Frazier | Nine | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 9, 359 Seiten

Reihe: King-Reihe

Frazier Nine


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7363-1397-2
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 9, 359 Seiten

Reihe: King-Reihe

ISBN: 978-3-7363-1397-2
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Unsere Liebe war so gewaltig wie zwei Wirbelstürme auf dem Weg miteinander zu kollidieren

Weil die schrecklichsten Monster diejenigen sind, die in uns selbst existieren ...

Als Teenager geriet Kevin 'Nine' Clearwater in einen tragischen Unfall, der sein Leben bis heute fest im Griff hat. Das Mädchen - Poe - geht ihm seither nicht mehr aus dem Kopf, und doch weiß er, dass er sie niemals wiedersehen wird. Weil sie seit Jahren als verschwunden gilt. Genauso wie ein Teil von Nine selbst. Doch als er einen Job für seinen Bruder Preppy ausführt, steht sie ihm plötzlich wieder gegenüber. Noch wunderschöner als er sie in Erinnerung hatte. Nine ist augenblicklich zerrissen zwischen dem Verlangen nach der Frau, die sein Herz besitzt, und der Loyalität zu seinem Bruder. Doch als Poe in Gefahr gerät, weiß Nine, dass er sie mit aller Macht beschützen muss, auch wenn es ihn die Familie kosten könnte, nach der er sich sein ganzes Leben lang gesehnt hat ...

'Ich wollte nicht, dass dieses Buch endet. Ich möchte für immer in dieser Welt bleiben!' LEAVE ME ALONE I'M READING

'NINE hat meine Liebe für die KING-Reihe auf ein völlig neues Level gehoben!' GOODREADS

Band 9 der Dark-Romance-Reihe KING von USA-TODAY-Bestseller-Autorin T. M. Frazier

Frazier Nine jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1


Kevin

Siebzehn Jahre alt

Der Serienkiller und Massenmörder Andrew Kehoe hat einmal gesagt: »Man wird nicht als Verbrecher geboren, sondern dazu gemacht.«

Schon möglich, dass das auf ihn zutrifft, aber nicht auf mich.

Ich wurde ins Chaos geboren, mit Diebstahl im Blut und kochender Wut im Herzen. Ohne große Umschweife in die Welt hinausgestoßen, von jedem, dessen Weg ich kreuzte, ungewollt, meine eigene Schlampe von Mutter eingeschlossen.

Ich musste um alles kämpfen, was ich je hatte. Hatte es mir mit Narben an den Fingerknöcheln und Hass in der Seele verdienen müssen.

Meine einzige Familie war die Straße. Und mein einziges längerfristige Zuhause der Jugendknast.

Vor einem Monat wurde ich aus Letzterem entlassen. Jetzt finde ich mich an einem der Orte wieder, die ich am meisten hasse, aber es ist der einzige, an den man mich von Rechts wegen hin freilassen kann, sagen die, die das Sagen haben.

Wieder mal eine Pflegefamilie.

Mein persönliches Fegefeuer, bis ich entweder achtzehn oder wieder eingebuchtet werde, je nachdem was zuerst kommt.

Ich öffne den Umschlag, den mir meine Sozialarbeiterin, Mrs Peterson, bei unserem letzten Treffen gegeben hat. Normalerweise enthalten diese Päckchen das übliche Zeug: Kopien von juristischen Formularen, Entlassungspapiere, und normalerweise liegen noch irgendwelche Pamphlete dabei, die Mrs Peterson gerne mit reinsteckt, darüber wie man seine Wut ohne Gewalt unter Kontrolle bekommt. Dieser spezielle literarische Schatz stammt aus den Achtzigerjahren und ist mein persönlicher Favorit. Vorne drauf ist eine Gruppe Kinder unterschiedlichster Herkunft abgebildet, die alle glücklich grinsen und so aussehen, als hätten sie irgendwelche Stimmungsaufheller nicht nur widerstandslos geschluckt, sondern zweimal drin gebadet.

Na, klar bewältigen diese Kids ihre Aggressionen nicht mit Gewalt. Die stehen schwer unter Medikamenten – in Vorbereitung auf einen Selbstmordtrip zum Mars mit ihrem Sektenführer.

Aber dieses Päckchen ist anders als die, die ich bisher bekommen habe. Keine Pamphlete. Keine Überweisungspapiere. Sondern ein Brief von meiner Sozialarbeiterin.

