E-Book, Deutsch, Band 1881, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Francis Perry Rhodan 1881: Chaostage
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-1880-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Heliotischen Bollwerke"
E-Book, Deutsch, Band 1881, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-1880-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
H.G. FRANCIS Ob Kinder- und Jugendbücher, Tierabenteuer, Science Fiction, Detektivgeschichten, Gruselstorys oder Erwachsenenromane - H.G. Francis weiß in den verschiedensten Genres zu überzeugen. Darüber hinaus machte sich der PERRY RHODAN-Autor einen Namen als Autor und Regisseur von Hörspielen und Drehbüchern für Fernsehserien. Hans Gerhard Franciskowsky, wie der 1936 geborene Schriftsteller mit bürgerlichem Namen heißt, veröffentlichte bereits mit 26 seinen ersten Roman 'Die fünf Oligos'. 1970 erfolgte der Einstieg in das Team von ATLAN, ein Jahr darauf bei der PERRY RHODAN-Serie, für die er bis heute schreibt. Im September 2002 erschien sein zweihundertster Beitrag zur Serie! Im Lauf der Jahre sorgte Francis' Arbeit immer wieder für Diskussionen. Zuletzt, als er den Mausbiber Gucky (vorgeblich, wie herausstellte) sterben ließ. Neben seinen Serienromanen verfasste Francis eine Vielzahl anderer Science Fiction; sein Roman 'Die vom fünften Hundert' wird zu den besten Werken der deutschen Nachkriegs-SF gezählt. Der Umwelt- und Tierschutz liegt H.G. Francis nahe. Immer wieder nimmt er in seinen Romanen darauf Bezug, zum Beispiel mit der außerordentlich erfolgreichen Jugendbuchserie 'Wendy' um den Reiterhof Rosenborg und verschiedenen Tierbuch-Serien. Für diese Themen recherchierte der Autor weltweit. Reisen nach Indien (Tiger), Ostafrika (Elefanten), China (Pandabären), zu den Azoren (Pottwale), Florida (Delfine) oder Kanada (Grizzlys und Sattelrobben) bringen neue Erkenntnisse, die in seine Arbeit einfließen und ihnen Authentizität verleihen. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit sind Drehbücher für so erfolgreiche Hörspielserien wie 'TKKG', 'Die drei Fragezeichen', 'Die fünf Freunde', 'Edgar Wallace', 'Gruselserie', 'Commander Perkins', 'Masters of the Univers' oder 'Wendy' und viele andere. Insgesamt entstanden rund 600 Hörspiele, bei denen der Autor teilweise selbst Regie führte. Dafür wurde H.G. Francis mit zahlreichen Goldenen und Platin-Schallplatten ausgezeichnet. Die Gesamtauflage seiner Hörspiele beträgt 120.000.000! Detektivromane, Kurzgeschichten und Drehbücher für Fernsehsendungen ergänzen das umfangreiche Schaffen des Schriftstellers. 'Ich wäre als Schriftsteller auf keinen Fall ausgefüllt und zufrieden, könnte ich nur in einem Genre arbeiten', bekennt er. 'Wichtig ist für mich die Vielfalt und die Herausforderung durch neue Themenkreise. Das Spektrum der Themen kann gar nicht weit genug für mich sein.' Mit Heft 2237 'Welt der Hyperkristalle' nahm H. G. Francis seinen Abschied von der Serie.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
»Wie spät ist es?«
»13:01 am Samstag, dem 10. Oktober 1289 NGZ – wenn du es ganz genau wissen willst.«
»Du übertreibst mal wieder, schließlich weiß ich, welchen Tag und welches Jahr wir haben.«
»Kein Grund zur Aufregung. Ich hatte dich unterbrochen. Wo waren wir stehengeblieben?«
»Bei einem Zitat: Die Gesetzesbücher treffen so viele Vorkehrungen gegen die Gewalt, und unsere Erziehung ist dermaßen in der Absicht geleitet, unsere Tendenzen zur Gewaltsamkeit abzuschwächen, dass wir instinktiv zu den Gedanken geführt werden, dass jede Handlung der Gewalt die Kundgebung eines Rückschritts zur Barbarei sei.«
»Wer hat das gesagt?«
»George Sorel in seinen Réflexions sur la violence.«
»Aber du bist nicht seiner Meinung?«
»Oh, doch. Ich hasse Gewalt. Sie ist für mich tatsächlich Ausdruck der Barbarei.«
»Weil du schwach bist!«
»Du willst mich beleidigen? Das kannst du nicht. Gewaltverzicht ist in meinen Augen auch nicht Schwäche, sondern ein Ausdruck von innerer Stärke.«
*
Das Wesen war etwa eineinhalb Meter groß und an den Schultern – unglaublich! – fast ebenso breit. Es war annähernd humanoid und hatte aufgrund seiner Statur eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Epsaler.
