E-Book, Deutsch, 348 Seiten
Fritsche Jerome
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7528-8067-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 348 Seiten
ISBN: 978-3-7528-8067-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als gebürtiges Essenerin erblickte ich im Jahr 1971 das Licht der Welt. Schon während der Schulzeit galt mein besonderes Interesse dem Geschichten erfinden und - schreiebn, sowie dem Theaterspielen. Nach Abschluß der mittleren TReife erlernte ich den Beruf der Floristin. Geheiratewt habe ich 1991. Meine beiden Söhne wurden 1992 und 1994 geboren. 1996 startete ich meinen ersten Versuch dieses Buch zu schreiben. 2004 habe ich es dann zum ersten mal überarbeitet, 2010 in der vorliegenden Fassung noch einmal überarbeitet und erweitert. Ich wünsche dem geschätzen Leser nun viel Spaß!
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Teil 2
Müller-Bergau
1
Ich landete also im Gefängnis. Bereits am nächsten Morgen wurde ich dem Haftrichter vorgeführt. Ich gestand den Mord und sagte dem Richter auch, das ich bereit sei, als Kronzeuge gegen meinen Großvater und Vater auszusagen, die in Sizilien seien (was zumindest auf meinen Vater in diesem Moment nicht ganz zutraf) und mir als Hintermänner den Mordauftrag gegeben hatten. Mein Vater besorgte mir meinen Anwalt. Dabei schaffte er es sogar, dass es so aussah, dass mich Herr Rupold wieder vertreten wollte, obwohl es dieses mal nur allzu deutliche Beweise und sogar mindestens einen Zeugen gab. Doch sie und ich wissen es besser – es war klar, dass er mich vertrat. Doch Tamara brauchte das Intrigenspiel, welches mein Vater ausgeheckt hatte ja nicht schon von Anfang an zu durchschauen. Kaum hatte mein Vater den Anwalt für mich gewonnen, setzte er sich in den nächsten Flieger nach Palermo, noch bevor ihn irgendjemand oder irgendetwas daran hindern konnte.
Ich hatte mit größter Sorgfalt darauf geachtet, von jemandem bei der Tat gesehen zu werden. Wie sich später herausstellte, gab es sogar insgesamt drei Zeugen für mein Verbrechen. Als ich mich mit Herrn Rupold unterhielt, teilte ich ihm nicht nur meine ganze Geschichte mit (er war sehr schockiert als er die volle Wahrheit erfuhr, denn mein Vater hatte damals nur das wenigste erzählt, vieles erlogen und das meiste verschwiegen), sondern sagte ihm auch, ich wolle als Kronzeuge gegen meinen Großvater und meinen Vater aussagen, wenn dabei für mich genug herausspringen würde. „Was verlangen sie denn?“, fragte er mich und ich sagte ihm: „So genau weiß ich das selber auch noch nicht. Aber es muß sich für mich lohnen. Ich habe eine junge Familie. Da wäre ein Freispruch nicht verkehrt, oder?“ „ Das wird wohl nicht ganz zu machen sein. Bedenken sie, Herr Calloni, das sie einen Mord begangen haben – kaltblütig.“ Antwortete mir der Anwalt.„Im Auftrag der Mafia. Die ich bereit bin – ganz im Gegensatz zu meiner sonstigen Überzeugung – zu verraten. “ „Ich denke, ich kann den Staatsanwalt auf vielleicht zehn Jahre drücken.“ Er versprach mir, dass er sein möglichstes tun wollte und sich als erstes den Staatsanwalt und den Richter vornehmen und mit ihnen sprechen würde. Damit musste ich mich also zunächst einmal begnügen.
