Franzen | Al Capone und die Prohibition | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 82 Seiten

Franzen Al Capone und die Prohibition


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7575-9987-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 82 Seiten

ISBN: 978-3-7575-9987-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Noch vor der Prohibition gab es Bemühungen, den Alkohol in Amerika zu verbannen, was sowohl die Herstellung als auch den Konsum betraf, doch erst im Jahre 1920 wurde der Verkauf, Transport und die Herstellung von Alkohol in den ganzen Vereinigten Staaten verboten. Es folgte ein Jahrzehnt, das geprägt war vom Alkoholschmuggel, der Schwarzbrennerei, von Bandenkriegen und dem Aufstieg berühmter Mafia-Bosse, die bestrebt waren, den Alkoholdurst der Amerikaner zu stillen. Männer wie 'Johnny' Torrio, 'Bugs' Moran oder Alphonse 'Al' Capone, die Chicago beherrschten und den Menschen dort lediglich das gaben, nach was sie verlangten, ohne sich dabei großartig um das Alkoholverbot zu kümmern.

Michael Franzen, geboren 1965 in Böken, Schleswig-Holstein. Hauptschulabschluss. Gelernter Einzelhandelskaufmann und Werkzeugmechaniker. Seit der Jugendzeit Beschäftigung mit der amerikanischen Pioniergeschichte und seit 2017 freischaffender Autor. Zahlreiche Publikationen zum Thema Wilder Westen.
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König Alkohol


Der Begriff Alkohol stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem arabischen Raum und leitet sich von dem Wort „al khol” ab, was übersetzt so viel wie „Etwas Feines” bedeutet. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist damit zumeist der berauschende Speisealkohol oder auch Ethanol mit der chemischen Formel C2H6O gemeint, und er gilt gemeinhin als die älteste Droge der Menschheitsgeschichte. Aus rein chemischer Sicht ist Alkohol ein simples Stoffwechselprodukt von Mikroorganismen, das bei einem Prozess entsteht, den man als alkoholische Gärung bezeichnet. Damit es zu solch einer Gärung kommt, benötigt man Hefen, Zucker und eine Prise Sauerstoffmangel. Durch die Hefe wird der Zucker gespalten, sodass im Wesentlichen zwei Dinge entstehen, nämlich das Gas Kohlendioxid und der Alkohol.

Wie viele Dinge des Lebens, so wurde auch der Alkohol wohl eher zufällig als Genussmittel entdeckt, wahrscheinlich schon in der Mittelsteinzeit vor etwa 10 000 v. Chr., als die ersten Menschen den Geschmack und die berauschende Wirkung von gegorenen Beeren und Früchten für sich entdeckten. Um 3000 v. Chr. herum finden sich in ägyptischen Aufzeichnungen Belege dafür, dass Wein gekeltert und Bier gebraut wurde. Entsprechende Keilschriften aus Mesopotamien sind sogar noch älteren Datums und beschreiben ebenfalls den Prozess des Bierbrauens. Auch im Alten Testament, genauer gesagt im 1. Buch Mose, legt Noah, nach dem Ende der Sintflut, nicht etwa einen Getreide- oder Gemüseacker an, sondern gleich einen Weinberg, während umherziehende Nomaden ihren Alkohol aus der Milch trächtiger Stuten gewannen. Die Römer kelterten Wein aus vergorenen Trauben und unsere Urväter, die alten Germanen, stellten alkoholhaltigen Honigmet aus vergorenem Honig her, den es in den dichten Wäldern Germaniens zuhauf gab. Mit Kirschen vergoren oder mit Kirschsaft vermischt, wird er häufig als „Wikingerblut” oder „Odinsblut” bezeichnet. Gibt man zusätzlich noch einige scharfe Gewürze hinzu, erhält man das sogenannte „Drachenblut.” Der Alkohol war also überaus beliebt und wahre Trinkgelage blieben daher auch nicht aus. Für den römischen Schriftsteller Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.) war die Trunkenheit seiner Landsleute nichts anderes als ein „freiwilliger Wahnsinn” gewesen, der von der Seele Besitz ergreift, wenn der Wein reichlich fließt. Allerdings besaßen die Römer auf derlei Trinkgelage kein Monopol, denn solche Alkoholexzesse gab es auch bei den Kelten, den Thrakern und bei anderen Völkern der Antike.