Arved Shoa spürte, wie es ihm beim Anblick dieses Geschöpfes kalt über den Rücken lief. Für ihn war es Gestalt gewordene Gewalt.
Der Fremde hatte ein nahezu vierzig Zentimeter langes Horn auf der Stirn, in sich gewunden wie ein Korkenzieher. Der Hinterkopf war von einer knöchernen Platte bedeckt, in die ein Totenkopf dieser fremden Art eingeschnitzt und mit blau leuchtender Farbe nachgezeichnet worden war.
Die Haut des Wesens war giftgrün, doch war davon nur wenig zu sehen, da der füllige Körper nahezu vollständig von einem Wams mit gelb-schwarzen Streifen bedeckt war. Allerdings stand es an der Brust weit offen, so dass die Kleidung Einblick auf die Muskelstränge gewährte. Sie machten auf einen wenig trainierten Mann wie Arved Shoa einen geradezu erschreckenden Eindruck.
Die stämmigen Beine mit den breiten Füßen steckten in einem hauteng sitzenden, lederartigen Material. Es umspannte sie so eng, dass beinahe jede Hautfalte und die Krallen an den drei nach vorn gerichteten Zehen und der einen nach hinten zeigenden Fersenkralle zu sehen waren. Beide Fersenkrallen waren offenbar als tödliche Waffen eingesetzt worden, denn sie waren blutverschmiert.
Mit rotem Blut. Menschlichem Blut.
Arved Shoa wandte seine Blicke zur Seite. Er ertrug den Anblick dieser Sporne nicht, machte er doch zweifelsfrei deutlich, auf welche Weise die Opfer gestorben waren. Doch es half nichts, sich abzuwenden.
Er verspürte einen unangenehmen Druck in der Magengegend. Die Muskulatur zog sich ihm in diesem Gebiet zusammen, als wollte sie sich schon jetzt dem Dorn entgegenstemmen.
Der Terraner machte sich heftige Vorwürfe.
Beim Prall-Skating und beim Anblick der Faktordampf-Barriere war ihm der Gedanke gekommen, er könne herausfinden, was sich hinter der Barriere verbarg und was aus den 400 Mann geworden war, die dahinter verschwunden waren. Er war rasch über die Absperrungen hinweggeflogen, die Cistolo Khans Soldaten am Rande der Barriere errichtet hatten, und er hatte ebenso alle Verbote ignoriert, die in letzter Zeit ausgesprochen worden waren. Zwar war eine Zone entlang der Barriere eingerichtet worden, aus der ein großer Teil der Bevölkerung evakuiert worden war, aber das alles hatte Shoa nicht beachtet.
Vielleicht hatte ihn seine Sportart in eine Stimmung versetzt, in der sein Urteilsvermögen getrübt war.
Winzige Energiezellen unter den Sohlen seiner Stiefel schufen Prallfelder, die ihn anhoben und etwa zwei Zentimeter über dem Boden schweben ließen. Da die Felder klein waren und punktuell wirkten, gehörten gute Balance und perfekte Körperbeherrschung dazu, sich auf ihnen zu bewegen. Der Körperschwerpunkt musste stets über ihnen bleiben, wanderte er aus ihrem Wirkungsbereich aus, kam es unweigerlich zum Sturz.
Kraft gehörte nicht dazu, diesen Sport auszuüben. Es kam auf das feine Zusammenspiel von Muskeln, Nerven und Sinnen an. Gelang es, sie in Einklang zu bringen, stellte sich ein geradezu euphorisches Erfolgsgefühl ein.
Shoa lag hinter einem Felsen verborgen auf der Innenseite der Barriere, und der Dscherro war keine fünf Meter von ihm entfernt. Er stand neben einer der Flugmaschinen der Fremden, anscheinend eine Art von Truppentransporter, der bis zu fünfzig Kämpfer befördern konnte.
Die Maschinen hatten sich leicht in den trockenen, marsroten Boden gedrückt, der nur von wenigen Flechten überdeckt wurde und ansonsten keine Vegetation zu kennen schien. In langer Reihe stampften die Dscherro heran, um die Flugmaschine zu besteigen.
Hundert Meter weiter stand die nächste Maschine und nicht weit davon die nächste und wahrscheinlich viele weitere, eine schier endlose Kette von Flugmaschinen, die in regelmäßigen Abständen voneinander parkten. Er konnte sie nicht sehen, da sie in nebelhaftem Dunst verborgen waren, doch die Geräusche, die er vernahm, waren eindeutig.
Ob nördlich oder südlich von ihm – überall war es dasselbe.
