Fuchs | Mord macht keine Ferien | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten

Reihe: Mysteriöse Todesfälle auf Schloss Bucheneck

Fuchs Mord macht keine Ferien

Kriminalroman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8412-3876-4
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten

Reihe: Mysteriöse Todesfälle auf Schloss Bucheneck

ISBN: 978-3-8412-3876-4
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein neues Jahr, eine neue Leiche.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. So auch über die Werke, die anlässlich einer regionalen Kunstausstellung ihren Platz im Schlosspark von Schloss Bucheneck finden. Lotte Hansen nimmt's mit Humor. Als sie am Eröffnungsabend durch den Park spaziert, hört sie ein lautes Krachen. Eine riesige Installation aus Glas liegt in Scherben. Darunter begraben der Künstler selbst. Die Polizei geht von einem Unfall aus, doch Lotte ist sicher: Das war Mord ... 



Marie-Christin Fuchs ist seit Jahren unter verschiedenen Pseudonymen erfolgreich als Krimiautorin tätig. Sie lebt und arbeitet in Hamburg und hegt eine große Leidenschaft für Miss Marple, die Golden Girls und guten Kaffee. Die Bücher rund um mysteriöse Todesfälle auf Schloss Bucheneck ist ihre erste in Deutschland spielende Reihe - und eine Verneigung vor den unermüdlich neugierigen, cleveren und wunderbaren alten Menschen, die ihren Lebensweg gekreuzt haben.
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Schloss Bucheneck leuchtete in der klaren Junisonne, und Selin atmetet tief durch. Was für ein schöner und doch merkwürdiger Ort. Normalerweise war die Ankunft an einem Tatort immer mit Beklemmung oder Angst verbunden. Und der Schreck von der Vollbremsung steckte ihr auch noch in den Knochen. Selin wusste, dass sie gleich den Tod sehen würde – und nicht in seinem friedlichen Gewand. Doch Bucheneck mit seinem Park und den geputzten Schlossfenstern, seinen Giebeln und Nischen schien wie seltsam unberührt von dem, was rundherum geschah. Wie ein Mensch, der einfach schon so viel Gutes wie auch Böses gesehen hatte, dass er beidem mit der gleichen Gelassenheit begegnete.

Durch ihre Freundschaft zu Lotte und den anderen und durch die Arbeit von Jenny und Jaro wusste sie mittlerweile mehr über die Geschichte des Hauses. Mit seinen fast 140 Jahren war es zwar alt, aber nicht so alt, wie es auf den ersten Blick schien. Der Architekt hatte es auf Wunsch des Bauherrn 1890 im Stil eines Jagdschlosses des frühen 19. Jahrhunderts angelegt – also im Endeffekt etwas gebaut, was älter aussah, als es war. Selin hatte der Erklärung neugierig zugehört und dabei lächelnd an das Schloss gedacht, das sie vor Jahren bei ihrem Besuch in Disneyland in Paris gesehen hatte. Beide waren auf eine ähnliche Art und Weise nicht echt, mehr Kulisse als Zeugnis einer Zeit. Der erste Besitzer ging in der Weltwirtschaftskrise bankrott, und das Haus wurde von einem Naturfreudenverein – Turnen, Tanz und Freikörperkultur – gekauft und einige Jahre als Ferienheim genutzt. Selin kannte Bilder und Filmaufnahmen aus der Zeit und stellte sich daher immer eine Gruppe nackter Menschen vor, die sich auf den Wiesen im Park lächelnd und hüpfend Bälle oder Keulen zuwarfen. Wahrscheinlich ein Klischee, aber eines, das sie zum Schmunzeln brachte. Doch mit dem Tanzen war schnell wieder Schluss, denn 1935 wurde das Schloss von Nationalsozialisten übernommen und offiziell als Ausbildungskrankenhaus für Militärärzte genutzt. Was genau im Krieg auf Bucheneck passiert war, wurde gerade erst, zum Unmut vieler Bewohner der Region und auch der Freifrau selbst, erforscht. Es war wie überall – alle waren froh, wenn sich die Vergangenheit unter einer dicken schwarz-weißen Glasur verstaubter Bilder versteckte und nicht wieder ausgegraben wurde. Bucheneck war bei Kriegsende ein Lazarett gewesen, und die Gräber auf dem kleinen Soldatenfriedhof im Osten des Schlosses legten davon Zeugnis ab. In der DDR wurde es dann umfunktioniert zu einer kleinen Kur– und Lungenklinik für wichtige Politfunktionäre – wobei wahrscheinlich ein Großteil der Patienten eher an »Nervenleiden« denn an Atemnot litt. Schon zu DDR-Zeiten wurde die Klinik geschlossen, und das Schloss stand leer. Nach der Wende gab es den ersten Versuch einiger engagierter Bewohner des nahe gelegenen Dorfes, das Schloss mit einem Verein zu übernehmen und zu einem Kulturzentrum umzubauen. Das scheiterte daran, dass eine Investmentfirma der Gemeinde ein lukratives Kaufangebot machte, das diese nicht ausschlagen konnte. Kurz nach dem Kauf ließ die Firma das Schloss, das dazugehörige Gutshaus und sämtliche Nebengebäude in Rekordgeschwindigkeit entkernen und teilsanieren, um möglichen Auflagen des Denkmalschutzes zu entgehen.

