Fitz | Nuan | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Fitz Nuan

Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7766-8259-5
Verlag: F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-7766-8259-5
Verlag: F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine ungewöhnliche, zauberhafte Liebesgeschichte, die die Romanheldin auf Sri Lanka erlebt - unkonventionell und lustvoll. Franca Stetter, erfolgreiche Motivationstrainerin, ehrgeizige, dynamische Karrierefrau und selbstbewusste Businesswoman, verliebt sich in den stillen, scheuen Nuan, der kaum spricht, gerne Gras raucht und ihre tiefsten erotischen Sehnsüchte erfüllt, ein Beach Boy phne Zukunft, um Jahrzehnte jünger als Franca. Franca und Nuan ergänzen sich in ihren Sehnsüchten und Träumen - das existenzielle Bedürfnis nach Liebe, Leidenschaft und Zärtlichkeit begegnet dem Traum von einem besseren Leben und einer lebenswerten Zukunft. Okzident und Orient treffen in Sri Lanka aufeinander, westliche Dynamik und östliche Mystik. Franca, angetrieben von Erfolgs- und Machbarkeitswillen versucht, ihre verlorene Herzenswärme wiederzufinden. Dies scheint zu gelingen, bis Nuan nach Deutschland kommt... Ein Roman, in dem die beiden Helden scheinbar nichts als Erotik und Sex verbindet, doch in Wahrheit so viel mehr: jeder dem anderen unerreihbares Ziel, dem er nicht folgen will, nur Ergänzung sein kann, woran es dem anderen mangelt. Lisa Fitz gelingt es, mit Herz und wohl dosierter Ironie die Tiefe einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte auszuloten.

Lisa Fitz, geboren 1951 in Zürich (in dritter Generation der Künstlerfamilie Fitz), wurde dem breiten Publikum durch unzählige Auftritte in Fernsehshows und Kabarettsendungen bekannt. Sie war wesentlich beteiligt an der Entwicklung des deutschen Kabaretts seit 1981 und präsentierte als erste Frau in Deutschland Soloprogramme mit eigenen Texten. Sie hatte zahlreiche Engagements als Schauspielerin auf der Bühne und in Filmen. Sie wurde u.a. mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, dem Sigi-Sommer-Taler und der Ludwig-Thomas Medaille ausgezeichnet. Lisa Fitz lebt in Niederbayern.
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Wieder in Sri Lanka

Zu Hause war alles ganz anders. Die erste Zeit konnte ich aus dem Erlebten speisen und vom Verliebtsein zehren, die Sonne Sri Lankas im Herzen tragen und die Glut weiter unten vor sich hin glühen lassen.

Aber es war Winter in Deutschland. Dicke Flocken, Minusgrade, entlaubte Bäume, vereiste Äste, unfreundliche, winterfrostige Menschen, Wiederaufnahme vom Bürobetrieb mit lästigem Organisationskram und demotivierenden Poststapeln. Das Was-soll-ich-hier-Gefühl machte sich breit.

»Jeder hat das nach dem Urlaub«, versuchte mich Igel zu trösten, wenn wir auf unseren winterlichen Spaziergängen die miese Laune mit frischer, klarer Winterluft austrieben. Mit der Zeit gewöhnte ich mich in die Arbeit ein, meine Motivation kehrte zurück. Ich hatte die Seminartätigkeit wieder aufgenommen und neue Kunden gewonnen, das Geschäft lief gut, die Teilnehmer, meist Businessleute, waren zufrieden. Der Urlaub hatte mir gut getan. Jeder sprach mich auf mein Aussehen an.

»Was hast du gemacht?? Du siehst zehn Jahre jünger aus!«

Ich sprach alles der Ayurveda-Kur zu, man zeigte sich beeindruckt und interessiert. In der Tat war mir die Kur ausgezeichnet bekommen, wie auch das Jahr zuvor. Die Erkältungshäufigkeit nahm ab, der Körper wurde entgiftet, der Stoffwechsel angeregt, die Haut wurde schöner. Aber die Hauptursache für mein Strahlen war eine andere. Nuan schrieb jeden Tag ein bis zwei SMS, manchmal vier bis fünf.

Hi mein Schatz wie geht es dir, was mach du, ich jetzt am Strand, ich liebe dich. Kuss dein Nuan.

Was mach du heute, ich grade schwimme in Meer, was gibt bei dir Neues, bei uns 36 Grad warm, ich warte auf dein SMS, Kuss.

Ich denke auch an dich, mein Zimmer auch steht dein Foto.

Denke immer an dich, kann ich nicht leben ohne dich. Kuss!

Danke dein Email aber kann ich noch nicht lesen, weil gibt drei Stunde kein Strom, ich schicke morgen ein groß Email, Kuss Nuan.

