Fuchs | Abbild der Vergangenheit | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 298 Seiten

Fuchs Abbild der Vergangenheit


Erstauflage 2022
ISBN: 978-3-96074-527-3
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 298 Seiten

ISBN: 978-3-96074-527-3
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



In einen Jungen verliebt zu sein, den sie jahrelang nicht gesehen hat, ist bis zur zehnten Klasse Meikes einziges Problem. Doch als sie am eigenen Leibe erfährt, dass jemand sie umbringen will, wird ihre kleine heile Welt auf den Kopf gestellt. Nicht nur sie schwebt von da an in Gefahr, sondern auch ihre Freunde. Und obwohl ihre Eltern offensichtlich etwas über ihren vermeintlichen Stalker wissen, verraten sie ihr nichts. Stattdessen halten sie Meike wie in einem goldenen Käfig gefangen. Kein Wunder also, dass sie auf eigene Faust ermitteln will. Sie nimmt sich vor, zusammen mit ihren beiden besten Freunden herauszufinden, was hinter ihrem Rücken geschieht. Wäre da nur nicht dieser neue Mitschüler Felix, der genauso aussieht wie ihre große Liebe Leon dieser Typ ist nämlich eine riesige Ablenkung ...

Maron Fuchs wurde 1995 geboren und kommt aus Bayern. Derzeit studiert sie in Bamberg Gymnasiallehramt für Latein und katholische Religion.
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*

Kapitel 1:


Auseinandergerissen


„Ich … ich … hab mich … in dich verliebt, Meike.“

Am liebsten hätte ich geheult. Das durfte doch nicht wahr sein. Nicht er! Jeder, aber doch nicht mein bester Freund!

„E-es, es tut mir leid, Noah“, stammelte ich. „Aber ich … ich kann deine … Gefühle nicht erwidern …“

Noah fasste sich mit einer Hand an den Hinterkopf und brachte sein braunes Haar dabei durcheinander. „Oh, okay ... Verstehe ... Äh, dann vergiss das einfach“, murmelte er hektisch. „Wir, ähm … sehen uns nach der Mittagspause …“ Eilig stapfte er davon, zurück in die Mensa.

Ich ließ den Kopf hängen. So ein Mist. Dass ausgerechnet mein bester Freund so etwas zu mir sagen würde, hätte ich nie gedacht. Verunsichert schaute ich Noah hinterher, dann wandte ich den Blick ab. Helles Licht schien durch die langen Fenster in den Gang. Es war nun Anfang Mai und der Schulgarten, den ich von hier aus sehen konnte, bot ein herrliches Bild. Doch die vielen Blumen heiterten mich gerade nicht auf.

Frustriert raufte ich mir die langen rotbraunen Locken. Wieder ein Tag, an dem ich die Geschehnisse hier verfluchte. Ich ging zwar auf die größte und teuerste Privatschule der Stadt, die Christophorus-Schule, aber ich war froh, dass ich sie nicht mehr lange besuchen musste. Ich war nun 16 Jahre alt und in der zehnten Klasse, also sollte ich in zwei Jahren mein Abitur haben. Wenn ich nicht aus lauter Verzweiflung schon vorher aus der Schule flüchtete.

Im Großen und Ganzen verstand ich mich gut mit meinen Mitschülern, doch in letzter Zeit häufte es sich, dass mich die Jungs aus meinem Jahrgang nach Dates fragten. Inzwischen machte ich mich ziemlich unbeliebt, weil ich bisher immer abgelehnt hatte. Denn ich war sicher, dass sich diese Kerle einen schlechten Scherz mit mir erlaubten, vielleicht sogar darauf gewettet hatten, mit wem ich ausgehen würde. Außerdem gab es für mich nur den einen. Auch wenn ich ihn vielleicht nie wiedersehen würde …

Hastig schüttelte ich den Kopf, um diese finsteren Gedanken zu vertreiben.

