E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Foley Diese Nacht gehörst du mir
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0551-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0551-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Der heißeste Junggeselle der Welt?' Geschockt liest Lara, wie man Graeme jetzt nennt. Sie weiß: Das ist nicht wahr! Denn Graeme ist kein Junggeselle, sondern verheiratet. Mit ihr - höchste Zeit, ihn daran zu erinnern. Da kommt ein Maskenball gerade recht ...
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2. KAPITEL
Graeme war wie vom Schlag getroffen. In den letzten fünf Jahren hatte er sich diese Begegnung in allen möglichen Szenarien ausgemalt – öfter, als er sich eingestehen wollte. Seine Fantasien hatten immer damit geendet, dass Lara in seinem Bett gelandet war und ihm versprochen hatte, ihn nie wieder zu verlassen. Aber jetzt, da sie tatsächlich vor ihm stand, hatte er keine Ahnung, was er sagen sollte. Also holte er tief Luft und drehte sich ihr zu. Doch der erotische Anblick, den sie bot, war so überwältigend, dass er nur eine bescheuerte Bemerkung über die Nutzlast des Aufzugs über die Lippen brachte.
Denn selbst in seinen wildesten Fantasien hatte er sich Lara nicht als die Frau vorgestellt, die ihn jetzt anstarrte. Nur für einen Augenblick schwand sein Selbstvertrauen, und er fragte sich, ob er sich täuschen könnte. Schließlich hatte er sie lange Zeit nicht gesehen. Und in diesem Sommer vor fünf Jahren war sie süß, konservativ und schüchtern gewesen.
Einen Moment lang ballte Graeme bei der Erinnerung daran frustriert die Hände. Er hatte gerade die Schauspielschule abgeschlossen und verzweifelt versucht, sich in der Londoner Theaterszene einen Namen zu machen. Sein schottischer Akzent und seine athletische Figur hatten ihm jedoch dabei im Weg gestanden. Also hatte er notgedrungen bei Amateurproduktionen in zweitklassigen Theatern mitgespielt. Er hatte in „Blood Brothers“ in einem fast leeren Theater auf der Bühne gespielt, als sie hereingekommen war und sich in die letzte Reihe gesetzt hatte. Dann war sie jeden Tag wiedergekommen. Bis zur letzten Aufführung, bei der sie dann in der ersten Reihe gesessen hatte.
Nach Ende dieser Vorstellung war er nach draußen gerannt, um sie abzufangen. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte er realisiert, dass Lara etwas Besonderes war. Aber in weniger als einer Woche, in der sie nachmittags zusammen Tee getrunken und die Stadt erkundet hatten, hatte er sich total und unwiderruflich in sie verliebt. Er hatte nie verstanden, was sie eigentlich in ihm gesehen hatte. Aber er hatte sie mehr gewollt als jemals irgendeine andere junge Frau zuvor. Sein Fehler war gewesen, dass er ihr all die Lügen geglaubt hatte: Dass sie eine einundzwanzigjährige Collegestudentin wäre, die einen Sommer im Ausland verbrachte. Dass sie vor dem Gesetz alt genug wäre, um zu heiraten. Dass sie ihn liebte.
Vorhin hatte er kaum die Bühne betreten, als eine Frau in einem aufsehenerregenden Prinzessin-Leia-Kostüm ganz in der Nähe von einem Tisch aufgestanden war und dabei das Tischtuch mitsamt dem Geschirr vom Tisch gezerrt hatte. Dann hatten sich ihre Blicke getroffen, und er war völlig geschockt gewesen. Die goldene Maske verbarg zwar ihre Gesichtszüge. Aber diese Augen würde er überall wiedererkennen. Als sie weggelaufen war, hatte er sie noch aufhalten wollen. Aber er war sofort von einer Horde weiblicher Fans umgeben gewesen. Erst als ihm sein PR-Agent und die Sicherheitsleute den Weg frei gemacht hatten, konnte er ihr durch die Seitentür folgen, wo Prinzessin Leia verzweifelt versuchte, in einen Aufzug zu kommen.
