E-Book, Deutsch, 262 Seiten
Frey Die 8te Pforte
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-906925-01-1
Verlag: AkronEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Jenseits der Schwelle, Der Trauma-Trip des alten Magus
E-Book, Deutsch, 262 Seiten
ISBN: 978-3-906925-01-1
Verlag: AkronEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die 8te Pforte ist der Folgeband zum Buch 'Die 7 Pforten des Geistes' und ist eine multidimensionale Erzählung auf der Schwelle von Leben und Tod.
Biographie:
Akron (C. F. Frey)
1948 am Bodensee geboren. Während seiner Musikstudien in München Mitglied (Schlagzeuger) verschiedener deutscher Rock-Gruppen, dabei erste Kontakte mit esoterischen Zirkeln und Bruderschaften. 1971 erschien sein Bucherstling, ein Roman. Später gab er eine avantgardistische Literatur-Zeitung heraus und experimentierte mit alternativen Denkmodellen. Daneben betätigte er sich auch in anderen Sparten, textete eine Rock-Oper und arbeitete fünf Jahre als Musik- und Theaterkritiker bei einer Tageszeitung. 1995 gründete er einen Kreis für Schattenarbeit (Templum Baphomae), der sich mit den Prägungen und Verdrängungen in der Seele auseinandersetzt.
Der schweizerische Schriftsteller, Essayist, Schattenarbeiter und Magier-Philosoph verwendet sein profundes Wissen, die multiplen Ebenen im Menschen zu durchwandern, sich selbst aus vielfacher Perspektive zu erleben, mit den verschiedensten Aspekten seiner Psyche zu kommunizieren, um sich dann wiederum über die erlebten Bilder und ihre Betrachtung (und die Betrachtungsweise) mit sich selbst auszutauschen, die beschränkenden Muster dualer Denkwirklichkeiten zu durchbrechen und ihre Sinn heuchelnden Gaukeleien zu entblößen. Klingt verwirrend? Ist es auch. Und wie. Akron verwirrt unsere linearen Lesegewohnheiten und er verwirrt unsere vergeblichen Versuche, klare Strukturen und zweiwertige Betrachtungslogiken aufbauen zu wollen. Dies gelingt bildgewaltig und mit erlesen wohlgesetzten Worten, allerdings auf einer archetypischen Komplexitätsebene, die gezwungen ist, unsere gewohnten Denkmuster zu verlassen, um nicht am surrealen und unbewusst wirksamen Charakter dieser Schriftschöpfung zu zerschellen. Bilder in Bildern, Handlungen in Handlungen, Betrachtungen in Betrachtungen und Metaebenen der Analyse, die letztlich doch nur wieder in sich selbst und in den untersten Schichten des Begreifens enden und ein wenig an die alt-philosophischen (inneren) Dialoge bzw. abwechselnden Monologe mit einem Mentor erinnern, deren Konzepte auch in 'Sophies Welt' Anwendung fanden.
('Dantes Inferno' - Rezension)
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 3
Niemands Traum Ich sah auf die sich kräuselnden Wolkenschleier und während der Mond hinter den Wolken verschwand und wieder hervorkam, sah ich am Himmel oben im sanften Licht Ursi, die Glasmalerin, meine verstorbene Geliebte. Es war wie eine Einladung zur chymischen Hochzeit, wie sie mit ausgebreiteten Armen so erhaben dastand, und gleichzeitig hatte ich eine Stimme im Ohr: „Liebe wird erst dann endgültig und tritt auf den Plan, wenn das, was getrennt wurde, wieder vereinigt worden ist.“ „Kann das nicht auch eine Täuschung aufgrund menschlicher Einbildung sein?“, wollte ich vom Erhabenen wissen. Denn ich war mir nicht sicher, ob sich wahre Liebe in der dualen Welt unserer Materie überhaupt halten lässt. „Gewiss! Es ist die nie versiegende Sehnsucht nach Liebe, die der Mensch noch einmal in seiner Erinnerung durchlebt und die jeder meistens in der frühen Phase der Verliebtheit oder in seiner ersten großen Liebe erfährt.