Zur Zeit des dunklen Mittelalters konnten sich nur der Adel und der kirchliche Klerus den Alkohol leisten. Dabei galt eine Festlichkeit erst dann als wirklich gelungen, wenn alle Gäste am Ende sprichwörtlich „hackevoll” unter den Tischen lagen. Für das „gemeine Volk“ blieb der verdünnte Alkohol auf (kirchliche) Fest- und Feiertage beschränkt, ansonsten konsumierte man Wasser aus einem Brunnen oder aus nahegelegenen Bächen oder Flüssen, welches nicht selten mit krankmachenden Keimen belastet war.

Bis zum 16. Jahrhundert wurden überwiegend Traubenwein, Met, Obstwein (Most) und Bier getrunken, während der Branntwein noch keine größere Verwendung fand. Er diente im 13. und 14. Jahrhundert überwiegend noch als reines Heil- und Arzneimittel, das in Klöstern hergestellt und an diejenigen Kunden verkauft wurde, die das nötige Kleingeld dafür in ihren Taschen hatten. Erst im 15. Jahrhundert setzte langsam der Siegeszug des Branntweins ein, dessen Genuss, bedingt durch den höheren Alkoholgehalt, zu einer schnelleren Rauschwirkung führte. Der Branntwein war somit aus den Kinderschuhen eines rein medizinischen Arzneimittels herausgewachsen, und von da an entstanden auch die ersten gewerblichen Brennereien, die Branntwein aus Getreide herstellten. Trotzdem blieb dieser „Schnaps” ein Genussmittel, das nahezu ausschließlich den Reichen vorbehalten blieb. Dies begann sich ab dem 17. Jahrhundert langsam zu verändern, als auch das „niedere Volk“ in den Genuss von Branntwein kam. Zunächst bei den städtischen Handwerkern, dann auch bei den Seeleuten, Soldaten und denjenigen Menschen, die bei Wind und Wetter im Freien arbeiteten und sich hin und wieder einen Schluck gegen die Kälte gönnten. Da der Branntwein wegen der schwankenden Kornernten noch nicht in großen Mengen hergestellt werden konnte, blieben die Produktion und der Genuss weitestgehend auf den städtischen Raum beschränkt.

Einen weiteren wichtigen Schub zur Verbreitung erhielt der Branntwein durch die Napoleonischen Kriege und die Niederlage der Preußen im Jahre 1806, die den Weg für eine liberale, bürgerliche und kapitalistisch geprägte Gesellschaft freimachte. Ein System, das nach dem Wiener Kongress fortgesetzt wurde und so den Branntwein deutlich billiger werden ließ. Dazu gehörten u. a. die Aufhebung der Monopole zur Branntweinherstellung sowie dessen Verkauf und Ausschank, was die Konkurrenz belebte und dafür sorgte, dass die Preise weiter fielen. Der Alkohol feierte also seinen Siegeszug und als die ersten Europäer in Amerika landeten, zögerten sie nicht allzu lange, um selbst mit der Herstellung alkoholischer Getränke zu beginnen, gleichwohl die Puritaner unter ihnen von Zeit zu Zeit versuchten, den Genuss von Alkohol einzuschränken, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Bereits 1607 wurde in der Kolonie Jamestown eine erste Taverne errichtet und Tausende sollten ihr in den kommenden Jahren und Jahrzehnten in ganz Amerika nachfolgen.

