Fock | Seefahrt ist Not | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 274 Seiten

Fock Seefahrt ist Not


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1286-3
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 274 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1286-3
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Johann Kinau, alias Gorch Fock, hat hier einen Klassiker der Seefahrtsliteratur geschrieben. Er erzählt in wunderschönen Bildern das Leben der Finkenwerderer Familie Mewes, die - jedes Mitglied für sich - sehr ambivalente Beziehungen zur See entwickelt. Die See, von der sie leben, die aber auch immer Leben nimmt ...

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Fünfter Stremel.


Den andern Morgen war es das erste, was Störtebeker tat, daß er auf den Deich lief und nach dem Wetter guckte. Und er freute sich, als der Wind wehte, daß die Ewer im Fahrwasser schnell von der Stelle kamen, denn so kam auch sein Vater gut vorwärts und war um so eher wieder da. Denn sein Vater, sein Vater! Danach fragte er, das ging ihn an: ohne den war es nichts, ohne den wußte er nicht, was er anfangen sollte, ohne den und ohne den Ewer machte es ihm keinen Spaß, zu leben. Beim Kaffeetrinken ging es noch, als er in behaglicher Breite von dem Segeln und Kreuzen sprach, wie weit sie wohl schon wären, ob das Boot wohl schon wieder aufgetallt wäre, ob sie den großen Klüver wieder aufgesetzt hätten und andere fahrensmännische Dinge: aber als er dann im Türloch stand, da war er wieder ganz allein und wußte nicht, was für einen Weg er einschlagen solle. Zuletzt dachte er an sein Viehzeug, und er ging hin und mistete den Kaninchenkoben aus. Auch die Nebelkrähe bekam eine Lage frischen Strohes, die sie sich selbst mit wichtigem Gehabe zurechtlegte. Danach ging er an dem Graben entlang und zog die alte Bunge, die sein Vater noch mit unter den Stubben gesetzt hatte. Es war aber weder ein Hecht noch ein Schlei darin, nur ein großer Wasserbulle krabbelte an dem mittleren Reifen und sprang eilig ins Wasser zurück. Der Junge stellte das Netz auf einer anderen Stelle ins Wasser und ging nach dem Binnendeich, um sein Hütfaß zu überprüfen; er zog den durchlöcherten Kasten, eine englische Hummerkiste, die sein Vater auf See eingezogen hatte und die nun vor dem Deichsiel im fließenden Wasser lag, aufs Trockne und überzeugte sich, daß die beiden Karauschen, die er drinnen hatte, noch springenlebendig waren.

Damit waren seine Vormittagsämter eigentlich schon verwaltet. Was sollte er nun noch tun? Wenn sein Vater da war, hatte er alle Hände voll: nun war er eigentlich arbeitslos.

Weiterhin auf dem Deich, wo die Häuser wieder anfingen, spielten die Kinder, Jungens und Dierns, Ringelreihe und Tickfast. »Speel doch een beten mit de Kinner«, sagte die Mutter, die auf der Wurt stand und die Hühner fütterte, da ging er hin, um sich nicht andere Landarbeit aufladen und sah eine Weile zu. Sie fragten ihn, ob er mitspielen wolle, aber er sagte nein: mit Mädchen spiele er überhaupt nicht, er wäre doch kein Mädchenkönig! Wenn sie Suhl oder Steckpfahl oder Hahnensehen mitspielen wollten, aber ohne die Mädchen, dann hätte er Lust! Sie wollten aber lieber bei der Ringelreihe bleiben, – deshalb wurde es ihm bald über, da Gevatter zu stehen, und er kehrte ihnen den Rücken.

Der alte Jäger begegnete ihm. Er hatte das Gewehr auf dem Nacken und den Sack mit den Lockenten auf dem Rücken und wollte wilde Enten schießen. Juno, der große, braungefleckte Hund, lief neben ihm her.

Störtebeker tat, als sähe er ihn gar nicht, denn er dachte an die Schläge vom Abend vorher, aber der Alte hatte seine Wut verschnarcht und sagte vergnügt: »Meun, Klaus Störtebeker!« Störtebeker dachte aber: snack, soveel du wullt, wat geiht mi dat an, – obgleich die Enten durcheinander schnatterten: meunmeunmeunmeun und er gern einmal in den Sack geguckt hätte, auch von Herzen gern mit auf die Jagd gegangen wäre.

Als der Jäger vorbei war, setzte er sich auf das Rickels und wartete, daß einige von seinen Mackern kommen sollten, mit denen er in die Pütten oder nach der Wisch ziehen konnte. Niemand ließ sich blicken: die Mütter hielten sie fest, denn die Schustergeschichte hatte schon die Runde mit den Stutenfrauen gemacht, und auch die Reise über das Eis war schon bekannt geworden. Ihre Jungen sollten sich nicht mehr mit dem Buschräuber abgeben, riefen die Frauen einander zu.

