E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Fitz / Frohmann Vergrämungen
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-944195-02-5
Verlag: Frohmann Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-944195-02-5
Verlag: Frohmann Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
'An ihm ist nichts und deswegen alles liebenswert: Eingesperrt in einem Universum voller Misanthropie und Selbsthass, ist für den Taubenvergraemer Mensch zum Synonym von Arschloch geworden. Nichts kommt seiner Vorstellung des Paradieses näher als ein Atomkrieg. Trotzdem hasst er die Menschen nicht, denn das ist ihm viel zu anstrengend; dazu fehlt ihm die Kraft. Die Welt ist ihm ein hässlicher Beutel voller unerfreulicher Zustände. Man entkommt ihnen nur, indem man nichts tut. Oder fast nichts, denn leider lassen sich Begegnungen mit den Fremden, die alle anderen sind, nicht umgehen; insbesondere, da der Vergrämer verheiratet ist. Deswegen ist er ein Meister darin geworden, Erwartungen zu unterlaufen und sein eigenes Misstrauen aufrechtzuerhalten. Er ist das Gegenteil des modernen Glückssuchenden: ein Spezialist für Enttäuschungsvermeidungen. Und obwohl er es in dieser Disziplin zu ungeahnter Meisterschaft gebracht hat, scheitert er doch, unausweichlich, niemals drastisch, es endet nie in einer Katastrophe, sondern immer verzweifelt leise. Es ist Jan-Uwe Fitz gelungen, aus dieser Figur eine schillernde Komik zu destillieren, die die unterschiedlichsten Emotionen hervorzurufen in der Lage ist: Häme, Abscheu, Mitleid, Freude und Fassungslosigkeit. Die kurzen Schnipsel und Sätze, die dieses Buch zusammenträgt, geben einen Antihelden wieder, der beides nicht sein will: weder anti noch Held. Und der einen immer wieder überraschen wird, gerade, weil er es überhaupt nicht darauf anlegt. (Frédéric Valin)
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Die seltsamsten Tweets über devote Aggression
„Heute vor einem Jahr warst du das letzte Mal nett zu mir.“ „Halt’s Maul.“ „Bevor ich dich kennengelernt habe, warst du mir egal. Das war sehr voreilig.“ „Ich bin nicht da, um dich zu trösten. Ich bin da, um dir zu sagen, dass ich froh bin, nicht du zu sein.“ Wo geweint wird, da lass dich schmunzelnd nieder. „Ich verbringe gern Zeit mit Ihnen. Sie sind angenehm unterwürfig.“ Schütteln, um etwas anderes zu hören, funktioniert nicht nur beim iPod-Touch, sondern auch bei langweiligen Gesprächen mit Menschen. Ich haue anderen gerne auf die Nase, bin aber gleichzeitig ein sehr mitfühlender Mensch. Das trübt den Spaß an der Gewalt ein bisschen. Ich gehe den Menschen aus dem Weg und die Menschen mir. Oft treffen wir uns dann zufällig und sind tierisch angepisst. Oft sind es nicht die Menschen, die unangenehm riechen, sondern die Luft. Merkt man aber immer erst, wenn man die Menschen schon beschimpft hat. Ich würde euch gerne mit meiner Liebe überhäufen. Oder mit etwas anderem Ekeligen. Ein Gespräch, in dem jemand versonnen „Da bin ich groß geworden“ sagt, beendet man am geschicktesten mit „Und wo sind Sie so dick geworden?“ Ich könnte den ganzen Tag lang Menschen auflaufen lassen. Ein herrlicher Spaß! Ohropax ist wie Mückenspray. Die Schädlinge stellen sich irgendwann darauf ein – und reden einfach lauter. „Hatschi!“ „Gesundheit!“ „Halts Maul!“ „Du hast doch angefangen!“ Mein Gastgeber glaubt, nur weil ich die Schuhe ausziehe, würde ich seinen Teppich nicht verschmutzen. Wie naiv kann man sein? Ich ertrage nur die Lebensfreude von Taubstummen. Voodoo muss ein Sozialphobiker erfunden haben. Jeder andere hätte seinen Feinden doch einfach aufs Maul gehauen. „Darf ich ehrlich sein?“ „Darf ich Ihnen dann auf die Schnauze hauen?