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E-Book

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Fischer Female Working

Wie wir weibliche Qualitäten als Ressourcen nützen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-218-01463-2
Verlag: Kremayr & Scheriau
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie wir weibliche Qualitäten als Ressourcen nützen

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-218-01463-2
Verlag: Kremayr & Scheriau
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie kann unsere Arbeitskultur aussehen, wenn wir nicht mehr in den männlichen Prinzipien des Höher-Besser-Weiter denken? Wenn wir stattdessen feminine Qualitäten suchen - auch und gerade im Business? Immer noch werden Fähigkeiten, die als 'weiblich' gelten, abgewertet oder unsichtbar gemacht. Die Fokussierung auf das Männliche treibt unseren Planeten ans Limit und uns selbst in die Erschöpfung. Wie sind wir als Gesellschaft dahingekommen? Wie kann man die Faktoren neu sortieren? Veronika Fischers Analyse reicht von der Steinzeit über die Hexenverfolgung bis ins postindustrielle Zeitalter, begleitet von feministischer Literatur. Weibliche Qualitäten wie Intuition, zyklisches Arbeiten, Solidarität, die Kraft des Schöpfens und eine gute Balance werden erlebbar. Verschiedene Künstler:innen kommen in Interviews zu Wort, ihre kreativen Tools ermutigen und inspirieren Sie zu Ihrem eigenen Weg. Wenn wir unsere kreative Kraft mehr in unseren Alltag und in unsere Arbeit integrieren, erwartet uns weniger Stress und mehr Lebensfreude!

Veronika Fischer wurde 1987 im Allgäu geboren. Sie studierte Deutsche Literatur und Philosophie in Konstanz und Berlin, arbeitet als freie Autorin, Journalistin, Texterin sowie Philosophin und ist Mutter von drei Kindern. Ihre Theaterstücke touren auf verschiedenen Bühnen. Auch in Genres wie Lyrik und Prosa, journalistischen Publikationen und künstlerischen Projekten setzt sie sich jeweils mit den Themen unserer Zeit und deren gesellschaftlicher Relevanz auseinander. Sie führt einen Liebesbriefservice und ein Leben ohne Smartphone.
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ABOUT ME


Aber erstmal zu meiner Geschichte. Ich arbeite freiberuflich als Journalistin und Autorin – schreibe Reportagen, Berichte, Theaterstücke, Kinderbücher, Lyrik, Prosa und mache Kunstprojekte. Schon in meiner Schulzeit und meinem Studium (Philosophie und Deutsche Literatur) habe ich immer nebenher gearbeitet. So war ich bereits in vielen unterschiedlichen Bereichen unterwegs und konnte durch Nebenjobs, Praktika und ein paar Orientierungsrunden einiges an Erfahrung gewinnen.

Seit einigen Jahren arbeite ich selbstständig. Auch in diesem Rahmen verändert sich meine Arbeit immer mal wieder und der Fokus richtet sich neu aus. Schön für mich, schlecht für die Bürokratie. Wenn sich die Lebensumstände neu sortieren, muss man meistens irgendein Formular ausfüllen. So auch ich vor ein paar Jahren: Nach der Elternzeit mit meinem dritten Kind lag ein Schreiben meiner Krankenkasse im Briefkasten. Darin war ein Formular mit vielen Lücken. In eine sollte ich meine wöchentliche Arbeitszeit eintragen. Ich habe 24 × 7, also 168 Wochenstunden, hineingeschrieben. Immerhin war ich zu der Zeit gerade wieder Mutter eines kleinen Babys plus zwei anderen Kids und somit mehr oder weniger Tag und Nacht im Einsatz. Wenn es mal eine Pause gab, nutzte ich diese freiberuflich am Schreibtisch. Okay – geschlafen habe ich natürlich auch. Aber in ständiger Rufbereitschaft.