Lieber Kevin,

da du bald das Alter erreichst, in dem du aus der staatlichen Fürsorge fällst, und ich weiß, dass du keine Pläne hast, wohin es gehen soll, wenn du achtzehn bist, wollte ich dir helfen, wo ich nur kann. Ich habe ein wenig nachgeforscht. Und ich denke, ich habe deinen Bruder gefunden. Sein Name ist Samuel Clearwater. Seine letzte bekannte Adresse ist in Logan’s Beach.

Viel Glück, Kevin. Ich wünsche dir ehrlich alles Gute. Du bist ein wirklich kluger Junge, und ich hoffe, du nutzt diese Intelligenz, um deinen Platz in der Welt zu finden.

Mrs Peterson.

Meinen Platz in der Welt? Ziemlich sicher, dass der Slogan aus einem dieser berüchtigten Pamphlete stammt.

Mrs Peterson muss echt am Rad drehen, denn ich habe keinen Bruder.

Ich habe niemanden.

Ich stecke den Brief zurück in den Umschlag und hole ein Foto heraus, das sich als Polizeifoto von einem Typen entpuppt, der mir ganz schön ähnlich sieht, nur dass er helleres Haar hat und einen Haufen Tattoos, die aus dem Kragen seines Anzughemdes herausgucken. Mein Herz fängt zu rasen an. Ich setze mich auf und schaue mir das Foto genauer an. Er trägt eine Fliege und passende Hosenträger. Er hat den Kopf schief gelegt und macht einen Kussmund in die Kamera, während er ein Schild hochhält, auf dem steht: VERHAFTET IN LOGAN’S BEACH, SHERIFFBÜRO, und darunter ein Datum von vor zwei Jahren. Ich sehe genauer hin, und mir fällt auf, dass er das Schild nur mit den Mittelfingern hält.

Ich frage mich, ob das Büro des Sheriffs das je gemerkt hat. Und ich grinse in mich hinein.

Ein Bruder. Mein Bruder.

Der Gedanke ist verwirrend, nachdem ich ohne nennenswerte Familie oder sonst jemand aufgewachsen bin, mit dem ich reden konnte, abgesehen von mir selbst und meinem Freund Pike. Also, bis Pike und ich getrennt wurden und wir den Kontakt zueinander verloren, als er im Jugendknast am anderen Ende des Staates landete.

Meine Gedanken werden unterbrochen, als die Realität mich anzischt wie eine Schlange, auf die man fast drauftritt, dank meinem Pflegevater.

»Loretta, wo ist dieser Junge?«, überbrüllt Jameson wütend Willie Nelson, der lautstark jenseits meiner Zimmertür läuft. Die Melodie ist fröhlich, die Situation nicht. Eher so, als würde Don’t Worry, Be Happy in der Hölle aus den Lautsprechern plärren.

»Weiß ich doch nicht! Du willst was von ihm? Dann such ihn!«, lallt Loretta.

Ich war in ganz tollen Familien und in echt schlimmen. Auf einer Skala von eins bis zehn – mit zehn für am schlimmsten – stehen Loretta und Jameson dreistellig irgendwo über dem siebten Kreis der Hölle.

Meine Tür ist zu, aber unter dem Türspalt weht der unverkennbare Gestank von Crack und Körpergeruch durch. Vor ein paar Nächten bin ich aufgewacht, und Jameson saß unten an meinem Bett und hat mich beobachtet. Daraufhin habe ich sehr schnell den Zugang zum Dachboden gefunden, der in einem Wandschrank versteckt ist. Die meisten Nächte klettere ich jetzt hoch in den feuchten, stickigen und staubigen Dachboden und schlafe eingerollt in dem winzigen und niedrigen Stauraum.

Loretta und Jameson ist scheißegal, ob ich da bin oder nicht. Wenn ich also höre, dass sie nach mir suchen, dann geht es normalerweise darum, dass ich ihnen Drogen besorgen soll oder dass sie mich fragen, ob ich Geld habe.

Ich beschließe, mich rarzumachen, klettere hoch in den Dachboden und achte darauf, dass die Luke hinter mir auch zu ist.

Nur ein paar Sekunden später geht meine Zimmertür auf.

