E-Book, Deutsch, Band 11, 0 Seiten
Reihe: Die Homanx-Reihe
Foster Long Tunnel
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-14015-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Homanx-Zyklus - Roman
E-Book, Deutsch, Band 11, 0 Seiten
Reihe: Die Homanx-Reihe
ISBN: 978-3-641-14015-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Flinx, ein empathischer Mutant, besucht die Heimatwelt seiner Leibwächterin, der Flugechse Pip. In letzter Minute retten die beiden die Genforscherin Clarity, die von Ökoterroristen entführt wurde, die die Entwicklung von Luxusprodukten aus den Rohstoffen von Long Tunnel verhindern wollen. Sie fliehen in die unterirdischen Höhlen des Planeten, die der Flora und Fauna von Long Tunnel Schutz vor dem mörderischen Klima der Oberfläche bieten. Da wird Flinx von Unbekannten entführt, um einer Gruppe Wissenschaftler als Forschungsobjekt zu dienen. Doch die rechnen nicht mit Flinx' Freunden ...
Alan Dean Fosters Arbeiten sind breit gefächert und reichen von Science Fiction und Fantasy über Horror und Krimis bis zu Western. Er schrieb Romane zu »Star Wars« und den ersten drei Alien-Filmen sowie Vorlagen für Hörbücher, Radio und die Story des ersten Star-Trek-Films. Alan Dean Foster lebt heute mit seiner Familie in Prescott, Arizona.
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2. Kapitel
Während Alaspin eine ganze Menge Besucher anlockte, so waren doch nur wenige davon Touristen. Die Mehrheit waren Wissenschaftler, für die ein unfreundliches Klima lediglich eine unbedeutende Behinderung ihrer Forschungen darstellte. Hier wenigstens bot sich ihnen ein gleichförmiges Hindernis. Das Wetter in den weitläufigen, mit hohem Gras bewachsenen Savannen und in dem dichten Dschungel, der sie säumte, veränderte sich von Monat zu Monat nur geringfügig. Es gab eigentlich nur zwei Wetterverhältnisse: nass und nicht ganz so nass.
Die Wissenschaftler kamen, um die Tausende von Tempeln und Ruinen zu untersuchen, die von einer hochentwickelten Zivilisation zurückgelassen worden waren, die zu scheu gewesen war, um sich selbst einen Namen zu geben, und die daher in Ermangelung eines solchen Namens Alaspinianer getauft worden waren. Sie hatten ausführliche Berichte von ihren Reisen durch diese Region des Weltraums hinterlassen, doch so gut wie nichts über sich selbst.
Dabei hatten sie in primitiven Bauwerken aus Stein und Holz gelebt und gearbeitet. Nichts war über ihr Verschwinden bekannt, wenngleich die Theorie eines rassischen Selbstmords viele Anhänger hatte. Es war fast so, als ob sie, verblüfft von ihren Leistungen, vor rund siebzigtausend Jahren einfach verschwunden wären. Andere meinten, sie wären weggezogen. Denn wenn sie wirklich einen rassischen Selbstmord begangen hätten, wo waren dann ihre Überreste?
Besonders instabile Körper, meinten die Selbstmordanhänger. Oder sie waren im Dschungel verbrannt worden. Dies waren Theorien über Theorien, die auch von Natur aus ruhige, gelassene Xenoarchäologen um den Verstand zu bringen vermochten, allesamt unbeweisbar, denn unter den Millionen von Schnitzereien und Aufzeichnungen, die auf kleinen Würfeln aus Metall mit mikroskopisch kleinen Gravuren zurückgelassen worden waren, gab es nicht eine einzige Darstellung eines Alaspinianers. Es existierten wohl zahllose Bilder von Tieren und Landschaften und Konstruktionen, aber von den Leuten, die das alles geschaffen hatten, existierte nichts.
Es war eine jener Welten, auf denen die Thranx sich wohler fühlten als ihre menschlichen Verbündeten. Das heiße feuchte Klima war wie der Hauch frisch verdampfter Luft daheim. Die größeren, auf Dauer erbauten Forschungseinrichtungen wurden alle von den Thranx betrieben, während ihre menschlichen Gefährten sehr schnell kamen und gingen, sich ein paar Informationen verschafften, damit es für einen Artikel oder einen Doktortitel reichte, ehe sie wieder auf kühlere trockenere Welten flohen.
