Fischer | Schreibagentur Arco | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 194 Seiten

Fischer Schreibagentur Arco

und das Apostelprojekt
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-8951-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

und das Apostelprojekt

E-Book, Deutsch, 194 Seiten

ISBN: 978-3-7562-8951-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Arco, Inhaber der gleichnamigen Schreibagentur, befasst sich mit ungewöhnlichen, skurrilen, kurzum sonderlichen Fällen, mit denen ihn allerlei skurrile Menschen beauftragen: Eine irrwitzige Steuerschuld zum Beispiel, das Vermeiden der unerträglichen Geräusche beim allabendlichen Lesen vor dem Einschlafen im Bett, das rechtzeitige Erraten der Tagesschausprecher/innen bevor sie aus dem Dunkel sichtbar werden oder die Leitung eines schrillen Erotik-Kunstartikel-Experiments, das auf einen Einfall Kleopatras zurückgeht. In der Regel schreibt Arco dann überzeugende Briefe, die meistens eine befriedigende Lösung bewirken. Bis Luuk van Porten erscheint und von ihm unter massiven Drohungen fordert, "Die vier Apostel" von Albrecht Dürer aus der Alten Pinakothek in München nach Nürnberg zurückzubringen - jetzt muss Arco tätig werden. Das Apostelprojekt beginnt.

Achim Fischer, Studium der Pädagogik, der politischen Wissenschaft und Publizistik, war langjähriger Leiter der VHS Ochsenfurt und wohnt heute in Würzburg."Schreibagentur Arco und das Apostelprojekt" ist sein viertes Buch.

