Flood | Das Herz der Kriegerin | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

Flood Das Herz der Kriegerin


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-641-19842-8
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

ISBN: 978-3-641-19842-8
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die wahre Erbin der Torwächter von Vandala

Seit jeher wird das Tor von Vandala von den Torwächtern beschützt. Brenna Einarsdottir ist eine von ihnen, und sie ist die mutigste von allen. Dass ihr Großvater Halrik, Oberhaupt der Torwächter, sie zur Nachfolgerin bestimmt, passt nicht jedem – am wenigsten ihrem Zwillingsbruder Gunnar. Als Halrik plötzlich stirbt und Vandala heimtückisch attackiert wird, ergreift Gunnar die Macht und Brenna muss fliehen. Will sie jemals wiederkehren, um ihr rechtmäßiges Erbe anzutreten, muss sie die sagenhafte Axt von Eldron finden. Auf einem feindlichen Schiff, in entgegengesetzter Richtung unterwegs, ist Aki, dessen Küsse Brenna vermisst. Doch sind Akis Bestimmung und seine Liebe zu Brenna jemals vereinbar?

Eloise Flood, aufgewachsen in Philadelphia, hat den größten Teil ihres Lebens in New York City verbracht. Bereits in jungen Jahren wurde sie zum Fantasyfan und konnte als Neunjährige u.a. »Herr der Ringe« auswendig rezitieren. Sie arbeitete lange Zeit als Lektorin in Kinder- und Jugendbuchverlagen und verfasste über ein Dutzend Romane, meist unter Pseudonym. Zurzeit ist sie als College-Bibliothekarin tätig und lebt mit ihrer Partnerin und ihrer Katze in Brooklyn. Sie hat eine Schwäche für BBC Mysterys und historische Dramen, und obwohl sie nicht strickt, fürchtet sie immer wieder, zu sehr einem Klischee zu entsprechen.
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I

Brenna

Ein grauer, düsterer Himmel und ein einsamer Fischadler, der auf dem Wind dahinjagte. Weit unten ein Schiff. Es hüpfte über die schaumgekrönten Wellen und war flüchtig zu sehen, wenn die Wolkendecke aufriss. Der Vogel hatte das Schiff ausgemacht, aber der Wind war zu stark, als dass er hätte landen können. Er stieß einen schrillen Schrei aus, drehte nach Osten ab und wurde von den Sturmböen davongetragen.

Brenna Einarsdotter stand breitbeinig auf dem stark krängenden Deck und stemmte sich gegen die Ruderpinne, während sie durch den peitschenden Regen spähte. »Wie geht es ihm?«, fragte sie besorgt.

Kurz vorher war ein mächtiger Umlenkblock vom Hauptmast gefallen und hatte den Kapitän am Kopf getroffen. Er war zu Boden gegangen, ohne einen Laut von sich zu geben, sein Mund zu einem überraschten O geformt. Das Schiff war in den Wind geschossen und lief nun Gefahr, dass die Wellen achtern einstiegen, bis Brenna hinzusprang und das Ruder übernahm.

Eric Ragnarsson stand neben ihr und schüttelte den Kopf. »Er braucht einen Heiler«, brüllte er gegen den Wind. »Ich habe ihn verbunden, aber er ist immer noch bewusstlos. Ich glaube, sein Schädel ist gebrochen. Ich weiß nicht, was ich sonst noch für ihn tun kann.«

»Kein Kapitän und keine Möglichkeit, in dieser Nebelsuppe festzustellen, wo wir sind!« Brennas Zwillingsbruder Gunnar taumelte auf sie zu und schlang seine Arme um das Achterstag, als wäre es sein bester Freund. »Wir werden hier draußen krepieren!«

Brenna verkniff sich eine scharfe Antwort. Nicht zum ersten Mal wünschte sie, Gunnar hätte den Mund gehalten. Panik war ansteckend und würde sie schneller sinken lassen als alles andere.

Sie war in großer Sorge wegen der Stärke des Sturms. Urplötzlich war er aufgezogen, gerade als die Insel Grandoc am Horizont versunken war. Jeder Torwächter, sie und Gunnar eingeschlossen, war mit Booten aufgewachsen, und die meisten konnten segeln. Aber zwischen einem Beiboot, einer Segeljolle und einem Frachtschiff, das dafür ausgelegt ist, dreißig Leute und ihre Waffen samt Ausrüstung zu tragen, gab es einen ziemlichen Unterschied. Und es war beängstigend, keinen Kapitän zu haben, der sie befehligte.