“ Er lud mich ein, mich an alle meine Gefühle in meinem Leben zu erinnern und erklärte mir dann, dass sie der schwache Abglanz jenes Gottesfunkens wären, den die Menschen in Verbindung mit ihrer All-Seele auf der Ebene des kosmischen Bewusstseins erlebten. Gleichzeitig breitete er überschwänglich die Arme aus und verkündete: „Allerdings ist in der Realität jede Art von überhitztem Liebesfeuer schnell wieder erstickt, denn in der Regel ist Liebe immer nur die Nähe zu sich selbst: die Hingezogenheit zu seinem eigenen Bild oder zum Spiegelbild der eigenen Anziehung, die uns im anderen erfreut. Zum anderen ist die Sehnsucht nach sich selbst die höchste Kraft, die unser Leben beglückt, und ohne sie gäbe es keine ständig neuen Illusionen, die uns die Sehnsucht nach Gott in der Seel-Sucht nach sich selbst immer und immer wieder vergessen lässt. Deshalb lautet des Teufels Spruch: Dem Menschen wurde ein kostbares Geschenk gewährt: Jeder darf erfahren, was Einssein bedeutet! Immer und immer wieder …“ Doch bevor ich mir klar darüber wurde, was da eigentlich geschah, begannen sich die Bilder vor meinen Augen wieder aufzulösen. Nur eine Handvoll verglimmender Lichtpunkte blieb zurück, als ich mein Gesicht wie in einer kurzen Einblendung auf einer Parallelebene an der Zimmerdecke aufleuchten sah. Ich schüttelte den Kopf und drehte mich um. Niemands unerlöste Liebessehnsucht
Es war vor langer, langer Zeit“, fing er mit seiner Geschichte an, während der Mond seinen leuchtenden Schimmer über die ganze Landschaft streute und die alten Bilder aus den versunkenen Stuben meiner Träume scheuchte, „als ich noch als Mensch auf Erden wanderte, nur von meiner inneren Stimme geleitet, die mich führte und jeden meiner Schritte prüfte. Es ging aber nicht nur um den Weg des Wissens, sondern auch um Erkenntnis und Weiterentwicklung all dessen, was ich liebte. Ich hatte in jener Zeit viel nachgedacht: Über die geistigen Kräfte, die in mir wirkten, über das Reich der Geister, das sich mit der Welt der Menschen ab und an in den Träumen vermischte und vor allem über die Liebe, die Menschen oft verführte.“ „Wessen Stimme?“, wollte ich wissen, denn der Wille hinter seiner inneren Führung schien mir nicht unvertraut. „Was waren das für geistige Einflüsse? Wurdest du von den Göttern geführt?“ „Ich wurde – ähnlich wie du – von meinem inneren Herrn Jedermann begleitet“, antwortete er mir, „eine Art Quasi-Seelenführer oder ein Teil von mir selbst. Denn ich hatte niemanden sonst, mit dem ich mich verstand. Es gab zu jener Zeit zwar viele andere geistige Begleitwesen, mit denen ich mich aber schlecht unterhielt, denn es waren keine, mit denen ich mich hätte tiefer austauschen wollen. Nur meine innere Stimme war immer da. Anfänglich dachte ich noch, ob ich nur ein Spielball meiner eigenen Erfahrungen wäre, ein willenloses Werkzeug, doch mit der Zeit entwickelte ich ein grosses Vertrauen zu der inneren Kraft und ich musste mir eingestehen, es gab für mich keinen besseren Begleiter auf diesem Weg.“ „Das war eine sehr mutige und auch recht abenteuerliche Einschätzung von dir. Die moderne Psychologie würde behaupten, du wurdest von einem abgespaltenen inneren Teil dirigiert“, warf ich ein. Aber ich hätte da noch eine Frage: „Ist Herr Jedermann für dich das, was du für mich bist: Niemand?“ „Mag sein“, erwiderte er. „Doch wer ist der, der glaubt, solche Kräfte benennen zu können? Nur weil Menschen solche Phänomene genau untersuchen und aus ihrer Verstandessicht zu einem verbindlichen Urteil kommen, heisst das noch lange nicht, dass solche Erkenntnisse richtig sind.“ „Da stimme ich dir zu“, lenkte ich ein. „Solche geistigen Wesenheiten sind oft viel mehr als nur abgespaltene innere Anteile.“ „Wenn du deine Empfindungen jetzt alle losgeworden bist und es dir hier auch recht ist“, spottete er in einem überaus freundlichen Ton, „dann würde ich meine Erzählung gerne hier fortsetzen wollen.