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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 427 Seiten

Reihe: Frank Corso ermittelt

Ford Rotes Fieber

Thriller. Frank Corso ermittelt 4 | Niemand sieht den Tod kommen: Eine Stadt im Ausnahmezustand ...
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-287-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller. Frank Corso ermittelt 4 | Niemand sieht den Tod kommen: Eine Stadt im Ausnahmezustand ...

E-Book, Deutsch, Band 4, 427 Seiten

Reihe: Frank Corso ermittelt

ISBN: 978-3-98952-287-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein tödlicher Virus kennt kein Erbarmen ... Es beginnt mit einem leichten Kratzen im Hals, dann kommt die Atemnot und Sekunden später folgt der schmerzhafte Tod ... Ein Virus unbekannter Herkunft hält Seattle im Griff. Jeden Tag fallen ihm mehr Menschen zum Opfer - und das rätselhafte Sterben scheint kein Ende zu nehmen. Trotz offiziellen Vorgaben, das Ausmaß der Katastrophe zu verschweigen, weigert sich der abgebrühte Journalist Frank Corso, untätig zu bleiben. Handelt es sich um einen natürlichen Virus oder um einen menschlich gezüchteten? In einem Wettlauf gegen die Zeit versucht er, dem Rätsel des unsichtbaren Killers auf die Spur zu kommen - und gerät dabei selbst in Lebensgefahr... »Dieser Thriller wird mit jeder Seite rasanter - man kann nicht abspringen, bis die wilde Fahrt vorüber ist.« The Washington Post Eine tödliche Epidemie verlangt Frank Corso alles ab ... Der vierte Band der Thriller-Reihe um den abgebrühten Journalisten für Fans von Michael Connelly und Jeffery Deaver. Alle Bände der Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.

G.M. Ford (1945 - 2021) war ein preisgekrönter amerikanischer Schriftsteller, der mit seinen beiden Krimireihen um den Journalisten Frank Corso und Privatdetektiv Leo Waterman internationale Bekanntheit erreichte. Er wurde u.a. für den Shamus, Anthony und Lefty Award nominiert und lebte an der Westküste, zuletzt in Oregon, wo er an der Universität auch als Dozent für Kreatives Schreiben tätig war. Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine Frank-Corso-Reihe, bestehend aus »Dunkle Strafe«, »Killer-Trieb«, »Spur des Bösen«, »Spur des Bösen«, »Die Geisel« und »Spur des Blutes«.
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Kapitel 2


Die letzten Augenblicke in Carson Moodys Leben waren still. Sicher, andere Gespräche müssen in diesen letzten Sekunden um ihn herumgewirbelt sein. Immerhin war es Hauptverkehrszeit, und der Bus war voll, doch Carson Moody hatte das alles ausgeblendet, wie so oft in der Öffentlichkeit. Seine vollen Lippen bewegten sich, als er seiner inneren Stimme lauschte, wie sie die Spalte mit den Desserts auf der Speisekarte des Zimmerservice im Alexis Hotel durchging. Er hatte sich schon für die Kalbfleisch-Piccata als Vorspeise entschieden und überlegte gerade, ob es klug wäre, eine nette Crème Brûlée zum Abschluss zu nehmen, als die verzerrte Stimme durch die Lautsprecher an der Decke klirrte. »Pioneer Square Station«, krächzte der Busfahrer.

Aus seinen gastronomischen Grübeleien gerissen, griff Moody zwischen seine Beine, legte die Finger um den Griff seiner Aktentasche und hob sie auf seinen Schoß. Als der Bus lautlos an den weiß gekachelten Wänden vorbeiglitt, blickte er zum Fenster. Geistesabwesend wanderten seine Augen über Menschenmassen, die dicht gedrängt entlang des nördlichen Endes des unterirdischen Busbahnhofs standen. Er starrte immer noch auf diese wahllose Ansammlung menschlicher Wesen, als er, wie so oft in seinen nachdenklichen Momenten, die Stimme seiner Mutter einen ihrer zahllosen Sinnsprüche rezitieren hörte, derentwegen er sich vor allem an sie erinnerte.

»Wenn du schon nach Rom fährst, kannst du auch den Papst besuchen«, hörte er sie sagen und lächelte. Da war es entschieden. Definitiv die Crème Brûlée. Er unterdrückte ein innerliches Glucksen. Wendy durfte er natürlich nichts davon erzählen. Oh nein. Seit letztem Mai, als man Diabetes bei ihm festgestellt hatte, war sie zur Essenspolizei geworden. Stets wachsam. Keine Ausreden. Nein ... die Crème Brûlée war auf jeden Fall dazu bestimmt, sein kleines Geheimnis zu bleiben.