»Wir werden nicht sterben«, antwortete sie, so ruhig sie konnte. »Wir sind eine Tagesreise zu Schiff vom Tor entfernt; solange wir den Wind auf der Backbordseite halten, wissen wir, dass wir nach Norden segeln; und es ist nur ein Herbststurm. Aber wir müssen die Segel reffen.« Mit der freien Hand formte sie einen Trichter vor ihrem Mund und rief: »Klar zum Reffen!«

Sie erschrak, als ihre Torwächterkameraden unsicher umherliefen. Der Kapitän hatte sie in Teams eingeteilt, bevor sie Segel gesetzt hatten, aber anscheinend hatten sie ihre Einsatzorte vergessen. »Dagmar, Alfhult, an die Reffbändsel. Sven, an die Steuerbordbrasse. Gunnar, die backbords. Eric, Flaggleine«, rief sie. »Ich luve an.«

»Wer hat dich zum Käpt’n gemacht?«, knurrte Gunnar.

»Irgendwer muss es ja tun«, fauchte Brenna zurück. »Möchtest du das lieber übernehmen?«

Mürrisch stapfte er davon und nahm die Steuerbordbrasse auf.

Während Brenna die Pinne niederdrückte, kletterten Dagmar und Alfhult, die Kleinsten und Leichtesten aus der Torwächtertruppe, den Mast hinauf und raus auf die vom Regen glitschige Rah. Sie begannen die Reffbändsel festzumachen. Brenna tat ihr Bestes, um das Schiff im Wind zu halten, weit genug, um den Druck aus den Segeln zu nehmen, aber nicht so weit, dass sie durch das Auge des Windes fuhren und halsen würden. Ein schwieriges Unterfangen bei den steilen, kabbeligen Brechern, die den Schiffsbug hin und her rissen. Ihr Herz setzte kurz aus, als Alfhult von der Rah abrutschte. Nur die Sicherheitsleine um seine Hüfte bewahrte ihn vor einem Sturz aufs Deck. So baumelte er unerträglich lange, qualvolle Sekunden, bis er es schaffte, sich selbst wieder hochzuziehen.

Endlich hatten die Reffer ihre Aufgabe erledigt und stiegen wieder aufs Deck hinab. Eric sicherte das Falltau und das Schiff nahm seinen Kurs wieder auf. Die Anspannung in Brennas Schultern ließ ein wenig nach, als sie spürte, wie viel leichter sich die Pinne jetzt führen ließ.

Sie hielt Kurs, und nach etwa einer halben Stunde zog die Sturmbö vorbei. Brenna unterdrückte einen Seufzer der Erleichterung und strich sich ihre klatschnassen rötlich-braunen Haare aus dem Gesicht.

»Sven, wirf einen Blick unter Deck und schau nach, wie viel Wasser reingelaufen ist«, sagte sie. »Falls notwendig, stell einen Schöpftrupp zusammen.« Sven, ein bulliger Torwächter, zwei Jahre älter als sie, mit einer strohfarbenen Mähne und mit Armen, deren Umfang größer war als ihre Oberschenkel, nickte widerspruchslos und eilte davon.

»Wenn ich jetzt nur noch herausfinden könnte, wie weit der Wind unseren Kurs versetzt hat«, murmelte sie halb zu sich selbst.

Neben ihr räusperte sich Eric. »Dabei könnte ich vielleicht behilflich sein.«

Überrascht sah Brenna ihn an. »Wie denn? Ohne Sonne oder Sterne, um uns zu leiten, ohne erkennbare Peilmarken im Nebel … Nimm es mir nicht übel, Eric, aber du bist kein Lotse.«

Eric hielt ein zylinderförmiges Päckchen aus eingeöltem Robbenfell hoch. »Das bin ich zwar nicht, aber ich habe die Berichte von vielen Lotsen gelesen. Und ich habe eine Methode entwickelt, um die Abdrift eines Schiffes bei unterschiedlichen Bedingungen zu berechnen. Du weißt schon, Wind, Strömungen und Segeltrimm miteinbezogen.« Er wurde rot, als Brenna die Augenbrauen hochzog. »Zumindest glaube ich, dass es funktioniert. Ich habe es nicht ausprobiert. Es war nur so zum Spaß.«

»Spaß«, wiederholte sie. »Tatsächlich?«

Er errötete noch mehr, lächelte aber schief. »Ich weiß, was mir Spaß macht, ist ein bisschen seltsam. Ich bin nicht der klassische Torwächter.«

»Also wenn du herausfindest, wo wir sind, dann bist du für mich der beste Torwächter«, sagte Brenna.

Erics Augen leuchteten auf, und er eilte zu der kleinen Lotsenhütte, in der er seine Papiere, geschützt vor dem Regen, studieren konnte. Brenna sah ihm nach und hatte ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Sie mochte Eric. Im Laufe des vergangenen Jahres auf Grandoc hatten sie seine stille Intelligenz und sein gesunder Menschenverstand beeindruckt. Aber obwohl er älter als sie war – neunzehn im Vergleich zu ihren fast achtzehn Jahren – schien er in ihrer Gegenwart immer nervös zu sein.

