E-Book, Deutsch, 348 Seiten
Forbes THE DIVINE CHRONICLES 5 - SCHÖPFUNG
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96188-138-3
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 348 Seiten
ISBN: 978-3-96188-138-3
Verlag: Mantikore-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
FREUND ODER FEIND? Mein Name ist Landon, doch unter Engeln und Dämonen kennt man mich als 'Diuscrucis'. Ich bin der Ausgleich zwischen diesen beiden Welten. Und wieder einmal muss ich eingreifen, denn keine Seite darf gewinnen. Es würde den Untergang der Welt bedeuten. Seltsame Dinge tragen sich zu: In New York werden Studentinnen bestialisch von Dämonen abgeschlachtet. Tausende Kilometer entfernt paktiert zeitgleich ein begnadeter Wissenschaftler mit Engeln. Gemeinsam arbeiten sie an einem geheimen Projekt, welches die Macht hat, Wissenschaft mit dem Übernatürlichen zu vereinen. Der Kampf zwischen Himmel und Hölle steht kurz bevor. Mir bleibt nur eine Möglichkeit diesen Krieg noch zu verhindern. Doch dafür muss ich mich mit dem Feind verbünden ... Fünfter Teil der Dark Urban Fantasy Reihe von Michael Forbes.
Autoren/Hrsg.
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FÜNF
Die Eckwohnung in einem heruntergekommenen Gebäude im Theater Distrikt war meine gegenwärtige Bleibe. Es war ein unscheinbares, anspruchsloses, kleines Loch in der Wand, das nur durch eine eingeritzte Adresse im Eckpfeiler markiert wurde. Eine nie verschlossene Haustür erlaubte Einlass in das Gebäude. Noch gewöhnlicher ging es nicht, und es war die reinste Form von sich-in-aller-Öffentlichkeit-verstecken.
Ich ging in das mit Postfächern bestückte Foyer und dann durch die zweite Tür in den Treppenaufgang. Die Treppen führten hinauf bis in den dreiundvierzigsten Stock, und alles um mich herum war dunkel und still. Ich legte meine Hand auf meinen Bauch, als er erneut knurrte, und stieg dann zu meinem Apartment im zehnten Stock hinauf. Ich hätte den Aufzug nehmen können, aber der war alt und launisch und würde unweigerlich die Aufmerksamkeit der Nachbarn auf mich ziehen. Ich erreichte die obere Stufe und ging um den Bannister herum, schaute dabei den bekannten Flur hinab, mit dem verhältnismäßig neuen Teppich und dem hartnäckigen Geruch nach Farbe, obwohl die Wand bestimmt seit mindestens zehn Jahren keinen neuen Anstrich gesehen hatte. Ich hielt innen, als ich bemerkte, dass meine Tür einen Spalt offen stand.
Wer würde sich um diese Zeit in meiner Wohnung aufhalten?
Es gab insgesamt nur drei Leute, die überhaupt wussten, wo ich wohnte. Dante würde niemals die Tür benutzen, Elyse erledigte gerade etwas in Südafrika und Obi wusste es besser, als einfach unangemeldet vorbeizuschauen.
Es war eine weitere Kuriosität.
Ich ging weiter, gleichmäßig und ruhig.
Es war hier zu eng, das Schwert würde nicht viel nützen, daher suchte ich nach der Wurzel meiner Macht im Kern meiner Seele und zog sie wie ein elastisches Band durch meinen Körper, in meine Muskeln, verstärkte meine Kraft und meine Geschwindigkeit. Das genügte, damit mein rund siebzig Kilo schwerer Körper es mit einem Göttlichen aufnehmen konnte. Ich erreichte meine Tür und legte die Hand dagegen, lauschte einige Sekunden, bevor ich sie aufstieß. Das laute Quietschen der eingerosteten Türangeln gab jedem Eindringlig genug Warnung, dass ich nach Hause kam. Ich trat über die Schwelle und pausierte, atmete die Luft ein.
Parfüm?
Mein Apartment konnte man als spartanisch bezeichnen. Ich besaß ein Schlafzimmer mit einer Matratze auf dem Boden und ein Wohnzimmer mit einem Sofa und einem Tisch, den ich bei der Wohlfahrt gekauft habe. Einige Handtücher und das übliche Waschzeug lagen in meinem Bad. Dann gab es noch einen Kühlschrank, dessen Tiefkühlfach mit Eis vollgestopft war, und einen Ofen, der nicht benutzt wird. Darüber hinaus war die Küche weitgehend leer. Für die meisten war das wohl eher erbärmlich, doch ich brauchte nicht viel. Kleidung war kein Thema und ich schaute kein Fernsehen. Ich versteckte meinen Laptop in der Decke, wenn ich nicht zu Hause war, und die restliche Einrichtung lagerte im Keller in einer angemieteten Einheit.
Eine Handtasche lag in der Ecke des Sofas.
Der Wasserhahn lief im Badezimmer.
Wer immer da war, war weiblich, und nicht sehr schlau. Das laufende Wasser hatte mein Eintreten übertönt. Leise schlich ich zu der Badezimmertür und drückte mich gegen die Wand. Der Wasserhahn wurde abgestellt, ich hörte Hände am Handtuch. Die Tür öffnete sich und ich verschwand hinter ihr.
Ich sah sie durch die Ritze. Mittelgroß, schulterlanges, braunes Haar, modern geschnitten. Schmale Statur und Brüste, die dazu nicht im Verhältnis standen. Sie trug einen kastanienbrauen Pulli und Jeans.
Sie war nicht Göttlich.
Als sie bemerkte, dass die Tür offen stand, holte sie unter ihrem Pulli eine Waffe hervor und bewegte sich damit wie jemand, der sich mit Waffen auskannte.