Carson Moody stand auf, als der Bus die Mitte der Station erreichte. Mit der freien Hand strich er seinen Mantel glatt. Zufrieden mit seinem Erscheinungsbild, straffte er die Schultern und richtete seine Aufmerksamkeit auf die automatischen Türen auf der anderen Seite des Gangs direkt gegenüber seinem Sitzplatz. Als er durch die Plastikovale der Türen starrte, blieb sein Blick an einem älteren Paar in schwarz-gelben Skijacken hängen. Er beobachtete, wie sie über den Bussteig zum offenen Maul des Aufzugs eilten. Der alte Mann hob eine Hand, seine Lippen formten eine Bitte an den Mittdreißiger, der schon drinstand.

Moody sah zu, wie der jüngere Mann den Arm ausstreckte und einen Knopf drückte. Er nahm an, der junge Mann wolle die Türen für das ältere Paar aufhalten, was ja ziemlich nahe lag. Ein Irrtum, der vielleicht erklärte, dass ihm der Mund offen stehen blieb, als die Gleittüren zuschnappten und das grüne Licht hinaufzusteigen begann.

Während der Bus vorbeiglitt, musste Moody den Kopf drehen, um durch das schmutzige Rückfenster des Busses zu verfolgen, wie sich die Geschichte weiterentwickelte. Zu sehen, wie die beiden Alten schlurfend stehen blieben. Wie die Frau entrüstet die Hände in die Hüften stemmte und etwas zu dem Mann sagte. Lind dann wie der alte Mann in entrüstetem Unglauben den zerzausten Kopf schüttelte.

Er schaute noch immer zu dem Paar hinüber, als er eine Rauchwolke wahrnahm. Nicht direkt Rauch. Irgendetwas Dickeres. Substanzielleres. In dem künstlichen Licht sah es einen Moment lang aus wie in seiner Kindheit in Iowa, wenn die Nachmittagsbrise die spätsommerlichen Löwenzahnsamen loslöste und die Luft mit Heerscharen winziger weißer Fallschirme erfüllte.

Auch wenn Moody selbst kein Geräusch hörte, war ihm klar, dass das, was immer diesen Rauch ausgestoßen hatte, irgendein Geräusch gemacht haben musste. Alle auf dem Bahnsteig erstarrten für einen Augenblick und drehten sich dann zu der sich spiralförmig drehenden weißen Wolke um. Hände fuhren an Kehlen. Menschen zeigten dorthin. Vierzig Meter den Bussteig hinunter schien der alte Mann zu schwanken. »Irgendein verdammter Idiot mit einem Feuerwerkskörper«, dachte Carson Moody.

Der Bus kam zischend zum Stehen. Moody sammelte sich, stieg vorsichtig die drei Stufen hinunter und trat auf den Bussteig hinaus. Zu seiner Rechten wogte die Menge hin und her, starrte nach oben, zu der sich rasch verflüchtigenden Wolke. Das ältere Paar konnte er hinter einer unruhigen Wand aus Menschen nicht mehr sehen. Carson Moody ließ seinen Blick eine volle Minute lang über die Szenerie schweifen, bevor er in entgegengesetzter Richtung davonging und auf die lange Rolltreppe am südlichen Ende des Busbahnhofs und dem Zwischengeschoss darüber zustrebte.

Er war kaum zehn Meter weit gekommen, als er plötzlich eine trockene Stelle im hinteren Teil seines Rachens spürte. Fast als hätte jemand eine Briefmarke auf seine Mandeln geklebt. Er räusperte sich ein paar Mal und versuchte zu schlucken. Als das nicht ging ... als sich plötzlich sein ganzer Hals eng und entzündet anfühlte, begann er, ernsthaftere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Zuerst fragte er sich, ob er vielleicht eine Erkältung bekam oder sogar noch etwas Schlimmeres ... die Grippe ... oder sogar ... Gott bewahre ... er würde sich doch nichts von der jüngsten Grippewelle eingefangen haben, die, wenn man den Medien Glauben schenken konnte, derzeit das Land heimsuchte.

Er riss sich zusammen und schaffte ein weiteres halbes Dutzend Schritte auf die Rolltreppe zu, bevor er erneut stehen blieb. Seine Zahnwurzeln hatten begonnen zu pochen, als ob sie sich plötzlich gelockert hätten und kurz davor wären, aus seinem Kiefer zu fallen. Er führte eine Hand an die Lippen. Zumindest war es das, was er vorhatte. Statt ihr Ziel zu erreichen, schnellte seine Hand gegen seine Stirn und flappte von dort wieder an seinem Körper herunter, wie ein sterbender Fisch auf einer Sandbank.