Tatsächlich ging das vielen der jungen Torwächter so. Sie vermutete, es lag daran, dass sie jeden von ihnen im Bogenschießen, Schwert- oder Axtkampf, Klettern und bei der Spurensuche schlagen konnte. Als sie jünger gewesen war, hatte ihre Großmutter sie zu überreden versucht, sich zurückzunehmen, vor allem wegen Gunnar. »Lass deinen Bruder doch auch mal gewinnen«, hatte sie gedrängelt. »Er verliert den Mut, wenn er immer nur Zweiter ist. Und du weißt, dass er eines Tages das Oberhaupt sein wird. Man muss in ihm den Sieger sehen.«

Aber Brennas Großvater Halrik, der derzeitige Anführer der Torwächter, hatte diesen Vorschlag verworfen. »Wenn Brenna die Beste ist, soll sie es zeigen. Alle sollen es sehen und wissen«, hatte er mit Bestimmtheit gesagt. »Gunnar muss sich anstrengen, um ihr ebenbürtig zu sein, auch wenn es hart ist. Dadurch kann er nur besser werden.«

Sie stemmte sich gegen die Pinne, als eine große Welle versuchte, das Schiff nach Steuerbord zu drücken. Unter ihren Gleichaltrigen gab es nur eine Person, die sich noch nie von ihr hatte einschüchtern lassen: Aki.

Aki, der Fremde. Er und Brenna waren vor fünf Jahren Freunde geworden, als sie ihm bei einer Prügelei zur Seite gesprungen war und die Gruppe Torwächterjungen verjagt hatte, die ihn schikanierten. Doch in den Monaten, bevor sie auf die Insel Grandoc ging, war diese Freundschaft tiefer und zu etwas anderem geworden, etwas Aufregendem und auch ein klein wenig Beängstigendem. Ihr stockte der Atem, als sie an die Nacht vor ihrer Abfahrt zurückdachte.

Sie waren auf den Bergrücken geklettert, den sie Pukelval, den Wal, nannten, hatten dort auf dem Rücken gelegen und zu den Sternen hochgesehen. Nach einer Weile hatten sich ihre Hände gefunden und ihre Finger sich in der Dunkelheit verschränkt.

»Wirst du mich vergessen, wenn ich weg bin?«, hatte sie ihn halb scherzhaft, halb ängstlich, dass dem vielleicht tatsächlich so sein könnte, gefragt.

Er hatte nicht geantwortet. Stattdessen hatte er sich auf die Seite gerollt und sie einfach angeschaut. Wie hypnotisiert hatte sie in seine grünen Augen geblickt, die das Mondlicht scheinbar wie von innen heraus leuchten ließ.

Und dann hatte er sie geküsst.

Es war nicht ihr erster Kuss. Der war mit Sven Osirsson gewesen, ein peinlicher Moment aus zusammenstoßenden Zähnen, hinderlichen Nasen und Mundgeruch. Der zweite war mit Gunnars Freund Magnus gewesen, der sie anscheinend mit seiner Spucke hatte ertränken wollen.

Aber dieser … dieser war anders. Es war, als würde Aki nicht nur ihre Lippen, sondern auch ihre Seele berühren. Die Erinnerung daran ließ ihre Haut aufs Neue prickeln: der leichte Salzgeschmack seines Mundes, die warme Spur, die seine Küsse hinterließen, während er sich an ihren Wangenknochen entlangtastete, über ihren Hals bis zu ihrem Schlüsselbein, die Hitze, die sich tief in ihr drin entfachte und wie flüssiges Feuer durch ihre Adern rauschte …

»Ich glaube, du musst mehr vor dem Wind segeln.« Erics Stimme durchbrach ihre Gedanken und Brennas Hand...


Flood, Eloise
Eloise Flood, aufgewachsen in Philadelphia, hat den größten Teil ihres Lebens in New York City verbracht. Bereits in jungen Jahren wurde sie zum Fantasyfan und konnte als Neunjährige u.a. »Herr der Ringe« auswendig rezitieren. Sie arbeitete lange Zeit als Lektorin in Kinder- und Jugendbuchverlagen und verfasste über ein Dutzend Romane, meist unter Pseudonym. Zurzeit ist sie als College-Bibliothekarin tätig und lebt mit ihrer Partnerin und ihrer Katze in Brooklyn. Sie hat eine Schwäche für BBC Mysterys und historische Dramen, und obwohl sie nicht strickt, fürchtet sie immer wieder, zu sehr einem Klischee zu entsprechen.

Schröer, Silvia
Silvia Schröer, geboren 1972, studierte Germanistik und Geschichte in Frankfurt am Main und Paris. Eigentlich wollte sie Lehrerin werden, aber dann siegte doch ihre Liebe zu Büchern. Sie arbeitete viele Jahre als Verlagslektorin, bevor sie anfing auch zu übersetzen und selbst Geschichten zu schreiben. Sie lebt in einem Männerhaushalt mit Ehemann und vier Söhnen in Heidelberg.



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