Fischer | Katastrophenbegegnungen - revisited! | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 248 Seiten

Fischer Katastrophenbegegnungen - revisited!

Anekdoten und Episoden von der Helferfront
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-3355-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Anekdoten und Episoden von der Helferfront

E-Book, Deutsch, 248 Seiten

ISBN: 978-3-7693-3355-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Begegnungen mit Katastrophen und "katastrophale" Begegnungen: Ein entspannter Fussballabend im Nordkaukasus endet im Angriff tschetschenischer Rebellen, in Sri Lanka gehen Affen zum Angriff über und im Kosovo erscheint ein Handwerker ohne Werkzeug. Diese und viele andere lustige und skurrile, aber auch abenteuerliche und dramatische Erlebnisse erzählt Gerhard Fischer authentisch und mit viel Witz. Es handelt sich um eine komplett überarbeitete Fassung des Buches von 2019, in die der Verfasser weitere Episödchen einfügte und manch andere wegließ.

Gerhard Fischer wurde 1966 geboren und ist in Unterfranken aufgewachsen. Nach dem Studium der Poltikwissenschaft und Geschichte in Heidelberg und anschließendem Zusatzstudium 'Humanitäre Hilfe' in Bochum startete er eine erfolgreiche Karriere als Projektmanager. Mehr als zwanzig Jahre war er für verschiedene Hilfsorganisationen in fünfzehn Ländern tätig. Im Jahr 2022 veröffentlichte er das Buch in englischer Sprache 2022 unter dem Titel: Disastrous encounters erschien. Zuletzt hat er im ebenfalls 2024 erschienenen Buch 'Katastrophenabschied' einen Rückblick seiner Auslandstätigkeit veröffentlicht, worin der Fokus ausschließlich rundum diese kreist, inklusive eines persönlichen Fazits. Heute lebt er mit seiner Frau am Rande des Nordschwarzwaldes.