Tamy kam am nächsten Morgen. Sie sagte mir, Herr Rupold sei gerade beim Staatsanwalt um für mich einen Vergleich auszuhandeln. „Wann werden die beiden wohl zu einem Ergebnis kommen?“ fragte Tamy mich. Ich konnte als Antwort auf ihre Frage nur den Kopf schütteln. „Ich weiß es leider nicht, meine Schöne. Ich hoffe, die zwei kommen schnell zu einer Einigung. Und hoffentlich sieht die dann auch wirklich gut für uns aus. Allmählich glaube ich nicht mehr, dass ich den richtigen Weg gewählt habe, um aus der Angelegenheit raus zu kommen. Vielleicht wäre es besser gewesen, statt diesen letzten Typen umzulegen, lieber drei Kugeln an gewisse Familienangehörige zu verschwenden. Dann wäre ich sie auch los gewesen. Aber ich säße nicht hier. Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich immer mehr davon überzeugt, das es tatsächlich besser gewesen wäre, wenn ich meine eigenen Leute um die Ecke gebracht hätte.“ Ich spielte meine Rolle perfekt. Doch es tat mir von Herzen leid, Tamara so im Unklaren zu lassen. „So etwas darfst du nicht einmal denken, Jerome!“ Tamara war sichtlich entsetzt darüber, das ich es tatsächlich in Erwägung zog, Mitglieder meiner eigenen Familie zu töten. Vielleicht vermutete sie, wenn ich meinen Vater töten könnte, wäre ich auch in der Lage eines Tages ihr oder den Kindern etwas anzutun. Aber ich weiß, es wird niemals soweit kommen. „ Ich weiß nicht was du eigentlich willst, Tamara“, antwortete ich, als sie sich wieder ein wenig beruhigt hatte. „Glaubst du vielleicht, die lassen mich in ein paar Tagen hier heraus spazieren, drücken mir lächelnd die Hände und sagen zu mir: `Danke das sie es uns durch ihre Kronzeugenaussage ermöglicht haben, zwei Mafiosi der übelsten Sorte hinter Gitter zu bringen. Und nun bleiben sie hübsch anständig und bringen niemanden mehr um. Einen schönen Tag, auf Wiedersehen´? Und das, ohne zu berücksichtigen, dass ich selbst einer davon bin? Was glaubst du wo wir hier sind? In Disneyland? Mädchen, wach auf! Ich sitze hier im Gefängnis und bin angeklagt wegen Mordes! Und wenn ich gegen meine Leute aussage, gestehe ich noch ein paar Morde mehr! Wenn ich Glück habe und Rupold nicht nur ein guter Anwalt sondern auch noch ein guter Überredungskünstler ist, komme ich im günstigsten Fall mit vielleicht zehn oder zwanzig Jahren davon. Unsere Kinder werden erwachsen sein und haben womöglich sogar schon eigene Kinder, bevor ich hier wieder raus bin - wenn ich überhaupt noch mal hier raus komme. Ach, Scheiße ! Jetzt ist sowieso alles zu spät. Ich hätte mir solche Gedanken besser schon vor einigen Jahren durch den Kopf gehen lassen sollen.“ Entnervt raufte ich mir durch meine langen Haare. Ich war ziemlich aufgelöst wegen dieser ganzen Geschichte und ließ meinen Unmut nun an meiner Süßen aus.
Nach diesem Gefühlsausbruch sah Tamara mich lange erschrocken an. Ich glaube, ihr wurde erst jetzt richtig klar, mit welcher menschlichen Bestie sie all die Jahre das Bett geteilt hatte. Vielleicht war ich tatsächlich ein guter Ehemann und Vater gewesen - aber ich war ganz gewiß kein guter Mensch. „Jerome, meinst du das im Ernst? Du glaubst wirklich, die lassen dich hier erst wieder raus, wenn du alt und grau bist?“ „Ohne die Kronzeugenaussage bekomme ich für den einen Mord zwischen zehn Jahren und lebenslänglich, soll heißen: fünfzehn Jahre. Ich habe keinen blassen Schimmer, was mich erwartet, wenn ich aussage und damit noch einmal einige weitere, vorsätzlich umgenietete, Leichen aus meinem Keller ans Licht hole. Immerhin gehen aufgrund meiner Aussage zwei Schwerverbrecher für eine lange, lange Zeit in den Bau.
