Liebe hat Eden nach einer schmerzlichen Enttäuschung abgeschworen. In den Armen des attraktiven Fremden, den sie in einer Bar in Manhattan trifft, sucht sie daher nicht mehr als Trost und Ablenkung. Wider Erwarten weckt seine zärtliche Nähe jedoch längst vergessene Sehnsucht. Aber nie wieder will sie ihr Herz verlieren! Heimlich schleicht sie davon ... nur, um kurz darauf schockiert ihren neuen Boss Harris Carver zu treffen: Der Milliardär entpuppt sich als ihr namenloser Liebhaber! Und nicht nur das: Ihre einzige Nacht hat ungeahnt süße Folgen ...
Louise Fuller war als Kind ein echter Wildfang. Rosa konnte sie nicht ausstehen, und sie kletterte lieber auf Bäume als Prinzessin zu spielen. Heutzutage besitzen die Heldinnen ihrer Romane nicht nur ein hübsches Gesicht, sondern auch einen starken Willen und Persönlichkeit. Bevor sie anfing, Liebesromane zu schreiben, studierte Louise Literatur und Philosophie. Später arbeitete sie dann als Journalistin für die Lokalzeitung von Turnbridge Wells im Südosten Englands, wo sie noch heute mit ihrem Ehemann und ihren sechs Kindern lebt.
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1. KAPITEL
Ungläubig starrte Harris Carver auf sein Handy. Alles in ihm verkrampfte sich. Die Sprachnachricht von Sydney Truitt, der Hackerin, die er angeheuert hatte, um seine Daten auf dem Server von Tiger McIntyre aufzuspüren, war kurz und bündig.
„Es tut mir leid. Ich habe versagt.“
Ihre Stimme klang genauso angespannt, wie er sich fühlte. Aber sie hatte auch gerade eine ziemlich große Summe in den Wind geschlagen. So lautete ihr Deal: keine Daten, kein Geld.
Seine Daten. Sein geistiges Eigentum. Die Pläne für den Bohrer, die Tiger ihm gestohlen hatte, um seinen eigenen Prototypen herzustellen. Unwillkürlich verspannten sich Harris’ Schultern, als sein Ärger einer alten, vertrauten Wut wich, die ihn immer überkam, sobald er an seinen größten Rivalen dachte.
Tiger McIntyre.
Sie hätten Verbündete sein können. Während des Studiums waren sie beste Freunde gewesen.
Zumindest hatte er das geglaubt, bis er Tiger mit seiner Freundin erwischt hatte.
Damals war er neunzehn gewesen, rasend vor Eifersucht und voller Schmerz über den Verrat. Natürlich hatte er zugeschlagen. Tiger wurde nicht ohne Grund Tiger genannt, also schlug er zurück. Die Sache eskalierte. Der Dekan schaltete sich ein, Tiger fing erneut Streit an und wurde von der Universität geworfen.
Seither waren all ihre Pläne wahr geworden. Nur dass sie jetzt Konkurrenten waren und einander umkreisten wie zwei Raubtiere. Sie hielten Abstand zueinander, waren sich der Bewegungen des anderen jedoch immer bewusst. Die Situation war erträglich gewesen, bis Tiger ihn bestohlen hatte. Seine Leute hatten stets ein wachsames Auge auf seinen Rivalen. Daher wusste er, dass ihre beiden Prototypen nahezu identisch waren.
Unwillkürlich umklammerte er das Handy fester. Er war vollkommen außer sich gewesen, gefangen in sinnloser Wut, die jede Vernunft erstickt hatte. Unter dem Vorwand, seine Sicherheitssysteme aufrüsten zu wollen, hatte er seine Leute dazu gebracht, einen Hacker zu kontaktieren: Sydney.
In Wirklichkeit sann er auf Rache. Sydney oder genauer gesagt ihre Brüder brauchten Geld. Deshalb hatte er ihr eine verlockend hohe Summe geboten, damit sie Tigers Computer hackte und seine Daten fand.