Ich schloss die Badezimmertür hinter ihr, griff ihr Handgelenk, als sie sich umdrehte und auf mich zu zielen versuchte. Ich drückte gegen den Nerv an ihrem Handgelenk und zwang sie so, die Waffe auf den Linoleumboden fallenzulassen.
»Ich hätte geklopft, aber ich wohne hier. Wer bist du?«
Sie hatte braune Augen und ein hübsches Gesicht. Ihr Gesicht spannte sich im selben Moment an, als sie versuchte, mir aufs Kinn zu schlagen. Ich ließ den Schlag zu und schaute sie weiter regungslos an. Sie versuchte, gegen mein Knie zu treten, und ich wich gerade weit genug aus. Sie traf mein Bein, hart genug für einen blauen Fleck, der sich binnen Sekunden wieder heilen würde.
Ich ließ ihr Handgelenk los.
»Es ist nicht wirklich höflich, jemanden in seinen eigenen vier Wänden anzugreifen«, sagte ich.
Sie erwiderte nichts. Stattdessen griff sie erneut nach der Waffe, hob sie auf und hielt den Lauf an meine Brust. Ich versuchte nicht, sie aufzuhalten. Sie konnte mir so oder so nicht wehtun.
»Können wir darüber reden …«
Der Knall der Waffe ließ meine Ohren klingeln. Ich fühlte, wie die Kugel sich in mich bohrte und durch mich hindurch ging, an meinem Rücken austrat und sich in die Wand bohrte. Ich schloss meine Augen und atmete tief ein, fühlte, wie die Energie sich um die Wunde legte und alles wieder an seinen Platz beförderte. Ich hatte bereits Schmerzen durchlebt, die tausendmal schlimmer waren als erschossen zu werden.
Sie ließ die Waffe fallen und trat zurück.
»Heilige Scheiße«, sagte sie und sprach zu ersten Mal. »Du meinst, das ist die Wahrheit?«
»Dass es nicht höflich ist, jemanden in seinem eigenen Haus anzugreifen? Das wird normalerweise als gute Manieren angesehen.«
Sie wich weiter zurück. Ich hob ihre Waffe auf und hielt sie ihr hin.
»Was, wenn es nicht wahr gewesen wäre?«, wollte ich wissen. Ich hatte eine Ahnung, was sie gemeint hatte. »Dann läge ich jetzt tot auf dem Boden.«
»Das kann nicht wahr sein«, sagte sie. »Das kann es nicht.« Sie blinzelte einige Male.
»Du bist aus einem bestimmten Grund hergekommen.« Wie hat sie mich gefunden? Woher wusste sie, wer oder was ich war? Was zur Hölle war hier los?
»Ich … Ich …«
»Hast du einen Namen?«
»Rosita. Rosita Marquez. Du kannst mich Rose nennen.« Sie erreichte das Ende des Sofas und ließ sich darauf fallen, neben ihre Handtasche. »Bitte töte mich nicht.«
»Warum sollte ich das tun?« Mein Magen knurrte wieder. »Ich hol mir etwas Eis aus dem Gefrierfach. Willst du einen Löffel?«
Ihre Augen folgten mir auf meinen Weg in die kleine Küche.
Als ich mich selbst Neu-machte, habe ich die meisten Eigenarten übernommen, die mich ausgemacht hatten, bevor ich starb. Charakteristika, die mich mehr zu einem Menschen machten als zu einem Soldaten des Fegefeuers. Dazu zählten Hunger und Durst und das Bedürfnis nach Schlaf, auch wenn er nicht wirklich viel brachte. Das half mir, mich zu erden, half mir, mich daran zu erinnern, für was ich das alles tat. Als Nebeneffekt hat es meine innige Liebe für Eiscreme zurückgebracht, jetzt noch ausgearteter aufgrund der Tatsache, dass ich so viel essen konnte wie ich wollte, ohne an Gewicht zuzunehmen.
Ich legte die Waffe in die Spüle, fand einen Becher Minze mit Schokoladenchips im Gefrierfach, zog zwei Löffel aus der Schublade und setzte mich zu Miss Rosita Marquez auf die Couch, wer immer sie auch war.
»Löffel?«, fragte ich und hielt ihr den Löffel hin. Ich saß neben ihr. Wir waren weit genug auseinander, dass wir uns nicht berührten, aber nahe genug, dass sie mitnaschen konnte, wenn sie wollte. Sie griff langsam danach, nahm ihn mir ab, als ob ich ihr Gift angeboten hätte. Ihre Augen klebten an meinen.
»Du bist Landon Hamilton?«
»Ja. Woher kennst du den Namen?«
Tränen schossen in ihre Augen. »Ich kann nicht glauben, dass ich dich gefunden habe.«
Ich nahm einen Löffel Eis, schob ihn mir in den Mund und starrte sie an.
Sie hob ihren Arm und wischte sich mit dem Ärmel ihres Pullis über die Augen. »Es tut mir leid. Du musst denken, dass ich verrückt bin. Es tut mir leid, dass ich auf dich geschossen habe.« Sie steckte den Löffel in das Eis und nahm einen kleinen Bissen. »Wie ich bereits sagte, mein Name ist Rosita Marquez. Meine Schwester war Anita Marquez. Wir waren Zwillinge …«
Ich schluckte und hob meine Hand. »Bitte, Rosita. Fang in der Mitte an. Woher weißt du, wer ich bin?«
Sie holte tief Luft und schloss ihre Augen. Ihre Stimme war weich und flach, während sie die Worte eines anderen aus ihrem Gedächtnis heraus rezitierte. »Wenn du das hier gefunden hast. Wenn du...