Du weißt, das Rupold die ganze Geschichte inzwischen kennt. Ich habe ihm gestern alles erzählt. Er weiß, dass ich nach Ginas Tod aussteigen wollte. Vielleicht bekomme ich ja mildernde Umstände: immerhin wurde ich erpreßt. Hätte ich nicht weiter gemacht, wären wahrscheinlich einmal meine eigenen Eingeweide von einer Bleikugel besucht worden. Und später hättest du oder die Kinder dran glauben müssen. Aber ob ich irgendwelche Vergünstigungen dieser Art kriege, hängt allein von Rupolds Überzeugungskraft ab. Alles, was wir im Augenblick noch tun können, ist beten, mein Engel. Und ich hoffe wirklich, das dein Draht zum lieben Gott etwas heller glüht als meiner.“ Fassungslos über meine Darlegung sovieler schrecklicher Tatsachen starrte Tamara ins Leere.
Sie können mir glauben, in der darauf folgenden Nacht habe ich mir die Finger wund gebetet. Aber noch war es Tag und am späten Nachmittag kam endlich mein Verteidiger um mit mir zu sprechen. „Ich kann ihnen leider noch nichts genaues sagen, Herr Calloni“, begann er vorsichtig. „Ich habe mit dem zuständigen Staatsanwalt, Herrn Müller-Bergau, gesprochen und ihm die ganze Geschichte erzählt, wie ich sie von ihnen gehört habe. Leider hat er sich noch überhaupt nicht dazu geäußert, was er im Falle einer Kronzeugenaussage dem Richter als angemessenes Strafmaß für sie vorschlagen wird. Alles, was er bisher von sich gegeben hat war ein heftiges Räuspern, welches gleich darauf in einen Hustenanfall überging, der so stark war, dass ich glaubte, der gute Mann ersticke gleich daran. Herr Müller-Bergau macht auf mich einen sehr besonnenen Eindruck. Wahrscheinlich will er erst einmal eine Nacht darüber schlafen, bevor er in ihrer Sache etwas sagt. Ich halte das eher für ein gutes Zeichen.“ „Warum sagen sie nicht gleich, dass unsere Chancen auf ein geringes Strafmaß beschissen stehen?“, fragte ich ihn ein bißchen unwirsch. Die ganze Angelegenheit zerrte allmählich an meiner Substanz. „Ich versuche ihnen gerade klar zu machen, dass ich nicht die geringste Ahnung habe, wie unsere Chancen stehen. Wie ich schon sagte, hat der Staatsanwalt seine Backen nicht auseinander bekommen.“ Bei diesem Ausspruch meines Anwalts mußte ich doch lachen. Einen solchen Satz hätte ich nicht von ihm erwartet. Herr Rupold war ein sehr eleganter und vornehmer Herr. Immer bis aufs i-Tüpfelchen perfekt gekleidet und bevorzugte sonst nicht den Umgangssprachton sondern drückte sich immer sehr gewählt aus. Auch sein äußeres Erscheinungsbild vermittelte, wie gesagt, nicht unbedingt den Eindruck, er kenne sich mit dem Straßenjargon gut aus. „Ich habe ihm vorgeschlagen, wenn sie als Kronzeuge aussagen, das Strafmaß auf zehn Jahre Freiheitsentzug festzulegen. Sie werden selbst zugeben, das dies unter ihren Umständen das Beste ist, was sie erwarten können“, endete er. „Zehn Jahre“, antwortete ich niedergeschlagen. „Was haben sie denn erwartet? Mehr konnte ich Herrn Müller-Bergau wirklich nicht zumuten. Ich habe meinen Antrag damit begründet, das sie von ihrer Familie erpresst wurden und nur aus Sorge um ihre Frau und ihre Kinder sich dem Willen ihres Vaters unterworfen haben. Ich weiß aber nicht, inwiefern dies Eindruck auf Müller-Bergau gemacht hat und seine Entscheidung beeinflussen wird. So, nun muss ich aber los. Meine Frau wartet mit dem Essen auf mich. Sobald ich etwas Neues erfahre, melde ich mich bei ihnen.“ Daraufhin verließ er den Besuchsraum. Ich beneidete ihn darum, dass er zu seiner Frau gehen konnte, mit ihr zu Abend essen und mit ihr reden (und sogar mit ihr schlafen) konnte. Ich würde das eine lange Zeit...