So verschieden diese sogenannten Saloons oder Trinkhallen auch waren, so verschieden war auch ihr Angebot. Vom feinsten französischen Champagner bis hin zum hochprozentigen „Blindmacher” konnte man alles erhalten, was der Magen auszuhalten imstande war. Ein Reinheitsgebot für selbstgebrannten Schnaps gab es nicht, und die Rezeptur blieb der Fantasie des jeweiligen Brennmeisters überlassen. Da gab es den „Totenerwecker”, „Tarantelsaft” oder den „Beinverknoter.” Für den sogenannten „Indianer-Whiskey”, der auch tatsächlich an die Indianer verhökert wurde, liest sich das Rezept wie aus dem Zauberbuch eines mittelalterlichen Hexenmeisters:

Nimm ein Fass Missouri-Wasser und zwei Gallonen Alkohol. Füge zwei Unzen Strychnin hinzu, um sie verrückt zu machen (…) und zwei Tafeln Presstabak, damit ihnen schlecht wird (…) weiterhin fünf Stück Seife, um es zum Schäumen zu bringen, und ein halbes Pfund rote Pfefferschoten. Schließlich einige Salbeisträucher und koche das Ganze, bis es braun ist. In einem Fass durchseihen und fertig ist der Indian-Whiskey.”

Kiecksee, Jens: WESTERN SALOONS, S. 25

Wie fertig derjenige Indianer war, der dieses Gesöff zu sich nahm, lässt sich dabei nur unschwer erraten.

Neben diesen „Höllengetränken” gab es aber auch die feineren Sorten, allen voran den weltberühmte Bourbon-Whiskey aus Kentucky, der 1789 wohl eher durch Zufall entdeckt wurde, als Elijah Craig das Innere von Fässern mit glühenden Kohlen ausflammte, um sie so zu reinigen. Danach ließ er sie wie üblich mit selbstgebranntem Alkohol auffüllen, der dann nach und nach verkonsumiert wurde. Einige Fässer vergaß er dabei jedoch in einer dunklen Ecke seiner Destillerie und fand sie erst vier Jahre später wieder. Der Bourbon war geboren, der durch die Holzkohle eine wunderbare rotbraune Farbe angenommen und über einen rauchigen, weichen, körperreichen Geschmack verfügt hatte. Bekannte Sorten wie Old Pepper, Old Gideon, Jim Beam, Jack Daniels, Wild Turkey oder Maker’s Mark zählen noch heute zu den berühmten Vertretern dieses alkoholischen Getränks. Zu diesen Whiskeys kamen noch der mexikanische Tequila und Pulque, französischer Cognac, sowie die schottischen und irischen Whiskysorten hinzu. Der Favorit unter der nach Alkohol dürstenden Bevölkerung blieb allerdings das Bier. Ob nun aus der Flasche oder frisch vom Fass, spielte dabei keine Rolle. Das erste trinkbare Bier wurde 1837 in Kalifornien gebraut, und um 1850 herum war es die Brauerei von William Bull, die die durstigen Goldgräber mit dem kühlen Nass versorgte. Es dauerte nicht lange und das Brauwesen befand sich fest in deutscher Hand, was sich auch in dem Konsum des Bieres widerspiegelte. In den 1880er Jahren wurde hauptsächlich in Milwaukee, St. Louis und Cincinnati Bier gebraut, wobei z. B. Anheuser & Busch” das Budweiser-Pils herstellte. Allerdings diente der Alkohol nicht nur dazu, sich in der geselligen Atmosphäre eines Saloons oder einer Tanzhalle zu berauschen, sondern auch oft dazu, seine insgeheimen Aggressionen zu verstärken und schließlich auch auszuleben. So wurde aus einem besonnenen, friedliebenden Mann unter Umständen ein revolverschwingender Draufgänger, der Dinge tat, die er im nüchternen Zustand womöglich unterlassen hätte. Viele dieser sogenannten Saloon-Schießereien fanden unter dem Einfluss „geistiger Getränke” statt und nicht wenige von ihnen endeten tödlich, und am Ende gesehen, auch völlig sinnlos. Städte wie Dodge City, Tombstone, Abilene, Hays u. v. a. m. zeugten von derlei Gewaltausbrüchen, die ohne den Genuss von Alkohol wahrscheinlich erst gar nicht stattgefunden hätten.

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