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I
Rechtsanwalt Hertlein und der große Coup
„Herein mit Ihnen, kommen Sie, kommen Sie nur…“ Der da rief, saß an einem Schreibtisch, einem schweren, ungetümen, dunkel gebeizten Möbel, dessen vier geschwungene Beine zu Fußstücken ausliefen, die Pranken von Löwen oder die eines Greifs darstellten. War wohl ein Erbstück, das der traditionsreichen Kanzlei Hertlein & Hertlein schon seit Generationen als Ort der Verrichtung gedient haben mochte und bis auf den heutigen Tag das Zentrum aller juristischen Tätigkeiten und Entscheidungen des Hauses bildete. Rechtanwalt Hertlein hatte seinen Platz auf einem ultramodernen, ergonomischen Bürosessel, der über ein derart mannigfaltiges Funktionsprogramm verfügte, Funktionen des Drehens, des Liegens, des Hebens und des Senkens und des Rüttelns und des Schüttelns, dass er meist, wegen der komplizierten Handhabung, auf das alles verzichtete und einfach auf ihm saß. Er saß auf seinem ledergepolsterten Stuhl, dessen segmentierte Lehne seinen Kopf bei weitem überragte und ihm im Bedarfsfall Schutz und Halt gab. Um ihn herum stapelten sich Akten, Schnell- und Pendelhefter, überhaupt Schriftstücke aller Art, die zu lesen und zu bewerten ein Kernstück seines Berufs ausmachten. Die IT war ein wenig spärlich, aber wohl mit dem Notwendigsten vertreten. Rechtsanwalt Hertlein, ein Mann in den besten Jahren, mit einem ergrauten, doch dichtem Schopf und pechschwarzem Schnauzer, schien echte Freude zu empfinden, als er das Klopfen vernahm, und Arco seinen Kopf durch die Tür schob. Seine verdrossene, von der Arbeit bestimmte Miene hellte sich auf, steigerte sich zu einem breiten Lächeln und mit empor gehobenen, offenen Armen rief er: „Herein mit Ihnen… nur herein, wenn’s kein Schneider ist, haha... kommen Sie, kommen Sie…“ Arco kam der Aufforderung bereitwillig nach, öffnete die Tür zur Gänze und betrat den Raum, in dem er sich mit einem kurzen Blick umsah. Er ging, ebenfalls auf das Freundlichste lächelnd, auf Hertlein zu, der sich von seinem Stuhl erhoben hatte, und als sie sich trafen, gaben sie sich die Hände, schüttelten sie kräftig und fassten sich dabei gegenseitig an den Oberarmen. „Es ist mir eine Freude, lieber Arco, Sie wieder einmal begrüßen zu dürfen. Wie geht es Ihnen?“ Hertlein neigte den Kopf und sah verschmitzt zu dem größeren Arco empor. „Na, werden wir gleich erfahren… kommen Sie, setzen Sie sich.“ Er wies auf einen der beiden Besucherstühle. „Wir haben uns einige Zeit nicht gesehen. Macht aber nichts. Sie sind jederzeit willkommen… Wollen wir ein Gläschen lüpfen, ja?“ Hertlein deutete mit Daumen und Zeigefinger einen Spaltbreit an, wandte sich um und entnahm dem Wandschrank in seinem Rücken eine Flasche Portwein und zwei Gläser. „Ich amüsiere mich immer noch, wenn ich an unser letztes… letztes Gefecht denke… grandios…“ Die Erinnerung an dieses offenbar eindrucksvolle Gefecht ließ Hertlein ungläubig den Kopf schütteln. Er ging zu seinem Sessel, goss von dem Portwein in die beiden Gläser und setzte sich. „Wenn der CEO von dem Hedgefonds… wie hieß er nochmal?“ Clearance… „Nein, ich meine den CEO.“ „Hans Vater.“ „Ja, richtig… wenn der nicht in letzter Minute kalte Füße bekommen hätte, wären wir damit niemals durchgekommen… phantastisch. Wir haben gepokert… sogar ziemlich hoch. Wie geht es denn unseren Klienten? Alles im Lot seitdem?“ „Denen geht’s prächtig“, gab Arco knapp zur Antwort und griff in seine Brusttasche nach Zigaretten, „darf ich?“ „Sie dürfen… geben Sie mir auch eine, zur Feier des Tages.“ Arco reichte Hertlein die offene Schachtel, nahm selbst eine, und nachdem beide ihre Zigaretten angezündet hatten, sagte er: „Wir haben zwar gepokert, aber die guten Karten waren in unserer Hand. Wir hatten Einblick in die interne Korrespondenz. Deren Blatt war nicht gut… wenig hilfreich. Doch lassen wir das. Alles alte Geschichten… acqua passata, wie der Italiener sagt, ist vorbei… nein, lieber Hertlein, ich freue mich außerordentlich, Sie aufsuchen zu können, freue mich, dass Sie sich die Zeit für mich genommen haben. Ich freue mich in erster Linie, Sie persönlich wieder zu erleben…“ Hertlein wehrte mit offenen Händen und einem geschmeichelten Lächeln in aller Bescheidenheit ab. „Nein, wirklich, lieber Hertlein, mit Ihnen zusammenzuarbeiten ist die Erfüllung schlechthin.