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1 Fremde Kulturen – Andere Länder, andere Sitten
Zu den vielen Freiwilligeneinsätzen in Kroatien und BiH zwischen 1994 und 1997 bin ich ausnahmslos immer mit der damaligen Eurobuslinie, meistens von Mannheim bis Split gefahren. Beim Blick aus dem Fenster während der Reise nahm ich vor allem nach jeder Grenzüberquerung gewisse Veränderungen wahr. In Österreich waren es andersfarbige Verkehrsschilder, in Slowenien anderssprachige, und je südlicher es ging, desto ärmlicher war mein Eindruck beim Anblick der Gebäude. Direkt nach der slowenisch-kroatischen Grenze empfand ich den Unterschied noch gravierender, und in BiH fehlten meistens Schilder oder sie waren von Kugeln durchlöchert, ganz zu schweigen von den vielen Kriegsruinen. Abgesehen davon, war deren städtebauliche Anordnung völlig anders als bei uns. Dass es sich um mir fremde Kulturkreise handelte, merkte ich spätestens anhand der vielen Moscheen oder, wie später in Sri Lanka, den zahlreichen buddhistischen Tempeln. Bei den Menschen auf den Straßen konnte ich das äußerlich am ehesten an der Kleidung erkennen; anderswo an der Hautfarbe. Die mir überall fremde Sprache ließ nicht sofort auf eine andere Kultur schließen, genauso wie Gesten oder Mimik. Erkennbar wurde es erst, davon bin ich auch heute noch überzeugt, wenn man mit den Menschen zusammenarbeitet. Dann erst wird der Ausländer nach und nach feststellen, wie die Menschen ticken, wie sie miteinander umgehen und mit welchen Traditionen sie behaftet sind. Wenn daher ein Tourist nach seinem Urlaub vollmundig meint, er hätte viele Einblicke in eine fremde Kultur bekommen, dann hege ich starke Zweifel, weil es sich in den allermeisten Fällen wohl nur um folkloristisches Theater handelte, das dem ahnungslosen Gast vorgegaukelt wurde. Selbst wenn man Kontakt zu Ottonormal-Einheimischen hatte, meinen viele, vorher vorhandene Stereotypen bestätigt vorgefunden zu haben und die nachher oft genug mittels Stammtischplattitüden verbreitet werden: „Die schaffen doch nix!“; „Alles Gauner!“; „Bei denen ist es dreckig und vor allem so laut!“; „Und wie teuer es dort erst ist!“; „Die fahren alle Super-Autos“; „So schlecht kann es denen doch gar nicht gehen!“; aber auch: „Bei denen wird Tradition noch gepflegt“; „Was für schöne Trachtenkostüme die anhaben!“ Andersherum eilten die oft uns Deutschen zugesprochenen Eigenschaften, wie Pünktlichkeit, Direktheit und Fleiß ihrem Ruf weit voraus. Einmal machte mein Arbeitskollege in Montenegro seinem Vater schwere Vorwürfe, dass er in den 1970er Jahren nach nur wenigen Jahren als Gastarbeiter bei uns, plötzlich wieder in die Heimat zurückgekehrt sei. Jetzt könnte die ganze Familie ein „so“ gutes Leben in Deutschland führen. Darauf antwortete der Vater, sein Sohn wisse ja gar nicht, wie es dort zugehen würde: immer nur arbeiten und selbst für ein Tässchen Kaffee sei keine Zeit gewesen. Da sei er lieber wieder ins Land seiner Väter zurückgekehrt, um es etwas ruhiger zu haben. Als ihm sein Sohn dann mitteilte, dass sein neuer Chef ein Deutscher sein werde, gemeint war ich, hätte der Vater „Oh Gott“ aufgeschrien! Gelegentlich hörte ich im Kosovo von meinen Mitarbeitern, ich würde mich typisch Deutsch verhalten. Worauf jene Aussagen basierten, war mir nie ganz klar geworden. Nur einmal, als ich eine Kollegin fragte, ob sie eine bestimmte Aufgabe erledigen könne, ich also ein klares Ja oder Nein erwartete, antwortete sie lediglich, das sei jetzt aber eine typisch deutsche Frage; weil sie so direkt war. Denn, ähnlich wie man es aus asiatischen Ländern kennt, lavieren die Kosovaren gewöhnlich herum. Vor allem dann, wenn man keine Antwort auf eine Frage hat, sagt man eben irgendetwas, um das Gesicht nicht zu verlieren. Wenn dann noch die typische Kopfbewegung hinzukommt, nämlich im Gegensatz zu uns: bei Zustimmung ein angedeutetes Kopfschütteln, während Nicken eher einer Verneinung entspricht, ist die Verwirrung ganz perfekt. Fast noch witziger waren allerdings die Äußerlichkeiten, mit denen vorübergehend heimgekehrte Gastarbeiter das angeblich ‚typische‘ Deutschsein zur Schau stellten, vor allem, da sie, meines Wissens, gar nicht existieren. Die schlenderten in karierten Dreiviertelhosen mit einem Energy-Drink in der Hand durch die Straßen und belehrten ihre Landsleute, in Deutschland würde das jeder deutsche Mann tun! Abends fuhren dann jene Heimkehrer in flotten Schlitten die Straßen rauf und runter, meistens mit aufgedrehter Musik, um den Daheimgebliebenen zu signalisieren, man hätte es im