Freyberger / Dilling | Fallbuch Psychiatrie | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 456 Seiten

Freyberger / Dilling Fallbuch Psychiatrie


2. aktualisierte und ergänzte Auflage 2014
ISBN: 978-3-456-95304-5
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

E-Book, Deutsch, 456 Seiten

ISBN: 978-3-456-95304-5
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



In diesem Band haben Experten aus Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychosomatik 55 ebenso interessante wie spannende Kasuistiken zusammengestellt, anhand derer die diagnostischen Prinzipien, Konzepte und Modelle illustriert werden. Zu den wichtigsten diagnostischen Kategorien finden sich umfassende Falldarstellungen, im Anschluss werden die Diagnosen und Differenzialdiagnosen gemäß aktuellen Diagnoseschlüsseln erläutert und therapeutische und prognostische Aspekte diskutiert. Für die Neuauflage wurden alle Falldarstellungen und Diagnosen vor dem Hintergrund aktueller klassifikatorischer Diskussionen zu ICD-10 und DSM-5 überarbeitet und neue Fälle hinzugefügt.

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Zielgruppe


Psychiater, Psychotherapeuten

Weitere Infos & Material


1;Fallbuch Psychiatrie;1
1.1;Inhaltsverzeichnis;6
1.2;Vorwort der Herausgeber;10
2;1. Survival-Training;12
3;2. Der Mann ohne Gedächtnis;20
4;3. La Bella;30
5;4. Der Junge, der nicht aufhören kann, sich zu waschen;40
6;5. Die Amputation;48
7;6. Vom Leid mit Lust und Liebe;60
8;7. Zerstörung als Ausweg;70
9;8. Der alte Mann und die große Eisenbahn;80
10;9. Hilfe Anfälle, bitte kommen Sie sofort!;88
11;10. Mein Arm, mein Herz, mein Verstand;94
12;11. Ölbefleckte Tugend;102
13;12. Der Sammler;112
14;13. Ein von Narben gezeichnetes Leben;120
15;14. Die Frau mit dem Traumgewicht;128
16;15. Auserwählt, das Paradies auf Erdenzu schaffen;136
17;16. Liegend bin ich bedeutsam;142
18;17. Angst, Herz, Panik;150
19;18. Ein Mann auf Bewährung;162
20;19. Zu Tode betru¨bt – himmelhoch jauchzend;172
21;20. Hungern als Lösung;180
22;21. Welch ein Kribbeln und ein Krabbeln;188
23;22. Sprachlos;194
24;23. Überdrehen oder wegbröckeln;200
25;24. Wieder einmal zwischen den Stu¨hlen;208
26;25. Hinaus ins feindliche Leben;218
27;26. Alles ist Schmerz;226
28;27. Eine versäumte Chance;238
29;28. Der Junge, der nicht mehr essen will;250
30;29. Stimmen und Stoff;256
31;30. Ein akuter Notfall mit langer Vorgeschichte;264
32;31. Der Idealist;274
33;32. Ins Gras gebissen;286
34;33. Ein Gläschen in Ehren;294
35;34. Beru¨hren verboten;300
36;35. Von schlechten und guten Leuten gemacht;308
37;36. Gott ist tot;316
38;37. Wenn die Hormone verru¨ckt spielen;324
39;38. Die Wurst bleibt drinnen;328
40;39. Ich heiße Anke;334
41;40. Symbiose auf zwei Beinen;342
42;41. Tante Cäcilie;350
43;42. Die Stationshilfe;354
44;43. Die alte Dame;358
45;44. Der Ingenieur;362
46;45. Die kinderlose Witwe;366
47;46. Die böse Mutter;370
48;47. Die geistig behinderte Betriebsleiterin;374
49;48. Das konspirative Treffen droht;378
50;49. Schelmisch und schlampig, zornig und verzweifelt – «Fall Nr. 9» von Emil Kraepelin;382
51;50. Das zerschmissene Wort – «Fall Nr. 48»von Emil Kraepelin;390
52;51. Eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde «Fall A. D.» von Alois Alzheimer;400
53;52. Ein verwirrter älterer Mann;408
54;53. Dann kippte ich aus den Latschen;414
55;54. Eine Fremde im Leben;418
56;55. Verschlungen und gebrochen;426
57;Literatur;434
58;Register der ICD-10-Codes (Kap. V);442
59;Alphabetisches Register der Diagnosen nach ICD-10, Kap. V;446


2. Der Mann ohne Gedächtnis (S. 19-20)
Silke Kleinschmidt und Tilman Wetterling

Falldarstellung und Angaben zur Biografie

Im Frühling 1990 kam der 66-jährige Herr A. in Begleitung seiner Ehefrau nach Voranmeldung durch den Hausarzt auf die geschlossene Aufnahmestation. Seine Frau ging voran und zog den langsam und etwas widerwillig folgenden Mann hinter sich her. Mit einiger Mühe brachte sie ihn dazu, sich auf eine bereitstehende Bank zu setzen. Während der Wartezeit bis zum Gespräch blieb Herr A. dicht bei seiner Frau und blickte ratlos und irritiert um sich. Durch seine wenig ausgeprägten Gesichtszüge und das wortlose Staunen sah er wesentlich jünger aus als seine Frau und wirkte fast kindlich.