»Hein, du bliwst hier un geihst mi ne no den Neß no den Störtebeker, hest mi verstohn?«»Jo, Mudder!«

In seiner Not nahm Störtebeker schließlich die Hechtschnarre zur Hand und lief mit dem Bambusstock grabenauf und grabenab, um einen Hecht zu erwischen, aber er hatte auch damit kein Glück. Es war nicht sonnig genug, die Hechte standen tief im Wasser und waren sehr scheu, sie schossen meistens schon in die Tiefe, wenn er näher kam. Einmal gewahrte er einen großen Hecht, der gut gegen die Sonne stand: behutsam tauchte er die goldige Drahtschlinge in das Wasser, ohne Wellenringe zu machen, und schob sie vorsichtig an den Fisch hinan. Es ging auch anfänglich gut: die Schnauze war schon in der Schnarre: wenn sie hinter den Kiemen war, wollte er rasch zuziehen und den Hecht aufs Land schnellen, aber da strich eine Krähe über die Erlen, und wo eben noch Muschi Pundsheek gestanden hatte, da lief nun ein Küsel im Wasser.

»Du verdreihte Jakob du!« rief Störtebeker ärgerlich und warf mit einem Kluten nach ihr, dann gab er die Feekfischerei auf und zog mit seinem runden Netz nach der Sielkule, um Stichlinge zu fangen. Das war lohnender: er ketscherte einen halben Eimer voll, weiße, dicke Weibchen und graue, dünne Männchen. Den größten Teil bekam die Mutter, die sie für die Hühner kochen wollte, den Rest aber machte er, auf der Bank unter den Linden sitzend, mit seinem Knief, seinem Puggenslachter, für Kluß zurecht, indem er die Köpfe und die Stacheln abschnitt. Die alte Krähe lebte ordentlich auf, als er ihr den Schmaus durch die Maschen des Kastens stopfte.

Als er sich dann aber vor den Käfig auf den Haublock setzte und ihr ununterbrochen die drei Worte vorpredigte, die sie lernen sollte: »Höh, Klaus Mees!« da sprang sie auf ihre Stange, hielt den Kopf schief, als wenn sie schwerhörig wäre, und öffnete mitunter verlangend den Schnabel, als wenn sie um weiter nichts als um neue Stichlinge verlegen wäre, sie krächzte auch einmal, aber zum Nachsprechen kam sie nicht, so eifrig der Junge sich auch um sie bemühte, denn er wollte seinen Vater nach getaner Reise damit überraschen: der sollte sich fix verjagen, wenn er in den Hof hineinging und es mit einem Male rief: Höh, Klaus Mees! Eigentlich sollte die Krähe lernen: De Jung mütt no See! – aber das sollte nun erst später eingeübt werden. Diesmal war die Geduld freilich noch nicht groß.

»Du büst dummerhaftig, Kluß!« sagte Störtebeker ärgerlich, »wenn du ne bald snackst, bring ik di keen Steengrimpen mihr her.«

Nach dem Mittagessen, – Plummensaus gab es, eine Götterspeise für ihn, – machte er sich ans Knütten und dachte, mehr zu beschicken als zwei Tage vorher zwischen seinem Vater und Kap Horn bei dem vielen Erzählen und Ausgucken. Er knüttete emsig, ohne sich zu verpusten, die Nadel flog nur so, aber nach anderthalb Stunden sah er ein, daß es ohne ohne seinen Vater doch nichts schaffte.

Da ging er mit dem Euschfatt nach der Neßkule und goß den Kahn leer, der immer noch etwas Wasser machte. Kalfatert mußte der werden, das war ein Apfel, und wenn sein Vater nicht so auf den Stutz gefahren wäre, hätten sie es auch zusammen getan: nun mußte er wohl allein dabei.

Er sah auf: das Wetter war gut, der Wind moi: sie fischten wohl schon und hatten bald die Reise! Wenn sie doch schon morgen kämen oder übermorgen!

Der Jäger kam vom hohen Neß zurück. Drei Enten baumelten an der Tasche und machten ihn guter Laune.

»Dor achter kummt de Schoster, Klaus Störtebeker, du schallst Afbitt dohn«, stichelte er, aber der Junge ließ sich nicht in die Kneife bringen. »De ward fix nattgoten«, sagte er gleichmütig, dann aber besann er sich, schluckte den Rest des Grolles seines Grolls hinunter und lief auf den Deich, um die geschossenen Enten zu besehen und zu befühlen, Juno zu streicheln, der gänzlich mit Schlick bespritzt war, und die Flinte zu tragen, denn er wollte nun doch gern einmal wieder mit auf die Jagd, bis sein Vater kam.

»Wenn dat Is man ierst weg wür, Korl-Unkel, wat ik mit mien Kohn schippern kann.«

»Offermorgen kriegt wi een neen Moon, denn wardt woll anner Wetter«, sagte der Jäger und sah den Heben an.

Zu Hause warteten drei Jungen vom östlichen Norderelbdeich, die dreierlei wissen wollten.

Erstens: ob er noch kleine Kaninchen zu verkaufen hätte, denn dann wollten sie einen Bock und eine Eve bestellen.

Zweitens: ob es wahr wäre, daß er dem Schuster alle Fenster eingeschlagen hätte, denn das wäre am Deich erzählt worden.

Drittens: ob der Feek am Westerdeich schon trocken wäre, denn dann wollten sie gleich Ostermoonen beuten. Streichhölzer hätten sie eine ganze Schachtel voll in der Tasche.

Störtebeker ging mit ihnen achternhus und wies ihnen die Eve. »Ik weet ne, veel lütte Munkis dat ik krieg, Jannis: fief sünd verseggt, wenn dor söben van ward, denn kriegst du noch twee.« Wegen des Schusters ließ er es geruhig bei der einen...



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