“ Er hielt einen Moment inne und ich spürte eine sanfte Melancholie: „Ich hatte auf meinem Weg, wie schon angedeutet, sehr viel nachgedacht. Über den Weg, die Aufgabe und auch den Zweck und das Ziel, die meiner harrten. In der Zwischenzeit bemühte ich mich, die Beziehung zu Herrn Jedermann zu festigen, denn ich war entschlossen, das Geheimnis zwischen uns beiden zu lüften.“ „Sicher ein löblicher Versuch“, sagte ich höflich und schmunzelte leise. „Und während ich mich mit meiner inneren Stimme beschäftigte, kam ich auf meiner Wanderung auch an die Unterweltsschwelle, aus deren Spalten es heftig rauchte und zischte“, setzte er seine Schilderung unbeirrt fort. „Während ich mich neugierig umschaute, begann es im gleichen Atemzug nach süsslichen Exkrementen zu stinken und ich hielt mir angewidert die Hand vor den Mund. Doch was war das? Irgendwie fühlte ich mich plötzlich beobachtet und Herr Jedermann liess plötzlich eine Saite in mir anklingen, die ich lange nicht mehr vernommen hatte. Gleichzeitig beäugten mich zahlreiche Blicke, denn als ich mich umsah, konnte ich erkennen, dass ich an der Pforte der libidinösen Unterwelt stand, der Hölle der unerlösten Liebessehnsucht, während dem mich Herr Jedermann aufklärte: Es seien dies die geistigen Blicke der abgeschiedenen Verführerinnen, die seit Urzeiten den Eingang zur Liebeshölle bewachten und eifersüchtig und unerlöst auf die männlichen Neuankömmlinge blickten.“ Einen Moment lang hielt er inne und auf einmal stürmte die Erkenntnis seiner Worte mit aller Gewissheit auf mich ein, als er weitersprach: „Für mich war das ein erster finaler Höhepunkt. Ich hatte damals den magischen Weg zum ersten Mal durchlaufen und hatte irgendwie das Gefühl, als müsse ich der Mutter noch etwas beweisen. Als müsse ich am Ende meines Weges noch ungestraft die Liebeswelt durchdringen, um zu zeigen, dass ich das Menschsein überwunden hatte und für alle Verlockungen der Sünde nicht mehr empfänglich war.“ „Das ist eine wahrlich kultig-verrückte Reise, von der du mir da berichtest“, stiess ich hervor, „eine richtige Initiation.“ „Das ist erst der Anfang. Mein innerer Jedermann wies mich an, noch tiefer in das kosmische Gedächtnis einzudringen“, erzählte er weiter. „Doch der Weg ist gefährlich, sehr gefährlich“, sein stimmlicher Ausdruck wechselte die Tonlage und wurde mit einem Mal ziemlich grimmig, „denn die Augen dieser verführerischen Sünderinnen bewachen, wie gesagt, diese mörderische Schwelle, die Liebende nur einmal im Leben betreten können. Die Liebe verschlingt sie und gebiert sie neu.“ „Liebe? Welche Liebe?“ Ich hob meinen Blick und schaute ihm direkt in die Augen. „Und wozu?“ „Wenn du die Liebeswelt betrittst, begegnest du immer auch dem unsichtbaren Teil der Grossen Mutter. Jeder Liebesfunke ist ein Teil von ihr“, verkündete er mir mit einer grossen Geste. „Sie ist die Grundlage, auf der alles gedeiht. Alle sind ein Stück von ihr mit Leib und Liebe, und sie sind nur lebendig, wenn sie von ihrem Bild beseelt werden.“ „Dann bist du in der Seelenwelt deinem Bild von der grossen Liebe begegnet?“, erwiderte ich mit leichter Besorgnis. Er nickte: „Sie erscheint den Menschen nicht persönlich. „Männern schickt sie ein Bild der Liebe, jedermanns individueller Anima, die diese auf jede Frau übertragen können.“ „Das versteh ich nicht!“ Ich schaute ihn ziemlich ausdruckslos an. „Sie haucht dem Betroffenen ihren Atem ein, woraus dieser sein weibliches Seelenbild formen kann“, antwortete er ungewohnt psychologisch. Es ging ihm darum, mir die Beschreibung geistig näherzubringen: „Schon bald darauf erscheint sie ihm in Gestalt seiner Anima, die sein Liebesverlangen auslöst …“ „Das Verlangen nach Liebe“, warf ich ein, „das jeder Kerl auf seine Angebetete projiziert?“ „Nein. In meinem Fall war es das Suchbild der inneren Geliebten, die ich...