»Kacke. Hier drin ist er nicht«, höre ich Jameson mit seinem kräftigen Südstaatenakzent. »Ich dachte, ich hätte ihn vorhin reingehen sehen.«

»Ich habe dir einen Haufen Schotter bezahlt. Der Junge sollte besser noch auftauchen«, sagt eine fremde Stimme.

»Er wird da sein, Henry. Deal ist Deal«, faucht Jameson zurück. »Ich sage dir, was ich allen anderen sage. Sieh zu, dass du keine Spuren an ihm hinterlässt. Ich kann es nicht brauchen, wenn das Jugendamt mir die verdammten Schecks sperrt. Ich habe für den Jungen noch Geld für einen Monat gekriegt, das werde ich nicht platzen lassen.«

»Weiß ich, weiß ich. Ich kippe ihm das Zeug, das du mir gegeben hast, ins Bier, sodass er sich an rein gar nichts erinnert, aber wenn er in den nächsten paar Stunden nicht auftaucht, schuldest du mir die Kohle.«

»Schauen wir hinten nach. Manchmal ist er im Hof und raucht«, meint Jameson und schließt die Tür.

Meine Hände zittern, mein Blut kocht. Der Schweiß, der mir von der Stirn tropft, kommt nicht nur von der Hitze auf dem Dachboden. Ich schwitze vor reiner, ungetrübter Wut.

Ich sage dir, was ich allen anderen sage.

Der Scheißkerl hat mich verschachert … für Crack.

Da wird mir plötzlich alles klar. Nächte, nach denen ich aus einem scheinbar endlosen Schlaf aufgewacht bin, obwohl ich sonst total schlecht schlafe. Schmerzen an Stellen, bei denen ich mir dachte, dass ich wohl zu betrunken war, um mich zu erinnern, dass ich etwas Blödes gemacht habe oder gestürzt bin oder …

Es war überhaupt nichts in der Art.

Ich drehe den Kopf und kotze zwischen die Dachsparren, bis in mir nichts mehr übrig ist als ein überwältigendes Gefühl von Ekel und ein Blutdurst, wie ich ihn noch nie gespürt habe.

Ich warte eine gefühlte Ewigkeit, bis die Musik aufhört und die gedämpften Stimmen still werden. Langsam und lautlos verlasse ich die Sicherheit meines Verstecks und schnappe mir meinen Rucksack. Ich stopfe den Umschlag mit dem Brief und dem Foto von Mrs Peterson hinein und dazu meinen uralten Laptop. Das ist alles. Mehr habe ich nicht. Irgendwie fühlt es sich blöd an, dass ich überhaupt einen Rucksack habe.

Ich schleiche in das andere Zimmer. Überall liegen leere Flaschen und Dosen herum. Zerknüllte Folie und überquellende Aschenbecher überall auf den Sofas, wo einige Leute weggetreten herumliegen. Loretta ist auch dabei. Ich weiß zwar, dass ich sie nicht aus ihrem Drogenkoma aufwecken könnte, selbst wenn ich ihnen ins Ohr brüllen würde, aber ich sehe Jameson nirgendwo, also schleiche ich nach draußen auf die klapprige Veranda. Erst als ich die unterste Stufe erreiche, traue ich mich auszuatmen.

»Da bist du ja, Junge«, sagt Jameson und stößt sich von seinem verrosteten Truck ab. Dabei fällt er fast über einen alten Reifen auf dem überwucherten Hof. Sein Bart ist nass und tropft vor Whiskey, und sein Hemd hat Schweißflecken am Hals und unter den Armen.

Mir gerinnt das Blut zu Eis. Ich balle die Fäuste und öffne sie wieder. Jeder Muskel in meinem Körper versteift sich. Ich habe immer mit meinen Fäusten gekämpft, aber zum ersten Mal im Leben wünschte ich, ich hätte eine Knarre.

Ein zweiter Kerl, der genauso betrunken oder high ist, bleibt stolpernd neben ihm stehen, ein böses Funkeln in den Augen. Er richtet sein Truckercap. »Wie geht’s denn heute Abend so, Junge? Ich habe auf dich gewartet.«

»Hi«, sage ich durch zusammengebissene Zähne. Du musst dieses Stück Scheiße Henry sein.

»Willst du ein Bier, Junge?«, fragt Jameson und hält mir ein volles Bier hin. Wahrscheinlich läuft der Wichser schon den ganzen Abend damit herum, um mich unter...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.