2017 kaufte es die Sonneborn AG und baute in das Haupthaus mehrere großzügige Wohneinheiten für Senioren. Das zum Jagdschloss gehörende Gutshaus mit seinen Stallungen wurde zeitgleich in ein Hotel mit Restaurant, Tagungsräumen und einem großen Festsaal ausgebaut. Wie immer, wenn Selin sich die Geschichte des Schlosses vor Augen führte, fühlte sie sich wie eine Schülerin, die sich auf ein Referat vorbereitete. Nur dass sie durch die beiden Erzählungen von Lotte ein viel besseres Gefühl dafür bekommen hatte, was in den letzten 140 Jahren eigentlich alles passiert war.

Lotte Hansen hatte ihr das alles erzählt, und auch von dem Tag, an dem sie und ihr Mann Hannes das halb zerfallene und mit Brettern vor den Türen und Fenstern vernagelte Schloss zum ersten Mal gesehen hatten. Und als Hannes’ Krankheit immer sichtbarer wurde, hatte es ihnen ein neues Zuhause geschenkt. In das ganz zufälligerweise auch Lottes und Hannes’ beste Freunde einzogen.

Auf jeden Fall hatte das Schloss in seinen vielen Jahren schon so viel Tod und Leid, aber auch Leben und Freude gesehen, dass die Leiche in seinem Park es seltsam unberührt ließ. Selin wusste, dass sie hingegen trotz ihrer vielen Jahre Erfahrung niemals unberührt auf ein Opfer sehen konnte – und wollte. Der Tag, an dem es sie nicht mehr erwischte, an dem sie nicht mehr betroffen sein und auch wütend auf den Körper eines Menschen blicken würde, dessen Leben gewaltsam ausgelöscht worden war, wäre ihr letzter bei der Mordkommission. Es war eben nicht nur irgendein Job. Alexander hatte sie dafür als »naive Idealistin« beschimpft – was nur ein weiteres Indiz dafür war, wie wenig er sie eigentlich gekannt hatte. Wie wenig sie sich beide gekannt hatten, denn Selin hätte nie geglaubt, dass ihr Mann eines Tages so über sie denken könnte.

Also wappnete sie sich, um der Gefühle, die gleich auf sie einströmen würden, Herrin zu werden und sie in die richtigen Bahnen zu lenken. Sie zu benutzen als Antrieb, um ihren Teil dazu beizutragen, die Welt gerechter zu machen. Denn daran glaubte sie.

* * *

Anna Gruber, die ihr schon im letzten Jahr mit ihrer Ruhe und Sorgfalt aufgefallen war, stand am Rande des Parks und schrieb in ihr Notizbuch. Alles festhalten, so zeitnah wie möglich. Das galt nicht nur für die Aussagen von Zeugen, sondern auch für die eigenen Beobachtungen und Gedanken. Selin ging zu ihr, nickte ihr zu und beobachtete dann kurz das Treiben rings um den Tatort. Das erste Team der Spurensicherung war eingetroffen und begann damit, alles abzusperren und mit kleinen Metallstangen, an denen verschiedenfarbige Fähnchen befestigt waren, die Zugangswege zu kennzeichnen.

»Was wissen wir bisher?«

Die Frage, mit der immer alles begann.

»Das Opfer heißt Tim Räuber. Professor für Bildende Kunst in Berlin. Er ist einer der Künstler, die hier ihre Werke aufgebaut haben.«

Anna Gruber sprach vom Opfer in der Gegenwart, nicht in der Vergangenheit, was Selin gefiel. So wurde der Tote gefühlt nicht weiter weggerückt, sondern blieb nah bei ihnen. Sie würde versuchen, das in Zukunft ebenso zu machen.

»Heute um 15 Uhr sollte die Ausstellung eröffnet werden. Nach Aussagen mehrerer Zeugen stand Tim Räuber um 13:16 unter seinem Kunstwerk, das aus einigen großen Glasgebilden auf diesen Metallstangen dort bestand. Ich habe ein Foto, das mir eine der anderen Künstlerinnen zugeschickt hat, auf dem man das Kunstwerk sieht.«

Anna zeigte Selin das Bild auf ihrem Handy.

»Er hatte ein großes Tuch in der Hand und polierte die glänzenden Flächen. Mir wurde gesagt, dass viele seiner Werke mit spiegelnden Flächen arbeiten. In seinem Eintrag bei Wikipedia steht mehr dazu.«

»Ein Eintrag bei Wikipedia? Ein echter oder einer von diesen selbst geschriebenen?«

»Ein echter, glaube ich. Er ist ziemlich bekannt, es tauchen auch viele andere Artikel über ihn auf.«

Selin wusste, dass in Rostock schon die Kolleginnen dabei waren, die Hintergründe des Opfers zu klären. Es war schön und gut, dass sie mithilfe des Internets schnell an erste Informationen kamen, aber sie durften auch nie vergessen, dass das Internet kein Ort der reinen Fakten war. Schon gar nicht, wenn es um Personen ging, die in der Öffentlichkeit standen.

»Um die Flächen zu polieren, musste er wohl auch unter die Würfel treten. Dann hörten die Zeugen ein lautes Krachen und Scheppern. Die Würfel sind zersprungen, warum oder wie, wissen wir noch nicht.«

Ob er wohl noch Zeit gehabt hatte zu merken, was passieren würde?

»Hat jemand das Opfer schreien gehört?«

»Nein, er scheint völlig still gewesen zu sein. Die Notärztin meinte, die Scherben hätten in Bruchteilen einer Sekunde mehrere lebensnotwendige Organe durchbohrt und vor allem die Bauchaorta durchtrennt. Er ist verblutet.«

Anna Grubers Stimme merkte man ihre Betroffenheit an. Und das wusste Selin sehr wohl zu schätzen. Sie mochte keine Kollegen, die versuchten, immer so unbeteiligt wie möglich zu wirken. Der Tod, der gewaltsame Tod eines anderen...



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