„Meike, wo bleibst du denn?“, rief mir plötzlich jemand über den langen Gang zu, sodass ich mich umdrehte. Meine beste Freundin Elisa lief zu mir. „Warum kommst du nicht in die Mensa? Und was hast du mit Noah besprochen? Ich hab ewig auf dich gewartet!“

Halbherzig zog ich einen Mundwinkel hoch. „Es ist schon wieder passiert“, erklärte ich.

Sie zupfte an ihrer dunklen Bluse herum, die perfekt zu ihrem blonden Pferdeschwanz passte. An der Christophorus gab es zwar keine Uniform, doch die Schulleitung hatte sehr deutlich gemacht, wie viel Wert auf eine gehobene Garderobe gelegt wurde. Deswegen zogen die Jungs meistens Hemden oder Poloshirts an, die Mädchen Blusen oder Kleider. Ich war nur froh, dass die Lehrer uns nicht schon für das Tragen von Jeans ermahnten.

„Sag bloß, dieses Mal hat Noah dir seine Liebe gestanden?“, fragte sie. „Oje … Dabei wart ihr doch Freunde …“

„Sind wir immer noch“, entgegnete ich. „Hoffentlich ...“

„Aber warum hast du nicht zugestimmt?“, wollte sie wissen. „Ich dachte, du magst ihn. Auch wenn er ein arroganter Depp ist. Dann hätte der Ansturm der Geständnisse an dich bestimmt aufgehört.“

„Das kann ich nicht machen“, seufzte ich, ohne auf ihre Beleidigung für Noah einzugehen. Ich wusste ja, wie schlecht sich die beiden verstanden. „Ich kann nicht mit jemandem ausgehen, den ich nicht … auf diese Art mag. Einerseits will ich mich nicht selbst belügen, andererseits wäre es ihm gegenüber unfair.“

Wir setzten uns nun in Bewegung, um vor dem Nachmittagsunterricht noch etwas zu essen. „Aber du wirst immer öfter von Jungs gefragt. Ist da denn niemand für dich dabei?“

„Nein, niemand.“ Ich befürchtete ja, dass sie ein Spiel daraus gemacht hatten, wer mich herumkriegte, weil ich jeden abblitzen ließ und bekanntlich als einziges Mädchen in der Klasse noch keinen Freund gehabt hatte. Aber diese Vermutung äußerte ich lieber nicht laut.

„Warum eigentlich?“, wunderte sich Elisa. „Das hast du mir nie gesagt! Gibt es etwa schon einen anderen?“

Ich biss die Zähne zusammen und überlegte, ob ich ihr das erzählen sollte. Klar, sie war meine beste Freundin, aber ich redete nicht gerne darüber, was vor meinem Umzug nach Meridenau passiert war. Ich hatte seit damals nicht mehr darüber geredet.

Meine Familie war erst vor vier Jahren in diese Großstadt gezogen. Meine Mutter hatte sich hier einen Namen als Anwältin gemacht, mein Vater leitete ein Reisebüro und mein fünfjähriger Bruder Paul ging noch in den Kindergarten. Inzwischen waren Elisa und ich bei der Essensausgabe angekommen und standen in der Warteschlange. Ich nahm ein Tablett vom Stapel und ließ mir von unserer netten Köchin das nächstbeste Menü geben, das auf der Karte stand. Hauptsache irgendwas, um den Tag zu überstehen. Auch Elisa hatte etwas zu essen bekommen, dann suchten wir uns einen freien Platz. Fast alle Tische in der Mensa waren besetzt, die großen Fenster wurden zur Hälfte von Jalousien verdeckt, damit die Schüler nicht geblendet wurden. Einige aßen, andere machten Hausaufgaben oder unterhielten sich. „Jetzt sag schon“, drängelte Elisa. „Bist du etwa schon verliebt? Raus mit der Sprache, bitte!“

Ich wollte meine beste Freundin nicht anlügen. „Ja“, gab ich zu. Und da ich schon wusste, was die nächste Frage wäre, fügte ich hinzu: „In Leon.“

Ihre Augen weiteten sich, mit dieser Neuigkeit hatte sie wohl nicht gerechnet. „Leon? Der Spinner aus unserer Klasse? Ernsthaft?!“