Als beide zum Aufnahmegespräch ins Zimmer gebeten wurden, sträubte sich Herr A. zunächst, wurde dann von seiner Frau bei der Hand genommen und in das Zimmer geführt, wo er sich unter ihrer Mithilfe umständlich und unbeholfen auf den Stuhl setzte. Auf die Begrüßung reagierte er nicht, lächelte jedoch freundlich, wenn auch unsicher. Mit der dargebotenen Hand konnte er nichts anfangen und nahm am folgenden Gespräch nur in Form von gelegentlichem Kopfnicken teil.

Die Ehefrau berichtet, dass ihr 1924 in Königsberg geborener Mann nach dem Volksschulbesuch eine Ausbildung als Silberschmied abschloss und im Krieg Pilot gewesen sei. Sie habe ihn auf der Flucht in Dresden kennengelernt und 1946 geheiratet. 1947 hätten sie sich in Schleswig-Holstein angesiedelt und lebten seither in gemeinsamer Wohnung. Die Ehe blieb kinderlos. Herr A. arbeitete zunächst in seinem Beruf und seit 1970 als Postverteiler in einer Behörde. 1984 sei er, damals 60-jährig, in den Vorruhestand versetzt worden, er habe in den letzten fünf Jahren die Arbeit in der Behörde nicht mehr recht geschafft und vermehrt Fehler bei der Zuteilung der Post gemacht. Man habe ihm daher nahegelegt, sich vorzeitig berenten zu lassen. Die drei Geschwister ihres Mannes seien ihres Wissens körperlich und geistig gesund, auch ihr Mann habe niemals an einer schwerwiegenden Erkrankung gelitten.

Bereits seit einigen Jahren sei ihr bei ihm eine immer rascher zunehmende Veränderung aufgefallen: Er habe schon während der letzten Jahre seiner Berufstätigkeit, etwa ab dem 55. Lebensjahr, seine Hobbys (Wandern, Kunsthandwerk, Vereinstätigkeit) nach und nach aufgegeben und sei immer stiller geworden. Seine zunehmende Vergesslichkeit sei im häuslichen Umfeld nicht so sehr aufgefallen. Vor vier Jahren habe er (damals 62-jährig) bei einer von ihm geführten Wanderung in einem Gebiet, das ihm eigentlich gut bekannt gewesen sei, den Rückweg nicht mehr gefunden. Insbesondere seit dieser Zeit seien ihr seine ausgeprägten Merkfähigkeitsschwächen immer deutlicher geworden.

Er habe Dinge verlegt, Verabredungen vergessen und sich schon bald nicht mehr in der vertrauten Wohngegend, in der beide seit über 40 Jahren lebten, zurechtgefunden. Selbst gute Bekannte habe er nicht mehr erkannt und das Interesse an Zeitungen und Fernsehen verloren. Er sei dabei immer freundlich und anhänglich gewesen. In letzter Zeit spüre sie jedoch, dass er gelegentlich unglücklich und verunsichert sei. Seit drei Jahren müsse sie ihn waschen und anziehen, da er selbst nicht mehr wisse, wie er die Kleidungsstücke zu verwenden habe. Zudem benutze er sein Besteck beim Essen sehr unbeholfen. Sie könne die Wohnung nur noch verlassen, wenn sie hinter sich abschlösse, da er sonst auf die Straße laufe. Ihre Abwesenheit mache ihn unruhig und widerspenstig, so dass nur eine sehr gute gemeinsame Bekannte ihn dann betreuen könne. Seit ca. eineinhalb Jahren seien, mit einer Frequenz von ein- bis dreimal pro Woche, «Anfälle» vorgekommen, bei denen er urplötzlich zusammensacke, nicht ansprechbar sei und synchron die Arme bewege. Unter nervenärztlich verordneter, regelmäßiger antikonvulsiver Medikation habe sich dies jedoch gebessert. Aufnahmeanlass sei nun, dass ihr Mann zunehmend umtriebig werde und keine Sekunde ohne Aufsicht sein könne. Psychopathologische Befunderhebung und Untersuchungen In der psychopathologischen Befunderhebung erschien der Patient zeitlich und örtlich desorientiert. Herr A. konnte sich nur noch an seinen Namen und seinen Geburtsort erinnern und war somit zur Person eingeschränkt, zur Situation nicht orientiert.

Eine geordnete Exploration war nicht möglich, da der Patient, unabhängig von der gestellten Frage, nur Wortbrocken hervorbrachte wie z. B. «jaha!», «so so!» und ein gelegentlich vorgebrachtes «na, na, na!». Während der Befragung wirkte Herr A. ratlos, antwortete nicht und zuckte häufig hilflos mit den Schultern. Er erwies sich als psychomotorisch gehemmt und reagierte auf die Aufforderung, Gegenstände zu benennen oder sich Worte bzw. Zahlen zu merken, deutlich gequält. Der Affekt war dabei gedrückt und der Patient wirkte irritiert. Im allgemeinen Kontaktverhalten erwies er sich jedoch als freundlich und zugewandt sowie um Kooperativität bemüht.



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