In den Grenzregionen, am Rand der Wildnis, waren mehr Prospektoren als Wissenschaftler anzutreffen. Auf Alaspin gab es reichliche Vorkommen wertvoller Mineralien. Viele von denen, die sich selbst Prospektoren nannten, mieden jedoch die weiten fruchtbaren Ebenen der Savannen zugunsten der Suche in zahllosen Ruinen, wo das Graben einfacher war und die ›Erze‹ in höherer Konzentration gefunden wurden. Tatsächlich sogar in reinem Zustand. Zwischen den Prospektoren und den Wissenschaftlern war ein ständiger Kleinkrieg im Gange.
Für jene, die sich der Forschung verschrieben hatten, waren die Prospektoren Grabschänder und Zerstörer einer immer noch kaum untersuchten fremdartigen Hinterlassenschaft. Einige der rücksichtsloseren und weniger sorgfältigen Forscher waren durchaus bereit, ein gerade neu entdecktes Bauwerk auf der Suche nach einem einzigen verkäuflichen Artefakt auseinanderzureißen, womit der gesamte Fundort für wissenschaftliche Studien nutzlos wurde.
Unterdessen beklagten sich die Prospektoren, die nicht aus großzügigen Forschungsfonds schöpfen konnten und vorwiegend dank ihrer Gewitztheit in einer feindseligen Umgebung überlebten, dass die Regierung sich stets auf die Seite der großen Institute stellte, wo sie doch mehr Fundorte und Ruinen ausgegraben hatten, die zu studieren man tausend und mehr Jahre gebraucht hätte. Sie meinten, dass jeder zusätzlich eröffnete Fundort, den sie entdeckten, weitere wissenschaftliche Erkenntnisse erbrachte und sie nicht etwa minderte.
Zwischen diesen Gruppen existierte noch eine kleine Schar von Hybriden, die von beiden Seiten akzeptiert wurden, einzeln auftretende Individuen, die sowohl Prospektoren wie auch Wissenschaftler waren, Reisende, in denen der Drang zu lernen ständig gegen ihre Geldgier ankämpfte.
Von den Streitenden und ihren ständigen Auseinandersetzungen hielten sich jene fern, die nach Alaspin gekommen waren, um ihr Glück auf andere Art und Weise und mit anderen Dingen zu machen. Sie kamen, um den Bedürfnissen sowohl der Wissenschaftler wie auch der Prospektoren dienlich zu sein. Für Geld, da niemand nach Alaspin kam, weil es dort etwa so gesund war. Das Klima war furchtbar, und die eingeborenen Lebensformen reagierten feindselig. Nicht jeder Wissenschaftler wurde von einem anerkannten Institut unterstützt. Nicht jeder Prospektor wurde von einer größeren Firma oder einer kriminellen Vereinigung unterhalten. Daher brauchte man Läden, Zerstreuungsmöglichkeiten und gewisse Serviceeinrichtungen, die einfach und wirkungsvoll funktionierten. Die Leute, die solche Unternehmen betrieben, waren die einzigen wirklichen Bürger von Alaspin. Sie brauchten den Planeten zum Leben. Sie richteten sich auf einen langen Aufenthalt ein, ganz im Gegensatz zu den Wissenschaftlern, die von der großen Entdeckung träumten, oder den Prospektoren, die auf den einen großen Schlag hofften, der vielleicht im nächsten von Weinranken überwucherten Tempel, im nächsten jungfräulichen Fluss verborgen lag.
Und schließlich war da Flinx.
Er gehörte zu keiner der anerkannten Gruppen, die über die feuchte Oberfläche Alaspins flitzten. Er war nicht gekommen, um nach Bodenschätzen zu suchen, und er wollte auch keine Forschung betreiben, obgleich er sich intensiv mit allem beschäftigte, was ihm begegnete. Seine eigentliche Absicht war es, etwas Einsamkeit zu finden.