Ich liebe dich für immer, denke an dich jeden Tag, Kuss Nuan.

Das beeindruckte mich – und es war auch nicht selbstverständlich.

Gerda Wimmer rief mich an. »Wie läuft’s mit Nuan?«, fragte sie. Ihre Stimme klang weinerlich.

»Gut, warum? Und bei dir?«

»Schlecht, ganz schlecht! Sanjee lässt überhaupt nichts hören!«, klagte sie. »Er reagiert auf keinen Brief, ich hab schon vier Briefe geschrieben! Telefonisch erreiche ich ihn nicht, er schreibt nicht, ruft mich nicht an!«

Mir fiel der blöde Gorillawitz ein, den ich angesichts von Gerdas Leid für mich behielt. Eine Frau kommt aus dem Urlaub zurück, mit einem traumatischen Schock. »Inge, was ist geschehen?« – »Ach, Sandra, es ist schrecklich. Ich mache einen Dschungelausflug, da bricht ein riesiger Gorilla aus dem Busch hervor und vergewaltigt mich!« – »Um Gottes willen, Inge … da wäre ich auch verzweifelt…« – »Das ist es ja … er schreibt nicht, er telefoniert nicht … !«

»Warum hast du ihm kein Handy geschenkt?«, fragte ich Gerda und versuchte, teilnahmsvoll zu wirken.

»Ein Handy?? Hör mal, ich bin keine Millionärin!«

Wenn ihr nichts investiert, Frauen, dachte ich, dann kriegt ihr auch nix. Selber schuld.

»Außerdem ist das doch wirklich nicht zu viel verlangt, wenn ich so viel für ihn gezahlt habe, dass er wenigstens einen Brief schreibt, oder??«

Wahrscheinlich war Sanjee froh, dass sie weg war.

»Doch, Gerda, ich glaube, das ist zu viel verlangt. Sich hinsetzen, einen Brief formulieren, Briefpapier besorgen – das heißt kaufen und bezahlen – den Brief zur Post bringen … ist eine Menge Arbeit und Aktivität, vor allem bei der Hitze. Das sind Strandjungs, Gerda, keine Hotelangestellten! Wir schreiben immer SMS. Mit einem Handy wär’s viel einfacher gewesen für euch.«

»Das glaub ich nicht. Da ist der zu blöd dazu! Das checkt der doch nicht. Check ich ja nicht mal richtig!«

»Doch, bestimmt. Nuan hat das auch geschafft!«

»Ja, Nuan … der ist ja auch viel gescheiter. Der Sanjee ist süß, aber ziemlich doof, also eine Geistesleuchte ist der nicht, schon gar nicht mit Handys!«

»Die kennen sich doch alle aus mit Handys, die hätten ihm schon geholfen.«

»Ach! Vier Wochen ist das jetzt schon her und ich höre nichts, nichts, nichts! Ich bin stocksauer! Wir haben fast drei Monate miteinander verbracht, jeden einzelnen, verdammten Tag! Und was wir alles getrieben haben miteinander, daran mag ich gar nicht denken …«

Was sich Frauen doch für kindische Hoffnungen machen … Sie werden zu Teenies, naiv, verliebt, dumm. Ich hatte jetzt schon mehrfach solche peinlichen Sri Lanka Lovestorys gehört. Und ich hatte so was ja auch hinter mir, all die Ferienflirts früher, mit Herzeleid und dem ganzen Scheiß. Wenn ich etwas nicht mehr wollte, dann das! Ich fand das unreif und dumm, unpassend, vor allem für eine Frau ab vierzig. Ich dachte da inzwischen mindestens so pragmatisch wie die singhalesischen Jungs. Das passte gut zusammen.

»Gerda, das ist ein junger Bursche. Nimm, was du kriegst, freu dich daran und genieß es. Aber du darfst dich doch emotional nicht so drauf einlassen! Die haben heute die und morgen die. Man kriegt dort, was man sucht – und man gibt was dafür. Ende. So musst du es sehen. Alles andere wäre langfristig ein fataler Selbstbetrug.«

»Nein, das kann ich nicht, ich bin da mit dem Herzen dabei …«

»Ich bin auch mit dem Herzen dabei – aber ebenso mit dem Hirn, das muss man ja nicht ausschalten. Herz ist auch nicht gleich Besitzanspruch. Lieben heißt auch loslassen und im Herzen bewahren.«

»Ich kann das nicht. Ich will ihn haben! Ich habe höllische Sehnsucht und es kränkt mich, wenn er nichts hören lässt, weil ich ihm anscheinend so egal bin wie nur was!«

Ach Gerda, naives, gutes, altes Mädchen, mach dich nicht lächerlich auf deine alten Tage. Das ist so würdelos.

