Fjeldbraaten | VIELFRASS | Buch | 978-3-03867-087-2 | www2.sack.de

Buch, Deutsch, 132 Seiten, Format (B × H): 123 mm x 195 mm

Fjeldbraaten

VIELFRASS


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-03867-087-2
Verlag: brotsuppe

Buch, Deutsch, 132 Seiten, Format (B × H): 123 mm x 195 mm

ISBN: 978-3-03867-087-2
Verlag: brotsuppe


Seit dem Tod ihrer Mutter ist die Erzählerin in Ida Fjeldbraatens Roman in einer Einrichtung für Jugendliche untergebracht. Dort zeigt ihr die Betreuerin Berit, wie das Leben funktioniert: Sie bringt ihr Tricks bei, mit denen sie ihre Wutausbrüche kontrollieren kann, und stellt für sie einen rigiden Ernährungsplan auf. Da die Erzählerin ein Händchen für Tiere hat, verschafft Berit ihre eine Stelle im Zoo, wo sie von nun an die Toiletten putzt.

Doch eines Tages ist alles anders. Die Einrichtung ist menschenleer, in den Strassen stinkt es nach Rauch. Die Erzählerin scheint allein in der Welt zu sein. Wie immer geht sie zum Zoo, aber fast alle Tiere sind tot.

Nur ein Vielfrass ist noch am Leben. Der Hunger zehrt an ihm, er muss sich vor seinen Feinden verstecken und bekommt schliesslich Hilfe von der Erzählerin.

Aber die Gefahr ist nicht nur aussen, sondern auch innen, denn niemand, weder Mensch noch Tier, kann seine Instinkte und Triebe noch zügeln.

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Wir laufen die Schutthalde runter und den niedrigen Mooshügel rauf. Ich halte mit der übrigen Herde Schritt, höre, wie sie rund um mich rum alle knurren und fauchen. Immer, wenn ich mit den Hinterbeinen auf den Boden stosse, macht mein Rücken einen Buckel nach vorne.

Während ich laufe, hämmert es in der Brust, in allen Gliedern, im schmerzenden Klump, dem vorderen Teil des Fusses, es pocht in den Augen, in den Ohren, im Zahnfleisch. Wie die anderen strecke auch ich die Zunge raus, lasse sie im Gegenwind hängen und flattern, hopse über den schweren Zweig, der im letzten Winter unter dem Gewicht des nassen und schweren Schnees nachgegeben hat. Ich hebe vom Hügel ab und stürze hinab auf den Boden, an den Bäumen vorbei, denen schon flaumige Schösslinge wachsen, weich wie Mutters Pfoten. Die hat sie mir mal über die Ohren gelegt, damals, bevor mir der
Klump gewachsen ist, vor dem ersten graugelben Eiter, bevor immer dann, wenn ich daran herumgekaut habe, Blut rausgequollen ist.

Der Klump bleibt in einer Wurzel hängen, und mein Körper kommt keinen Schritt weiter. Ein Reissen zuckt durch alle Muskeln. Mein ganzer Leib, vom Pelz bis zum Blut, kämpft mit der Schwerkraft. Geplättet liege ich auf den Grasbüscheln und den Kiefernadeln, mache mich klein, unsichtbar, schaue auf den Klump hinab, den verformten Teil, der auch zu mir gehört. Er ist zugewachsen, schmerzt stärker, lässt mehr Eiter durchsickern, bald sind meine Klauen in der schweren, pelzbekleideten Pfote nicht mehr zu sehen.

Vater dreht sich um und schaut nach mir, er bekommt mit, wie ich unten liege, wie ist sein Blick zu deuten?


Fjeldbraaten, Ida
Ida Fjeldbraaten, 1984 in Fredrikstad geboren, arbeitet in der Werbebranche und betreibt
den Kleinverlag Teori & praksis. »VIELFRASS« ist ihr erster Roman. Damit war sie für den
Publikumspreis des Radiosenders NRK P2 nominiert, ausserdem gewann sie ein Stipendium des norwegischen Buchhandels.

Friedrich, Matthias
Matthias Friedrich studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim sowie Skandinavistik und Kulturwissenschaften in Greifswald.



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