Das klingt jetzt vielleicht stressig, für mich war es damals aber eine perfekte Mischung. Meine Schreibtischarbeit gestaltete sich ganz gegensätzlich zu meinem Familienalltag. Dort war es leise, konzentriert und ordentlich – während hinter meinem Laptop das bunte Chaos steppte. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich zwischen diesen Spielplätzen wechseln konnte und habe das Familienleben als Pause und Erholung von meinem Job wahrgenommen und andersherum: die perfekte Kids-Work-Balance, wie ich es nenne. Ich hatte immer wieder kreativen Input und Denkarbeit, die über meine Themen im Alltag hinausging, andererseits kam ich auch nicht in Versuchung, am Schreibtisch zu versumpfen, da meine Zeitfenster ganz klar gesteckt waren. Nur Kinder und Haushalt zu managen wäre mir persönlich zu eintönig gewesen. Die Kids in eine Ganztagsbetreuung zu geben, entspricht auch nicht meiner Vorstellung. So hatte ich einen schönen Weg zwischen Erwerbs- und Care-Arbeit gefunden und war auf die eine oder andere Art permanent in einem Arbeitskontext unterwegs – dachte zumindest ich.

Der Sachbearbeiter meiner Krankenkasse war anderer Meinung. Er schickte mir das Formular mit dem Vermerk retour, es solle mit mehr Ernsthaftigkeit ausgefüllt werden. In Versicherungskreisen ist Sorgearbeit also offenbar keine Arbeit. Ich habe angerufen, um genauer nachzufragen, und mir wurde erklärt: „Arbeit ist das, womit man Geld verdient.“ Für mich als in einem Kreativberuf Tätige ist aber auch das schwer zu definieren. Über einen Text denke ich oftmals Stunden und sogar Tage nach, lange bevor ich am Schreibtisch sitze und die Worte in meinen Laptop tippe. Er begleitet mich beim Wäschefalten, Spazierengehen, in Gesprächen mit Freund•innen und manchmal lässt er mich nachts um vier nicht schlafen – all diese Zeit ist notwendig für die Arbeit an einem Text. Wie soll ich das in einer wirklich zutreffenden Form an bezahlten Arbeitsstunden in ein Formular bringen? Ich habe dann um des lieben Friedens willen und um mir weitere Diskussionen zu ersparen eine Zahl erfunden, die mir akzeptabel erschien, und den Antrag erneut eingereicht. Für die Krankenkasse war es damit erledigt, für mich aber blieb die Frage:

Was ist denn Arbeit eigentlich, und wie will ich sie für mich gestalten?

Ich habe mich über Jahre hinweg viel mit Literatur zu dieser Thematik beschäftigt. Schon in meinem Philosophiestudium gab es dazu Input, schließlich denken die Menschen seit jeher darüber nach, was ein gutes Leben ausmacht, und es gibt zahlreiche unterschiedliche Positionen. Von den Stoikern, die Gelassenheit als den richtigen Weg ansehen, über die Hedonisten, bei denen der Genuss im Vordergrund steht, habe ich Texte von Immanuel Kant, Theodor W. Adorno, Hannah Arendt, Karl Marx, John Stuart Mill und vielen anderen gelesen. Ich habe inspirierende Seminare zur Kapitalismuskritik bei der Professorin Rahel Jaeggi besucht und andere, die der Frage nach Glück und einem gelungenen Leben nachgegangen sind.

Nach dem Studium bin ich in meiner journalistischen Arbeit bei vielen unterschiedlichen Menschen ein- und ausgegangen und habe Einblicke in ihr Leben erhalten. Auch hier stand für mich immer die Frage nach der Lebensgestaltung im Vordergrund. Wie baut jemand ein Unternehmen auf? Welche Strukturen liegen dahinter? Welche finanziellen und personellen Ressourcen braucht das Glück?

Wie kreativ kann ein Alltag sein?

Durch meine Arbeit habe ich ein großes Netzwerk aus kreativen und kunstschaffenden Menschen. Die meisten davon sind Frauen, viele von ihnen Mütter. In diesen Gespräche und auch in den vielen Frauenkreisen, an denen ich seit Jahren immer wieder teilnehme, taucht stets ein Thema auf: Erschöpfung. Es ist einfach verdammt viel unter einen Hut zu bringen, wenn man arbeitet – egal in welchem Sinne man „Arbeit“ versteht. Für uns alle hat der Tag nur 24 Stunden. Und auch gesamtgesellschaftlich ist diese große Überlastung spürbar. So schließen sich für mich also noch weitere Fragen an:

Wie kann man Familie und Job gut kombinieren?
Welche Vorbilder gibt es, und an wem kann man sich orientieren?
Wo findet man Hilfe, wenn es mal nicht mehr läuft?