Sein Plan sah vor, Tiger durch die Aufdeckung des Diebstahls zu ruinieren, aber jetzt hatte er nichts in der Hand. Keine Beweise. Keine Möglichkeit, Rache zu nehmen.
Wütend starrte er auf den Mond draußen am Himmel, der ihn immer an das ausdruckslose und verständnislose Gesicht seines Vaters erinnerte, wenn der seinen Sohn anschaute – als würde er mit einem Fremden sprechen und nicht mit seinem eigen Fleisch und Blut.
Weder seinen Abschluss noch seinen späteren Karriereweg hatte er bewusst gewählt, aber heute konnte er sich zumindest eingestehen, dass er sich dadurch erhofft hatte, seinem Vater, dem Astronauten, näherzukommen.
Doch das war nicht geschehen.
Sein Vater hatte sich für Wissenschaft und Technik interessiert, war aber nicht stolz oder glücklich darüber, dass sein Sohn sich dafür entschieden hatte, indirekt in seine Fußstapfen zu treten.
Blicklos starrte er vor sich hin. Regen lief an den Fensterscheiben hinunter. Auf einmal überkam ihn das Gefühl zu ertrinken. Abrupt stand er auf.
Er musste aus dieser Wohnung raus und eine Frau finden, die ebenfalls nach einem anonymen One-Night-Stand suchte.
Zehn Minuten später hatte er Jeans, T-Shirt und die abgewetzte Lederjacke angezogen, die er vor fünf Jahren, kurz bevor seine Geschäfte richtig Fahrt aufgenommen hatten, heiß und innig geliebt hatte.
Harris nahm die U-Bahn in die Innenstadt. Als er die Station verließ, war der Regen in ein leichtes Nieseln übergegangen. Er hatte keine Ahnung, wohin er ging, aber es fühlte sich gut an, ohne den Schatten seiner Sicherheitskräfte über den Bürgersteig zu schlendern. Später würde er dafür eine Rüge bekommen, doch schließlich war er der Chef, und für das, was er plante, brauchte es nur zwei Menschen. Außerdem war das Risiko gering, dass ihn jemand erkannte.
Nicht, dass er nicht seinen Anteil an weiblicher Aufmerksamkeit bekam.
Mehr als genug, schoss es ihm durch den Kopf, während er an zwei Frauen vorbeikam, die beide gleichzeitig zu ihm hinübersahen. Ein Lächeln erschien auf ihren Lippen und sein Puls beschleunigte sich.
Attraktiv, dachte er im Weitergehen, aber so ist es zu einfach. Er brauchte die Herausforderung. Etwas, worauf er sich konzentrieren konnte, um den Schmerz und den Frust in seinem Inneren zu vertreiben.
Unwillkürlich verlangsamte er seine Schritte.
In den folgenden Wochen würde er sich noch oft fragen, was ihn dazu gebracht hatte.
Von außen sah die Bar nicht gerade vielversprechend aus. Tatsächlich war sie kaum als solche zu erkennen. Die Tür befand sich am Ende einer Kellertreppe. Nirgends war ein Schild angebracht, weshalb er fast vorbeigelaufen wäre. Aber dann hörte er den leisen, stetigen Bass, der im Takt seines Herzschlags pulsierte.
Leichtfüßig tänzelte er die Treppe hinunter. Als er die Tür aufstieß, trafen ihn der Lärm und die Hitze wie eine Wand.
Die Bar war gerammelt voll.
An einem Ende des Raums direkt neben einer altmodischen Jukebox feierte eine Gruppe junger Frauen mit Schärpen und Teufelshörnern einen Junggesellinnenabschied. Auf der anderen Seite befand sich ein riesiger Bildschirm, um den sich eine weitere Gruppe, hauptsächlich Männer, geschart hatte und interessiert einen Boxkampf verfolgte. Der Titelkampf im Schwergewicht, erinnerte Harris sich. Kein Wunder, dass es hier so voll war.
Es war perfekt. Der Lärm, der Geruch nach erhitzten Körpern und billigem Alkohol, einfach alles. Und das Beste war, dass ihn niemand kannte. Hier, in dieser namenlosen Bar, existierten weder Vergangenheit noch Zukunft, nur eine Gegenwart voller Möglichkeiten.