Ich schrieb Nuan zurück, viele kleine SMS, nicht so oft wie er, aber doch oft genug, um die Verbindung zu halten. Ich fand es romantisch, mit einem Strandjungen aus Sri Lanka SMS auszutauschen, dazu kam eine kindliche Freude an der Technik, die das möglich machte. Gut neuntausend Kilometer … und in einer Sekunde kam die Antwort, toll! Und ich war cool dabei, das gefiel mir noch mehr. Kein Kitsch. Ich tat was für Nuan, er tat was für mich, ein guter Deal. Wir taten uns einfach gut.

Ich zeigte meinen Freundinnen stolz und mit kokettem Augenaufschlag Nuans Fotos und genoss ihre neidischen Blicke. Weniger aus Angeberei oder Stolz darauf, dass ich in der Lage war, einen so attraktiven Typen aufzureißen, mehr aus Begeisterung über seine Schönheit, Freude an den wunderbaren Fotos mit seinen ausdrucksstarken, seelenvollen Augen, über das ganze perfekte, geglückte Ferienabenteuer, meinen wundervollen exotischen Urlaub – all das gefiel mir!

Aber es trat etwas ein, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

Nuan fehlte mir … Zuerst seine körperliche Präsenz, der Sexentzug wurde spürbar. Dann vermisste ich unsere erotischen, phantasievollen Events, seinen schönen Körper, das Zauberhafte, Magische, Exotische in meiner tristen Bürowelt. Seine Augen fehlten mir, sein tiefer Blick, sein naives Gemüt, seine Bockigkeit, seine kindliche Art, sich auszudrücken, seine kleinen Worte, sein kurzes, verlegenes Auflachen, seine geschmeidige Art, sich zu bewegen – einfach sein Da-Sein. Ja, Nuan fehlte mir. Brauchst du noch ein Kind? Langt dir eins nicht? ging ich mit mir ins Gericht. Sein Alter getraute ich mich nicht zu verraten, wenn mich jemand danach fragte.

»Jung«, sagte ich dann, kokett lachend, »viel zu jung!« Und alle lachten verstehend und verschwörerisch mit. Es war ja nur ein geiles, kleines Abenteuer …

»Ich hab ihn lieb«, sprach eine kleine Stimme, die ich töricht fand. Kitschdenken, lass gut sein jetzt, Franca, halte dir Gerda Wimmer vor Augen und mach dich nicht zum Narren. Du bist eine vernünftige Frau. Mach keinen Scheiß, Stetter! Was, zur Hölle, willst du mit einem Strandjungen??

Februar und März arbeitete ich durch wie besessen. Die getankte Lebensfreude motivierte mich und es ging erfolgreich voran. Geld hatte ich auch. Dann ritt mich der Teufel, vielleicht ging es mir zu gut. Warum also nicht … schoss es mir in den Kopf. Ich fand es spontan, verrückt, dekadent – und das gefiel mir. Und ich konnte es mir leisten, das gefiel mir noch mehr.

Ich rief den Chef vom Mathaali Hotel an und reservierte den Bungalow, den ich im Januar besichtigt hatte, für zehn Tage im April. Um diese Zeit bekam man auf der Insel überall Unterkünfte. Einfach spontan nach Sri Lanka fliegen … man lebt nur einmal. War ich als erwachsene Frau und Chefin meines eigenen Unternehmens irgendwem Rechenschaft schuldig? Musste ich mich rechtfertigen? Ich arbeitete viel und hart. Warum sollte ich so was Verrücktes nicht einfach mal tun? Und Comfort Class musste es sein. Mitten in den Seminarterminen konnte ich mir keine Erschöpfung durch Jetlag oder wegen unbequemer Flugumstände leisten. Ich buchte den Flug nach Sri Lanka für den zehnten April. Und ich beschloss, Nuan eine Reise nach Deutschland zu schenken, ihn einzuladen … wenn die Beziehung beim Wiedersehen keinen Einbruch erlitt und...


Lisa Fitz, geboren 1951 in Zürich (in dritter Generation der Künstlerfamilie Fitz), wurde dem breiten Publikum durch unzählige Auftritte in Fernsehshows und Kabarettsendungen bekannt. Sie war wesentlich beteiligt an der Entwicklung des deutschen Kabaretts seit 1981 und präsentierte als erste Frau in Deutschland Soloprogramme mit eigenen Texten. Sie hatte zahlreiche Engagements als Schauspielerin auf der Bühne und in Filmen. Sie wurde u.a. mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, dem Sigi-Sommer-Taler und der Ludwig-Thomas Medaille ausgezeichnet. Lisa Fitz lebt in Niederbayern.



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