“ Beide lachten, weil sie wussten, wie leicht sie sich in einem Wettspiel gegenseitig überbordender Komplimente verlieren konnten. „Kommen Sie, Arco, lassen Sie uns trinken… es sind rare Gelegenheiten…“ Sie erhoben ihre Gläser, die sie aneinander klingen ließen. Sie nickten, sagten ‚na denn‘ und prosteten sich zu. „Dann wollen wir mal sehen, was wir diesmal für Sie tun können.“ Hertlein schob sich aus seinem Sessel nach vorne, legte die ineinander gefalteten Hände auf dem Schreibtisch ab und sah Arco erwartungsvoll mit wippenden Augenbrauen an. „Ich habe da was“, begann Arco, „eine überaus kuriose Angelegenheit.“ „Alles andere hätte mich, ehrlich gesagt, überrascht.“ Hertlein knetete seine Hände voller Ungeduld. „Dabei ist es derart simpel… hat es aber in sich. Bin neugierig, was Sie sagen werden.“ „Heraus mit der Sprache, Arco, spannen Sie mich nicht unnötig auf die Folter.“ „Mir ist ein Rentner über den Weg gelaufen… einer, der schon mal bei mir war… als Klient. Steht sich nicht schlecht und ist in seiner Art überaus korrekt. Der Mann hat seine Steuererklärung eingereicht und bei den Einnahmen 12 000,- € angegeben.“ Arco hatte einen Zettel aus der Tasche gezogen, von dem er die Ziffern ablas. „Ich runde ab, um es übersichtlich zu halten. Ein wenig später musste er feststellen, dass er nicht Einnahmen in Höhe von 12 000,- € gehabt hat, sondern in Höhe von 18 000,- abgerundet… klar?“ „Sicher.“ Also hat er sich wieder an das Finanzamt gewandt und um Berichtigung gebeten, denn er ist, wie ich erwähnte, ein überaus korrekter Mensch. Er habe also nicht Einnahmen von 12 000,- €, sondern vielmehr Einnahmen in Höhe von 18 000,- € zu melden. Man möge das berücksichtigen. So weit, so gut.“ Hier machte Arco eine bedeutungsvolle Unterbrechung, während der er Hertlein scharf fixierte. Er fuhr fort. „Nach geraumer Zeit erhält er ein Schreiben vom Finanzamt, in dem er aufgefordert wird, seine Steuerschuld in Höhe von 810 005 400,- Euro zu begleichen. Ich wiederhole mich, Achthundertzehn Millionen und fünftausendvierhundert… wollen sie von ihm haben. Unser Mann ist zu Tode erschrocken und ruft bei dem Finanzamt an, was denn da los sei, er habe einen Steuerbescheid über Achthundert und zehn Millionen erhalten, von den fünftausendvierhundert am Ende der Summe gar nicht zu reden. Wie sie denn in aller Welt zu diesem Betrag kämen! Es könne sich doch nur um einen Witz handeln. Er habe Einnahmen in Höhe von 18 000,€. Man schaut in den Unterlagen nach, prüft, verbindet ihn hierhin und dorthin und erklärt ihm schließlich, alles habe seine Richtigkeit. Seine Einnahmen betragen laut vorliegenden Unterlagen 1 800 012 000,- €. Ich wiederhole mich, eine Milliarde achthundert Millionen und zwölftausend. Bei einem Steuersatz von fünfundfünfzig Prozent, dem Spitzensteuersatz, der in seinem Fall zur Anwendung käme, ergäbe sich die Summe von Achthundert und zehn Millionen… und fünftausendvierhundert, darauf müssten sie bestehen – auch wenn er von der Summe am Ende nicht reden möchte. Falls er davon überzeugt sei, es habe nicht seine Richtigkeit, stünde es ihm frei, Einspruch zu erheben.“ Arco sog an seiner Zigarette, inhalierte, stieß den Rauch geräuschvoll aus. „Nun wird die Sache dem Mann zu heiß und er wendet sich an mich.“ Arco legt erneut eine Kunstpause ein; der Wirkung willen, denn Arco weiß, dass Hertlein Wirkungen zu schätzen weiß. „Und jetzt bin ich bei Ihnen, denn, wie Sie wissen, bin ich kein Rechtsanwalt… aber wir benötigen für diesen Fall dringend einen Rechtsanwalt, einen verlässlichen… und das sind nun mal Sie… ich meine, der Verlässliche.“ Hertlein hatte aufmerksam zugehört. Seine Miene war längst aus der Belustigung hinüber geglitten hin zur Stufe höchster Wachsamkeit. Seine Augen wanderten umher und er versuchte seine Erregung in Zaum zu halten. „Das ist ja ein Ding!“, er kratzte sich am Kopf und stupfte seine Zigarette im Aschenbecher aus. „Ich glaube, ich ahne, worauf das hinausläuft… ist verrückt.“ „Wirklich?“ „Erst hatte er als Einnahmen 12 000 Euro angegeben…, sich dann...



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