Harris zögerte noch einen Moment, dann schloss er sich der verschwitzten Menschenmenge an, die auf einen Drink wartete. An diesem Punkt seines Lebens war das eine neue Erfahrung. Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal auf irgendetwas hatte warten müssen. Wenn man so reich war wie er, brauchte man nie zu warten. Türen öffneten sich, Tische wurden wie durch Zauberhand frei. Immer stand ein Wagen oder ein Jet bereit.
„Entschuldigung …“
Automatisch trat er zur Seite, um die Frau vorbeizulassen. Gleichzeitig führte sein Gehirn eine Bestandsaufnahme durch. Zierlich. Brünett. Smokey Eyes, nudefarbener Lippenstift. Stiefel mit kleinem Absatz, ein ärmelloses Blumenkleid, das Erinnerungen an die letzten Sommertage weckte, und – sehr markant – ein kleines Tattoo auf ihrer Schulter, das einen angebissenen Apfel darstellte.
Sie drehte sich zu ihm um. „Also, was willst du trinken?“
Ihre Stimme klang hell und heiser. Zunächst bezog er ihre Frage gar nicht auf sich. Er war zu sehr damit beschäftigt, ihren Akzent einzuordnen – definitiv Amerikanerin mit einer Färbung, die er nicht einordnen konnte. Britisch vielleicht?
Dann merkte er, dass sie ihn anschaute. Die Musik schien einen Takt auszusetzen, als ihre Blicke sich trafen.
Ihre Augen waren grün und schmal wie die einer Katze. Ungeduld spiegelte sich darin wider, wie ihm abrupt klar wurde, weil er schon zu lange damit beschäftigt war, ihre sinnliche Unterlippe zu bestaunen.
Er fühlte sich von dieser Frau angezogen, als würde er an einem Haken hängen, der von einem Fischer eingeholt wurde. Dich, dachte er, dich will ich. Auf einmal wurde ihm ganz heiß. Sein erster Gedanke war Empörung darüber, dass sie ihm das antun konnte … und dann auch noch so mühelos. Fast wollte er sie dafür bestrafen, dass sie ihm das Gefühl gab, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren.
Aber war es nicht genau das, was er heute Abend gesucht hatte?
Ja. Nur in seiner Fantasie hatte er sich die Sache anders vorgestellt. Er hatte Trost im Sex finden wollen – ein Mittel, um das Chaos in seinem Kopf zu lindern.
Er räusperte sich. „Möchtest du mir einen Drink ausgeben?“
Die Unbekannte zuckte mit den Schultern. „Du siehst aus, als könntest du einen vertragen. Und ich werde vor dir bedient, also dachte ich, ich biete dir einen an. Aber wenn du gern wartest …“
Viel Glück, dachte er, als sie sich unter seinem Arm hindurchduckte. Sie reichte ihm bloß bis zur Schulter, sodass ihre Chancen, die Aufmerksamkeit des Barmanns auf sich zu ziehen, gleich null waren. Während er …
„Einen San Alvaro. Und einen Coughlan.“
Obwohl sie die Stimme nicht erhoben hatte, vernahm er jedes ihrer Worte laut und deutlich. Auch der Barmann schien sie gehört zu haben, denn er blieb wie angewurzelt stehen.
Die Frau warf ihm einen Blick zu. „Letzte Chance.“
Seine Finger zuckten, als die Luft zwischen ihnen zu vibrieren begann.
„Dasselbe wie du“, sagte er.
Abschätzend und kritisch ließ sie den Blick über ihn gleiten. Und das war nicht mehr nur eine neue Erfahrung, sondern eine Herausforderung.
„Machen Sie zwei daraus.“ Sie hatte sich wieder der Bar zugewandt, und Harris nutzte die Gelegenheit, um ihre dunklen seidigen Haare zu bewundern. Er versuchte sich vorzustellen, wie sie aussah, wenn sie nichts außer den Stiefeln...