Ebenfalls in greifbarer Nähe schien die Burg der Dscherro zu sein, wie Arved Shoa das merkwürdige Gebäude nannte. Es erhob sich einige Kilometer hoch wie ein gigantischer Termitenhügel, eine Bastion voller Vorsprünge, Schründe, Plattformen, Einbuchtungen und Unregelmäßigkeiten. Er schätzte, dass auf den größten Plattformen sogar Raumschiffe mit einem Durchmesser von annähernd 500 Metern landen konnten – falls die Fremden überhaupt Raumschiffe besaßen. Das Ganze wirkte doch sehr primitiv und barbarisch.
Das Äußere der Burg bestand offensichtlich aus einer hochwertigen Metalllegierung. Doch das war es nicht, was Shoa einen Schauder des Entsetzens über den Rücken jagte und was ihn bedauern ließ, dass er den Vorstoß unternommen hatte.
Sosehr er als Reporter von dem Anblick des gigantischen Gebildes fasziniert war, so sehr fürchtete er sich. Noch einmal ließ er seine syntronisch gesteuerten Teleskopaugen, die er an einem Tragegurt am Kopf befestigt hatte, vor seinen echten Augen niedergehen. Dann sah er es: Überall an den Außenwänden des Baus waren Trophäen drapiert, von den Skeletten vermutlich getöteter Feinde und Tiere bis hin zu Raumanzügen, Rüstungen, Wracks aller nur denkbaren Gefährte, heraldischen Symbolen, Krimskrams und Waffen – Souvenirs überstandener Kämpfe.
Unter der Burg und dem umgebenden Gelände gab es fraglos ein Netz von unterirdischen Stollen, denn überall tauchten die gedrungenen Wesen wie aus dem Nichts heraus auf. Sie schnellten sich aus dem Boden hervor und eilten zu den Transportfahrzeugen.
Etwa zweihundert Meter von dem heimlichen Beobachter entfernt arbeiteten robotische Maschinen. Da sie sich in den Boden wühlten, ließ ihre Tätigkeit darauf schließen, dass sie die Stollen weiter vorantreiben wollten – unter der Faktordampf-Barriere hindurch in die Stadt Terrania hinein.
Ich muss nach draußen!, beschwor der Reporter sich selbst. Cistolo Khan und die anderen müssen wissen, was hier wirklich geschieht.
Arved Shoa vernahm aus verschiedenen Richtungen die Stimmen. Sie klangen rau und guttural, und die Sprache war geprägt von vielen Ch- und Sch-Lauten. Die Fremden sprachen es plärrend, fast bellend.
Der Terraner erkannte, dass er nicht mehr länger in der Deckung des Felsens bleiben musste. Er wunderte sich ohnehin, dass ihn die Fremden nicht wahrnahmen. Aber wahrscheinlich waren sie so von ihrer Arbeit eingenommen, dass sie seinen »Einflug« nicht bemerkt hatten.
Shoa war schon viel zu lange hiergeblieben. Längst hätte er den Durchbruch nach draußen versuchen müssen, um die Bewohner von Terrania zu warnen.
Sie waren zum größten Teil ahnungslos. Davon war er fest überzeugt.
Wie hätten sie auch auf den Gedanken kommen können, dass sich unsichtbar für sie hinter der Faktordampf-Barriere eine gewaltige militärische Maschine aufbaute und sich möglicherweise anschickte, die Stadt zu überrollen?
Shoa nahm seine ganze Kraft zusammen, sprang auf, schaltete die Prallfelder ein und jagte los. Er war ein guter Läufer, der mit jedem Gleitschritt großen Raumgewinn erzielte. Vor ihm erschien die Barriere; er wusste, dahinter kam die Umgebung von Terrania. Einzelheiten waren jedoch nicht zu erkennen. Durch die Barriere drang kein Licht, sie wirkte wie eine graue Mauer.
Einige Sekunden lang schien es so, als könne er es schaffen, den Unheimlichen zu entkommen.
Dann ertönte hinter ihm ein Schrei.
Der Terraner blickte zurück.
Eines der bulligen Wesen stürzte sich auf ihn, wirbelte um seine Achse und schlug mit seinem rechten Bein nach ihm. Der Dorn an seiner Ferse schien sich zu verlängern.
Arved Shoa schrie sein ganzes Entsetzen heraus. In höchster Verzweiflung versuchte er der tödlichen Waffe auszuweichen.
Er schaffte es nicht mehr.
Geschickt ließ er sich fallen, rollte sich zur Seite, sprang auf und streckte die Arme in die Höhe. Er sah ein, dass er seinem Gegner unter diesen Umständen nicht entfliehen konnte.
Sein Gegenüber leckte sich die Lippen. Er hatte eine dunkle, fast schwarze Zunge, und er schlürfte dabei, als sei ihm beim Anblick einer kulinarischen Köstlichkeit das Wasser im Mund zusammengelaufen.
»Ich ergebe mich«, stammelte Shoa. »Ich habe keine Waffe bei mir, und ich laufe nicht weg.«
Der Fremde bewegte sich unglaublich schnell, so dass der Terraner nicht in der Lage...