Als Graeme sie dann in dem Korridor gesehen hatte, wusste er, dass er recht gehabt hatte. Die Frau war Lara. Ihre rotblonde lange Mähne hatte sie am Hinterkopf zu einem Zopf geflochten. In den letzten fünf Jahren war er nie einer anderen Person begegnet, deren Haare diesen einzigartigen Kupferton hatten. Mit großer Anstrengung hatte er es gerade noch geschafft, zu ihr in den Aufzug zu gelangen. Er hatte den Schrecken in ihren saphirblauen Augen registriert, bevor er ihr den Rücken zugedreht hatte, um sich unter Kontrolle zu bekommen.
So unmöglich es schien: Lara war hier. Und offensichtlich war sie nicht erfreut darüber, dass er ihr gefolgt war. Sie starrte ihn an, als wenn sie ihn nicht kennen würde. Als wenn er nicht jeden Zentimeter ihres verführerischen Körpers mit seinen Händen und seinem Mund erforscht hätte. Sie begrüßte ihn nicht. Sie lächelte ihn nur kurz und distanziert an, bevor sie ihre Aufmerksamkeit den blinkenden Zahlen über der Tür widmete, als wenn sie nicht wüsste, wer er war. Diese Reaktion hatte er nun wirklich nicht erwartet. Denn selbst wenn sie den Mann nicht wiedererkennen würde, den sie einmal geheiratet hatte, war er Graeme Hamilton. Und sie nahm an dem Treffen seines Fanklubs teil.
Doch dann ging ihm ein Licht auf. Lara hoffte, dass er sie nicht wiedererkennen würde. Sie wollte es nicht. Aber dachte sie wirklich, dass die Maske reichen würde, um ihn zu täuschen? Er würde sie überall wiedererkennen. Selbst jetzt machte ihr frischer und doch exotischer Duft ihn genauso verrückt wie schon vor fünf Jahren. Sogar mit verbundenen Augen würde er sie erkennen. Erinnerungen stiegen in ihm auf. Er hatte ihre ausgebreiteten rotblonden Haare auf dem Kopfkissen vor Augen. Ihre rosigen, aufgerichteten Brustwarzen. Ihre saphirblauen Augen, in denen sich ihre Lust widerspiegelte, als sie die Beine um ihn schlang, damit er tiefer zu ihr kommen würde … Verdammt.
Welches Spiel, zum Teufel, trieb sie mit ihm? Bei der Erinnerung an die zwei Nächte, die sie miteinander verbracht hatten, wurde ihm noch immer heiß. Dennoch war sie achtundvierzig Stunden nach der Hochzeit aus seinem Leben verschwunden. Aber der Albtraum war damit nicht zu Ende gewesen. Am Tag danach, als Graeme in sein winziges Apartment in London zurückgekehrt war, hatte Brent Whitfield ihm in Begleitung eines Anwalts und zwei Regierungsvertretern einen Besuch abgestattet.
Zu erfahren, dass ihr Vater der Botschafter der USA in London war, war ein Schock gewesen. Brent Whitfield stammte aus einer Familie, die über großen politischen Einfluss verfügte und sehr wohlhabend war. Aber Graeme hatte nie geglaubt, dass Macht oder Geld einen Menschen besser machte als den anderen. Er konnte zwar nachvollziehen, dass Brent seine Tochter hatte beschützten wollen. Aber dass ihr Vater ihm damit gedroht hatte, ihn wegen Vergewaltigung Minderjähriger hinter Gitter zu bringen, war unverzeihlich gewesen.
Graeme hatte die schottischen Gesetze allerdings gut genug gekannt, um zu wissen, dass seine Heirat mit Lara legal war. Sich zu weigern, die Papiere zu unterschreiben, mit denen die Ehe annulliert werden sollte, hatte ihm ein Gefühl der grimmigen Genugtuung verschafft. An diesem Tag hatte er ihrem Vater ein Versprechen gegeben: Falls Lara sich eines Tages scheiden lassen wollte, würde sie ihm das ins Gesicht sagen müssen. Dann würde er kein Problem damit haben, sie gehen zu lassen. Aber sie hatte bis jetzt nicht den Mumm dazu gehabt.