„Nein, nicht der!“ Ich schüttelte heftig den Kopf. Sie redete vom schmächtigen, hellblonden Leon Braun, ich sprach von einer ganz anderen Person. „Jemand, den ich von früher kenne.“

„Erzähl mir alles“, forderte sie mich auf. „Von der Geschichte hab ich noch nie gehört, wieso hast du denn nie was gesagt?“

Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir genug Zeit hatten, bis der Unterricht wieder begann. Nur wollte ich mich nicht an diese Geschichte erinnern, denn sie machte mich verdammt traurig. Vor allem, weil ich nichts daran ändern konnte. Aber vielleicht fühlte ich mich besser, wenn ich meine beste Freundin einweihte …

Einen Versuch war es wert.

Ich sah in Elisas blaue Augen, die mich erwartungsvoll musterten. „Okay. Ich erzähl es dir, aber tu mir einen Gefallen. Sag es niemandem, erst recht nicht den Jungs hier.“ Mir war es lieber, meine Mitschüler machten sich weiterhin einen Spaß daraus, dass ich mit niemandem ausging, als dass sie den Grund dafür kannten.

Sie nickte entschlossen. „Versprochen!“

Ich lächelte schief. „Na gut. Vor vier Jahren bin ich mit meiner Familie hierhergezogen. Davor haben wir in Puros gewohnt.“

„Das sagt mir gar nichts“, murmelte sie.

„Ist ja auch ein Kuhdorf am Ende der Welt“, lachte ich. „Der Umzug war echt die Hölle – mein kleiner Bruder ist damals erst ein Jahr alt gewesen und hat die ganze Zeit gebrüllt. Aber das Schlimmste war, zu wissen, dass ich Leon wohl nie wiedersehen würde.“ Sofort war Elisa Feuer und Flamme, was mich etwas irritierte.

„Das klingt so dramatisch! Wie eine verbotene Liebe!“

Ich schmunzelte. „Nicht ganz.“

„Okay, erzähl weiter!“, forderte sie mich auf. Am Nebentisch ließ jemand eine Gabel auf den Boden fallen, es schepperte leise, dann kicherte ein Mädchen an dem Tisch. Ich fand es gut, dass gerade jeder mit sich selbst beschäftigt war. Keiner beachtete Elisa und mich, keiner lauschte. Noah saß bei ein paar Freunden am anderen Ende der Mensa und stocherte lustlos in seinem Salat herum. Auch sein Stück Lasagne lag unangetastet auf dem Teller vor ihm. Ich wandte schnell den Blick von ihm ab und verdrängte mein schlechtes Gewissen weitestgehend. So ein blöder Tag. Erst verletzte ich meinen besten Freund und jetzt kramte ich eine so deprimierende Geschichte aus. „Na ja, das erste Mal habe ich Leon vor … knapp zehn Jahren getroffen. Da war ich sechs und bin zum ersten Mal allein unterwegs gewesen. Ich wollte nur etwas durchs Dorf laufen, aber dann hab ich diese großen Felder gesehen und bin weitergegangen. Bis ich keinen Plan mehr hatte, wo ich war …“

„Wie süß“, kicherte Elisa. „Du hast dich verlaufen?“

Ich nickte. „Total. Und damals war ich so ein Feigling, dass ich mich nicht getraut hab, irgendjemanden nach dem Weg zu fragen. Ich hab sowieso niemanden getroffen, und an wildfremden Türen wollte ich nicht klingeln. Eigentlich ist das ja total peinlich“, lachte ich. „Ich hab weinend am Wegrand gesessen und gehofft, dass meine Eltern mich finden.“

„Ach komm, du warst sechs, da darf man so was noch“, beruhigte sie mich.

Ich musste lächeln. „Tja, und dann hab ich Leon getroffen. Oder besser gesagt, er hat mich gefunden. Damals kam er mir vor wie ein Held.“

Sie grinste. „Wie sieht er denn aus?“

Typisch, dass sie das am meisten interessierte. Genau so...


Fuchs, Maron
Maron Fuchs wurde 1995 geboren und kommt aus Bayern. Derzeit studiert sie in Bamberg Gymnasiallehramt für Latein und katholische Religion.



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