All das sind Fragen, denen ich in den letzten Jahren nachgegangen bin. Ich habe dazu viel feministische Literatur gelesen – in den vergangenen Jahren ist ja eine Vielzahl an Büchern zum Thema Care-Arbeit und Mutterschaft erschienen, und auch in den Sozialen Medien kam man kaum um entsprechende Diskussionen herum. Diese Texte und Statements haben mich sehr oft wütend gemacht, da sie detailliert und schonungslos die Ungerechtigkeiten aufgelistet haben, die immer noch gesamtgesellschaftlich existierten und von denen auch ich nicht verschont geblieben bin. Mein Partner nahm sich nach der Geburt unserer Kinder zwei Wochen „Vaterschaftsurlaub“ – ein Wort, bei dem mir schon der Kragen platzen könnte, schließlich suggeriert „Urlaub“ einen komplett anderen Zustand als die Realität, die man erlebt, wenn man eine Frau im Wochenbett, ein Neugeborenes und vielleicht auch noch Geschwisterkinder versorgt. Von Cocktails am Pool ist man da jedenfalls weit entfernt. Das Wort „Urlaub“ stammt vielleicht noch aus der Zeit, in der frischgebackene Väter am Tag der Geburt mit ihren Kumpels in die nächste Kneipe zogen, um den Nachwuchs ordentlich zu begießen. In der Schweiz hat man bis heute nur zwei Tage „Vaterschaftsurlaub“ – was also genau ausreicht, um einen Heben zu gehen und dann in Ruhe auszukatern, oder?

Nachdem die meisten Männer also nach einer kurzen Auszeit wieder zurück in ihre Jobs gehen und ihre Karrieren nahtlos fortsetzen, sind die meisten Mütter in Elternzeit mit den Kids zu Hause und arbeiten danach in Teilzeit. So ging es auch mir.

Ich konnte also all diese Wut und die Frustration der feministischen Literatur in mir spüren und anhand meines Alltags nachvollziehen.

Und gleichzeitig bin ich unfassbar gerne Mutter. Ich finde es eine der großartigsten Aufgaben, kleine Menschen beim Aufwachsen zu beobachten und sie zu begleiten. Ich mag die Herausforderungen, die damit verbunden sind und ich möchte die Momente nicht missen, die ich mit meinen Kindern verbracht habe – auch, wenn es manchmal anstrengend war und an meine Grenzen ging oder darüber hinaus. Der Spiegel, den man durch die eigenen Kinder hat, ist für mich das größte Lernfeld. Und wenn ich mit meinen Kindern durch die Wiesen und Wälder streife, wir mit Knete und Farbe die Welt bunter machen, Bücher aus meiner eigenen Kindheit lesen und neue Geschichten erfinden, Wolkentiere zählen, Lieder pfeifen und Käfer beobachten, abends Pfannkuchen backen und uns zu einer Tasse Kakao in Wolldecken kuscheln, dann ist es einfach die beste aller Welten, die ich mir vorstellen kann.

Wie passen so viel Liebe, zahlreiche Glücksmomente und die pure Hoffnung auf eine gute Zukunft nun aber zusammen mit feministischen Themen wie Ungerechtigkeit, Unterdrückung und drohende Altersarmut? Es ist eine der großen Unbegreiflichkeiten des Universums, dass Dinge alles sein können – auch, wenn sie widersprüchlich erscheinen. Und so ist es eben auch mit der Elternschaft: Sie kann das größte Glück und zeitgleich eine extreme Belastung sein. Falsch finde ich aber, den Blick nur auf eine Seite der Medaille zu richten – und das passiert in feministischen Texten oft.

Klar ist: Frauen wurden in den letzten Jahrhunderten unterdrückt und ausgebeutet und daran gehindert, ihre Stärken in einem größeren Rahmen zeigen zu können. Diese Mechanismen wirken heute noch. Das ist ein historischer Fakt. Gleichzeitig gab und gibt es immer Frauen, die Unglaubliches leisten. Alleinerziehende Mütter, die es schaffen, ihre...


Veronika Fischer wurde 1987 im Allgäu geboren. Sie studierte Deutsche Literatur und Philosophie in Konstanz und Berlin, arbeitet als freie Autorin, Journalistin, Texterin sowie Philosophin und ist Mutter von drei Kindern. Ihre Theaterstücke touren auf verschiedenen Bühnen. Auch in Genres wie Lyrik und Prosa, journalistischen Publikationen und künstlerischen Projekten setzt sie sich jeweils mit den Themen unserer Zeit und deren gesellschaftlicher Relevanz auseinander. Sie führt einen Liebesbriefservice und ein Leben ohne Smartphone.



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