Während der letzten fünf Jahre hatte er zweimal fast selbst die Scheidung in die Wege leiten wollen, um mit der Vergangenheit abschließen zu können. Aber beide Male hatte er gekniffen. Lara hatte dann tatsächlich das College besucht, und er hatte ihr Studium nicht unterbrechen wollen. Und wenn er ehrlich war, hatte er die Scheidung auch deshalb nicht vorangetrieben, weil sie mit keinem anderen Mann eine ernste Beziehung eingehen konnte, solange sie mit ihm verheiratet war. Jetzt war sie hier und sah umwerfend erotisch aus – wie ein Traum. Und Graeme wusste, dass es für ihr plötzliches Auftauchen nur einen Grund gab. Sie wollte die Scheidung. Wahrscheinlich um den Mann zu heiraten, mit dem sie den Gerüchten nach ein Liebesverhältnis hatte.
Während der letzten fünf Jahre über ihre Aktivitäten auf dem Laufenden zu bleiben, war sehr einfach für ihn gewesen. Durch das Internet mit sozialen Netzwerken wie Facebook und MySpace in Kombination mit ihrem bekannten Familiennamen hatte er keine Probleme gehabt, Informationen über sie, ihr Theaterprogramm oder die Tatsache zu finden, dass sie sich mit einem ihrer Mitarbeiter im Theater verabredete. Bei dem Gedanken, dass Lara mit einem anderen Mann zusammen war, wurde ihm die Brust eng. Er hatte gewusst, dass sie schließlich die Scheidung verlangen würde. Eine Frau wie Lara war nicht dafür gemacht, allein zu bleiben. Sie würde wieder heiraten und Kinder haben wollen. Aber er war nicht auf die Gefühle vorbereitet gewesen, die eine Konfrontation mit ihr in ihm auslösen würde.
Graeme rief sich noch einmal in Erinnerung, dass er über sie hinweg war. Verdammt, er hatte ja schon selbst geplant, diese Farce zu beenden, weil er nicht riskieren wollte, dass die Paparazzi Wind von seiner Ehe bekommen und die Neuigkeit ausschlachten würden. Darunter würde Lara am meisten leiden. Zudem war ihm eine Rolle in einem Kinofilm angeboten worden. Wegen der Dreharbeiten würde er die nächsten achtzehn Monate in Neuseeland verbringen müssen. Dieses Projekt stellte für ihn einen bedeutenden Karrieresprung dar. Und er hoffte, dass damit auch sein persönliches Leben eine bedeutsame Wende nehmen würde.
Er musste weg aus Hollywood. Weg von den Fotografen und sensationslüsternen Reportern. Jeden Tag las er in irgendeiner Zeitung irgendeinen frei erfundenen Artikel über seine angeblichen Affären oder seine vermeintliche Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Ständig lauerten ihm Paparazzi auf. Und wenn er nur etwas essen ging, liefen ihm auf der Straße kichernde Frauen nach, die alles taten, um seine Aufmerksamkeit zu erregen.
Nur Lara stand auf der anderen Seite der Aufzugkabine und schien sowohl von ihm als auch von seinem Ruhm unbeeindruckt zu sein. Sie tat so, als wäre er Luft für sie. Nun, gut. Wenn sie inkognito bleiben wollte, würde er diese Illusion nicht zerstören und ihr Spiel perfekt mitspielen. Nicht ohne Grund war er einer der Top-Schauspieler Hollywoods. Er lächelte sie an und senkte die Stimme. „Ich hasse es, derjenige zu sein, der Ihnen die Nachricht überbringen muss, Prinzessin. Aber das ‚Krieg-der-Sterne‘-Fantreffen findet erst in zwei Monaten statt.“
Sie wandte...