Ausland zu etwas gebracht. Laut einem meiner Kollegen, der früher selbst in Deutschland gearbeitet hatte, waren die meisten ausgeliehen und er fügte hinzu: Ein Audi riecht nach Kredit, ein Mercedes nach Mafia! Ein weiterer, vermutlich der eigentliche Grund für das Auf- und Abgefahre dürfte gewesen sein, dass die Männer, ähnlich wie im Tierreich das Balzgehabe, mit den dicken Autos versuchten, besonders junge Frauen zu beeindrucken und als künftige Braut gewinnen zu können. Das kennt man ja auch bei uns, dürfte daher wohl nicht gerade als eine kulturelle Eigenheit gewertet werden. Eigen war allenfalls die orientalisch klingende Musik, aber auch die hört man bei uns ja zunehmend. Im Norden Montenegros, in unserer Projektregion, bot ein alljährlich über die Landesgrenzen hinaus berühmtes Fest auf einem Berg ein in diesem Sinne besonderes Schauspiel, wozu kurzfristig heimgekehrte Gastarbeiter aus aller Herren Ländern extra anreisten. Dort konnten mein Kollege und ich – er nannte das Spektakel den offiziellen Heiratsmarkt – die jungen Burschen zwar nicht in den karierten Hosen beobachten, allerdings herausgeputzt mit ständigem Blick auf vorbeigehende junge Damen gerichtet, die sich ebenfalls in festlicher Montur präsentierten, wohlwissend ihrer ihnen zugeschriebenen Rolle. Ein kurzes Nicken hier, ein angedeutetes Augenzwinkern dort. Man hätte auf den ersten Blick meinen können, es handelte sich um Begrüßungsriten, in Wahrheit waren es ‚versteckte‘ und doch eindeutige Signale. Wir amüsierten uns köstlich über die ganze Szenerie. Alles andere als amüsant empfand ich gelegentliche Begrüßungen von jungen Männern in der dortigen Region, die mir „Heil Hitler!“ zuriefen. Womöglich wollten sie mir dadurch zu verstehen geben – mich vielleicht sogar damit beeindrucken – sie wüssten, woher ich käme. Welche Reaktion die Worte bei mir auslöste, verstanden sie nicht, erst recht hatten sie sicherlich keine fundierten, historischen Kenntnisse. Die bewies dagegen ein junger Politikwissenschaftler und Jurist in Pakistan, dem ich neugierig zuhörte. Sein spezielles Steckenpferd sei Militärgeschichte (!), und ganz besonders die deutsche. Wie wir in Deutschland etwa mit Kriegshelden à la Rommel, dem Wüstenfuchs des Zweiten Weltkrieges, umgingen? Ob ihm oder anderen zu Ehren Denkmäler errichtet wurden und werden und ob sie auch heutzutage noch eine wie auch immer geartete Rolle spielen würden? Er selbst sei nie in Europa oder Deutschland gewesen, würde aber gerne einmal vor allem die Kriegsschauplätze besuchen, da sie ihn faszinieren würden. Zwar unterhielten wir uns recht anregend, allerdings gehörte das von ihm angeschlagene Thema nicht gerade zu meinen Spezialgebieten und allzu beeindruckt dürfte er deshalb auch nicht von meinen spärlichen Antworten gewesen sein. Eine Frage hätte er noch, die ihm auf den Nägeln brennen würde: warum hätte sich nach dem Sieg über Frankreich 1870/71 das Deutsche Reich lediglich Elsass und Lothringen und nicht gleich ganz Frankreich einverleibt! Da hatte er mich als Historiker und Kriegsdienstverweigerer eindeutig auf dem falschen Fuß erwischt. Ich entgegnete ihm nur lapidar, dass es sicherlich brennendere aktuelle Probleme gäbe, die ihn interessieren sollten. Er ließ aber nicht locker und erwähnte obendrein eine vermeintliche sporthistorische Begebenheit, die mir dort interessanterweise unabhängig voneinander von mehreren Personen bereits zugetragen worden war. Als ich eines Abends in den Speiseraum meines kleinen Hotels in Islamabad ging, saßen ausnahmslos alle Angestellten gebannt vor dem Fernseher und verfolgten das Prestige Duell zwischen Pakistan und Indien im Cricket. Sofort standen alle auf, um sich zurückzuziehen, woraufhin ich ihnen zu verstehen gab, dass mich ihre Anwesenheit keineswegs störe, da mich das Match ohnehin nur langweilen würde. Abgesehen davon, dass das Spiel mitunter fünf Tage lang dauern könne, hätte ich keine Ahnung von den Regeln und überhaupt sei es doch eine eher eine Randsportart, die in Deutschland mehr oder weniger unbekannt sei. Völlig verdutzt reagierten die Anwesenden, besonders angesichts meines Hinweises, dass die Sportart bei uns weitgehend unbeachtet sei. Wie das denn sein könne, kam es fast unisono, da in Pakistan folgende Geschichte kursiere: in der Vergangenheit, und zwar zu Zeiten Hitlers, hätte die deutsche gegen die pakistanische Cricket-National-mannschaft verloren und hinterher seien alle deutschen Spieler wegen der erlittenen Schmach standrechtlich erschossen...



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