Die Wissenschaftler hielten ihn für einen recht seltsamen Studenten, der an seiner Doktorarbeit werkelte. Die Prospektoren erkannten einen Einzelgänger auf den ersten Blick und hielten ihn für einen der Ihren. Wer sonst außer einem Prospektor besaß eine alaspinianische fliegende Schlange, einen Minidrach, der ihm ständig auf der Schulter saß? Wer sonst mied nähere Bekanntschaften oder beiläufige Gespräche? Nicht dass der junge Mann sich bewusst abweisend verhielt. Die Anwesenheit seines grauenvoll tödlichen Schoßtiers hielt die Neugierigen erfolgreich von ihm fern.
Zu jenen, die frech oder auch ahnungslos genug waren, um sich auf der Straße oder im Speisesaal des kleinen Hotels in seine Nähe zu wagen, war er stets höflich und zuvorkommend. Nein, er sei kein Student. Auch kein Prospektor. Er arbeite auch nicht für eine der planetaren Dienstleistungsfirmen. Er sei auf Alaspin, gab er freimütig zu, um eine Heimkehr zu ermöglichen. Nachdem sie das gehört hatten, zogen sich die Frager ausnahmslos zurück, ratloser als vor ihrem Versuch, ihn näher kennenzulernen.
Flinx behandelte alles, was ihm begegnete, mit Höflichkeit, sowohl diejenigen, die ihn ausfragten, als auch alle jene, welche Pips einzigartige blaue und rosafarbene funkelnde Färbung erkannten und eilig auf die andere Straßenseite wechselten, wenn sie ihn kommen sahen. Je älter er wurde, desto mehr war er von der Menschheit fasziniert. Bis vor kurzem hatte es ihm seine Unreife verboten, den einzigartigen, vielschichtigen Organismus angemessen zu würdigen, den die menschliche Rasse darstellte.
Was die Thranx betraf, so waren sie auf ihre Art genauso interessant. Ihr Gesellschaftssystem unterschied sich grundlegend von dem der Menschen. Dennoch kamen die beiden Rassen überaus gut miteinander aus – trotz ihrer unterschiedlichen Ziele und Auffassungen. Ja, er entwickelte sich zu einem Kenner der verschiedenen Arten und Rassen, ungeachtet ihrer Größe und Gestalt und ihrer vielfältigen Skelettformen. Das kam zum Teil daher, dass er in Wirklichkeit nach jemandem suchte, der genauso einzigartig war wie er selbst. Bisher hatte er ein solches Wesen nicht gefunden.
Während er seinen Gedanken nachhing, schärfte er eine Machete. Es war ein außerordentlich primitives Werkzeug, eigentlich nicht mehr als ein ziemlich großes Stück geschliffenen Metalls. Billige Laserschneider waren in jedem Werkzeugladen in Mimmisompo käuflich zu erwerben, aber er hatte sich statt dessen für diese Antiquität entschieden. Mit einem Schneider zu zielen und den Auslöser zu betätigen, vermittelte nicht das gleiche Gefühl tiefer Befriedigung, wie er es beim Schwingen der schweren Klinge empfand. Ein Schneider arbeitete sauber und geräuschlos. Beim Einsatz der Machete roch man den Erfolg seiner Bemühungen, wenn man sich durch die grünen und violetten Stängel und gestreiften Blätter hackte. Dieses Zerstörungswerk verursachte ihm kein schlechtes Gewissen, denn er wusste, wie kurzzeitig es war. Innerhalb einer Woche würde der Weg, den er sich geschlagen hatte, längst verschwunden sein. Wenn ihn nämlich die Pflanzen aufs neue zuwucherten, um das Sonnenlicht aufzunehmen, das bis auf den Dschungelboden drang.
Um ihn herum ragten hohe Bäume auf. Besonders fasziniert war er von einem, der vorwiegend aus dicken Wurzelsträngen und einem kurzen Stamm bestand. Er war überwuchert von Schmarotzerpflanzen mit einem Gewirr von hellroten Blüten. Schwärme von winzigen blauschwarzen Insekten wimmelten um trompetengleich geformte Blütenkelche. Vierflügelige Verwandte der terranischen Lepidoptera drängten heran und stritten sich um einen günstigen Platz an der Nektarquelle.
Weniger dekorative Lebewesen versuchten sich durch seine Stiefel zu beißen, die drei Zentimeter und mehr im grauen Schlamm versanken, durch den...