Seine Muskeln fühlten sich wabbelig und kaum kontrollierbar an. Überzeugt, dass sein Unwohlsein seinen Mitreisenden aufgefallen sein musste, drehte er sich zum Bahnhof um, nur um festzustellen, dass niemand in seine Richtung schaute. Ja, dass alle anderen in Sichtweite unter ziemlich ähnlichen Beschwerden zu leiden schienen wie er. Er blinzelte mehrere Male und schüttelte dann den Kopf, doch die Szene blieb unverändert.

Einige Leute waren hingefallen und wanden sich auf dem weißen Marmorboden, ihre Beine fuhren wie Scherenblätter hin und her, ihre Arme wedelten wie Windmühlen, Muskelkontraktionen trieben sie in kleinen Kreisen über den glatten Steinboden. Unmittelbar in seiner Nähe hatte sich eine Latina mit feuerrotem Gesicht auf ein Knie gehockt und versuchte, ihrer sich in Krämpfen windenden Tochter zu helfen. Ein halbes Fußballfeld entfernt lagen still und reglos die beiden schwarz-gelben Jacken. Etwas näher saß der Fahrer seines Busses ... den Kopf in den Nacken geworfen ... den Mund weit aufgerissen ... und starrte an den Himmel seines Busses. Ein Blutstrom ergoss sich aus dem Mund des Mannes, über sein Kinn, hinunter auf sein faltenfreies blaues Hemd.

Carson Moody hustete schwer. Er fühlte etwas Dickes, Warmes in seinem Mund ... er dachte, danach greifen zu müssen, und besann sich dann eines Besseren, drehte sich stattdessen um und taumelte unsicheren Schrittes auf die Rolltreppe zu, auf die silberne Insel der Rettung und das Licht am oberen Ende der Treppe.

Als er sich in Bewegung setzte, war ihm, als schwappte eine Flüssigkeit in seinem Körper, als hätte er literweise Wasser in seinem Brustkorb, das bei jedem seiner wackeligen Schritte vor und zurück wogte, während seine Füße die letzten Meter schlurften, bis er endlich den Handlauf ergriff und sich von dem schwarzen Kunststoff nach vorn auf die Rolltreppe ziehen ließ. Er geriet ins Schwanken, konnte jedoch das Gleichgewicht halten, als die Maschinerie ihn lautlos nach oben beförderte, hoch über den Bussteig hinaus. Sein Blick zurück nahm da unten keinerlei Bewegung mehr wahr, nur stille Reglosigkeit, hier und da mit unregelmäßigen roten Flecken gesprenkelt. Carson Moody wandte sich ab. Schaute nach oben.

Er versuchte, das Licht auf seinem Gesicht zu spüren, und wunderte sich über die roten Flecken, als der wogende Ozean in seinem Brustkorb ihn in die Knie zwang. Seine zitternden Finger lösten sich von der Aktentasche, die sich mehrfach überschlug, als sie die aufwärtslaufende Treppe hinunterpurzelte, auf die Mutter und das Kind zu, die reglos und still in dem unruhigen roten Scheinwerferlicht lagen.

Er zwang seinen Blick erneut nach oben, über den Bustunnel hinaus. Nichts bewegte sich, nur seine Augen, die aus unerfindlichen Gründen unfähig waren, auf irgendeinem einzelnen Ausschnitt der Szenerie zu verweilen, und stattdessen erbarmungslos von Körper zu Körper rollten, die Wände hinauf und über die Decke wieder zu den beiden Bussen hinunter, die im Leerlauf an der Haltestelle standen. Sie rollten von einem grässlichen Bild zum nächsten, als ob sein Gehirn durch die konstante Bewegung vermeiden wollte, die Details des Blutbades zu verarbeiten.

Sein Arm gab nach. Er spürte den geriffelten Stahl der Treppen an seiner Wange, spürte jetzt die Maschinerie in seinen Eingeweiden, als sie ihn zu dem hellen Licht am Ende der Rolltreppe hinauftransportierte. Er wollte sich zwingen, nach dem Leuchten zu greifen, konnte jedoch die nötige Kraft nicht aufbringen. Er hatte das Bedürfnis, etwas zu sagen, aber sein Mund war voll Suppe.

Sein Körper lag in einem so ungünstigen Winkel auf den elektrisch angetriebenen Stufen, dass die Rolltreppe ihn nicht auf den festen Boden befördern konnte, als er das obere Ende erreicht hatte. Stattdessen lag er wie gelähmt da, und sein zu keiner Bewegung fähiger Körper wellte sich im Rhythmus der stählernen Stufen, die eine...



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