“ Wirkt sich eine „Übersprungshandlung“ eigentlich vor Gericht strafmildernd aus? Hat man ja auch nicht besser im Griff als „im Affekt“. Hm, soll ich dem Blinden sagen, dass ihn sein Blindenhund gerade in den U-Bahn-Tunnel führt? Oder hört er das Kichern des Tieres selbst? Zur Grillparty einladen. Gäste bitten, Salat, Fleisch und Getränke mitzubringen. An der Tür alles entgegennehmen. Gäste wegschubsen. Tür schließen. Oh, fünf Menschen, die lachen wie acht Pferde. „War hier schon mal einer auf den Seychellen? Beeindruckt mich gar nicht, ihr scheiß Angeber.“ Um den ganzen Bus gegen sich zu haben, reicht es heute nicht mehr, einer alten Dame den Platz zu verwehren. Man muss sie schon umschubsen. Wissenswert: Man hat Gummibärchen exklusiv für sich, wenn man vor aller Augen eines erst in seine Nase und dann wieder in die Tüte steckt. Mein bisher größter Erfolg im Leben: knapp vor der Dicken die endlos lange Rolltreppe erreicht. Werde nie Mamis trauriges Gesicht vergessen, als ich beim Mittagessen sagte „Schmeckt scheiße.“ Dieses Gesicht wollte ich von nun an immer sehen. „In ein paar Jahren werden wir darüber lachen.“ „Ja, aber heute haue ich Ihnen dafür erstmal ein paar rein.“ Ich glaube, ich wäre ein guter Chirurg geworden. Schon als Kind habe ich andere Menschen aufgeschnitten. Aber nicht jedes Wunderkind wird entdeckt. Habe dem aufdringlichen Menschen erzählt, klar könne er mich besuchen. Übe jetzt schon mal das Türnichtaufmachen. „Ich habe das Gefühl, du flüchtest vor mir.“ „Habe gar nicht gemerkt, dass du je in meiner Nähe warst.“ U-Bahn fahren ist wie beim Friseur sitzen, nur dass man statt der eigenen Fratze die der anderen ansehen muss. „Aber die freuen sich doch, wenn du kommst.“ „Aber ich mich nicht.“ Ein fremder Mensch kommt lächelnd auf mich zu. Ich haue ihm in die Klöten. Auf seinen Lippen ein tonloses „Warum“, bevor er zusammen sinkt. Wasser im Haus ist abgestellt. Und ich wusste von nichts. Jemand hat den Hinweis abgehängt, bevor ich ihn gelesen habe. Ist sonst mein Part. Wenn ich „leider“ sage, lautet mein Subtext „ätschbätsch“. „Ich lerne gerne neue Menschen kennen“, ist ein Euphemismus für „Meine Freunde sind mir egal.“ Durch Empirie bewiesen. Reisebus hält so, dass die Fahrgäste direkt auf den stark befahrenen Fahrradweg aussteigen müssen. Beschließe ein bisschen zu verweilen. Manchmal frage ich Leute selbst in mir bekannten Städten nach dem Weg, nur um zu sehen, wie sie sich mühevoll die Kopfhörer aus dem Ohr pulen. Spitzenleistungen aus der Welt der Asozialität: Einem Bekannten auch dann noch ausweichen, wenn der mit ausgestreckter Hand auf einen zukommt. „Jetzt geht’s mir besser. Ich bin froh, dass wir uns endlich ausgesprochen haben.“ „Und ich sauer, dass ich dir Vollarsch die Tür geöffnet habe.“ Wenn mich jemand um einen Gefallen bittet, muss ich immer ein bisschen schmunzeln, weil ich weiß, was jetzt kommt „Nein!“ Habe gerade die Zahnbürste meines Besuchs kurz ins Klo getunkt (hoffe er putzt sich die Zähne, bevor er dies in seiner Timeline liest). Wenn man auf einer Party von einem Gespräch ausgeschlossen ist, kann man wenigstens noch störend schnaufen. „Hahaha!“ „Warum lachst du?“ „Ich bin schadenfroh.“ „Aber mir ist gar nichts Schlimmes widerfahren.“ „Oh, dann nehme ich mein Lachen zurück.“ Ich hasse es, wenn Besuch auf das WC verschwindet. Würde ihn am liebsten zum Nachbarn schicken. Lieblingsbeschäftigung auf langweiligen Partys: Zwei Menschen einander vorstellen und über deren ungelenken Erstkontakt-Smalltalk ablachen. Bin nicht mehr so missgünstig wie früher und rieche besser. Werde aber weiter abgelehnt. Daran kann’s also nicht gelegen haben. Kommando zurück. Ob mir beim Bahnfahren schlecht wird, hängt nicht nur von der Fahrtrichtung ab, sondern auch davon, wer mir gegenüber sitzt. Es dauert im Schnitt dreieinhalb Minuten, bis meine Mitmenschen merken, dass ihr „Danke“ an mich verfrüht war. „Du bist so ein guter Zuhörer.“ „Nein, deine Dummheit macht mich nur sprachlos.“ „Ich bin dir so dankbar, dass du das für mich tust: Ich würde dich in einer solchen Situation garantiert hängenlassen.“ Diese Businesshansel. Von „Entschleunigung“ faseln, aber schimpfen, wenn ich den Fahrstuhl in...




